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Fulminanter Actionkracher oder lauer Aufguss?
Bob Odenkirk scheint sich nach seinem Wechsel von der Anwaltsrolle aus Breaking Bad ins Actiongenre sichtlich wohlzufühlen. In seinem neuen Actionspektakel ist er als Sheriff Ulysses zu sehen, der als Vertretung des verstorbenen Ordnungshüters von Normal in der Kleinstadt für Recht und Ordnung sorgen soll. Doch in diesem vermeintlich idyllischen Kaff geht es alles andere als normal zu.
Nach einem Drehbuch von Derek Kolstad und der Regie von Ben Wheatley (Free Fire) findet sich Ulysses nicht nur in einer korrupten Gemeinde wieder, sondern muss sich zudem noch der japanischen Mafia erwehren. Obwohl die Idee einen recht spaßigen Actioner verspricht, kämpft der Film mit ein paar Längen und einem überzogenen Finale. Ob Ben Wheatleys Film dennoch zu überzeugen weiß, verrät meine Kritik zu Normal samt einem Blick auf die Blu-ray.
Worum geht’s in „Normal“?
Das idyllische kleine Städtchen Normal in Minnesota hat einen tragischen Verlust zu beklagen: Police Chief Gunderston ist bei einem nächtlichen Eisfischausflug erfroren. Das Merkwürdige daran: Man fand ihn nur mit seiner Unterhose bekleidet vor. Übergangs-Sheriff Ulysses Richardson (Bob Odenkirk), der vorübergehend die Polizeistation leitet, findet die Umstände ebenfalls fragwürdig. Doch mit diesen Fragen soll sich der rechtmäßige Nachfolger herumschlagen, hat Ulysses doch genug eigene Probleme.

Als die Bank von Normal überfallen wird, ist es mit der Idylle und der Freundlichkeit der Einwohner jedoch ganz schnell vorbei, und Ulysses sieht sich mit wesentlich größeren Schwierigkeiten konfrontiert. Im Tresor der Bank lagert das Geld der Yakuza, und dieses Geheimnis lassen sich die Bürger von Normal äußerst gut bezahlen. So wird Ulysses von der bis an die Zähne bewaffneten Gemeinde vor eine schwierige Wahl gestellt.
Die Inszenierung: Bob Odenkirks dritter Action-Ausflug
In dem von Ben Wheatley (Meg 2 – The Trench) inszenierten Film spielt Odenkirk erneut den unterschätzten Protagonisten, der sich letztlich gegen eine äußerst gewalttätige Horde zur Wehr setzen muss. Wie man es von Drehbuchautor Derek Kolstad (Ballerina – From the World of John Wick: Kritik) gewohnt ist, hat er auch dieses Mal sowohl die Charaktere als auch die Action stark überzeichnet. Hier sei beispielsweise der explosive Auftritt von Happy Days-Darsteller Henry Winkler als Bürgermeister Kibner erwähnt.

Die gezeigte Action ist zwar ziemlich deftig, gleichzeitig aber so überspitzt und comicartig ausgefallen, dass die Szenerie etwas von ihrer Brutalität verliert. Ein weiterer Ansatz, um die Gewalt zu dämpfen: wenn Odenkirk schließlich zuschlägt, passiert dies aus der Defensive heraus und nicht in Form von purer Gewalt – ganz im Gegensatz zu Kolstads stoischen John Wick, der sich wie eine tödliche, unaufhaltsame Kampfmaschine durch seine Angreifer metzelt.
Kuriose Figuren und tief schwarzer Humor
Um dem Film etwas Tiefe zu verpassen, erhielt die Hauptfigur Ulysses Richardson einen tragischen Background, den Odenkirk schauspielerisch optimal zu nutzen wusste und seine Figur dadurch glaubhaft darstellen konnte. Wie zu erwarten ist Normal erneut eine One-Man-Show, bei der man dem Protagonisten noch ein paar witzige skurrile Figuren zur Seite stellte.

Darunter befindet sich Deputy Mike Nelson, gespielt von Billy MacLellan, der sich letztlich durch seine dämliche Lederjacke verrät. Auch Deputy Blaine Anderson, gespielt von Ryan Allen, macht keinen Hehl daraus, dass er der nächste Sheriff von Normal werden möchte. Dazu gesellen sich das ungeschickte Bankräuber-Pärchen sowie etliche schießwütige Einwohner nebst äußerst wütenden Yakuza.

Gerade diese kauzigen Nebenfiguren sorgen dafür, dass der Film trotz seiner Härte nie vollständig in ein ernstes Gewaltkino abrutscht.
Zwischen Fargo, Dead of Winter und Nobody
Das Setting der abgelegenen, tief verschneiten Kleinstadt in Minnesota wirkt wie aus der Welt der Coen-Brüder entsprungen, erinnert es doch unweigerlich an Fargo (1996). Kleiner Fun-Fact am Rande: Frances McDormand spielte in diesem die Polizistin Marge Gunderson. Ist es also wirklich nur Zufall, dass der verstorbene Sheriff von Normal klanglich ähnlich heißt? Oder hat Kolstad hier bewusst einen kleinen Wiedererkennungs-Gag eingebaut?

In diesem Zusammenhang wurde ich zudem an zwei weitere Filme erinnert: an den von mir kürzlich rezensierten Emma-Thompson-Thriller Dead of Winter – Eisige Stille (Kritik) und an John Carpenters Klassiker Assault – Anschlag bei Nacht (auch bekannt als Assault on Precinct 13) aus dem Jahr 1976. Für mich stellt Letzterer immer noch den Goldstandard der Belagerungsfilme dar.
Dadurch, dass sich der Film im Vergleich zu den genannten Titeln nicht allzu ernst nimmt, wirkt er eher wie eine Actionkomödie denn wie ein ultrabrutaler Action-Thriller.
Die Besetzung der käuflichen Gemeinde Normal
Hauptdarsteller Bob Odenkirk (Nobody: Kritik) übernahm die Rolle von Aushilfssheriff Ulysses Richardson. Entgegen seiner früheren Rolle Hutch spielt er nun einen sichtlich überforderten Gesetzeshüter, der sich einer Horde korrupter Einheimischer erwehren muss.

Happy Days-Ikone Henry Winkler ist als Bürgermeister Kibner zu sehen. Reena Jolly und Brendan Fletcher spielen das unerfahrene Gangsterpärchen, das Normals Bank überfällt. In weiteren Rollen: Lena Headey (Game of Thrones) als Moira, Ryan Allen (Star Trek: Strange New Worlds: Kritik) als Deputy Blaine Anderson, Billy MacLellan (Murdoch Mysteries: Kritik) als Deputy Mike Nelson und Jess McLeod als Alex, Lauren Cochrane als Sally.
Wissenswertes und häufige Fragen (FAQs)
Ist „Normal“ eine Fortsetzung von „Nobody“?
Nein, der Film erzählt eine eigenständige Geschichte der fiktiven Kleinstadt Normal, die nichts mit den Nobody-Filmen zu tun hat.
Wie kam der Comedy / Drama Star Bob Odenkirk zum Actiongenre?
Nach einem Treffen erarbeitete Autor Kolstad gemeinsam mit Bob Odenkirk eine Geschichte, die den Better Call Saul-Star ins Actiongenre bringen sollte und so entstand 2021 der Überraschungshit Nobody. Darauf folgte eine etwas durchwachsene Fortsetzung, die sich letztlich wie eine Kopie von Teil eins anfühlte. Immerhin zeigte dieser mit Sharon Stone eine grandiose Antagonistin.
Was bietet die Blu-ray an Bonusmaterial?
- Interviews mit Cast und Crew
- Interviews mit Regisseur Ben Wheatley, Drehbuchautor Derek Kolstad sowie den Produzenten Ellen Rutter und Marc Provissiero
- Best of B-Roll
- Deutscher Kinotrailer
- Trailershow
Normal (Film 2025) Fazit

Die abgefahrene Actionkomödie mit Bob Odenkirk verbindet einen Schuss Fargo-Charme mit deftiger John-Wick-Action. Die ersten beiden Drittel beginnen mit einer gelungenen Einleitung und steigern aufgrund des merkwürdigen Verhaltens der Einwohner sukzessive die Spannung, bis alles in ein tödliches Chaos stürzt. Hier punktet besonders der Cast mit kuriosen Figuren, trockenem Humor und einigen witzigen Wendungen, auch wenn der Film vorhersehbar bleibt. Leider kippt im letzten Drittel die Spannungskurve und der Film mündet in einer extrem langatmigen Actionsequenz.
Fans der Nobody-Filme und natürlich Bob Odenkirk werden hier bestens unterhalten, da er erneut als Actionheld zu überzeugen weiß. Eine ausgeklügelte Story und starke unerwartete Twists darf man hier aber nicht erwarten. Wer jedoch wie ich Lust auf eine Mischung aus Fargo-Skurrilität und John-Wick-Action hat, dürfte hier auf seine Kosten kommen.
Mein Fazit: Normal ist ein unterhaltsamer und etwas abstruser Actionspaß, bei dem die verschneite Kleinstadtatmosphäre und die kauzigen Figuren stärker überzeugen als das etwas überzogene Finale.
Transparenz-Hinweis: Der Rezensionszugang zu Normal wurde mir von LEONINE HOME ENTERTAINMENT unentgeltlich und ohne Einfluss auf meine redaktionelle Bewertung zur Verfügung gestellt. Bild- und Trailermaterial © 2026 LEONINE STUDIOS – alle Rechte vorbehalten.



