House of Gucci (2021) – Review

Patrizia Reggiani die schwarze Witwe!

House of Gucci – Lange hat es gedauert, bis Ridley Scotts starbesetztes Drama um den Mord an Gucci-Erbe Maurizio die Leinwand eroberte. Bereits 2009 kündigte Scott an, das Buch „GUCCI: Mode, Mord und Business“ der renommierten Modejournalistin Sara Gay Forden verfilmen zu wollen. Ridley Scotts Film ist dabei weniger als klassische Biografie zu verstehen, sondern vielmehr als opernhafter Familien-Krimi über Macht, Gier und Verrat. Ob Lady Gaga als vermeintliche Ehemann mordende schwarze Witwe überzeugen kann und wie sich Scotts Film schlägt, verrate ich in den nachfolgenden Zeilen meiner Filmkritik.

House of Gucci: Trailer

Worum geht’s?

Patrizia Reggiani (Lady Gaga) arbeitet im Unternehmen ihres Vaters, als ihr bei einer Party ein echter Gucci über den Weg läuft: Maurizio Gucci (Adam Driver) höchstpersönlich mixt ihr einen Drink. Aus einem Flirt wird schnell die große Liebe und schließlich eine Ehe. Sehr zum Leidwesen von Maurizios Vater Rodolfo (Jeremy Irons), der von der bürgerlichen Schwiegertochter wenig hält. Doch Maurizio ist entschlossen: Er bricht mit seiner Familie, zieht zu den Reggianis und beginnt, sein eigenes Leben aufzubauen.

House of Gucci - Lady Gaga
Anfangs beginnt alles mit der großen Liebe

Patrizia jedoch hat größere Pläne. Sie sieht in der Heirat das Sprungbrett, um Maurizio wieder zurück an die Spitze des Gucci-Imperiums zu führen. Mit Geschick manipuliert sie die Familienstrukturen, nutzt Rodolfos Bruder Aldo (Al Pacino) und dessen exzentrischen Sohn Paolo (Jared Leto) aus und drängt sie nach und nach aus dem Unternehmen. Doch als Maurizio schließlich an der Spitze steht, verändert ihn der Erfolg – und er beginnt, sich von Patrizia zu distanzieren. Was als leidenschaftliche Romanze begann, endet in einem zerstörerischen Rosenkrieg, an dessen Ende der Schuss auf die Stufen des Gucci-Hauptquartiers steht.

Die Inszenierung einer wahren Geschichte

Ridley Scott liefert hier eine visuelle Hochglanz-Produktion ab, die handwerklich kaum Wünsche offenlässt. Die Ausstattung, die Kostüme, die Sets und der Soundtrack versetzen einen perfekt in die Ära der 80er und 90er Jahre zurück. Dennoch fühlt sich der Film seltsam distanziert an. Scott verfällt zuweilen in eine Erzählweise, die an eine mexikanische Soap Opera erinnert: Ein bisschen Familienstreit hier, ein bisschen Ehekrach da. Dabei fehlt dem Ganzen der echte Biss.

House of Gucci - Adam Driver, Lady Gaga
…und dann folgt die Heirat

Man hätte bei einer italienischen Familiendynastie deutlich mehr Temperament, Stolz und emotionales Feuer erwartet. Stattdessen wirken viele Charaktere seltsam handzahm. Besonders die Zeitsprünge hat Scott suboptimal gelöst – oft ist für den Zuschauer kaum nachvollziehbar, ob Wochen oder Jahre vergangen sind, was immer wieder für Verwirrung sorgt. Der Film ist ein unterhaltsamer Rückblick, bleibt aber an der Oberfläche, wo ein intensiveres Storytelling den wahren Kern des Dramas hätte freilegen können.

House of Gucci - Lady Gaga
Patrizia lässt sich nicht auf der Nase herumtanzen

Info: Wie sich, während der Ermittlungen herausstellte, heuerte Maurizios Ehefrau zwei Mörder an, um ihren Gatten zu töten. Für diese Tat wurde sie zu 29 Jahren Gefängnis verurteilt, von denen sie 18 Jahre absaß. Bis heute beteuert sie ihre Unschuld, obwohl die Beweise immer noch gegen sie sprechen. Eine Geschichte, die Regisseur Ridley Scott scheinbar schon länger faszinierte. Ließ er doch bereits  2009 verlauten, Sara Gay Fordens Buch verfilmen zu wollen. So sollte es dennoch nochmals über ein Jahrzehnt dauern, bis er dieses Vorhaben in die Tat umsetzen konnte.

Die exzellente Besetzung der Guccis

Für seinen Film konnte Scott eine absolute Star-Riege verpflichten. Al Pacino (A Killer’s Memory: Kritik) als Aldo Gucci und Jeremy Irons (Der Graf von Monte Christo: Kritik) als Rodolfo Gucci verleihen dem Film das nötige Gewicht. Adam Driver spielt den wankelmütigen Maurizio Gucci mit einer kühlen Reserviertheit, die im starken Kontrast zu Lady Gagas intensiver Darstellung der Patrizia steht.

House of Gucci - Jared Leto
Jared Leto als Cousin

Lady Gaga intoniert die Rolle der „schwarzen Witwe“ mit vollem Einsatz – sie lässt intrigieren, was das Zeug hält. Jared Leto (Morbius: Kritik) als Paolo Gucci sorgte im Vorfeld für Diskussionen; man warf ihm Overacting vor, doch in meinen Augen war er der Einzige, der echtes Temperament in das sonst so glatte Geschehen brachte. Salma Hayek (Killers Bodyguard 2: Kritik) überzeugt zudem in der Rolle als Patrizias esoterische Vertraute Pina.

„Inwiefern Ridley Scotts Verfilmung der Tatsachen entspricht, wird aktuell im Internet heiß diskutiert. So sprechen die noch lebenden Familienmitglieder des Gucci-Clans von einigen Falschdarstellungen. Wie die Figur Paolo Gucci, gespielt von Jared Leto. Auch Maurizios Tochter Allegra hat sich zwischenzeitlich zu dem Film geäußert und angekündigt, ihrerseits ein Buch zu veröffentlichen. Dieses soll noch im Jahr 2022 in den Handel kommen, womit sich die Frage stellt, ob dieses auch eines Tages verfilmt wird. So dürfen wir gespannt sein, welche Darstellung der Geschichte letztlich glaubwürdiger ausfallen wird. Darf man doch nicht vergessen das Allegra Gucci, damals doch auch erst 10 Jahre alt war.

Wissenswertes zu Film & Blu-ray (FAQ)

Nein. Obwohl er auf wahren Ereignissen basiert, interpretiert Ridley Scott die internen familiären Verstrickungen eher als Krimi-Drama denn als dokumentarische Biografie.

Der Mord am 27. März 1995 erschütterte die Modewelt zutiefst. Patrizia Reggiani wurde tatsächlich als Drahtzieherin verurteilt und saß 18 Jahre ihrer 29-jährigen Haftstrafe ab – ihre Unschuld beteuert sie bis heute.

Die größte Schwäche sind die unsauber ausgearbeiteten Zeitsprünge und die Diskrepanz zwischen der Hochglanz-Optik und dem Mangel an echter emotionaler Tiefe oder italienischem Temperament.

Die Produktion ist technisch exzellent. Das Bild ist gestochen scharf, und der Soundtrack fängt das Lebensgefühl der verschiedenen Jahrzehnte brillant ein, was den Film optisch und akustisch zu einem Highlight macht.

Der Film hat eine Laufzeit von ca. 158 Minuten und ist von der FSK ab 12 Jahren freigegeben.

Bonusmaterial:

Das Bonusmaterial enthält diverse Featurettes über die Entstehung des Films, Einblicke in die Arbeit von Ridley Scott, Interviews mit dem Cast sowie Hintergrundinformationen zu den echten Gucci-Schauplätzen und Kostüm-Designs.

House of Gucci (Film 2021) Fazit:

House of Gucci - Blu-ray Cover
House of Gucci: Blu-ray
Wertung: 6.5 / 10 ★

Ich hatte mich wirklich auf diesen Film gefreut. Als ich damals die Nachrichten über das Attentat im TV verfolgte, haben mich die Hintergründe fasziniert – und ohne Internet war es schwer, mehr zu erfahren. Scott bietet uns zwar eine visuell beeindruckende Zeitreise, doch das Drehbuch bleibt hinter dem Potenzial der starken Darsteller zurück. Wer „Alien“ oder „Gladiator“ kennt, weiß, wozu Scott fähig ist; hier jedoch wirkte alles etwas zu glattpoliert. „House of Gucci“ ist ein interessanter Blick auf eine exzentrische Familie, aber leider kein zeitloses Meisterwerk, das lange im Gedächtnis bleibt.

Fazit: Ein optisch opulentes Hochglanz-Drama, das trotz großartiger Darsteller an einem zu oberflächlichen Drehbuch krankt. Sehenswert für Mode- und Krimi-Fans, aber mit deutlich mehr inhaltlichem Potenzial nach oben.

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