Der Boandlkramer und die ewige Liebe (2021) Kritik

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Bully Herbigs Boandlkramer kehrt zurück

Gut ein Jahrzehnt nach Die Geschichte vom Brandner Kaspar (2008) schlüpft Michael „Bully“ Herbig erneut in die Rolle des Boandlkramers, der bayrischen Version des Todes. Schon im Vorgänger war er für mich der Showstealer, und damals fragte ich mich, ob eine solche Figur einen ganzen Film allein tragen kann. Jetzt verliebt sich der Tod ausgerechnet in die Mutter des Jungen, den er eigentlich abholen soll.

Der Boandlkramer und die ewige Liebe ist eine bayrische Fantasy-Komödie, die dank Bully Herbig als verliebtem Tod und Hape Kerkeling als Teufel richtig gut unterhält, aber nicht zur Spitze deutscher Komödien zählt.

Der Boandlkramer und die ewige Liebe: Trailer

Worum geht’s in Der Boandlkramer und die ewige Liebe?

In Der Boandlkramer und die ewige Liebe verliebt sich der bayrische Tod im Jahr 1955 in die Mutter eines todgeweihten Jungen und lässt sich auf einen Deal mit dem Teufel ein, der Himmel und Erde ins Chaos stürzt.

Der Boandlkramer (Michael Herbig) hat eigentlich schon einen besch****eiden Job, aber diesmal kommt es richtig dick: Er soll den kleinen, schwerkranken Maxl (Josef Staber) abholen. Als er die Stube betritt und sieht, wie Mutter Gefi (Hannah Herzsprung) verzweifelt am Bett betet, schmilzt dem Tod das kalte Herz – er verliebt sich glatt in die hübsche Mama. Den Buben mitzunehmen bringt er nicht mehr übers Herz. Stattdessen schummelt er dem Himmel kurzerhand den frisch verblichenen Frauenhelden Max Gumberger (Sebastian Bezzel) als Ersatz unter und lässt sich auf einen verdammt faulen Deal mit dem Teufel ein. Der schenkt ihm zwar das ewige Leben als Sterblicher auf Erden, brummt ihm aber ein absolutes Arbeitsverbot als Seelensammler auf.

Der Boandlkramer, Michael Bully Herbig, Hannah Herzsprung
Hat der Boandlkramer doch ein Herz?

Während der Boandlkramer mit Gumbergers verstaubten Flirttipps bei Gefi zu landen versucht und sich dabei gegen den Bürgermeistersohn Toni (Florian Brückner) behaupten muss, brennt im Himmel ordentlich die Hütte. Weil der Tod seinen Job an den Nagel gehängt hat, kommen keine Seelen mehr oben an, und der göttliche Plan droht vollends vor die Hunde zu gehen. Da der liebe Gott auch noch im Urlaub weilt, versuchen die Erzengel um Gabriel (Eisi Gulp) panisch, das bürokratische Himmelschaos zu vertuschen. Am Ende muss ausgerechnet der verliebte Boandlkramer selbst den Karren wieder aus dem Dreck ziehen.

Bully Herbig als verliebter Tod: Trägt die Figur einen ganzen Film?

Schon im Vorgänger hat mir die Figur des Brandner Kaspars wegen ihrer Schlitzohrigkeit gefallen. Michael Herbigs Nebenrolle als Boandlkramer war allerdings der Showstealer und das Highlight des gesamten Films. Schon damals dachte ich, dass diese Figur auch einen eigenen Film verdient hätte. Offen blieb die Frage, ob so ein Charakter einen ganzen Film allein tragen kann.

Der Boandlkramer, Bully, Eisi Gulp, Götz Otto
Der Boandlkramer und die Erzengel

Mit der Fortsetzung haben Bully Herbig und Regisseur Joseph Vilsmaier tatsächlich eine passende Geschichte gefunden. Nach dem Drehbuch von Ulrich Limmer und Marcus H. Rosenmüller („Beckenrand Sheriff“) lassen sie den Tod auf Freiersfüßen wandeln. Er beginnt, die Mutter des todgeweihten Maxl zu umgarnen, doch weil ihn nur künftige „Kunden“ sehen können, braucht er überirdische Hilfe.

Der Tod auf Freiersfüßen funktioniert: Mir gefällt die Fortsetzung persönlich etwas besser als der philosophischere Vorgänger.

Diese Hilfe erscheint sogleich in Gestalt des Teufels, hervorragend teuflisch dargestellt von Hape Kerkeling (Horst Schlämmer sucht das Glück: Kritik). Der hat mit der vermeintlichen Hilfsaktion allerdings ganz andere Dinge im Sinn: Wandelt der Tod nur noch auf Erden, bekommt der Himmel keine Seelen mehr, und das könnte den göttlichen Plan gefährden. Die fehlende Zurechnungsfähigkeit des Boandlkramers nutzt er schamlos aus. Das wollen der Heilige Nantwein (Jürgen Tonkel), der Erzengel Gabriel (Eisi Gulp) und der Himmelspförtner (Rick Kavanian) natürlich nicht zulassen.

Der Boandlkramer - Hape Kerkeling
Hape Kerkeling gibt einen besonders guten Teufel ab!

Trotz der vielen turbulenten Ereignisse und des Hin und Hers zwischen Erde und Himmel schaffen es Vilsmaier und Herbig, einen ausgewogenen und witzigen Film zu kreieren, der die Geschichte rund um den Boandlkramer nachvollziehbar weitererzählt. Der Tod ist den Irrungen und Wirrungen der Liebe ausgesetzt und beißt sich bei seiner Angebeteten immer wieder die Zähne aus. Besonders gelungen finde ich, wie er die holde Maid umgarnt und im Himmel Petrus eine Notlüge nach der anderen serviert. Dazu kommen die Szenen, in denen Bully den Anweisungen von Max Gumberger folgt, den Sebastian Bezzel herrlich trocken spielt. Die Ausgangslage im Vorgänger fällt wesentlich philosophischer aus, aber wie schon Die Geschichte vom Brandner Kaspar kämpft auch die Fortsetzung mit ein paar Längen.

Das Ensemble: Bayrische Prominenz vom Himmelspförtner bis zum Bond-Bösewicht

In dieser turbulenten Komödie sind wieder einige deutsche Komödiendarsteller vereint: allen voran Michael „Bully“ Herbig als Boandlkramer, Hape Kerkeling als Teufel und Hannah Herzsprung („Sweethearts“) als Gefi. Rick Kavanian (Beckenrand Sheriff: Kritik) spielt den Himmelspförtner, Sebastian Bezzel (Kaiserschmarrndrama: Kritik) den Max Gumberger, Josef Staber den kleinen Maxl und Florian Brückner den Bürgermeistersohn Toni.

Dazu kommen Sigi Zimmerschied (Weissbier im Blut: Kritik) als Bürgermeister Brehm, Eisi Gulp als Erzengel Gabriel, Jürgen Tonkel als Heiliger Nantwein sowie die „Hubert und Staller“-Darsteller Johannes Herrschmann und Helmfried von Lüttichau. Auch Ex-„James-Bond“-Bösewicht Götz Otto (Die Säulen der Erde: Kritik) ist als Erzengel mit dabei.

Letzter Film von Joseph Vilsmaier: Die Geschichte hinter der Fortsetzung

Der Boandlkramer und die ewige Liebe ist der letzte Film von Regisseur Joseph Vilsmaier. Er beendete die Dreharbeiten im Dezember 2019 und stellte den Film noch bis zu seinem Tod am 11. Februar 2020 fertig.

Die Idee zur Fortsetzung kam Michael Herbig nach eigener Aussage unter der Dusche, am Drehbuch schrieb er neben Ulrich Limmer und Marcus H. Rosenmüller selbst mit. Vilsmaier brachte Hape Kerkeling als Wunsch-Teufel ins Spiel, für Herbig und Kerkeling war es der erste gemeinsame Film. Der Vorgänger von 2008 hatte in den Kinos fast eine Million Tickets verkauft.

Wissenswertes und häufige Fragen (FAQs)

Der Boandlkramer und die ewige Liebe (Film 2021) Fazit:

Der Boandlkramer und die ewige Liebe - Blu-ray Cover
Der Boandlkramer und die ewige Liebe: Blu-ray
6,5/10

Michael Herbig überzeugt erneut als Boandlkramer, der sich dieses Mal nicht mit einem verschlagenen Bauern anlegt, sondern mit der Liebe auseinandersetzen muss. Dazu kommen urbayrische Charaktere, ein irrsinniger Plot und ein teuflisch guter Hape Kerkeling, die den Film richtig unterhaltsam machen.

Mit viel Wortwitz und schrägen Charakteren hat mich der Film richtig gut unterhalten, auch wenn er mit ein paar Längen kämpft und nicht zur Spitze deutscher Komödien zählt. Dafür bietet er viele Darsteller, die ich gern sehe.

Wer deutsch-bayrischen Humor mag, Fan von Herbig ist und mit dem Dialekt klarkommt, sollte hier unbedingt einen Blick riskieren – die Lachmuskeln werden es einem danken. Aber auch alle anderen dürften auf ihre Kosten kommen.

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Marc Maurer
Marc Maurer

Als zertifizierter Online-Redakteur mit IT- und Mediengestalter-Hintergrund schreibe ich seit 2020 auf GlotzCleverTV Kritiken zu Filmen & Serien sowie Reviews zu Heimkino und Technik – unabhängig, kritisch und direkt aus dem Schwarzwald.