Jean Dujardin verschwindet in der Ewigkeit
Mit „Der Mann, der immer kleiner wurde“ im Original „L’homme qui rétrécit“, wagt sich Jan Kounen 2025 an das Remake des Sci-Fi-Klassikers von Jack Arnold – Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. Womit sich gleich die Frage stellte: Hat Kounen die Herausforderung wirklich mit Bravour gemeistert – oder bleibt das Original ungeschlagen? Basierend auf dem Roman von Richard Matheson erzählt der französische Filmemacher die Geschichte von Paul, einem gewöhnlichen Mann, der auf unerklärliche Weise immer mehr schrumpft. Womit kleine Probleme plötzlich lebensbedrohlich groß werden. Ob mich die Neuverfilmung überzeugen konnte oder ob ich lieber beim Original bleibe, erfahrt ihr in meiner Filmkritik samt Blu-ray Review.
Jan Kounens visuelle Odyssee im Film-Check
Worum geht’s?
Es beginnt mit einem fast beiläufigen Moment im Meer: Während Paul (Jean Dujardin) wie so oft im Meer schwimmt, gerät er in einen mysteriösen Strudel. Ein seltsames Ereignis, sicher, doch Pauls Gedanken kreisen um die drohenden Finanzierungsnot seiner Firma. Das wahre Problem kündigt sich schleichend an: Tage später scheinen seine Hemden plötzlich zu wachsen. Was er zunächst für einen bizarren Irrtum hält, wird nach etlichen medizinischen Checks zur grausamen Gewissheit: Obwohl kerngesund, wird er immer kleiner.

Als selbst die Wissenschaft nicht mehr weiter weiß, flüchtet Paul in die vermeintliche Sicherheit seiner Familie, seines Zuhauses. Zwischenzeitlich so groß wie eine Spielzugpuppe seiner Tochter. Zur seiner Sicherheit wurde die Familienkatze des Hauses verbannt, bevor sie ihn noch für Beute hält. Dennoch findet sie einen Weg hinein und treibt ihn in die Isolation des Kellers. Als seine Frau heimkehrt und nur die Katze vorfindet, vermutet sie das Schlimmste. Unbemerkt, dass er noch lebt, ist Paul nun in einer riesigen Welt im Keller gefangen – eine Umgebung, die mit jedem Tag größer und gefährlicher wird.
Die Inszenierung: Ein existenziell grotesker Albtraum
Mit Jack Arnolds Verfilmung von Richard Mathesons Roman entstand im Jahr 1957 ein Sci-Fi-Klassiker: The Incredible Shrinking Man erzählt die Geschichte von Scott Carey, der ohne sichtbaren Grund immer kleiner wird. Die Idee selbst ist nicht neu – schon in Gullivers Reisen trifft Swifts Titelheld auf winzig kleine Menschen. Matheson treibt das Konzept jedoch weiter und lässt seine Figur auf dramatische wie philosophische Weise immer weiter schrumpfen.

Jack Arnold nutzte die damaligen Mittel für einen spannenden Sci-Fi-Thriller und nutzte für das bessere Verständnis eine radioaktive Wolke als Auslöser. Regisseur Jan Kounen, der auch das Drehbuch schrieb, nutzt die heutigen Möglichkeiten vor allem für die existenziell-philosophische Tiefe seiner Geschichte, ähnlich wie Filmemacher Borgli in Dream Scenario: Kritik. Trotz grandioser Spezialeffekte liegt der Fokus klar auf dem Protagonisten – der nicht nur einem physischen Überlebenskampf, sondern auch massivem psychologischem Druck ausgesetzt ist. Hauptdarsteller Jean Dujardin (The Artist) überzeugt mit beeindruckender Intensität. Seine Gedanken verfolgt man aus dem Off, was die bedrückende Stimmung der Isolation noch verstärkt.

Positiv überrascht haben mich die gelungenen CGI-Effekte, die mit manchem US-Blockbuster locker mithalten. Man hat nur selten den Eindruck, die Umgebung sei nicht real – was auch auf Pauls Gegner, die Spinne, zutrifft. Der Clou: Sie wird bereits zu Beginn gezeigt. Auf Wunsch seiner Tochter tötet er sie nicht und sagt: „Spinnen sind nützlich.“ Dass genau dieses Wesen für ihn zum tödlichen Monster wird, ist eine grausige Metapher für die schwindende Überlegenheit des Menschen.

Obwohl mich Jan Kounens Adaption überzeugt hat, wird der Film nicht jedem gefallen. Wer einen reinen Sci-Fi-Horrorfilm erwartet, ist – abgesehen von den Kellerszenen und Spinnenangriffen – hier falsch. Die Handlung wird zwar immer wieder durch spannungsgeladene Szenen aufgelockert, der Fokus liegt jedoch klar auf dem Philosophischen Ansatz. Wer zudem leichte Unterhaltung erwartet, wird mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert: wir sind alle sterblich! Pauls finale Erkenntnis wirkt dennoch seltsam beruhigend – zumindest für alle, die mit ihrer Vergänglichkeit im Reinen sind.
Das Schauspiel: Jean Dujardin in Höchstform
Der Film ist überwiegend eine One-Man-Show – und Hauptdarsteller Jean Dujardin brilliert in jeder Minute davon. Bekannt vor allem aus den OSS 117 Komödien, beweist er eindrücklich, dass er ebenso mit dramatischen wie tragischen Figuren zu überzeugen weiß. Ob physische oder psychische Belastung – man kauft ihm jede Emotion fraglos ab.

Eine bemerkenswerte Leistung, wenn man bedenkt, dass er all dies überwiegend vor dem Bluescreen spielte, ohne viele Kulissen oder Akteure, und ihm so einzig seine Vorstellungskraft zur Verfügung stand. Besonders eindrucksvoll wird das in den Szenen, in denen er sich Insekten und besagter Spinne erwehren musste oder schwimmend mit einem Goldfisch agierte – Wesen, die erst in der Postproduktion ins Bild kamen.

Fun-Fact: Es ist nicht das erste Mal das Dujardin eine „geschrumpfte“ Person spielt. In „Mein ziemlicher kleiner Freund“ verkörperte er den kleinwüchsigen Alexandre.

An seiner Seite: Marie-Josée Croze, bekannt aus der Serie Jack Ryan, als Ehefrau Elise – sowie Daphné Richard als Tochter Mia. Auch ihre Darstellungen wissen zu überzeugen, müssen sie doch mit einer Person agieren, die buchstäblich nicht da ist.
Wissenswertes zu Film & Blu-ray (FAQ)
Wer hat den Roman „The Shrinking Man“ geschrieben?
Sci-Fi Autor Richard Matheson hat die Geschichte erdacht und seinen Roman The Incredible Shrinking Man 1956 veröffentlicht.
Wer spielte im Original die Hautrolle?
Grant Williams übernahm die Rolle von Scott Carey, der unaufhaltsam schrumpft und in einer feindlichen Welt im Keller ebenfalls mit einer Spinne kämpft. Williams war zudem noch in dem Mystery-Sci-Fi Horrorfilm Das Geheimnis des steineren Monsters und in der Serie The Munsters (Review) zu sehen.
Wurden noch weitere Bücher von Richard Matheson verfilmt?
Von ihm stammt auch das Buch „I am Legend“ aus dem Jahr 1954, welches erstmals 1971 mit Charlton Heston unter dem deutschen Titel „Der Omega Man“ verfilmt wurde. 2007 folgte ein Remake mit Will Smith (King Richard: Kritik) in der Hauptrolle.
Welche Filme drehen sich noch um schrumpfende Menschen?
- Die Fantastische Reise (1966) mit Raquel Welch (Ein irrer Typ: Kritik)
- Die unglaubliche Geschichte der Mrs. K (1981) mit Lilly Tomlin
- Die Reise ins ich (1987) mit Dennis Quaid (On a wing and a Prayer: Review)
- Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft (1989) mit Rick Moranis
- Downsizing (2017) mit Matt Damon (Stillwater: Kritik)
Wie ist die Bild- und Tonqulität der Blu-ray?
Die Blu-ray überzeugt mit gestochen scharfem Bild – besonders in den Makro-Aufnahmen kommt jede Faser und jeder Staubpartikel zur Geltung. Der Dolby-Atmos-Ton tut sein Übriges: Wenn man die nahende Spinne im Keller hört, ohne sie zu sehen, läuft einem der Schauer über den Rücken. Die Dialogverständlichkeit – inklusive Off-Stimme – bleibt dabei durchgehend klar.
Weitere Infos zu Laufzeit, FSK-Freigabe und Bonusmaterial der Blu-ray
Der Film hat eine Laufzeit von 112 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab 12 Jahren.
Bonusmaterial der Blu-ray:
- Making of mit Interviews von Cast und Crew
- Kino Trailer
- Trailer-Show
Der Mann, der immer kleiner wurde (2025) Fazit:

Im Gegensatz zur Verfilmung von Jack Arnold, basierend auf Mathesons Romanvorlage aus den 1950er-Jahren, ist Jan Kounens Film weit mehr als ein reiner Abenteuerfilm oder Science-Fiction-Drama. Abseits der spannungsgeladenen Kellerszenen entfaltet sich eine intensive Geschichte über schwindende Kontrolle, Überforderung und die Erkenntnis über die Endlichkeit des Seins.
Mit einer herausragenden Performance von Jean Dujardin vermittelt der Film Pauls existenzielle Ängste in einer immer größer werdenden Welt. In dieser wird selbst eine Hauskatze oder gar eine kleine Spinne zur tödlichen Gefahr. Die extreme Isolation ist unheimlich bedrückend, und doch ist der Überlebenswille der Figur so stark, dass man als Zuschauer bei jeder weiteren Entwicklung mitfiebert.
Fazit: Wer seichte Unterhaltung erwartet, ist hier falsch. Der Film ist ein packendes Mystery-Drama und zugleich eine Allegorie auf die menschliche Existenz. Eine visuell berauschende und emotional aufwühlende Reise, die zeigt, dass Größe im Kopf entsteht, auch wenn der Körper im atomaren Nebel des Mikrokosmos verschwindet.
Transparenz-Hinweis: Das Bild- und Trailer-Material sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von LEONINE Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 LEONINE STUDIOS – Alle Rechte vorbehalten!



