Liam Nesson in der Hand eines Bombenlegers!
Retribution (2023): Regisseur Nimród Antal präsentiert uns nun seine Neuverfilmung des spanischen Films „El Desconocido (2015)“ mit Actionikone Liam Neeson in der Hauptrolle. Wie immer geht es um das liebe Geld und Finanzier Matt Turner scheint einem verärgerten Anleger hilflos ausgeliefert zu sein. Hat dieser doch eine Bombe unter seinem Autositz installiert. Noch prekärer wird die Situation, dadurch dass sich seine Kinder mit dem SUV befinden. Ob Antals Remake überzeugen kann, erfahrt Ihr wie immer in den nachfolgenden Zeilen unserer Filmkritik.
Die Handlung: Ein Thriller mit jeder Menge Nervenkitzel
Der Investmentbanker und Geschäftsmann Matt Turner (Liam Neeson) steht aktuell enorm unter Stress, die letzten empfohlenen Geldanlage liefen nicht wie geplant und nun gilt es die Kunden zu halten. Auch in der Familie sieht es für Matt nicht gut aus, seine Frau scheint aktuell nicht glücklich in der Beziehung zu sein und sein Sohn stellt komplett auf Stur, nur seine Tochter hält noch zu ihm. Nicht gerade der beste Zeitpunkt, muss er auch noch seine Kinder zur Schule fahren, während er ein essenzielles Telefonat erwartet.

Der Deal scheint zu stehen, doch dann meldet sich ein unbekannter Anrufer und offenbart ihm, dass sich eine Bombe im Auto, direkt unter seinem Sitz befindet. Dies hält er für einen schlechten Scherz, doch mithilfe seines Smartphones macht er Fotos unterhalb seines Autositzes und erkennt die bittere Wahrheit, der Anrufer hat nicht gelogen. Und um seiner Drohung Nachdruck zu verleihen, lotst dieser Matt quer durch die Straßen von Berlin zu einem seiner Partner. In dessen Auto er ebenfalls eine Bombe detonieren lässt und nicht nur diesen, sondern auch dessen Freundin und einen Polizisten tötet.

Doch damit nicht genug, die Explosion mitten in der deutschen Hauptstadt bleibt nicht unbemerkt und ruft sowohl die gesamte Polizei als auch Interpol auf den Plan. Derweil fordert der unbekannte Matt auf, seine Frau zu einem geheimen Bankschließfach zu schicken, um eine dort deponierte Box zu holen. Eine Finte, denn damit lenkt der Unbekannte, den Verdacht bzgl. der Explosionen auf Matt. Dazu steht nun auch dessen zweiter Partner im Visier und um seine Drohung wahrzumachen, wird auch dieser in die Luft gejagt. Für Turner ist jetzt nur noch eines wichtig: Seine beiden Kinder zu retten. Zwischenzeitlich hat sich auch Interpol Ermittlerin Angela Brickman (Noma Dumezweni) an seine Fersen geheftet.
Ein Exkurs: Vorstellung der Story
„Retribution“ ist bereits die dritte Adaption des spanischen Thrillers „El Desconocido“ des Regisseurs Dani de la Torre. Im Jahr 2018 erschien das erste Remake aus Deutschland namens „Steig nicht aus!“ Die Regie übernahm Christian Alvart („Pandorum„) und in der Hauptrolle war Wotan Wilke Möhring („Manta Manta – Zwoter Teil„) zu sehen. Darauf folgte 2021 noch eine südkoreanische Neuauflage namens Hard Hit. Regisseur Antal ist als Genre-Handwerker bekannt dafür Spannung und Atmosphäre in seinen Filmen gekonnt aufzubauen und den Zuschauern ein intensives Erlebnis zu bieten, gute Vorzeichen für einen starken Actionthriller, oder?

In „Retribution“ baut der Filmemacher seinen Thriller durchaus gekonnt auf und führt die Personen nachvollziehbar ein. Liam Neeson (Saints & Sinners: Review) ist in der Rolle des Vaters Matt Turner zu sehen, dieser muss seine Kinder Emily und Zach zur Schule zu bringen. Die Spannungen in der Familie werden dem Zuschauer auch gleich zu Anfang vor Augen geführt. Probleme mit dem Sohn Zach, seine enttäuschte Frau Heather, die im geheimen plant sich scheiden zu lassen und eine Tochter die zumindest noch zu ihm hält. Weitere Probleme erwartet die Hauptfigur in dessen Firma, wo dieser mit seinen beiden Geschäftspartnern Sylvain (Arian Moayed) und Anders Müller (Matthew Modine) um ihre Kunden fürchten müssen.

Ein finanzielles Geheimnis, was zum Trigger des Films wird, gibt es obendrein. Dieses scheint wiederum der unbekannte Anrufer am Ende der Leitung zu kennen. So setzt er den Banker damit unter Druck, sein Auto samt ihm und seiner Kinder in die Luft zu jagen. Neeson rast somit fast die gesamte Laufzeit des Films mit dem Auto durch Berlin um den Anweisungen zu folgen, bevor der Erpresser seine Drohung wahr macht. Während dieser Unglücksfahrt wird der harmlose Familienvater für die Öffentlichkeit zum Sündenbock gemacht. Dies zieht wiederum etliche Verfolgungsjagden zwischen der Berliner Polizei, Interpol und ihm nach sich. Ein recht guter Mix für einen Actionfilm, wenn auch nicht rundherum gelungen.
Die Besetzung: Ein hochkarätiges Schauspielensemble
In „Retribution“ brilliert Liam Neeson („Marlowe„), wie eigentlich in allen seinen Hauptrollen. Sein Spiel überzeugt mit seiner gewohnten Präsenz und Ausdrucksstärke. Neben Neeson spielt noch ein weiterer altgedienter Darsteller mit, so ist Matthew Modine (Breaking News in Yuba County: Review) bekannt aus „Wrong Turn“ oder auch „Stranger Things„) in der Rolle von Matts Partner Anders Müller zu sehen. Das restliche übersichtliche Schauspielensemble besteht aus Noma Dumezweni („Doctor Who„) als Angela Brickmann, Lilly Aspell als Emily Turner, Jack Champion als Zach Turner und Embeth Davidtz als Heather Turner und Emily Kusche als Mila.
Liam Neesons Rückkehr ins Action-Genre
Der irische Mime dürfte wohl zu den wandlungsfähigen Darstellern überhaupt zählen. Angefangen von einer Nebenrolle in „Krull„, als Antagonist in der Serie „Miami Vice„, als gnadenloser Rächer in Sam Raimis „Darkman“ bis hin zu Dramen und Charakterstudien wie in Stephen Spielbergs „Schindlers Liste„, „Rob Roy“ oder auch „Michael Collins„. Und auch als Jedi Krieger in Star Wars Episode 1 war Neeson schon zu sehen. In den letzten 20 Jahren jedoch machte sich Neeson einen Namen im Action Genre, darunter solche Kracher wie: „96 Hours Trilogie“, „Das A-Team“, „Non-Stop“, „Hard Powder“.

Vor einigen Jahren verkündete er jedoch seinen Rücktritt aus dem Actionkino. So folgten unter anderem etwas ruhigere Titel wie „The Marksman – Der Scharfschütze“ oder „Marlowe„. Doch wie es schon in den altbekannten Sprichwort heißt: kann die Maus das Mausen nicht sein lassen und Neeson legte mit „The Ice Road“ und „Blacklight“ wieder Actionkost nach. Und selbst wenn in „Retribution“ so gut wie keine körperliche Action vorhanden ist, kann dieser mit spannungsgeladenen Szenen unterhalten.
Die Akteure hinter den Kulissen
Für die Regie zeichnet Nimród Antal verantwortlich, das Script schrieben die Drehbuchautoren: Alberto Marini („Steig nicht aus“) und Christopher Salmanpour. Hinter der Kameraarbeit stand Flavio Martínez Labiano, der schon bei den Liam Neeson Actionthrillern „Non-Stop“ und „Unknown Identity“ hinter der Kamera stand. Die Filmmusik steuerte Harry Gregson-Williams („House of Gucci„) der auch für „Meg 2“ den Dirigentenstab schwang.
Die Qualitäten der Blu-ray
Die Bildqualität der Blu-ray kann man als gelungen bezeichnen. Sehr gute Bildschärfe, Farben und Kontraste erscheinen recht ausgewogen. Der Schwarzwert überzeugt ebenfalls, weshalb Details in dunkleren Szenen auch nicht absaufen. Womit das Bild im Allgemeinen zu gefallen weiß. Beim Ton wurde ich mit einer Dolby Atmos Tonspur überrascht. Etwas, das manch größeres Filmstudio nicht auf die Reihe bekommt.

Wie immer gehe ich überwiegend auf die Dialogqualitäten ein. Auch wenn es richtig schön in meiner Sonos Soundbar kracht, wenn bei den Verfolgungsjagden das ein oder andere deutsche Polizeiauto auf der Strecke bleibt, bleibt die Dialogverständlichkeit durchweg gegeben. An Extras gibt es ein deutschsprachiges Making-Of und Trailer
Retribution (2023) Kritik & Fazit

Wertung: 6,5 / 10
Retribution (2023): Die US-Version des spanischen Originals „El Desconocido“ von Nimród Antals und das überzeugende Schauspiel von Liam Neeson wissen zu gefallen. Um jedoch die eingangs gestellte Frage zu beantworten. Antals Version bleibt dennoch hinter dem Original zurück. Neeson wiederum verkörperte die tiefgreifenden emotionalen Verletzlichkeit und physischen Herausforderungen eines Familienvaters, die in dieser Extremsituation zum Vorschein kommen, mit einer starken Intensität und Präsenz, die fesseln konnte. Matthew Modine wie auch die restlichen Darsteller spielten ihre Rollen dabei durchweg glaubwürdig.
Trotz der Stärken in Darstellung und Regie offenbart „Retribution“ auch Schwächen in der Originalität der Handlung und in der Entwicklung einiger Nebenfiguren, die nicht vollständig ausgearbeitet scheinen. Die zahlreichen Wendungen und Verfolgungsjagden halten zwar die Spannung hoch, doch die Neuerfindung des Rades bleibt aus. Dazu gibt es keine physische Action und der erfahrene Thriller Fan wird vermutlich recht schnell herausfinden, wer hinter all dem steckt.
Dies mindert jedoch nicht unbedingt den Unterhaltungswert des Films, der dennoch durch gekonnt inszenierte Actionsequenzen und das psychologische Spiel zwischen Täter und Opfer bestechen kann. Zugegeben, „Retribution“ wird wohl nicht als perfektes Meisterwerk in die Annalen des Genres eingehen, liefert aber solide Unterhaltung. Selbst wenn bekannte Pfade beschritten werden, dürften sich Thriller-Fans und besonders Fans des irischen Darstellers selbst, gut unterhalten fühlen.
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