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Jude Law als Putin zwischen Macht und Schattenpolitik
Der Magier im Kreml von Olivier Assayas ist ein fiktives Polit-Drama, das mit seiner erschreckend plausiblen Machtanalyse fasziniert und zeigt auf sehr reale Art wie die Fäden im Hintergrund gesponnen werden. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Giuliano da Empoli. Assayas‘ Verfilmung zeigt Wadim Baranow, der als Medienprofi genau weiß, wie er Massen manipulieren kann. Als die UdSSR zusammenbricht, soll er FSB-Chef Wladimir Putin (Jude Law) als Boris Jelzins Nachfolger aufbauen, dabei ahnt er jedoch nicht, welche Folgen das für sein Land haben wird.
Assayas‘ Film setzt auf eine messerscharfe Inszenierung, die sich nicht scheut, reale Nachrichten der letzten 30 Jahre einzubetten. Die herausragende Besetzung weiß zu überzeugen, dennoch leidet der Film zuweilen an seinen recht komplexen Dialogen und Geschehnissen. Bei all den Namen, Figuren und Verstrickungen kann es schwer werden, dem Plot zu folgen. Ob mich der Film überzeugen konnte und wie ich die Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität bewerte, verrät meine nachfolgende Filmkritik mit einem kurzen Blu-ray Review.
Olivier Assayas‘ Polit-Thriller im Film-Check
Worum geht’s eigentlich in Der Magier im Kreml?
Die Handlung führt uns zurück in die 1980er Jahre, in denen die Sowjetunion auf ihren Untergang zusteuerte. Eine chaotische Zeit mit einem desolaten Präsidenten, einer aufkeimenden neuen Freiheit und geldgierigen Oligarchen, die begannen, das Land unter sich aufzuteilen. Inmitten dieses Tumults steht der junge Vadim Baranow (Paul Dano). Sein Talent, die Medien und Massen zu beeinflussen, zieht rasch die Aufmerksamkeit der mächtigen Männer Moskaus auf ihn. Ihr Plan: FSB-Chef Vladimir Putin soll Jelzins Nachfolger werden, und Wadim soll ihm den Weg ebnen. Doch was folgte, nachdem der neue russische Präsident Wladimir Putin sein Amt antrat, konnte selbst der erfahrene Medienprofi nicht erahnen.

Viele Jahre vergehen, und so lädt der zwischenzeitlich im Exil lebende Baranow den Journalisten Rowland (Jeffrey Wright) zu sich nach Hause ein, um ihm seine Geschichte zu erzählen. Alles beginnt mit seiner Karriere als aufsteigender Theaterregisseur und wie er sich nach der Trennung von seiner Freundin Ksenia (Alicia Vikander) nur noch auf seine Karriere fixierte. Sein Weg führt ihn ganz nach oben, doch je tiefer er in die Korridore der Macht vordringt und je mehr krisenhafte Wendepunkte wie die Tragödie des Atom-U-Boots Kursk oder die Annexion der Krim das Land erschüttern, desto mehr erkennt er, was er einst erschuf und was letztlich nun auch sein Leben bedroht.
Die Inszenierung: Eine ganz und gar nicht so fiktive Geschichte
Der französische Regisseur Olivier Assayas adaptierte zusammen mit Drehbuchautor Emmanuel Carrère Empolis Roman und erzählt dabei die Geschichte des fiktiven Wadim Baranow. Zu Beginn des Films wird darauf hingewiesen, dass es sich teils um erdachte Figuren handelt. Die offensichtliche Ähnlichkeit zu dem realen Kreml-Chefideologen Wladislaw Surkow, der als Architekt des modernen russischen Machtsystems galt, ist jedoch nicht von der Hand zu weisen. Wer die Jahre des Kalten Krieges und des Zerfalls der UdSSR in den 1990er Jahren miterlebt hat, erkennt die bittere Realität hinter der Romanvorlage sofort.

Assayas und Carrère zeichnen dabei das Bild zweier Männer an den Schaltern der Macht: Wladimir Putin als eiskalter Autokrat und Wadim Baranow als Regisseur der Massen. Dieser nutzt sein Talent, die Wahrnehmung und Meinung des Volkes nach seinen Vorstellungen zu formen. Visuell verzichtet der Film auf Hollywood-typische Effekthascherei. Stattdessen erzeugt Assayas durch unterkühlte Farben eine beinahe klaustrophobische Atmosphäre inmitten des Regierungsapparats. Die Kamera von Yorick Le Saux bleibt dabei dicht an Baranow geheftet, während dessen Stimme aus dem Off durch das Geschehen führt und den Zuschauer damit an die Hand nimmt.
Das von Assayas und Emmanuel Carrère verfasste Drehbuch glänzt mit geschliffenen Dialogen und noch mehr Informationen. Hier liegt jedoch auch die Schwäche des Films: Bei zweieinhalb Stunden Laufzeit gerät das Pacing in der zweiten Hälfte ins Stocken. Das Skript spinnt viele komplexe Handlungsstränge, führt etliche Figuren ein und bringt manchen Plot von diesen nicht konsequent zu Ende (Beispiel: Baranows Frau). Zudem setzt man beim Publikum einige Vorkenntnisse der russischen Geschichte der letzten rund 40 Jahre voraus. Wer den Zusammenbruch der Sowjetunion unter Boris Jelzin damals nicht verfolgt hat, dürfte es ohne dieses Wissen schwer haben, den Geschehnissen zu folgen, was wohl besonders jüngere Zuschauer betreffen wird.

Zudem irritiert ein Logikfehler zu Beginn: Warum lädt der systemkundige Baranow den Journalisten Rowland zu sich nach Hause ein, um diesem seine Geschichte zu erzählen, und riskiert das Wohl seiner kleinen Tochter, obwohl er um die drohenden Konsequenzen weiß? Ich muss zugeben, dass mir die Romanvorlage nicht bekannt ist; eventuell ist dies in der Buchvorlage sogar gleich gelöst. Mir ist zwar klar, dass man die Hauptfigur wohl nicht als völligen Soziopathen abstempeln wollte und deswegen die Szene mit der Tochter im Film vorhanden ist. Dennoch wirkt es irgendwie abstrus und unlogisch, dass ein Vater dieses Risiko eingeht.
Das Ensemble: von Paul Dano bis hin zu Jude Law
Hauptdarsteller Paul Dano (Die Fabelmans: Kritik), der schon als Antagonist Riddler in The Batman zu überzeugen wusste, spielt Vadim Baranow. So stellt er diesen mit einem Mix aus sanftmütiger Melancholie und eiskalter Berechnung dar und zeigt die Entwicklung vom Avantgardisten zum zynischen Propaganda-Strategen. Trotz des Hinweises auf einen fiktiven Charakter ist seine Figur doch sehr augenscheinlich dem realen Putin-Chefideologen Wladislaw Surkow nachempfunden.
An seiner Seite spielt Alicia Vikander (The Green Knight: Kritik) die Rolle der Ksenia, eine unberechenbare, freiheitsliebende Frau, die für eine emotionale Dynamik im Film sorgt und Baranow im Verlauf den moralischen Spiegel vorhält.

Ein absolutes Highlight ist jedoch Jude Law (The Young Pope: Kritik) als Wladimir Putin. Die Entscheidung, Law als russischen Staatsführer zu besetzen, erweist sich im Film als Geniestreich. Sein Spiel verzichtet auf billige Parodie oder reine Imitation; er vermittelt Putins Bedrohlichkeit durch minimale Gestik, eiskalte Blicke und gefährlich leise Zwischentöne.
Ergänzt wird das Ensemble durch prägnante Nebenrollen, darunter Jeffrey Wright (Asteroid City: Kritik) als westlicher Journalist Lawrence Rowland, der neben Baranows Stimme aus dem Off als Erzähler durch Teile der Geschichte führt. Tom Sturridge ist als Oligarch Dmitri Sidorow zu sehen. In weiteren Rollen: Will Keen als Boris Berezovsky, Andrei Zayats als Igor Setschin, Dmitri Turchaninov als ehemaliger Schachweltmeister Garry Kasparow, u.v.m.
Wissenswertes zu Der Magier im Kreml (FAQ)
Basiert der Film auf einem Buch oder wahren Ereignissen?
Der Film basiert auf dem Bestseller-Roman „Le Mage du Kremlin“ von Giuliano da Empoli aus dem Jahr 2022 und feierte 2025 seine Premiere in Venedig. Die Hauptfigur Vadim Baranow ist dem realen Wladislaw Surkow nachempfunden, dem langjährigen Chefideologen und Berater von Wladimir Putin. Die erzählten politischen Ereignisse in Russland sind real, während manche Handlungen und Figuren auf nicht realen Personen / Geschehnissen basieren.
Was hat es mit Putin und den Geheimdiensten FSB und KGB auf sich?
KGB ist die Bezeichnung des russischen Geheimdienstes zu Zeiten des Kalten Kriegs (1954 bis ca. 1991), der sich sowohl um ausländische als auch um inländische Angelegenheiten kümmerte. Obwohl Putin oft als KGB-Chef bezeichnet wird, war er Chef des FSB, dem Geheimdienst, der sich um inländische Angelegenheiten kümmert – vergleichbar mit der Stasi der DDR. Richtig ist jedoch, dass Putin zuvor aktiver KGB-Agent war.
Was zeichnet Autor Guilano da Empoli aus?
Empoli war der Ex-Berater des italienischen Regierungschefs und hat sich mit seinem Wissen um die politischen Gegebenheiten ein zweites Standbein als Polit-Biograf aufgebaut. Kein Wunder das sein Buch „Der Magier im Kreml“ im Jahr 2022 für Furore sorgte. Trotz des Hinweises auf nicht reale Figuren wirkt das verfilmte bedrückend real. So ist es gar nicht so abwegig, wenn er Putin als modernen Zar Baranow als dessen Rasputin bezeichnet.
Welche weiteren Filme hat Regisseur Olivier Assayas gedreht?
Der französische Filmemacher ist u.a. bekannt für das preisgekrönte Politik-Epos „Carlos – Der Schakal“ aus dem Jahr 2010. Zudem feierte er große internationale Erfolge mit dem Drama „Wolken von Sils Maria“ (2014) sowie dem Mystery-Drama „Personal Shopper“ (2016).
Was bietet die Blu-ray von „Der Magier im Kreml“?
Die Blu-ray bietet als Bonusmaterial verschiedene Interviews von Cast und Crew, wie bspw. mit Paul Dano oder Jude Law und wie sich Law auf die Rolle Putins vorbereitete. Weiterhin gibt es neben den Interviews noch einige B-Roll Aufnahmen.
Filmdetails:
- Regie: Olivier Assayas
- Drehbuch: Emmanuel Carrère, Olivier Assayas
- Hauptdarsteller: Paul Dano, Alicia Vikander, Jude Law, Jeffrey Wright
- Genre: Drama, Polit-Thriller
- Erscheinungsjahr: 2025
- Laufzeit: 145
- FSK: ab 12 Jahren
- Heimkino-Verfügbarkeit: DVD, Blu-ray und ebenfalls bei Streaming-Portalen
Der Magier im Kreml (2025) – Mein Fazit

Olivier Assayas erzählt ein hochgradig faszinierendes Polit-Drama, basierend auf Giuliano da Empolis Roman, welches mit einer messerscharfen Inszenierung und einem hervorragenden Darsteller-Ensemble in die Abgründe politischer Machtmechanismen blickt. Dieser erzählt nicht nur die Geschichte des Medienprofis Wadim Baranow, sondern auch den Aufstieg des ehemaligen FSB-Chefs Putin, der durch die Manipulation der Massen zum russischen Präsidenten wird. Streckenweise fällt es jedoch schwer, dem Film zu folgen, wirkt er doch durch die vielen Geschehnisse und Figuren recht komplex.
Paul Dano spielt Vadim Baranov, die graue Eminenz hinter Wladimir Putin, der von Jude Law gespielt wird. Dabei liefern beide eine großartige Performance ab, sei es Dano, der Putin die Stirn bietet, oder Law, der einen eiskalten Strategen darbietet, der wortwörtlich ohne zu zwinkern über Leichen geht. Alicia Vikander stellt als Ksenia zwar die emotionale Ebene dar, doch wie bei der Figur Dimitri von Tom Sturridge und einigen mehr, wirkt deren Plot weder ganz zu Ende gedacht noch gebracht.
Fazit: An solche Titel wie bspw. Die Unbestechlichen (All the President’s Men) aus dem Jahr 1976 mit Robert Redford und Dustin Hoffman reicht Assayas‘ Magier im Kreml zwar nicht heran. Wer jedoch ein Faible für Polit-Thriller basierend auf wahren Hintergründen hat und vor komplexen Geschichten und Themen nicht zurückschreckt, kann hier auf jeden Fall mal einen Blick riskieren.
Hinweis: Das Bild- und Trailermaterial sowie das Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von LEONINE Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung © 2026 LEONINE STUDIOS – Alle Rechte vorbehalten!



