Das Ding mit Federn – Filmkritik

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Benedict Cumberbatch im Schatten der Krähe

Was passiert, wenn ein geliebter Mensch aus heiterem Himmel stirbt und die Familie mit ihrer Trauer zurückbleibt? In dem Spielfilmdebüt von Regisseur Dylan Southern „Das Ding mit Federn“ nach einem Roman von Max Porter muss sich ein Vater nicht nur mit dem schmerzlichen Tod seiner Frau auseinandersetzen, sondern auch seinen beiden Söhnen gerecht werden. Als zudem eine mysteriöse, übergroßen Krähe auftaucht, nimmt die ohnehin schon schmerzhafte Realität surreale Züge an 

Southerns Film ist ein anspruchsvolles, stellenweise verstörendes Trauerdrama, das den Verlust eines geliebten Menschen durch surreale Bilder in Szene setzt. Benedict Cumberbatch überzeugt mit seiner Darstellung eines Vaters, der zwischen Verzweiflung, seelischen Qualen und seiner Verantwortung in jeder Minute um Halt ringt. Die ungewöhnliche Inszenierung ist allerdings schwere Kost und dürfte nicht jedem Zuschauer liegen.

Worum geht’s in „Das Ding mit Federn“?

Eigentlich könnte das Leben der kleinen Familie in England so schön sein, wäre die geliebte Ehefrau und Mutter nicht plötzlich und ohne jede Erklärung aus dem Leben gerissen worden. Dieser schmerzlichen Erfahrung muss sich nun ein Vater (Benedict Cumberbatch) gemeinsam mit seinen beiden kleinen Söhnen stellen. Hatte er doch Tage zuvor seine Frau tot auf dem Küchenboden vorgefunden.

Benedict Cumberbatch kniet mit zwei Kindern am Sandstrand und sucht nach Muscheln
Dad (Benedict Cumberbatch) sucht mit seinen Kindern Muscheln am Strand

Doch wie reagiert man in dieser Situation richtig? Sollen die Kinder neben ihrem eigenen Schmerz auch den ihres Vaters erleben müssen? Wie soll es ohne die geliebte Mutter und Ehefrau weitergehen? Tage nach ihrem Tod erscheint zudem eine übergroße Krähe (David Thewlis), welche die drei weit über ihre emotionalen Grenzen hinaus mit den zerstörerischen Folgen ihrer Trauer konfrontiert!

Die Inszenierung von Verlust und Trauerbewältigung

Für sein Spielfilmdebüt setzte Dylan Southern auf Max Porters Roman „Trauer ist das Ding mit Federn“. Tage nach dem Tod der Mutter wird der Vater von einer unnatürlich großen Krähe heimgesucht, die ihn und seine Verzweiflung auf übelste Art vorführt. Erst im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass diese scheinbar bösartige Präsenz den personifizierten seelischen Schmerz verkörpert.

Benedict Cumberbatch sitzt aufgeschreckt vor einem Zeichenbrett voller düsterer Monster-Skizzen
Dad (Benedict Cumberbatch) hört merkwürdige Geräusche im Haus

Im Film konfrontiert die Krähe den von seiner Trauer überwältigten Vater damit, wie sehr er sich selbst und das Leben seiner Kinder zugrunde richtet. Sie scheint ihn dazu zwingen zu wollen, sich seinem Schmerz zu stellen, um einen Weg zurück ins Leben zu finden. Ihre zynischen und anklagenden Dialoge klingen dabei teilweise extrem verletzend. So befürchtet man als Zuschauer, dass sich der Protagonist das Leben nehmen könnte, um dieser Tirade und seinem eigenen Schmerz zu entkommen.

Benedict Cumberbatch blickt einer riesigen schwarzen Krähe direkt ins Gesicht
Dad (Benedict Cumberbatch) wird von einer hünenhaften Krähe heimgesucht

Als besondere Stilmittel setzt der Filmemacher neben dem heute eher ungewöhnlichen 4:3-Format auch auf eine extrem klaustrophobisch wirkende Umgebung, geprägt von der düsteren Beleuchtung der Innenräume und den unheilvollen Schatten an den Wänden. Die ganze Wohnung wirkt nachts wie ein abgrundtiefer Schlund, der jegliche positiven Gefühle verschluckt und nur Leere zurücklässt. Diese Düsternis zieht sich durch das gesamte Setting, egal ob am Strand, bei den Schwiegereltern oder im Wald, und sorgt durchgehend für eine bedrückende Stimmung. Dies gipfelt in einem gruseligen Finale, in dem die Krähe einen erbitterten Kampf gegen die personifizierte Hoffnungslosigkeit führt, um den Vater vor dem endgültigen Absturz zu bewahren.

Dylan Southern Regisseur des Films Das Ding mit Federn, vor weißem Hintergrund
Dylan Southern Regisseur des Films Das Ding mit Federn

Obwohl ich Southerns Filmdebüt gelungen finde, gibt es einen Haken: Wer mit derart schweren Verlusten bisher wenig Berührung hatte, dürfte sich besonders mit der Nachvollziehbarkeit der gezeigten Trauer schwertun. Wer hingegen weiß, wie es sich anfühlt, wenn einem unerwartet der Boden unter den Füßen weggerissen wird, wird bei diesem Film schwer zu schlucken haben. Hier schwingt Southern die Dramatikkeule vielleicht doch etwas zu sehr, wodurch es dem Film an Ausgewogenheit fehlt. Das Ende ist zwar vorhersehbar, stimmt aber nach all der Tristesse wieder etwas versöhnlichere Töne an.

Eine Info für Kameraexperten: Kameramann Ben Fordesman setzte auf die ARRI ALEXA 35 sowie Canon-K35-Objektive und Spezialobjektive von Panavision. Fun-Fact: Die ALEXA 35 kam bereits bei Ballerina – From the World of John Wick (Kritik) und The Monkey (Kritik) von Oz Perkins zum Einsatz.

Die Darsteller in Southerns Filmdrama

In der Hauptrolle ist Benedict Cumberbatch als gepeinigter Vater zu sehen, der neben seinen Marvel-Auftritten als Doctor Strange auch mit ernsthaftem Schauspiel zu überzeugen weiß. Was er bereits mit Der Spion (Kritik) und besonders mit Die wundersame Welt des Louis Wain (Kritik) bewiesen hat. In Das Ding mit Federn beeindruckt er erneut mit seinem nuancierten Spiel, welches die unterschiedlichen Facetten von Schmerz, Verzweiflung und emotionaler Überforderung eindrucksvoll zeigt.

Ein Mann beugt sich mit verkrampfter Hand über ein Zeichenbrett und zeichnet konzentriert auf ein Papier
Dad (Benedict Cumberbatch) beginnt sich zu verändern

Seine Filmsöhne werden von den Zwillingsbrüdern Richard und Henry Boxall verkörpert, die hier ihr Filmdebüt geben. Beide beeindrucken für ihr Alter mit einem bemerkenswerten Mienenspiel. Man nimmt ihnen ab, dass sie still unter dem Tod ihrer Mutter und dem zunehmend aus dem Gleichgewicht geratenen Familienleben leiden.

David Thewlis (Sherlock & Daughter), vielen aus den Harry-Potter-Filmen als Professor Lupin bekannt, spricht das mysteriöse Krähenwesen. Sein stimmliches Spiel lässt die imaginäre Figur überaus real wirken. Eric Lampaert stieg in das Kostüm der Krähe und musste zudem Stelzen tragen, um ihre imposante Größe von über zwei Metern darzustellen.

Dunkle, große Krähen-Kreatur mit langer Schnauze sitzt im Schatten eines Schlafzimmers neben einem verregneten Fenster
Die Krähe sitzt neben Dads Bett und weiß was sie jetzt mit seinen Kindern zu tun hat.

In weiteren Rollen sind Vinette Robinson als Amanda, eine gute Freundin des Vaters, und Sam Spruell als dessen Bruder Paul zu sehen. Leo Bill übernimmt die Rolle des Dr. Bowden, während Tim Plester Andy verkörpert. Neben weiteren Darstellern ist auch der Autor Max Porter selbst in einem Cameo-Auftritt als Mann bei der Buchvorstellung des Vaters zu sehen.

Wissenswertes und häufige Fragen (FAQs)

Das Ding mit Federn (Film 2025) Fazit:

Das ding mit federn filmposter
Dad Ding mit Federn Filmposter
7,5/10

Dylan Southern gelingt mit seinem Spielfilmdebüt das Kunststück, Trauer nicht zu erklären, sondern erfahrbar zu machen. Die Krähe als personifizierter Schmerz, die beklemmende Düsternis der Wohnung und Benedict Cumberbatchs eindrucksvolle Darstellung tragen den Film und machen ihn zu einem eindringlichen, wenn auch schwer verdaulichen Erlebnis.

Dass Southern dabei die Dramatikkeule gelegentlich etwas zu kräftig schwingt und das Ende vorhersehbar bleibt, schmälert den positiven Gesamteindruck jedoch nur wenig. Wer sich auf die ungewöhnliche Mischung aus Trauerdrama und surrealen Elementen einlassen kann, wird mit einem Film belohnt, der nachwirkt.

Wer beispielsweise an Filmen wie Ari Asters Beau Is Afraid (Kritik) oder The Rule of Jenny Pen (Kritik) Gefallen findet, dürfte auch einen Zugang zu Dylan Southerns Das Ding mit Federn haben. Wer hingegen leichte Unterhaltung sucht, ist hier falsch.

Eine Sichtung des Fims wurde mir unentgeltlich und ohne Einfluss auf meine redaktionelle Bewertung zur Verfügung gestellt. Bild- & Trailer-Material © 2026 Plaion Pictures – alle Rechte vorbehalten.

Marc Maurer
Marc Maurer

Als zertifizierter Online-Redakteur mit IT- und Mediengestalter-Hintergrund schreibe ich seit 2020 auf GlotzCleverTV Kritiken zu Filmen & Serien sowie Reviews zu Heimkino und Technik – unabhängig, kritisch und direkt aus dem Schwarzwald.