Sheila (1973) – Mediabook Review

Ein perfides Spiel, sechs Verdächtige, ein Mörder!

„Sheila“ (Originaltitel: „The Last of Sheila“, 1973) ist ein raffinierter Krimi der 70er-Jahre von Regisseur Herbert Ross. In diesem clever konstruierten Whodunit-Thriller treffen Ikonen wie James Mason, Raquel Welch und James Coburn aufeinander, um ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel auszutragen. 

Im Mittelpunkt steht ein exzentrischer Film-Produzent, der zum Schein ein paar „Freunde“ zu einem seiner perfiden Gesellschaftsspiele auf seine Yacht einlädt – allerdings nicht zum Vergnügen: Insgeheim plant er, dass sich der wahre Mörder seiner Frau selbst entlarvt – was als makaberes Spiel beginnt, endet mit einem weiteren Mord! Ob der Krimi-Klassiker auch heute noch fesselt oder untergeht und wie das Mediabook von Plaion Pictures abschneidet, verrät meine Filmkritik samt Mediabook-Review.

The Last of Sheila: Trailer (O-Ton Englisch)

Der 70er-Jahre Krimi-Thriller im Film-Check

Worum geht’s in Sheila?

Während einer glamourösen Party des Filmproduzenten Clinton Greene (James Coburn) verlässt seine Frau Sheila völlig aufgelöst das Haus. Auf den dunklen Straßen wird sie von einem Auto überfahren, und zum sterben zurückgelassen. Ein Jahr nach diesem tragischen Vorfall lädt dieser sechs seiner „Freunde“ auf seine luxuriöse Yacht an der südfranzösischen Küste ein. Doch dieser führt nichts Gutes im Schilde: Er veranstaltet ein makabres Enthüllungsspiel, bei dem jeder Gast eine Karte enthält die ein dunkles Geheimnis aufdeckt.

Joan Hackett als Lee und Richard Benjamin als Tom aus Sheila 1973
Lee (Joan Hackett) und Tom (Richard Benjamin) wissen nicht weiter

Noch ahnen Tom (Richard Benjamin), Christine (Dyan Cannon), Philip (James Mason), Lee (Joan Hackett), Anthony (Ian McShane) und Alice Wood (Raquel Welch) nicht, welch perfide Plan hinter dieser Einladung steckt. Der Filmproduzent will sie gezielt ihren Sünden konfrontieren und damit erreichen das sich der wahre Täter selbst entlarvt. Doch das Game eskaliert als sie Greenes Leiche entdecken. Diesen wird schnell klar: Das war kein Unfall, sondern eiskalter Mord. Doch wer von ihnen ist ein mehrfache Mörder?

Ein Mörderisches Katz-und-Maus – clever bis zum Schluss?

Regisseur Herbert Ross inszenierte einen raffinierten Mystery-Thriller. Außergewöhnlich ist die Beteiligung von Alfred Hitchcocks legendärem Norman-Bates-Darsteller Anthony Perkins und Musical-Komponist Stephen Sondheim als Drehbuch Autoren. Diese entwarfen einen Plot um einen Mann der ein Gesellschaftsspiel veranstaltet, um den Täter zu finden der für den Tod seiner Frau verantwortlich war. Die Geschichte ist ihnen, trotz kleinerer Schnitzer recht gut gelungen, das Highlight ist jedoch die Besetzung. 

Über allem thront der zynische Gastgeber, der seinen „Freunden“ unverblümt und teils schon boshaft den Spiegel vorhält. Die Dialoge werden im Verlauf somit immer schärfer, während der Widerstand der Teilnehmer gegenüber dem Gastgeber wächst. Das Skript verrät dabei nicht zu früh wer der wahre Täter ist, besser noch, es könnten alle oder gar keiner gewesen sein. Das Ratespiel endet abrupt als der Gastgeber selbst ums Leben kommt. Hier wirkte es auf mich etwas befremdlich dass keiner der Figuren ernsthaft geschockt wirkte.

Richard Benjamin als Tom wirkt überrascht aus Sheila 1973
Tom (Richard Benjamin) findet einen überraschenden Hinweis

Die falschen Fährten waren recht clever, denn eigentlich waren ja alle Protagonisten darauf angewiesen, das Clinton ihnen beruflich wieder auf die Beine half. Wer also ein Motiv haben diesen zu ermorden? Manche Handlungen erschienen jedoch auf ersten Blick etwas unlogisch – Die Auflösung dieser Widersprüche bekommt man zwar nicht vollständig, jedoch mit einem bitterbösen Ende präsentiert. Trotz 120 Minuten Laufzeit wirkt der Mystery Krimi straff erzählt und enthält nur wenige Längen.

Die Kameraführung – oft aus der POV-Perspektive – konnte immer wieder die Spannung anheben, während das isolierte Setting an Bord der Yacht ist wie schon in „Tod auf dem Nil“ ebenfalls clever gewählt war: Dies macht es dem Zuschauer nicht zu leicht den Täter zu erraten, da eigentlich alle immer an einem Ort sind. Die Locations an der südfranzösischen Küste, dem Hafenstädtchen und dem Kloster, wie auch die Musik unterstreichen diesen Suspense-Stil zudem wunderbar.

Richard Benjamin als Tom und Joan Hackett als Lee mit Whiskey Flasche aus Sheila 1973
Tom (Richard Benjamin) sieht das Lee (Joan Hackett) wieder betrunken ist

Im Vergleich zu Agatha Christies Krimi-Verfilmung „Mord im Orient-Express (1974)“ mit dem grandiosen Albert Finney (Wolfen: Kritik) als Detektiv Hercule Poirot verliert Ross‘ Film spürbar. Sidney Lumet schaffte es, den oder die Täter bis zum Schluss unerkannt zu lassen – was natürlich auch der Stärke der Vorlage geschuldet ist. Bei Ross Version eines Krimis schmilzt der Kreis der vermeintlichen Täter hingegen recht schnell zusammen. Dafür punktet der Film bei der Enthüllung um Sheilas Tod umso mehr: Hier treten Abgründe zutage, mit denen man nicht rechnet.

Die Besetzung: James Coburn, Raquel Welch und Co. auf Mörderjagd

Für seinen Krimi konnte Ross einige namhafte Darsteller der 70er-Jahre versammeln. Allen voran James Coburn (Gesprengte Ketten: Kritik), der seine Figur Clinton Greene in jedem Moment verächtlich, boshaft und äußerst zynisch darstellt – perfekt, um den Zuschauer zu triggern. Man wartet regelrecht darauf, dass Greene ebenfalls bald das Zeitliche segnet. Richard Benjamin (Westworld – 1973) verkörpert den erfolglosen Drehbuchautor Tom auf betont ruhige Art – ein Mann, der hofft, seinem Gastgeber eines seiner Skripte verkaufen zu können.

Joan Hackett (Auch ein Sheriff braucht mal Hilfe) spielt Toms reiche Ehefrau Lee, die seit einiger Zeit mit psychologischen Problemen kämpft und an der Flasche zu hängen scheint. James Mason (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde) spielt den alternden Regisseur Philip und kommt dem wahren Täter immer näher – verbirgt aber selbst ein böses Geheimnis. Ian McShane (Ballerina – From the World of John Wick: Kritik) gibt den Aufbrausenden, bei dem sich im Verlauf herausstellt, dass er bereits einmal im Knast gesessen hat.

Ian McShane als Anthony blickt berechnend aus Sheila (1973)
Anthony (Ian McShane) scheint etwas zu verbergen

Raquel Welch (Ein irrer Typ: Review) dürfte als Alice neben Lee der ruhigste Charakter sein – dennoch scheint sie eine Affäre mit einem der anderen zu haben. Dazu gesellt sich Dyan Cannon als nymphomanische Agentin Christine, die sich ihre Lover auch unter der Crew der Yacht sucht. Dabei bewegt sich ihr Spiel immer wieder am oberen Limit des Overacting, was der Figur eine gewisse schizophrene Art verleiht – der man alles zutrauen kann.

Die Chemie zwischen den Darstellern passt wunderbar. Ihre zum Schein aufgesetzte Freundlichkeit kann nicht verbergen, wie stark der Futterneid unter den Filmschaffenden ausfällt. Hier treffen berechnende Egos aufeinander – und selbst die harmloseste Figur könnte ein mehrfacher Mörder sein. Teils wirkt die Charakterisierung von Drehbuchautor Anthony Perkins wie eine Abrechnung mit der Künstlergilde. Kein Wunder, dass er letztlich sogar mit dem Edgar Award für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde.

Was bietet das Mediabook von Plaion Pictures?

Plaion Pictures liefert ein optisch überzeugendes Mediabook ab – überwiegend matt, wobei die Filmplakat-Elemente glänzend hervorgehoben wurden. Das Mediabook enthält sowohl die Blu-ray als auch die DVD des Films. Das Bild der getesteten BD ist für das Alter ohne Fehl und Tadel, obwohl man zu Beginn des Films Übles vermutet. Nach der Einleitung ist das Bild scharf, kontrastreich und farblich sauber abgestimmt. Der Schwarzwert überzeugt besonders in den dunklen Szenen, da hier keine Details verschluckt werden. Das Booklet bietet Szenenbilder und eine ausführliche Beschreibung / Analyse von Autor Stefan Jung. 

Bonusmaterial:

  • Trailer from Hell
  • Audiokommentar mit Richard Benjamin, Dyan Cannon & Raquel Welch
  • Production-Short mit Stephen Sondheim
  • Kinotrailer
  • 24-seitiges Booklet mit Text von Stefan Jung

Wissenswertes zu Film & Blu-ray (FAQ)

Sheila Greene war die Frau von Clinton Greene, die zu Beginn des Films einem Fahrerflucht-Unfall zum Opfer fällt. Clinton benennt seine Jacht nach ihr und veranstaltet an Bord das sogenannte „Sheila Greene Memorial Gossip Game“ – offiziell als Gedenkspiel zu ihren Ehren. 

Das Drehbuch wurde von dem legendären West Side Story Komponisten Stephen Sondheim und Schauspieler Anthony Perkins verfasst – bekannt als Norman Bates in Hitchcocks Psycho und Vater von Longlegs-Regisseur Osgood Perkins (Longlegs: Review). Beide waren privat eng befreundet und begeisterte Mystery-Krimi-Fans – eine Leidenschaft, die direkt in die Handlung einfloss.

Rian Johnson hat in Interviews mehrfach betont, dass „The Last of Sheila“ ihn zu seinem Whodunit-Krimi Knives Out inspiriert hat.

Der Originaltitel des Films lautet „The Last of Sheila“ von 1973. Die Blu-ray hat eine Laufzeit von 119 Minuten, die DVD kommt auf 114 Minuten. Der Film hat eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten.

Sheila (The Last of Sheila – 1973) Fazit:

Sheila (1973) Mediabook Cover
Sheila (1973): Mediabook
Wertung: 7.5 / 10 ★

Unter der Regie von Herbert Ross entstand ein außergewöhnlicher 70er-Jahre Thriller, der zudem ein zynisches Porträt über die Filmschaffenden Hollywoods zeichnet. Die Frau eines Filmproduzenten wird überfahren, doch der fahrerflüchtige Täter wird nicht gefasst, so nimmt der Ehemann die Angelegenheit selbst in die Hand. Dazu veranstaltet dieser ein perfides Gesellschaftsspiel für sechs „Freunde“, unter denen er den wahren Täter vermutet.

Das Drehbuch von Anthony Perkins und Stephen Sondheim, setzt statt auf plumpe Action, auf scharfzüngige Dialoge und boshafte psychologische Spielchen. Dennoch verliert der Film im direkten Vergleich gegen Genregrößen wie „Mord im Orient-Express“ (1974). Die räumliche Enge der Yacht, die bösartige Atmosphäre und moralische Abgründe treiben die Spannung dafür immer wieder voran. Ebenso entschädigt die stark aufspielende Besetzung – allen voran James Coburn – für kleinere Patzer, und das bitterböse Ende setzt dem Film die Krone auf.

Der Film ist ein Muss für Krimi-Fans und Cineasten, die eine Vorliebe für den authentischen Look der 70er-Jahre haben und moderne Whodunits wie „Knives Out“ lieben – denn hier liegen deren Wurzeln. Wer Freude daran hat mitzurätseln, falsche Fährten aufzudröseln und einen Blick in die Abgründe einer egozentrischen Upper-Class zu werfen, wird mit diesem Klassiker bestens bedient.

Transparenz-Hinweis: Das Rezensionsexemplar des Mediabooks wurde uns freundlicherweise von Plaion Pictures zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © Plaion Pictures 2026 Rechteinhaber – Alle Rechte vorbehalten!

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