Black Phone 2 – Kritik zum Horror-Sequel

Das Totenreich hat den Greifer wieder ausgespuckt!

Es war eine der Überraschungen des Kinojahres 2022: Scott Derrickson kehrte mit der Verfilmung einer Kurzgeschichte von Joe Hill zu seinen Horror-Wurzeln zurück und landete mit The Black Phone einen Volltreffer. Das Kammerspiel um ein schwarzes Telefon im Keller, die Geister toter Kinder und einen maskierten Kindermörder spielte weltweit über 160 Millionen US-Dollar ein. Angesichts dieses Erfolgs war ein Sequel unvermeidlich.

Im Oktober 2025 war es so weit: Universal Pictures brachte Black Phone 2 in die Kinos – nun liegt mir die Heimkinoauswertung vor. Doch wie haben Derrickson und Cargill die Geschichte fortgesetzt, die eigentlich abgeschlossen war? Sie schufen eine Fortsetzung, die den ersten Teil nicht kopiert, sondern konsequent erweitert. Warum das funktioniert, verrate ich in meiner ausführlichen Filmkritik und kläre in einem kurzen Review, was die Blu-ray zu bieten hat.

Black Phone 2: Trailer

Derricksons Black Phone 2 im Film-Check

Worum geht’s?

Vier Jahre sind vergangen und trotz der grauenvollen Ereignisse versuchen Finney (Mason Thames) und seine Schwester Gwen (Madeleine McGraw), ein normales Leben zu führen – doch das Trauma sitzt tief. Finn kämpft weiterhin gegen die Erinnerungen und die Toten, die sich bei ihm melden und um Hilfe bitten. Gwen wird derweil von mysteriösen und beängstigenden Visionen über ihre Mutter Hope (Anna Lore) sowie weitere Opfer des Greifers geplagt. Antworten scheint es nur im abgelegenen Jugendlager Camp Alpine Lake zu geben. Kaum angekommen, wird das Camp vom schlimmsten Schneesturms seit Jahren heimgesucht.

Mason Thames als Finney und Madeline McGraw als Gwenn aus Black Phone 2
Finn (Mason Thames) und Gwen (Madeline McGraw) im Camp Alpine

Während die eisige Kälte draußen alles zum Erliegen bringt, beginnt das Grauen von Neuem. Gwens Visionen werden intensiver und die Geschwister erkennen, dass der Horror noch nicht vorbei ist. Begann der Greifer doch schon 1957 direkt hier im Jugendlager, Angst und Schrecken zu verbreiten. Zusammen mit Ernesto (Miguel Mora), Campleiter Armando (Demián Bichir) und dessen Nichte Mustang (Arianna Rivas) gehen sie der Sache auf den Grund. Als Finney einen Anruf aus dem Reich der Toten erhält, wird ihnen klar, dass der Greifer sein grausiges Werk noch nicht vollendet hat.

Die Inszenierung: Zwischen Schneehölle und Albtraum

Regisseur Scott Derrickson bleibt seinem Stil treu und setzt weniger auf billige Jump-Scares als vielmehr auf eine dichte, beklemmende Atmosphäre. Das Setting im winterlichen Camp Alpine Lake sorgt für eine düstere Stimmung, die aufgrund eines Schneesturms noch deutlich bedrückender wirkt. Kein Wunder also, dass sich Genre-Kenner sofort an Stanley Kubricks Shining erinnert fühlen. Der Film spielt vier Jahre nach den Ereignissen von 1978 und zeigt mit zunächst noch gemäßigtem Pacing, dass die Charaktere weiterhin schwer gezeichnet sind.

Mason Thames als Finn sitzend auf einem Stockbett aus Black Phone 2
Finn (Mason Thames) ahnt furchtbares

Nach dieser kurzen Einführung zieht Derrickson, der gemeinsam mit C. Robert Cargill erneut das Drehbuch schrieb, das Tempo merklich an. Wer sich nun an klassische Horrorfilme erinnert fühlt, liegt damit nicht falsch. Das Camp erinnert ziemlich stark an das Camp am Crystal Lake aus Freitag der 13: Kritik. Und wer bei den Alptraum-Sequenzen und dem Auftreten des Greifers nicht sofort an Nightmare – Mörderische Träume (1984) denkt, hat wohl die 80er-Jahre verpasst. Hat Derrickson hier also einfach nur bei Horrorfilm-Klassikern geklaut?

Demián Bichir als Mando in einer Schlüsselszene aus Black Phone 2
Mando (Demián Bichir) kennt jetzt die Wahrheit

Mitnichten – hier muss man klar sagen: lieber gut kopiert als schlecht recycelt, wenn man beispielsweise an das Remake von A Nightmare on Elm Street von 2014 denkt. Derrickson verbindet dabei drei Klassiker auf bemerkenswerte Weise. Das Besondere daran: Er lässt Ethan Hawke als Greifer genügend Freiraum, um neben den großen Horror-Ikonen als eigenständigen Charakter zu bestehen. Zudem kommt seine Bösartigkeit in Teil 2 noch stärker zur Geltung.

Fortsetzungen kämpfen häufig mit einer schwachen oder gar kopierten Story – nicht so bei Black Phone 2. Dachte man nach dem ersten Teil noch, die Geschichte sei beendet, erweitern die Autoren die Handlung konsequent weiter. Dieses Mal geht es um Finns Schwester und das Mysterium ihrer verstorbenen Mutter. Das Skript schlägt dabei eine Brücke zu vergangenen Ereignissen. Damit liegt es an den Geschwistern, die Vergangenheit zu entwirren, drei Jungen von ihrem Fluch zu erlösen und den Mörder endgültig in die Hölle zu schicken.

Madeline McGraw als Gwen und Ethan Hawke als Greifer in Eiswasser-Szene aus Black Phone 2
Gwen (Madeline McGraw) stellt sich dem Greifer (Ethan Hawke)

Mit dem Camp, den neuen Figuren und dem Twist um Gwens Mutter schufen die Macher ein überzeugendes Script. Die düstere Location samt übersinnlichem Katz-und-Maus-Spiel rund um das Camp, wurden durch den dreckigen Super-8-Look in den Traumsequenzen visuell hervorragend in Szene gesetzt. So entsteht eine verstörend surreale und unheilvolle Atmosphäre. Die übernatürliche Darstellung des Greifers gehört dabei zu den Highlights des Films. Neben dem grausamen Aspekt bietet Black Phone 2 auch einige brutalere Szenen. Slasher- und Gore-Fans dürfte der Härtegrad jedoch nicht ausreichen.

Die Darsteller des traumatischen Horror-Trips

Obwohl sich Mason Thames (Monster Summer: Kritik) in Hollywood zunehmend zu einem gefragten Jungdarsteller mausert und zuletzt in der Realverfilmung von Drachenzähmen leicht gemacht zu sehen war, spielt er dieses Mal eher die zweite Geige. Dabei zeigt er, wie sein Charakter Finn versucht, mit Wut und Joints gegen die Nachwehen des Erlebten anzukämpfen. Seine Darstellung des gebeutelten Finn, der dauerhaft zwischen extremer Wut und Angst schwankt, ist ebenso überzeugend wie seine Hilflosigkeit, die eigene Schwester vor dem Übernatürlichen nicht schützen zu können.

Somit steht Madeleine McGraw (The Black Phone: Kritik) im Mittelpunkt – ihr von Angst und Neugier geprägtes Spiel ist ebenso überzeugend wie das ihres Filmbruders. Gilt es doch herauszufinden, weshalb ihre Mutter tatsächlich hängend am Strick aufgefunden wurde. Dabei stiehlt sie fast jede Szene – durch ihre Darstellung von Gwens Visionen, ihre nicht gerade subtile Schlagfertigkeit und trotz der gezeigten Stärke ihre Verletzlichkeit.

Mason Thames als Finn und Ethan Hawke mit Greifer Maske in einer Telefonzellen Szene aus Black Phone 2
Der Greifer (Ehtan Hawke) hat noch eine Rechnung mit Finn (Mason Thames) offen.

Ethan Hawke (The Northman: Kritik) kehrt als Antagonist wieder in die Rolle des Grabbers / Greifers zurück. Hawkes Darstellung des perfiden Killers legt in Teil 2 nochmals eine Schippe drauf, und selbst seine ruhigeren Szenen wirken unheilvoll bedrohlich. Sein Spiel macht klar, dass die Bösartigkeit des Greifers nun keine Grenzen mehr kennt – so wirkt er wie ein Upgrade, eine Art Freddy Krueger 2.0.

Jeremy Davies (American Gods: Kritik) spielt wieder Terence, den Vater der Geschwister. Neu dabei sind Anna Lore als Mutter Hope; Miguel Mora ist in einer Doppelrolle als Ernesto, den Bruder von Robin, zu sehen, den er bereits in Teil 1 spielte. Demián Bichir (Godzilla vs. Kong: Kritik) spielt Campleiter Mando, ihm zur Seite steht Arianna Rivas als Mandos mutige Nichte Mustang. Maev Beaty (Dream Scenario: Kritik) und Graham Abbey (Murdoch Mysteries: Kritik) spielen das Ehepaar Barbara und Kenneth.

Wissenswertes zu Film & Blu-ray (FAQ)

Nein, aber das Drehbuch wurde in enger Zusammenarbeit mit Autor Joe Hill verfasst.

Ja, denn sonst fehlen wichtige Informationen bzgl. der Geschwister Finney und Gwen und besonders dem Martyrium welches die Finn im Keller des Greifers durchlebt.

Meiner Meinung nach ist das Sequel dem ersten Teil von Black Phone ebenbürtig ausgefallen. Zwar ist auch Black Phone 2 nicht frei von kleinen Fehlern, dafür erhält der Film Bonuspunkte, da er die Geschichte konsequent, sinnig und spannend fortführt.

Black Phone 2 hat eine Laufzeit von 114 Min. und erhielt eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren.

Die Blu-ray bietet folgende Extras:

  • Geschnittene Szenen
  • Dialed In: Die Besetzung von Black Phone 2
  • Eine in Eis geritzte Geschichte
  • Audiokommentar mit Scott Derrickson
  • Trailer

Black Phone 2 (2025) Fazit:

Black Phone 2 - Blu-ray Cover Abbildung
Black Phone 2: Blu-ray
Wertung: 7 / 10 ★

Mit Black Phone 2 ist Scott Derrickson und C. Robert Cargill das seltene Kunststück gelungen, eine Horrorfilm Fortsetzung zu drehen, die den Vorgänger nicht kopiert, sondern diesen konsequent erweitert. Die Verlagerung der Handlung in ein isoliertes Feriencamp, welches selbst seit dem Jahr 1957 unter grauenvollen Taten leidet, verleiht der Story mehr Tiefe. Kein simpler Aufguss, denn nun geht man der Frage nach, warum sich die Mutter einst umgebracht hat.

Die Chemie zwischen Thames und McGraw trägt den Film über kleine Längen hinweg. Wenn Gwen in ihren Visionen die Grenze zum Totenreich überschreitet, liefert der Film Bilder, die man nicht so schnell vergisst. Ethan Hawke bleibt als der Greifer das Highlight und zementiert mit dem zweiten Teil seinen Anspruch, eine Ikone des modernen Horrorfilms zu werden.

Fazit: Ein packendes, düsteres und handwerklich gelungenes Sequel, das die Stärken des ersten Films beibehält, den Plot konsequent weiterführt und um eine klaustrophobische Winter-Atmosphäre erweitert. Für Fans des ersten Teils sowie für alle Horrorfilm-Fans, die nicht nur schnöde Slasher- und Gore-Szenen sehen wollen, lohnt sich Black Phone 2 allemal.

Transparenz-Hinweis: Das Bild- und Trailer-Material sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von Plaion Pictures / Universal Pictures zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 Universal Pictures – Alle Rechte vorbehalten!