Inhaltsverzeichnis
Wie viel Realität steckt im vermeintlich fiktiven Film?
Für seinen Film Der Magier im Kreml adaptierte Regisseur Olivier Assayas den gleichnamigen Roman von Giuliano da Empoli. In dieser mehr Politthriller-Drama zeigt er, die Macht der Medien über das Volk. Leider kämpft das Drehbuch gegen ein paar merkwürdige und teils unlogische Entwicklungen. Die Behauptung wiederum, der Film sei rein fiktiv, klingt wie eine schwache Schutzbehauptung: Auf mich wirkte der Film nicht nur ziemlich schlüssig, sondern auch erschreckend real.
So ähnelt die fiktive Figur Wadim Baranow, gespielt von Paul Dano dem realen Kreml-Chefideologen Wladislaw Surkow doch zu sehr, als dass dieser bis auf den Namen frei erfunden sein kann. Dieser verschafft dem damaligen FSB-Geheimdienstchef Wladimir Putin (grandios gespielt von Jude Law) das Amt des neuen russischen Präsidenten. Dabei erkennt die Hauptfigur wie eiskalt der Autokrat handelt und vor nichts und niemandem halt macht. Ob der Film trotz seiner Komplexität, wie auch Makel überzeugen konnte, verrät meine nachfolgende Filmkritik.
Worum geht’s in Der Magier im Kreml?
Völlig unerwartet erhält der Journalist Lawrence Rowland (Jeffrey Wright) eine Einladung des im Exil lebenden Vadim Baranow (Paul Dano). Sofort ist seine Neugier geweckt, ist das doch der Mann, der dem ehemaligen Geheimdienstchef Wladimir Putin (Jude Law) den Weg in den Kreml geebnet hat, wodurch dieser zum Nachfolger des desolaten russischen Präsidenten Boris Jelzin wurde. Doch was ist der Grund dieser unerwarteten Einladung?

Angekommen in einem abgelegenen Waldhaus, lernt er einen unglaublich gefassten Mann kennen, der ihm seine Geschichte erzählt: angefangen von seiner Karriere als Medienprofi bis zu dem Punkt, wo er Putin kennenlernte und begann, für ihn zu arbeiten. An der Seite des Autokraten gab es einige Wendepunkte, wie die Tragödie um das Atom-U-Boot Kursk, die Annexion der Krim oder die Sanktionierung seiner eigenen Person. Nach dem Treffen ist sich Rowland sicher, dass er wohl der letzte war, der diese Geschichte je zu hören bekam.
Die Inszenierung einer gar nicht so fiktiven Geschichte
Assayas‘ gemeinsam mit Emmanuel Carrère verfasstes Drehbuch hält sich eng an da Empolis Roman und erzählt die Geschichte des fiktiven Wadim Baranow. Zu Beginn weist ein Hinweis darauf hin, dass es sich teils um erdachte Figuren handelt – die Ähnlichkeit zum realen Kreml-Chefideologen Wladislaw Surkow, dem Architekten des modernen russischen Machtsystems, lässt sich davon aber nicht wegdiskutieren. Wer den Kalten Krieg und den Zerfall der UdSSR bewusst miterlebt hat, erkennt die bittere Realität hinter der Romanvorlage sofort.

Assayas und Carrère zeichnen das Bild zweier Männer an den Schalthebeln der Macht: Wladimir Putin als eiskalter Autokrat, Wadim Baranow als Regisseur der Massen, der Wahrnehmung und Meinung des Volkes nach Belieben formt. Visuell verzichtet der Film auf Hollywood-Effekthascherei. Stattdessen erzeugt Assayas mit unterkühlten Farben eine fast klaustrophobische Atmosphäre mitten im Regierungsapparat. Die Kamera von Yorick Le Saux bleibt dicht an Baranow, dessen Stimme aus dem Off durch das Geschehen führt und den Zuschauer an die Hand nimmt.
Das Drehbuch glänzt mit geschliffenen Dialogen und einer enormen Informationsdichte – und genau hier liegt auch die Schwäche des Films: Bei zweieinhalb Stunden Laufzeit gerät das Pacing in der zweiten Hälfte ins Stocken. Zu viele Handlungsstränge, zu viele Figuren, und nicht jede davon wird konsequent zu Ende erzählt (Beispiel: Baranows Frau). Zudem setzt der Film beim Publikum einiges an Vorwissen zur russischen Geschichte der letzten 40 Jahre voraus. Wer den Zusammenbruch der Sowjetunion unter Boris Jelzin nicht miterlebt hat, dürfte den Geschehnissen nur schwer folgen können – ein Problem, das vor allem jüngere Zuschauer treffen wird.

Dazu kommt ein Logikfehler gleich zu Beginn: Warum lädt der systemkundige Baranow den Journalisten Rowland ausgerechnet zu sich nach Hause ein, um ihm seine Geschichte zu erzählen, und riskiert damit das Wohl seiner kleinen Tochter, obwohl er die Konsequenzen kennt? Die Romanvorlage kenne ich nicht, vielleicht ist das dort sauberer gelöst. Klar ist mir, dass die Szene die Hauptfigur vor dem Stempel des völligen Soziopathen bewahren soll – trotzdem wirkt es abstrus, dass ein Vater dieses Risiko eingeht.
Das Ensemble: von Paul Dano bis hin zu Jude Law
Hauptdarsteller Paul Dano (Die Fabelmans: Kritik) bekannt als Riddler in The Batman, spielt Vadim Baranow. Sein Spiel ist ein Mix aus sanftmütiger Melancholie und eiskalter Berechnung und zeigt die Entwicklung vom Avantgardisten zum Propaganda-Strategen. An seiner Seite spielt Alicia Vikander (The Green Knight: Kritik) die Rolle der Ksenia, eine unberechenbare, freiheitsliebende Frau, die für eine emotionale Dynamik im Film sorgt.

Jude Law (The Young Pope: Kritik) ist als Wladimir Putin zu sehen und sein Spiel ist keine billige Imitation. Seine Darstellung vermittelt ziemlich eindringlich Putins Bedrohlichkeit. Ergänzt wird das Ensemble durch Jeffrey Wright (Asteroid City: Kritik) als westlicher Journalist Lawrence Rowland. In weiteren Rollen. Tom Sturridge ist Oligarch Dmitri Sidorow, Will Keen als Boris Berezovsky, Andrei Zayats als Igor Setschin, Dmitri Turchaninov als ehemaliger Schachweltmeister Garry Kasparow u.v.m.
Wissenswertes zu Der Magier im Kreml (FAQ)
Basiert der Film auf wahren Ereignissen?
Der Film basiert auf dem Bestseller-Roman „Le Mage du Kremlin“ von Giuliano da Empoli aus dem Jahr 2022 und feierte 2025 seine Premiere in Venedig. Die erzählten politischen Ereignisse in Russland sind dabei real, während manche Handlungen und Figuren auf nicht realen Personen / Geschehnissen basieren.
Was hat es mit Putin und den Geheimdiensten FSB und KGB auf sich?
KGB ist die Bezeichnung des russischen Geheimdienstes zu Zeiten des Kalten Kriegs (1954 bis ca. 1991). Obwohl Putin oft als KGB-Chef bezeichnet wird, war er Chef des FSB, dem inländischen Geheimdienst. Richtig ist jedoch, dass Putin zuvor aktiver KGB-Agent war.
Was zeichnet Autor Guilano da Empoli aus?
Empoli war der Ex-Berater des italienischen Regierungschefs und hat sich mit seinem Wissen um die politischen Gegebenheiten ein zweites Standbein als Polit-Biograf aufgebaut.
Welche weiteren Filme hat Regisseur Olivier Assayas gedreht?
Der französische Filmemacher ist u.a. bekannt für das preisgekrönte Politik-Epos „Carlos – Der Schakal“ aus dem Jahr 2010 oder dem Drama „Wolken von Sils Maria“ (2014).
Welches Bonusmaterial ist auf der Blu-ray vorhanden?
Die Blu-ray bietet verschiedene Interviews von Cast und Crew, wie bspw. mit Paul Dano oder Jude Law und wie sich Law auf die Rolle Putins vorbereitete. Weiterhin gibt es noch einige B-Roll Aufnahmen.
Der Magier im Kreml (Film 2025) Fazit:

Olivier Assayas erzählt in seinem Polit-Drama, basierend auf Giuliano da Empolis Roman, vom Aufstieg des Medienprofis Wadim Baranow und sein Wirken im Kreml. Zugleich werden wir Zeuge von Putins Weg zur Macht, durch gezielte Manipulation der Massen. Paul Danos melancholisches Spiel wirkt gefährlich Emotionslos. Während Jude Laws Putin keinerlei Zweifel an dessen Eiseskälte und Skrupellosigkeit lässt, der ohne zu zwinkern über Leichen gehen kann.
Streckenweise fällt es angesichts der vielen Figuren und Handlungsstränge schwer, dem komplexen Geschehen zu folgen. So bleiben etwa Alicia Vikander als Ksenia oder Tom Sturridges Dimitri zwar präsent, ihre Figuren und Plots wirken aber weder zu Ende gedacht noch zu Ende erzählt.
Fazit: An Klassiker wie bspw. Die Unbestechlichen (All the President’s Men, 1976) mit Robert Redford und Dustin Hoffman reicht Assayas‘ Film zwar nicht heran, dafür empfand ich ihn bezogen auf die Hauptfigur nicht schlüssig genug. Wer aber ein Faible für Polit-Thriller mit wahrem Hintergrund hat und vor komplexen Geschichten nicht zurückschreckt, sollte hier einen Blick riskieren.
Das Rezensionsexemplar wurde mir von LEONINE Home Entertainment unentgeltlich und ohne Einfluss auf meine redaktionelle Bewertung zur Verfügung gestellt. Bild- & Trailermaterial © 2026 LEONINE STUDIOS – Alle Rechte vorbehalten!




