Inhaltsverzeichnis
Hat Schlämmer seinen Biss oder gar seinen Humor verloren?
Hape Kerkeling lässt nach nunmehr 17 Jahren seine Kunstfigur Horst Schlämmer (der ständig über Rücken klagt) erneut auf die Zuschauer los, doch leider scheint diesem inzwischen nicht nur der Biss, sondern auch der Witz zu fehlen. Regisseur Sven Unterwaldt Jr. und Drehbuchautor Claudius Pläging lassen den Grevenbroicher Chefredakteur der Frage nachgehen: Warum sind die Deutschen nicht mehr glücklich?
Um das herauszufinden, startet Horst einen Roadtrip quer durch Deutschland und kommt dadurch in allerlei kuriose und teils aberwitzige Situationen. Im Verlauf wurde mir jedoch nicht klar, was für ein Film das werden sollte. Für eine Satire fehlt bspw. der nötige Biss. Zudem wirkt der Humor, der Figur durch sein charmant-uncharmentes Macho-Gehabe, regelrecht aus der Zeit gefallen. So bleibt eine Frage im Raum stehen: Kann der Plot, wie auch die Figur heutzutage überhaupt noch überzeugen?
Worum geht’s eigentlich in Horst Schlämmer sucht das Glück?
Horst Schlämmer (Hape Kerkeling), Chefredakteur des Grevenbroicher Tagblatts, ist völlig deprimiert. Nicht nur Corona und die Schließung seiner Stammkneipe belasten ihn; nach dem Ende der Pandemie scheinen alle nur noch zu meckern und keiner scheint mehr glücklich zu sein. Hat jetzt etwa ganz Deutschland „Rücken“? Um das herauszufinden, macht er sich mit Kamerafrau Anna (Laura Thomas) auf einen Trip quer durchs Land und landet dabei unter anderem in Büsum, auf Sylt, in München und sogar in Berlin. Immer mit dabei: sein Smartphone mit den besten Momenten seiner Lieblingsschauspielerin Gabi Wampel (Tahnee Schaffarczyk).

So ergründet Horst, ob Lach-Yoga der Seele hilft, fährt nach Sylt zu den Reichen und Schönen, fragt den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, was ihn glücklich machen würde, landet bei einer Clan-Familie, philosophiert mit Erzbischof und Kardinal Rainer Maria Woelki über das Glück, trifft eine Schaffnerin und Teilzeit-Domina Mandy (Meltem Kaptan), die seinen Rücken heilt. Zudem muss er sich mit Komiker Hape Kerkeling herumärgern und trifft letztendlich sogar seine Gaby höchstpersönlich. Doch hat er bei seiner Reise auch das Glück gefunden?
Die Inszenierung, ist die Suche nach dem Glück gelungen?
Bereits 2005 erschuf Kerkeling für seine TV-Show „Hape trifft“ die satirische Figur Horst Schlämmer aus Grevenbroich. In dieser Verkleidung trieb er seine Interviewpartner regelmäßig in die Verzweiflung. 2009 bekam seine Figur dann einen eigenen Kinofilm: „Horst Schlämmer – Isch kandidiere“. Hierbei zeigt sich ein allgemeines Problem vieler Sketch Figuren, wie bspw. auch bei Rowan Atkinsons Mr. Bean. Diese sind selten in der Lage, einen abendfüllenden Spielfilm vollends zu tragen, wie auch bei Schlämmers zweiten Kinoabenteur.

Wie schon Bruno Bozetto 1979 seinen Herr Rossi nach dem Glück suchen ließ, schickt „Catweazle: Kritik“-Regisseur Sven Unterwaldt, Hape Kerkeling los das Glück zu finden. Der Film startet dafür modern Mockumentary Stil, per Handy im Hochkantformat und wechselt dann ins Vlogger Format von Kamerafrau Anna. Drehbuchautor Claudius Pläging schrieb dazu einen mehr oder weniger gelungenen Plot. In diesem tritt die Figur in allerlei Fettnäpfchen und gerät in allerlei skurrile Situationen, die jedoch teils arg konstruiert wirken.

Obwohl die Suche nach dem Glück als roter Faden dient, wirkt das Ganze eher wie Stückwerk. So wurden Gags, skurrile Begegnungen und witzige / aberwitzige Momente nur aneinandergereiht. Die Ironie dabei: Die unwitzigste Szene ist die beim Lach-Yoga. Auch wirkten die eingeblendeten Szenen der Lieblingsakteurin wie ein Fremdkörper. Jüngere Zuschauer dürften mit den Anspielungen gar nichts anfangen können und dem Pacing war das auch nicht dienlich. Zudem war der Blutwerte-Twist doch ziemlich abgedroschen.

Allgemein stellen sich zwei Fragen: für welche Zielgruppe ist der Film eigentlich gedacht? Für U30-jährige wegen des Vlog‑Stils oder für Ü50‑jährige wegen des Nostalgiefaktors? Und: welches Genre will der Film eigentlich bedienen? Für eine handfeste Satire ist der Film zu harmlos; das konnte Gerhard Polt mit „Kehraus“ (1983) schon besser. Als Spiegelbild der deutschen Gesellschaft ist der Film nicht sarkastisch genug. Als reine Komödie, die für Schenkelklopfer sorgen soll, ist der Streifen recht fade ausgefallen.
Die Darsteller: Wer hat alles mitgespielt?
Für seinen Film konnte Unterwaldt eine Reihe interessanter und unerwarteter Gaststars / Nebendarsteller verpflichten. Allen voran Hape Kerkeling (Der Boandlkramer und die ewige Liebe: Kritik), der wieder in seine Paraderolle Horst Schlämmer schlüpft und erneut mit politisch inkorrekten Zoten um sich wirft. Begleitet wird er von Kamerafrau Anna, gespielt von Laura Thomas (Wissen macht Ahh!) die jedoch nie im Bild erscheint.
Comedian Tahnee Schaffarczyk tritt als fiktive Schauspielerin Gaby Wampel in Erscheinung, Horsts persönliche Schauspiel-Favoritin. In den gemeinsamen Szenen schlüpft Kerkeling zudem immer wieder in verschiedene Figuren, die in Wampels Filmen und Serien mitspielen.

In weiteren Nebenrollen: Patrick Joswig (23 Nichts ist so wie es scheint: Kritik) als Wolle, Meltem Kaptan als Schaffnerin und Teilzeit Domina Mandy, Jördis Triebel (Warten auf’n Bus: Kritik) als Roswitha, Eva Habermann (Monster on a Plane: Kritik) als Gesine Breitenbach, Norbert Heisterkamp als Wirt Günni, Peter Trabner als Rudi.
Zudem gibt es einige Prominente die sich selbst spielen, darunter: der bayrische Ministerpräsident Markus Söder, Kardinal Rainer Maria Woelki, Jochen Busse (bekannt als Moderator von 7 Tage 7 Köpfe) und nicht zuletzt Hape Kerkeling als er selbst.
Wissenswertes zu Film und Blu-ray (FAQs)
Wer ist Horst Schlämmer?
Horst Schlämmer ist Hape Kerkelings eigens entwickelte Comedy Kunstfigur, die er seit 2005 in Sketchen, TV-Shows und Bühnenprogrammen auftreten ließ.
Was heißt Deutschland hat Rücken?
Die Figur Schlämmer hat mit Rückenproblemen zu kämpfen, dies umschreibt er gern mit: Isch hab Rücken“ – Im neuen Film hat nach seiner Auffassung ganz Deutschland Rücken, sprich die Nation leidet auch an einem Gebrechen, dem Verlust des persönlichen Glücks.
Bietet die Blu-ray auch Bonusmaterial?
An Extras sind enthalten:
- Interview mit Horst Schlämmer (08:10 Min.)
- Interview mit Meltem Kaptan (07:32 Min.)
- Interview mit Tahnee Schaffarczyk (11:01 Min.)
- Interview mit Sven Unterwaldt (11:29 Min.)
- Making-of (03:02 Min.)
- Entfallene Szene: Szene 32 (01:05 Min.)
- Entfallene Szene: Szene 35A (00:33 Min.)
- Entfallene Szene: Szene 35D (00:17 Min.)
- Deutscher Trailer (00:17 Min.)
- Trailershow
Filmdetails:
- Regie: Sven Unterwaldt jr.
- Drehbuch: Claudius Pläging
- Hauptdarsteller: Hape Kerkeling, Laura Thomas, Markus Söder, Jochen Busse
- Genre: Komödie
- Erscheinungsjahr: 2026
- Laufzeit: 93 Minuten
- FSK: ab 6 Jahren
- Heimkino-Verfügbarkeit: DVD, Blu-ray, Stream – Video On Demand
Horst Schlämmer sucht das Glück (2026) Fazit:

Hape Kerkeling kehrt als Horst Schlämmer zurück, seine Mission: das vermeintlich verlorene Glück der Deutschen wiederzufinden. Dass daraus keine runde Komödie wurde, liegt weniger an der Figur als am Drehbuch. Statt eine Komödie oder eine runde Satire wie Polts “Man spricht deutsch” oder “Kehraus” zu schaffen, reiht der Film lediglich Sketch an Sketch, was leider wie loses Patchwork ohne klare Linie wirkt.
Dabei fehlt es der Geschichte durchaus nicht an interessanten Ideen: der Mockumentary Einstieg, die Vlogger-Ästhetik, ein deutschlandweiter Roadtrip, mehrere unerwartete Promis, skurrile und kuriose Situationen. Der Plot bleibt vorhersehbar und teils langatmig. Zudem dürften jüngere Zuschauer mit den eingestreuten Szenen der fiktiven Schauspielerin Wampel wenig bis gar nichts anfangen können.
Letztlich bleibt ein Film, der zwar ein paar witzige Ansätze und Szenen mitbringt, sich aber nicht entscheiden kann, welches Genre er eigentlich bedienen will: Zu zahm für eine deftige Gesellschaftssatire, zu flach für eine Schenkelklopfer-Komödie. Wer leichte Feierabendunterhaltung sucht und / oder Fan von Kerkelings Kultfigur ist, könnte trotzdem auf seine Kosten kommen.
Hinweis: Das Bild- und Trailer-Material sowie das Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von Leonine Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Die unentgeltliche Bereitstellung hat keinen Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 LEONINE Studios – Alle Rechte vorbehalten!



