Dead Man’s Wire (2025) – Kritik

Inhaltsverzeichnis

Solides True-Crime-Drama mit Bill Skarsgård

Regisseur Gus Van Sant erzählt uns die wahre Geschichte des hoch verschuldeten Immobilienspekulanten Anthony „Tony“ Kiritsis. Dieser entführt am 08. Februar 1977 seinen Banker Richard Hall mit vorgehaltener Schrotflinte und verlangt Wiedergutmachung. Van Sant gelang ein atmosphärisches Drama über eine der kuriosesten Entführungen aller Zeiten. Dafür mangelt es dem Film leider an emotionaler Tiefe und dramaturgischer Spannung. 

Dabei geht es um einen Mann, der sich von der Finanzbranche betrogen fühlt und neben dem verlorenen Geld eine Entschuldigung und obendrein Strafimmunität fordert. Das Skurrile dabei, der Entführer erkennt sein kriminelles Handeln selbst gar nicht. Die Hauptrolle übernahm Bill Skarsgård, der in diesem True-Crime-Setup einmal mehr seine schauspielerischen Möglichkeiten auslotet. Ob mich der Film überzeugen konnte, verrät meine Filmkritik mit einem Blick auf die Blu-ray. 

Worum geht’s eigentlich in Dead Man’s Wire?

Am 08. Februar 1977 betritt Tony Kiritsis (Bill Skarsgård) in Indianapolis das Büro der Meridian Mortgage Company. Er ist sich sicher, dass er von seinem Geldgeber betrogen wurde, worauf er alsbald in dem Büro seines Brokers Richard O. Hall (Dacre Montgomery) aufschlägt. Nicht gerade Richards Glückstag, bindet ihm doch Kiritsis eine Drahtschlinge um den Hals, die mit dem Abzug seiner abgesägten Schrotflinte verbunden ist und zwingt Richard, ihn in sein Apartment zu begleiten. 

Dramatische Szene mit zwei Männern und einem herannahenden Polizisten.
Tony (Bill Skarsgård) führt Richard mit einer Schrottflinte am Kopf zu seinem Auto

Was folgt, ist eine 63-stündige Geiselnahme, bei der Tony fünf Millionen Dollar, eine persönliche Entschuldigung des Firmengründers M.L. Hall (Al Pacino) und zudem vollständigen Straferlass fordert. Als sich M.L. weigert, wendet sich Tony an Radiomoderator Fred Temple (Colman Domingo), um seine Geschichte bekannt zu machen. Dabei bleibt die Frage: Wird Richard dieses Märtyrium überleben, wenn sein Entführer nicht das bekommt, was er fordert? 

Eine kuriose Geschichte mit recht wenig Nervenkitzel

Gus Van Sants Film basiert auf den kuriosen, aber wahren Geschehnissen aus dem Jahr 1977 rund um den kleinen Immobilien-Entwickler Anthony Kiritsis. Da sich dieser von seinem Kreditgeber betrogen fühlte, entführte er kurzerhand mittels Waffengewalt den Junior-Chef. Dabei verlangte er fünf Millionen Dollar Wiedergutmachung, eine persönliche Entschuldigung und recht dreist auch noch vollständige Strafimmunität. Der reale Hintergrund ist dabei derart surreal und teils dilettantisch abgelaufen, dass man sich nicht mal wundert, dass Kiritsis wegen Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen wurde. 

Detektiv in Lederjacke neben Oldtimer auf verschneiter Straße.
Cop Mike (Cary Elwes) kann Tony ebenfalls nicht aufhalten

Der Film startet direkt und ohne wirkliche Erklärungen, somit wird man gleich Zeuge der Geiselnahme. Die eigentliche Hintergrundgeschichte und Intention erfährt man jedoch erst im Apartment des Entführers. Wer nun ein Feelgood-Drama erwartet, welches einen kleinen Mann gegen die Finanzbranche zeigt, der irrt. Letztlich geht es um einen cholerischen Soziopathen, der an der Realität vorbeilebt und mittels Gewalt sein vermeintliches Recht durchsetzen will.

Das Drama spielt auf drei Ebenen: die Polizei vor dem Wohngebäude, Richard und Tony im Apartment sowie Radiomoderator Temple und M.L. als Zaungäste. Das Geschehen wirkt wie ein langatmiges Tauziehen darum, wer letztlich Recht hat. Die Interaktion zwischen Geisel und Entführer wirkt dabei recht anstrengend, da Tony verbal immer wieder in zwei Extreme aus Mitleid und blankem Zorn verfällt. Während der 105 Minuten Laufzeit ist man sich schlicht nicht mehr sicher, ob man die Hauptfigur bedauern oder hassen soll. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.

Älterer Mann mit Brille telefoniert mit einem rosa Telefonhörer.
M.L. Hall (Al Pacino) sieht es nicht ein sich zu entschuldigen

Regisseur Gus Van Sant, der solche Klassiker wie Good Will Hunting (1997) oder Milk (2008) inszenierte, setzt auf viel Atmosphäre und einen leicht dokumentarischen Stil. Dabei verliert er sich jedoch irgendwo zwischen Gesellschaftskritik und Selbstjustiz-Drama. Zudem zeigt das Drehbuch von Austin Kolodney spürbare Schwächen bei Tempo und Spannung. Dafür können die Darsteller, Kamera, Ausstattung und Kostüme überzeugen, fühlt man sich doch in die 70er-Jahre zurückversetzt.

Ein starker Bill Skarsgård plus eine solide Besetzung

Nachdem Skarsgård bereits in dem Actioner Boy Kills World (Kritik), in dem Thriller Locked (Kritik) und als kultige Horrorgestalt Pennywise in Stephen Kings ES überzeugen konnte, versucht er sich nun als cholerischer Geiselnehmer. Der Film bietet ein paar Originalaufnahmen, die den echten Kiritsis zeigen, dabei fällt auf, dass Skarsgårds Spiel teils unangenehm und sprunghaft wirkt. Dies wirkt nah am Overacting, was aber vermutlich der Originalfigur geschuldet sein wird.

Journalistin mit Afro-Frisur hält ein Mikrofon von Kanal 12.
Reporterin Linda (Myha’la) hofft eine Top-Story

Richard O. Hall wird von Dacre Montgomery (Stranger Things) verkörpert, dessen durchlebte Tortur stets spürbar ist. Al Pacino (Der Pate: Kritik) spielt dessen skrupellosen Vater M.L. Hall, Chef der Meridian Mortgage Broker Company. Cary Elwes (Mission: Impossible – Final Reckoning: Kritik) spielt Polizist Mike, während Myha’la die aufstrebende Reporterin Linda Page spielt, die mit Kameramann John (John Robinson) auf die große Story hofft. Colman Domingo (The Running Man: Kritik) ist als Radiomoderator Fred Temple zu sehen. 

Wissenswertes zu Film und Blu-ray (FAQs):

Ja, der Film basiert auf den wahren Geschehnissen, nachdem Tony Kiritsis 1977 seinen Hypothekenmakler Richard Hall über 63 Stunden lang als Geisel nahm.

Bereits 2024 gab es Hinweise darauf dass der deutsche Filmemacher Werner Herzog zusammen mit Darsteller Nicolas Cage diese Story verfilmen wollte. Das Projekt kam jedoch nie zustande.

Obwohl die Ereignisse genug Stoff für Bonusmaterial geboten hätten, befindet sich leider nur der Trailer sowie eine Trailer-Show auf der Disc.

Dead Man’s Wire (Film 2025) – Fazit:

Blu-ray-Cover von Dead Man's Wire mit Bill Skarsgård
Dead Man’s Wire: Blu-ray
Wertung: 6 / 10 ★

Van Sants Film ist eine handwerklich solide True Story, die an Titel wie Hundstage (ebenfalls mit Al Pacino) oder Falling Down mit Michael Douglas erinnert, jedoch nicht an deren Qualität heranreicht. Der Film punktet zwar durch seine visuelle Gestaltung, den authentischen 70er-Jahre Style und durch das gute Ensemble, leidet dafür aber an Längen und wenig Spannung. Trotz dieser Makel weiß der Film aufgrund der realen Begebenheit als filmisches Zeitdokument zu überzeugen. 

Die Darsteller Bill Skarsgård als cholerischer Tony und Dacre Montgomery als gebeutelter Richard funktionieren wunderbar zusammen. Wobei gerade Skarsgård stark am Overacting kratzt, was wohl der Original-Figur geschuldet sein dürfte. Fans von Al Pacino erleben den Meister seines Fachs leider nur in wenigen Szenen. 

Wer einen handfesten Thriller oder ein Kleiner-Mann-gegen-böse-Banker-Drama erwartet, liegt beide Male falsch. Hier trifft eiskaltes Finanzbusiness auf rohe Selbstjustiz. Wer ein Faible für True-Crime-Stories wie Bandit (Kritik) oder Ich bin Dagobert (Kritik) hat und die Geschichte hinter dieser skurrilen Geiselnahme erfahren möchte, sollte einen Blick riskieren. 

Das Rezensionsexemplar wurde mir von LEONINE Home Entertainment unentgeltlich und ohne Einfluss auf meine redaktionelle Bewertung zur Verfügung gestellt. Bild- & Trailermaterial © 2026 LEONINE STUDIOS – Alle Rechte vorbehalten!

Marc Maurer
Marc Maurer

Als zertifizierter Online-Redakteur mit IT- und Mediengestalter-Hintergrund schreibe ich seit 2020 auf GlotzCleverTV Kritiken zu Filmen & Serien sowie Reviews zu Heimkino und Technik – unabhängig, kritisch und direkt aus dem Schwarzwald.