Unfall oder Mord, was passiert hier im Kloster?
Auf dem Weg zu einem theologischen Disput erwartet den Franziskaner Mönch William von Baskerville (Sean Connery) und sein Novize Adson von Melk eine gar grausame Mordserie.. Bei ihren Ermittlungen finden sie eins mysteriöses Pergament, eine geheimen Bibliothek, verbotene Schriften wie auch verborgene sexuelle Wollust. Wird die Offenlegung aller Geheimnisse eine kirchliche Apokalypse auslösen oder wird William auf dem Scheiterhaufen landen? Kann die neue 4K-Fassung von Jean-Jacques Annaud Film basierend auf Umberto Ecos Roman überzeugen? Das erfahrt Ihr in den folgenden Zeilen unseres ausführlichen Reviews.
Der Name der Rose von 1986 im Film-Check
Worum geht’s
Norditalien, Jahr 1327, um an einem theologischen Disput teilzunehmen reist der Mönch William von Baskerville (Sean Connery) mit seinem Novizen Adson von Melk (Christian Slater) in die Benediktinerabtei in Appenin. Nichtsahnend, dass ihre Ankunft von Abt Abbo von Fossanova (Michael Lonsdale) schon sehnsüchtig erwartet wird. Eilt Baskerville sein Ruf, investigative Fähigkeiten zu besitzen, doch schon weit voraus. Obwohl ihn diese Fähigkeit schon in Schwierigkeiten mit der Kirche und der Inquisition brachte. Doch darauf kann das geistliche Oberhaupt keine Rücksicht nehmen, er muss wissen: ist der Teufel hier zu Gange oder ein Mörder.

Schon bei seiner Ankunft bemerkt William eine merkwürdige Stimmung und kurz darauf ereignet sich ein weiterer mysteriöser Todesfall. Alle haben eines gemeinsam, Selbstmord ist ausgeschlossen. Stürzte sich das erste Opfer aus einem Fenster, das nicht geöffnet werden konnte. Während man das zweite Kopfüber in einem riesigen mit Blut gefüllten Tongefäß vorfindet. Hat dies alles etwas mit einem Pergament zu tun, welches Hinweise auf verbotene Bücher preisgibt? Und falls ja, gibt es hier etwa eine geheime Bibliothek voller verbotener Bücher oder ist dies nur ein Mythos?

Nachdem ein drittes Opfer zu beklagen ist, ist sich William sicher, hier versucht jemand alle Mitwisser mundtot zu machen. Weiß der blinde Mönch Jorge de Burgos etwa mehr als er zugibt und was weiß der vermeintlich verrückte Salvatore (Ron Perlman)? Und wo sollen diese vermeintlichen Bücher versteckt sein? Obendrein taucht sein alter Widersacher, der oberste Inquisitor Bernardo Gui, der ihn schon einmal an den Pranger gestellt hat, auf. Somit wird es auch für William von Baskerville samt seiner Erkenntnisse immer gefährlicher,
Ein Klassiker im neuen 4K-remastered Gewand
Wer den Film wie ich bereits damals im Kino genießen durfte, hat seitdem vermutlich so gut wie jede damalige Heimkino-Auswertung mitgenommen. Natürlich in der Hoffnung den Klassiker in bestmöglicher Qualität zu sehen und wurde bis dato meist bitter enttäuscht. Alle vorigen Veröffentlichungen angefangen von der VHS, über die DVD bis hin zur Blu-ray aus dem Jahr 2010 konnten nicht überzeugen. Selbst die Blu-ray, die sich brüstet digital remastered zu sein, bot ein schlechtes Bild. Dieses litt unter einem extrem schlechten Schwarzwert, zu steilen Kontrasten, Überschärfungen, Doppelkonturen.

Macht die neue Veröffentlichung vom 08. August 2024 alles besser? Erfreulicherweise ja, obwohl die ersten Szenen, in denen die zwei Mönche auf die Abtei zu reiten, noch mit Unschärfen zu kämpfen haben. Aber bereits ab dem Einlass in diese Abtei wird man mit einem detailreichen, scharfen und ausgewogenen Bild belohnt. Details wie die Strukturen der Mönchskleidung, der Haut, Haare des Settings sind nun klar erkennbar. Kein Vergleich zur Blu-ray von 2010, bei der jegliche Details in einem unheimlich schlechten Schwarzwert abgesoffen sind.
Die Bildschärfe ist überwiegend auf einem sehr guten Niveau. Ein paar Unschärfen haben sich noch eingeschlichen, die aber auch an der damaligen Aufnahmetechnik liegen könnten. Die Farben und besonders die Kontraste wurden nun wesentlich natürlicher herausgearbeitet und wirken nicht mehr so übersättigt wie es noch bei der Altauflage der Fall war. Es gibt weder zu steile Kontraste, die bei den alten Medien besonders in Tageslichtaufnahmen aufgefallen sind, noch viel zu warme Farbgebungen im Kerzenschein. Ebenfalls gehören manche Doppelkonturen der Vergangenheit an.
Tonqualität der neuen 4K-Fassung
Bezüglich einer Tonbewertung, gehen wir wie bekannt überwiegend nur auf den Dialog Ton ein. Umgebungsgeräusche wie das lodernde Feuer, einstürzendes Gebälk, etc. und die Musik begleiten den Film sehr ausgewogen. Vor allen Dingen kommt es in diesem Dialog Lastigen Werk niemals zu Problemen mit der Verständlichkeit, die Dialoge werden immer klar und deutlich wahrgenommen.
Der Ton liegt in folgenden Formaten vor: Deutsch & Englisch in DTS-HD MA 5.1, Alternative Tonspur: Deutsch Dolby Digital 2.0. Weiterhin gibt es eine Hörfilmfassung in Deutsch Dolby Digital 2.0
Extras der Blu-ray?
Ausuferndes Bonusmaterial darf der geneigte Cineast auch dieses Mal nicht erwarten, dafür ist wenigstens eine Dokumentation mit dem Titel: Die Abtei des Verbrechens (ca. 43 Minuten) vorhanden.
Die Inszenierung des Mittelalter Kirchen-Krimis
Wie immer gibt es eine Diskrepanz zwischen den Buchliebhabern und den Cineasten. Besonders wenn es sich um einen Roman wie den von Umberto Eco handelt, der einst Weltruhm errang. Dennoch sind wir der Meinung dass Regisseur Jean-Jacques Annaud einen spannenden und nachdenklichen Film geschaffen hat, der trotz seiner Laufzeit von ca. 131 Minuten überzeugen kann. Allein die Settings sind schon hervorragend gewählt. Seien es die Landschaftsaufnahmen in den Abruzzen. Die Burg in Molina de Aragón für die Außenaufnahmen in Spanien oder das Kloster Eberbach im Rheingau, welches man für die Innenaufnahmen nutzte.

Der dreckige mittelalterliche Look unterstützt diese düstere Atmosphäre hervorragend. Als Zuschauer hat man eigentlich keine Zweifel, dass sich dies im 14. Jahrhundert in einer Abtei der Benediktiner im Apennin abgespielt haben könnte. Die Maske der Schauspieler, die Kostüme, das Setting wirkt, wie aus dem Mittelalter abgefilmt. Hier muss man den Set-Bauern, Maskenbildnern, Requisiteur:innen, der Kostümabteilung und der Locations Crew ein Lob aussprechen. So schufen die Beteiligten ein Setting das sich wahrlich für eine kirchlich motivierte Kriminalgeschichte eignete. Die hervorragende Kameraarbeit von Tonino Delli Colli, der aus allen Ecken und Winkeln filmte, unterstützt diese unheilvolle Atmosphäre obendrein.

So suchen William von Baskerville (Nein, nicht Sherlock Holmes – Der Hund von Baskerville) und sein Schüler Adson nach Hinweisen für Morde. Denn wer aus einem Fenster springt, das nicht zu öffnen ist, Kopfüber in einem großen Kessel voller Schweineblut aufgefunden wird oder in einem Waschzuber ertrinkt, wird wohl nicht an einem natürlichen Tod gestorben sein. Dieses Mysterium baut der Regisseur gekonnt auf und die Suche nach Hinweisen wird immer wieder durch einen oder mehrere Drahtzieher vereitelt.

Obwohl Annauds Film keine 1:1 Adaption des Romans darstellt, schaffte es der Regisseur ebenfalls, eine Welt zu erschaffen, in der die Kirche in Kritik gerät. So treffen William und Adson in einer Abtei in den Abruzzen nordöstlich von L’Aquila, auf Glaubenskriege, versteckte Liebschaften, verbotene Schriften und daraus resultierend kriminelles Handeln. Während die einen eine Apokalypse erwarten, sollte verschiedene Dinge ans Tageslicht geraten, bekämpfen die gesandten des Papstes diese nicht nur mit Folter, sondern auch mit dem Scheiterhaufen.
Details zur Produktion von „Der Name der Rose“:
Die Verfilmung ist eine deutsch-französisch-italienischen Koproduktion und entstand im Jahr 1986 unter der Regie von Jean-Jacques Annaud. Der deutsche Produzent Bernd Eichinger erkannte das Potenzial des Stoffes und setzte sich nicht nur für Umsetzung, sondern auch für eine hochkarätige Besetzung ein. Die Dreharbeiten fanden in Deutschland, Italien und Spanien statt und wurden für damalige Verhältnisse mit einem beachtlichen Budget von etwa 22 Millionen US-Dollar realisiert.
Die Schauspieler
Mit dabei der schottische Schauspieler Sean Connery (Time Bandits: Kritik) als William von Baskerville. In dieser Rolle konnte er erneut beweisen, dass er wesentlich größere schauspielerische Qualitäten aufweisen kann, als in seiner weltbekannten Rolle des James Bond. So spielt er einen in Ungnade gefallenen Franziskaner Mönch, der mit hilfe seines Spürsinns hinter das Geheimnis dieser Tötungen zu kommen versucht. Ein zerrissener Charakter der schon einmal gefoltert wurde und dennoch der Wahrheit wegen nicht aus seiner Haut kann.

Ihm zur Seite steht der damals 17-jährige Christian Slater als Novize Adson von Melk. Dieser Figur wird nicht nur die Rolle des Helferleins zuteil, womit er nicht nur um seinen Lehrer bangt, sondern sich auch nach einem weltlichen Ausrutscher seines Glaubens wieder klar werden muss. Wird er doch von einem heimatlosen Mädchen verführt. So spielt Slater ebenfalls einen hin und her gerissenen Charakter. Und das unserer Meinung nach, trotz des jungen Alters ohne Fehl und Tadel. Ihm begegnet die Holde Valentina Vargas in ihrer Rolle als eine Wilde, den Namen des Mädchens ließ man hier kurzerhand weg.

Ebenfalls mit dabei Hellboy Ron Perlman (The Gentleman: Kritik) als geistig behinderten Salvatore zu sehen, der einen herrlich exzessiven Charakter abliefert. Ex-Bond-Gegenspieler Michael Lonsdale übernahm die Rolle des Abtei Oberhaupts. Als Gegenspieler von Baskerville brilliert F. Murray Abraham, als der gefürchtete päpstlich gesandte Inquisitor Bernardo Gui sehen. In weiteren Rollen sind, Helmut Qualtinger, Volker Prechtel (Meister Eder und sein Pumuckl: Kritik), Elya Baskin (MacGyver Serie: Kritik), Feodor Chaliapin Jr., William Hickey, Michael Habeck, u.v.m. diese findet ihr in den F.A.Q.s.
Wer führte Regie und produzierte den Film „Der Name der Rose“?
Die Regie übernahm der französische Regissuer Jean-Jacques Annaud gewinnen. Bernd Eichinger leitete die deutsch-französisch-italienische Koproduktion.
Wer schrieb den Roman „Der Name der Rose“?
Umberto Eco ist der Autor der Romanvorlage „Der Name der Rose“ im Original „Il Nome Della Rosa„), welches 1980 veröffentlicht wurde und zu einem Bestseller avancierte.
Wo wurde der Film „Der Name der Rose“ gedreht?
Die meisten Innenaufnahmen der Benediktinerabtei wurden im Kloster Eberbach im Rheingau gedreht. Weitere Drehs fanden in den Abruzzen nordöstlich von L’Aquila statt. Die Innenaufnahmen der geheimen Bibliothek drehte man in den Cinecittà-Studios bei Rom. Weitere Drehs fanden im Castel del Monte in Apulien und in der Burg in Molina de Aragón in Spanien statt.
Wer spielte alles in „Der Name der Rose“ mit?
- Sean Connery: Franziskanermönch William von Baskerville
- Christian Slater: Adlatus und Novize Adson von Melk
- F. Murray Abraham: Bernardo Gui
- Helmut Qualtinger: Remigio da Varagine
- Ron Perlman: Salvatore
- Valentina Vargas: das Mädchen
- Michael Lonsdale: Abbo von Fossanova, Abt
- Elya Baskin: Severinus von St. Emmeram
- Volker Prechtel: Malachias von Hildesheim
- Fjodor Schaljapin: Jorge de Burgos
- William Hickey: Ubertino da Casale
- Michael Habeck: Berengar von Arundel
- Urs Althaus: Venantius von Salvemec
- Leopoldo Trieste: Michele de Cesena
Gibt es eine Serie zu „Der Name der Rose“?
Ja, es gibt eine Serie aus dem Jahr 2019 bestehend aus 1. Staffel mit 8 Folgen. In dieser spielt John Turturro die Rolle des William von Baskerville. Die Serie erhielt nur mäßige Kritiken wurde nicht fortgesetzt.
Der Name der Rose (1986) Kritik & Fazit:

Selbst wenn einige kritische Stimme darauf pochen, dass der Film nicht einer getreuen Wiedergabe der Buchinhalte entspricht, muss man betonen dass Annauds Film keine Anspruch einer getreuen Wiedergabe der Romanvorlage für sich beanspruchte, sondern eher als eigenständige Interpretation von Ecos Buch zu sehen ist. Denn letztlich ist es ebenso wie in Umberto Ecos Roman: die Kirche wie ihre getreuen Diener versuchen mit allen Mitteln eine unbequeme Wahrheit zu vertuschen. Womit der Filmemacher einen mittelalterlichen Krimi-Thriller erschuf, der auch heute noch die Zuschauer zu fesseln vermag. Was nicht zuletzt an den wunderbaren Sets und der grandiosen Besetzung liegt
Doch nicht nur der Film konnte uns erneut begeistern, auch der neuen 4K-remastered Blu-ray können wir eine uneingeschränkte Upgrade Empfehlung aussprechen. Die dringend notwendige Überarbeitung kann nun visuell wie auch tonal überzeugen (zumindest Freunde der Dialog Verständlichkeit). Das Bild wirkt äußerst detailreich, scharf und farblich wesentlich besser abgestimmt als das, was bisher auf einem Heimkino-Medium veröffentlicht wurde. Es gibt zwar immer noch wenige unscharfe Szenen, diese können aber auch an der damaligen Aufnahmetechnik gelegen haben.
Das Highlight des Films sind die imposanten Filmsets, allein der 30 Meter hohe Bibliotheksturm wirkt wie ein bedrohliches Monstrum. Hier bewiesen die Macher ein perfektes Händchen für Locations, aber auch für Sets, Kostüme, Masken, was eine unheimlich düstere und nachvollziehbare Welt des 14. Jahrhunderts widerspiegelt. Trotz seines Alters hat der Film nichts von seiner Faszination eingebüßt und beweist eindrucksvoll, warum er als Klassiker des europäischen Kinos gilt.
Bilder & Trailer mit freundlicher Genehmigung © 2024 Constantin Film – alle Rechte vorbehalten!



