Ist Black Phone 2 besser als The Black Phone?
Nach The Black Phone aus dem Jahr 2021 legte Scott Derrickson 2025 mit seiner Fortsetzung Black Phone 2 nach. Doch wie erzählt man eine vermeintlich abgeschlossene Geschichte weiter? Gemeinsam mit Co-Autor C. Robert Cargill setzt Derrickson nicht auf Wiederholung, sondern erweitert die Geschichte konsequent: ein neues Setting, neue Figuren und ein vergangenes Mysterium rücken in den Mittelpunkt – während Ethan Hawke als „Greifer“ nun noch bedrohlicher und gnadenloser wirkt als zuvor.
Mir liegt nun die Heimkino-Veröffentlichung vor und es stellen sich zwei zentrale Fragen: Kann die Fortsetzung Fans des ersten Teils überzeugen? Und fällt Black Phone 2 härter aus, sodass auch Horror- und Slasher-Fans auf ihre Kosten kommen? So viel vorab: Black Phone 2 lohnt sich allemal. Die Antworten gibt es in meiner ausführlichen Filmkritik inklusive kurzem Blu-ray-Review.
Derricksons Horrorfilm Fortsetzung im Film-Check
Worum geht’s?
Vier Jahre sind vergangen und die Geschwister Finney (Mason Thames) und Gwen (Madeleine McGraw), versuchen trotz der grauenvollen Ereignisse ein normales Leben zu führen – doch das Trauma sitzt tief. Finn kämpft weiterhin gegen die Erinnerungen, wie auch die Toten sich immer noch bei ihm melden. Gwen wird derweil von mysteriösen und beängstigenden Visionen über ihre Mutter Hope (Anna Lore) und weitere Opfer des Greifers geplagt. Antworten scheint es nur im abgelegenen Ferienlager Camp Alpine Lake zu geben.

Kaum angekommen, schneidet sie ein Schneesturm von der Außenwelt ab, während das Grauen von Neuem beginnt. Gwens Visionen werden intensiver und die Geschwister erkennen, dass der Albtraum noch nicht vorbei ist. So scheint der Greifer bereits 1957 direkt hier im Jugendlager, Angst und Schrecken verbreitet zu haben. Zusammen mit Ernesto (Miguel Mora), Campleiter Armando (Demián Bichir) und dessen Nichte Mustang (Arianna Rivas) gehen sie der Sache auf den Grund. Als Finney einen Anruf aus dem Reich der Toten erhält, wird ihnen klar, dass der Greifer auf Rache sinnt und Gwen töten will.
Die Inszenierung: Zwischen Schneehölle und Albtraum
Der Film spielt vier Jahre nach den schrecklichen Ereignissen rund um Finns Entführung und zeigt mit zunächst gemäßigtem Pacing, dass die Charaktere das erlebte immer noch nicht verdaut haben. Regisseur Scott Derrickson bleibt seinem Stil treu und setzt weniger auf billige Jump-Scares als vielmehr auf eine dichte, beklemmende Atmosphäre. Das Setting im winterlichen Camp Alpine Lake sorgt für eine düstere Stimmung, die aufgrund eines Schneesturms noch deutlich bedrückender wirkt. Kein Wunder also, dass sich Genre-Kenner sofort an Stanley Kubricks Shining erinnert fühlen.

Nach dieser kurzen Einführung zieht Scott Derrickson, der gemeinsam mit C. Robert Cargill erneut das Drehbuch schrieb, das Tempo merklich an. Wer sich nun an klassische Horrorfilme erinnert fühlt, liegt nicht falsch. Das Camp erinnert ziemlich stark an das Camp am Crystal Lake aus Freitag der 13: Kritik. Und wer bei den Alptraum-Sequenzen und dem Auftreten des Greifers nicht sofort an Nightmare – Mörderische Träume (1984) denkt, hat wohl die 80er-Jahre verpasst. Hat sich Derrickson hier also einfach nur bei Horrorfilm-Klassikern bedient?

Mitnichten – hier muss man klar sagen: lieber gut kopiert als schlecht recycelt, wenn man beispielsweise an das Remake von A Nightmare on Elm Street von 2014 denkt. Derrickson verbindet dabei drei Klassiker auf bemerkenswerte Weise. Das Besondere daran: Er lässt Ethan Hawke als Greifer genügend Freiraum, um neben den großen Horror-Ikonen als eigenständigen Charakter zu bestehen. Seine Bösartigkeit kommt im Sequel noch wesentlich stärker zur Geltung, zudem will er sich an Finn rächen und ihm sein liebstes nehmen, seine Schwester.
Fortsetzungen kämpfen häufig mit einer schwachen oder gar kopierten Story – nicht so bei Black Phone 2. Dachte man nach dem ersten Teil noch, die Geschichte sei beendet, erweitern die Autoren die Handlung konsequent weiter. Dieses Mal steht Finns Schwester Gwen im Mittelpunkt, wie auch das Mysterium über ihre verstorbenen Mutter. Das Skript schlägt dabei eine Brücke zu vergangenen Ereignissen in einem Feriencamp. Damit liegt es an den Geschwistern, die Vergangenheit zu entwirren und drei Jungen von ihrem Fluch zu erlösen, während der Greifer einen Weg in Gwens Visionen gefunden hat.

Mit dem Camp, den neuen Figuren und dem Twist um Gwens Mutter schufen die Macher ein überzeugendes Script. Die düstere Location samt übersinnlichem Katz-und-Maus-Spiel rund um das Camp, wurden durch den dreckigen Super-8-Look in den Traumsequenzen visuell hervorragend in Szene gesetzt. So entsteht eine verstörend surreale und unheilvolle Atmosphäre. Die übernatürliche Darstellung des Greifers gehört dabei zu den Highlights des Films. Neben dem grausamen Aspekt bietet Black Phone 2 nun auch einige brutalere Szenen, Hardcore Slasher- und Gore-Fans dürften diese jedoch eher kalt lassen.
Die Darsteller des traumatischen Horror-Trips
Obwohl Mason Thames (Monster Summer: Kritik) als Finn im Vorgänger im Mittelpunkt stand, spielt er dieses Mal die zweite Geige. Seine Darstellung des gebeutelten Finn, ist jedoch erneut überzeugend, besonders wenn er versucht durch Zorn unangreifbar zu wirken, während er innerlich verzweifelt.
Madeleine McGraw (The Black Phone: Kritik) spielt Gwen die dieses Mal im Mittelpunkt steht. Ihr Spiel als starkes junges Mädchen, die ihre Verletzlichkeit. durch ihre nicht gerade subtile Schlagfertig versteckt, ist hervorragend, kein Wunder das sie fast jedem die Show stiehlt.

Ethan Hawke (The Northman: Kritik) kehrt als Greifer zurück. Dabei legt er als perfider Killer aus dem Jenseits nochmals eine Schippe drauf, und selbst seine ruhigeren Szenen wirken unheilvoll bedrohlich. Sein Spiel macht klar: die Bösartigkeit des Greifers kennt nun keine Grenzen mehr – so wirkt er wie ein Upgrade, eine Art Freddy Krueger 2.0.
In weiteren Rollen: Jeremy Davies (American Gods: Kritik) als Vater Terence, Anna Lore als Mutter Hope; Miguel Mora als Ernesto / Robin, Demián Bichir (Godzilla vs. Kong: Kritik) als Campleiter Mando, Arianna Rivas als Nichte Mustang. Maev Beaty (Dream Scenario: Kritik) und Graham Abbey (Murdoch Mysteries: Kritik) als das Ehepaar Barbara und Kenneth.
Wissenswertes zu Film & Blu-ray (FAQ)
Basiert die Black Phone 2 auch auf Hills Roman?
Nein, aber das Drehbuch wurde in enger Zusammenarbeit mit Autor Joe Hill verfasst.
Muss man den ersten Teil gesehen haben oder funktioniert Teil 2 unabhängig?
Ohne die Geschehnisse und Figuren aus dem Vorgänger zu kennen, dürfte Teil zwei seine volle Wirkung wohl nicht entfalten können.
Ist das Fortsetzung genauso gut wie The Black Phone?
Meiner Meinung nach ist das Sequel ebenbürtig ausgefallen. Allein dadurch dass die Geschichte konsequent, sinnig und spannend fortgeführt wurde, erhält der Film schon Bonuspunkte.
Weitere Infos zu Laufzeit, FSK-Freigabe, Bonusmaterial & Blu-ray
Black Phone 2 hat eine Laufzeit von 114 Min. und erhielt eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Das Bild der Blu-ray ist überwiegend sehr gut ausgefallen, Farben, Kontraste und besonders die Schwarzwerte passen. Die Szenen die man mittels Super-8 Filter verfremdet hat, ist das Bild natürlich nicht knackscharf, das ist aber dem cineastischen Look geschuldet, der eine starke Atmosphäre liefert. Der deutsche Ton ist für Dialog-Liebhaber ebenfalls sehr gut gelungen, Dialoge sind zu jederzeit klar und verständlich
Bonusmaterial der Blu-ray:
- Geschnittene Szenen
- Dialed In: Die Besetzung von Black Phone 2
- Eine in Eis geritzte Geschichte
- Audiokommentar mit Scott Derrickson
- Trailer
Black Phone 2 (Film 2025) Fazit:

Mit Black Phone 2 ist Scott Derrickson und C. Robert Cargill das seltene Kunststück gelungen, eine Horrorfilm- Fortsetzung zu drehen, die den Vorgänger nicht kopiert, sondern diesen konsequent erweitert. Die Verlagerung der Handlung in ein isoliertes Feriencamp, welches seit dem Jahr 1957 unter einer grauenvollen Vergangenheit leidet, verleiht der Story mehr Tiefe. So geht man nun auch der Frage nach, warum sich die Mutter einst umgebracht hat.
Die Chemie zwischen Thames und McGraw überzeugt erneut und trägt den Film über kleine Längen hinweg. Wenn Gwen in ihren Visionen die Grenze zum Totenreich überschreitet, liefert der Film unheilvolle Film, die man nicht so schnell vergisst. Ethan Hawke bleibt als der Greifer das Highlight und zementiert mit dem zweiten Teil seinen Anspruch, eine Ikone des modernen Horrorfilms zu werden.
Fazit: Ein packendes, düsteres und handwerklich gelungenes Sequel, das die Stärken des ersten Films beibehält, den Plot konsequent weiterführt und um eine klaustrophobische Winter-Atmosphäre erweitert. Für mich ist Teil 2 sogar einen Tick stärker als der Vorgänger ausgefallen. Für Fans des ersten Teils und alle Horrorfilm-Fans, die mehr wollen als schnöde Slasher- und Gore-Kost, lohnt sich Black Phone 2 allemal.
Transparenz-Hinweis: Das Bild- und Trailer-Material sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von Plaion Pictures / Universal Pictures zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 Universal Pictures – Alle Rechte vorbehalten!



