Die Fabelmans (2022): Review

Die Fabelmans: Spielbergs Reise in seine Kindheit!

die fabelmans blu-ray cover
Die Fabelmans: Blu-ray

Die Fabelmans: Regisseur Steven Spielberg bringt uns mit den Fabelmans seine eigene Kindheitsgeschichte näher. So darf ein kleiner Junge in den 1950er-Jahren, zum ersten Mal mit seinen Eltern mit ins Kino. Was er dort mit großen Kinderaugen sieht, wird sein zukünftiges Leben für immer verändern. So erzählt Spielberg, mit seinem Co-Autor Tony Kushner, seine eigene Kindheit anhand der fiktiven Familie Fabelman nach.

Dabei ist der Film kein rein autobiografisches Werk, der Filmemacher verarbeitet hier überwiegend Lebensabschnitte und wie er zu seiner großen Leidenschaft der Filmemacherei fand. Dass dieser Weg nicht nur Freude, Heiter, Sonnenschein bedeutete, dürfte selbstredend sein. So haben doch alle Familien ihre kleinen, aber auch großen Probleme zu bewältigen. Wie mir dieses Familiendrama gefallen hat, erfahrt Ihr wie immer in den nachfolgenden Zeilen.

The Fabelmans

Die 1950er-Jahre, New Jersey, hier wohnt der kleine Sam Fabelman, mit Vater Burt, Mutter Mitzi, seinen Schwestern Natalie, Reggie und Lisa. Nicht zu vergessen, der beste Freund seines Vaters, der gute „Onkel“ Bennie. Eines Tages darf Sammy zum ersten Mal ins Kino und darf den Blockbuster „The Greatest Show on Earth“ anschauen. Die Szene, in der zwei Züge zusammenstoßen, fasziniert und verängstigt ihn zugleich. Deshalb wünscht er sich gleich darauf eine elektrische Eisenbahn. Nicht nur um damit zu spielen, sondern um diese Filmszene nachzustellen und herauszufinden, wie die Filmemacher das gemacht haben. 

die fabelmans im kino
Die Fabelmans im Kino

So kommt seine Mutter auf die Idee, diese Zug-Kollision mit ihrer 8mm-Kamera festzuhalten, womit Sammy die Szene immer und immer wieder nachstellt. Dieser Tatendrang weckt in ihm ein schlummerndes Talent, wie auch seine Leidenschaft fürs Filmemachen. Während er das ganze Haus samt seiner Schwestern in ein Filmstudio verwandelt, steht die erste Veränderung in seinem Leben an. Sein Dad hat ein lukratives Jobangebot bekommen, womit die gesamte Familie inklusive „Onkel“ nach Arizona umzieht. 

die fabelmans: onkel bennie
Onkel Bennie

Nachdem seine Oma stirbt, kapselt sich seine Mutter von der Familie ab. Als Ausweg bittet Burt seinen Sohn, den letzten gemeinsamen Campingausflug zu einem kleinen Film zusammen zu schnippeln. Vielleicht heitert dies ja seine Frau  etwas auf. Während des Filmschnittes entdeckt Sam ein gar bitteres und sehr unangenehmes Geheimnis. So sieht er im Hintergrund immer wieder seine Mutter und Onkel Bennie nicht nur Händchen haltend durch die Gegend spazieren. Was die Beziehung zu seiner geliebten Mum schwer erschüttert. 

die fabelmans: sam erkennt die bittere wahrheit
Sam erkennt die bittere Wahrheit

Ein weiterer Umzug nach Kalifornien, diesmal ohne Onkel Bennie, bringt das Leben der Fabelmans gänzlich aus den Fugen. Nicht nur, dass seine Mutter ohne ihren „Freund“ nicht klarkommt, auch er muss sich antisemitischen Anfeindungen seiner neuen Mitschüler stellen. Als seine Mum zusammenbricht und Burt, wie auch ihren Töchtern alles beichtet, bricht die Familie auseinander. Seine Mutter und Schwestern ziehen zu Bennie, während Sammy bei seinem Vater in Kalifornien bleibt. Denn hier sieht er die einzige Chance, seinen großen Traum wahr werden zu lassen,

Zurück zu den Anfängen

Wie sieht wohl der Lebensweg einer der größten Filmemacher unserer Zeit aus? Das erfährt man nun in dem Familiendrama „Die Fabelmans“. In diesem folgen wir dem fiktiven Jungen Sammy. So lernen wir in diesem Film seine Familie, seine Eltern wie auch seine beiden Schwestern, mit ihren kleinen und großen Problemen kennen. Nicht zu vergessen Burts besten Freund, den guten Onkel Bennie. So kommt der kleine Sam zu Beginn des Films zu seinem ersten Kinobesuch. Und sein erster Kinofilm wird es sein, der ihn gleichzeitig erschreckt, wie auch fasziniert. Was letztlich sein Interesse am Filme drehen weckte. 

die fabelmans: burt fabelman
Burt bittet seien Sohn um einen Gefallen.

Obwohl Spielberg nicht nur als Regisseur, sondern auch als Produzent, mit die großartigsten Produktionen der Filmgeschichte schuf. War sein Weg dahin, alles andere als einfach. Besonders damals kämpfte man mit Vorurteilen bezüglich künstlerischer Berufe im Show-Business. Unterstützung fand er dabei überwiegende bei seiner Mutter. Einer Konzertpianistin, die ihre Passion für ihre Familie aufgab. 

die fabelmans: mitzi fabelman
Mitzi Fabelman auf der Jagd nach einem Tornado

Eine dramatische Wendung deutet sich nach dem Tod der Großmutter an, welche die Begegnung mit Onkel Boris nach sich zieht. Wobei ich die im Film angedeutete Vision /Vorhersage eher als dramaturgischen Kniff, anstatt realer Hintergründe ansehe. Oder muss man die Frage stellen: ob Spielbergs Mutter Leah tatsächlich eine Vision gehabt haben soll? In dieser spricht sie des Nachts per Telefon mit ihrer toten Mutter, die ein drohendes Unheil ankündigt. Was letzten Endes zur Scheidung von Mitzi und Burt führt.

die fabelmans: sam mit seiner schwester am schneidetisch
Sam und seine Schwester am Schneidetisch

So wird aus der vermeintlichen „coming of age“ Geschichte, ein „coming of age Drama“. Auch wenn die Probleme zeigen, wie steinig der Weg gewesen sein muss, wird der Streifen nicht zu melancholisch. Spielberg fand dabei eine ausgezeichnete Mischung aus herzerwärmend und herzzerreissend. Wie viel autobiografischen Einblick uns dieser Mann in seine reale Familiengeschichte gibt, kann man natürlich nur erahnen. Dennoch sind es gerade solche Szenen, wie die Affäre von Sams Mutter, dessen erste bibelfeste Freundin Monica oder die antisemitischen Angriffe, welche nicht nur intim, sondern auch authentisch wirken.

die fabelmans: onkel boris
Onkel Boris verdreht Sams denken.

Filmisch gesehen ist der Film „Die Fabelmans“ eine Liebeserklärung an das Filmemachen und die Passion, die solche Menschen ergreift. Besonders schön ist das Ende des Films, in dem Sam auf den damaligen Regiegiganten John Ford trifft. Welcher hervorragend von einer weiteren Ikone Hollywoods, David Lynch interpretiert wurde. Ebenfalls großartig wird der Film von der Musik von John Williams untermalt. Trotz dass das Werk einige Auszeichnungen erhielt, empfinde ich solche autobiografische Titel wie „Bohemian Rhapsody“ (Queen) oder gar an „Rocket Man“ (Elton John) als wesentlich intensiver. 

Bewertung:

In „Die Fabelmans (Originaltitel: The Fabelmans)“ werden wir Zeuge von Steven Spielbergs Werdegang, zu einem der weltweit bekanntesten und erfolgreichsten Regisseure. Überrascht hat mich dass Spielberg dabei doch so manche intime Einblicke in sein Leben gar. Dabei erleben wir seine beginnende Faszination des Filmemachens. Oder wie er seine erste, extrem bibelfeste Freundin kennenlernte. Aber auch, wie er sich  Anfeindungen und Familienproblemen stellen musste. So beginnt der Film zwar mit einer äußerst heilen Familienwelt, welche dennoch letztlich zerbricht. Über seinen Lebensweg philosophieren zwar viele Menschen im Alter. Über eine Affäre der Mutter, die dazu führte, dass seine Eltern sich scheiden lassen, schweigt man aber eher. 

Hervorragend ist ihm auch die Besetzung gelungen. Besonders stark spielt Michelle Williams als Mutter auf. Bei ihr spürt man, wie sie mit ihrer verlorenen Karriere als Konzertpianistin hadert und zwischen ihrem Ehemann, ihren Kinder und ihrem „Freund“ hin- und hergerissen ist. Mateo Zoryan Francis-Defords Mimik, dem Darsteller des kleinen Sammy, ist dafür unbezahlbar. Wirkt es doch gerade so, als habe der Kleine tatsächlich zum ersten Mal so etwas Faszinierendes wie einen Kinofilm gesehen. 

Überrascht hat mich wiederum Seth Rogen, den man eher aus seinen derberen Filmen kennt. So spielt er gekonnt die Figur des Onkels, des Freundes und des Liebhabers. Dabei scheint dieser ähnlich zerrissen wie Williams, da er die Frau seines Freundes liebt. Damit aber auch seinen besten Freund betrügt, während ihm die Kinder und besonders Sam ebenfalls am Herzen liegen. Eine undankbare Figur. Ist man erst noch der Sympathieträger im Film, wird dieser letztlich zum Prügelknaben. 

Paul Dano, Judd Hirsch und alle anderen spielen ihren Rollen durchweg ordentlich, haben vom Drehbuch her, aber auch nicht wirklich viel Spielraum. So hat jede der verkörperten Figuren, ein, zwei emotionale Höhepunkte, die Hauptgewichtung bleibt jedoch bei Williams und Gabriel LaBelle als Teenager. Erwähnen möchte ich noch David Lynch, der einen herrlich kauzigen John Ford abgibt. Wer Interviews mit dieser Regielegende kennt, weiß, dass Lynch hier vollends den Nagel auf den Kopf getroffen hat. 

Eins, zwei Kritikpunkte habe ich dennoch! Erstens, auch wenn es solche Menschen geben soll, aber dass „Burt Fabelman“ wirklich bei allem so unglaublich gutmütig geblieben ist, kann ich mir schwer vorstellen. Eigentlich hat  jeder seine Grenzen. Zweitens empfand ich den künstlichen Spannungsaufbau, bzgl. der nächtlichen Vision / Vorhersehung Mitzis als unnötig an. Obwohl hier die Frage bleibt: Dramaturgischer Kniff oder reales Erlebnis. Dennoch schafft es der Film zu überzeugen.

Mit diesem Film gibt das einstige Wunderkind Hollywoods, einen überaus unterhaltsamen und überraschend intimen Einblick seines Lebensweges wieder. So ist es kein Wunder, dass die allgemeine Filmkritik, wie auch das ein oder andere Review überaus positiv auf dieses Werk reagierte. Womit der Film bei Golden Globes oder der Oscars als bester Film nominiert wurde. Wer etwas mehr über die Person Steven Spielberg erfahren möchte, wird in diesem Werk einen teils dramatischen wie auch warmherzigen Film vorfinden, bei dessen Sichtung sicherlich keiner enttäuscht werden dürfte.

Filmfehler:

Wem von Euch ist eigentlich aufgefallen, dass der kleine Sammy strahlend blaue Augen hat, während Sammys älteres „Ich“ braune Augen hat? 

Darsteller:

Mateo Zoryan Francis-Deford / Gabriel LaBelle als Sammy Fabelman, Michelle Williams als Mitzi Fabelman, Paul Dano als Burt Fabelman, Seth Rogen als Onkel Bennie, Judd Hirsch als Onkel Burns, Alina Brace / Keely Karsten als Natalie Fabelman, Birdie Borria / Julia Butters als Reggie Fabelman, Sophia Kopera als Lisa Fabelman Chloe East als Monica. 

Filmografie Auszug Regie & Produktion:

Duell (1971), Der weiße Hai (1975), Unheimliche Begegnung der 3. Art (1977), Jäger des verlorenen Schatzes (1981), Poltergeis (1982), E.T. – Der Außerirdische (1982), Gremlins (1984), Die Goonies (1985), Zurück in die Zukunft (1985), Geschenkt ist noch zu teuer (1986), Jurassic Park (1993), Der Soldat James Ryan (1998), Ready Player One (2018), Gremlins: Secrets of the Mogwai (2022), u.v.m.

Der Filmemacher?

Steven „Allen“ Spielberg wurde im Jahr 1946 im „The Jewish Hospital“ in Cincinnati geboren. Sein Vater Arnold Spielberg war Elektro- und Computer-Ingenieur. Seine Mutter Leah Spielberg studierte Konzertpianistin. Steven hat noch drei jüngere Schwestern namens Anne, Susan und Nancy. Die Eltern ließen sich im Jahr 1966 scheiden und Leah heiratete Bernie Adler. Bis heute war Spielberg an rund 180 Filmen beteiligt.


Bild & Trailer © Universal Pictures – alle Rechte vorbehalten!

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