Ein mörderisches Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Welten
Horrorfilm-Regisseur Scott Derrickson inszenierte seinen Film “The Black Phone” nach der gleichnamigen Kurzgeschichte von Stephen Kings Sohn Joe Hill. Dabei lässt er im Denver der späten 70er-Jahre, Schauspieler Ethan Hawke, als sadistischen Kindermörder “Der Greifer“ sein Unwesen treiben. Sein neuestes Opfer, der junge Finn, der im abgeschirmten Keller seines Peinigers landet. Als jedoch ein totgeglaubtes Telefon an der Wand zu klingeln beginnt und sich nach und nach die Opfer des Greifers melden, fasst Finney Mut und nimmt den Kampf gegen seinen Entführer auf. Ob Derricksons Rückkehr zum Genre überzeugt oder ob die Leitung am Ende tot bleibt, erfahrt ihr in unserer Film-Kritik.
Meine Kritik zu Scott Derricksons Horrorthriller
Worum geht’s?
North Denver, Colorado, 1978: Die Vorstädte werden von Düsternis überzogen. Der von der Presse nur „Greifer“ (The Grabber) genannte Täter entführt nicht nur Kinder, er lässt sie zudem spurlos verschwinden. Inmitten dieser Geschehnisse wachsen die traumatisierten Geschwister Finney und Gwen (Mason Thames & Madeleine McGraw) auf, haben sie doch erst ihre Mutter durch Suizid verloren. Der ruhige Finney muss sich dabei nicht nur gegen Schul-Bullys wehren, auch sein Vater Terrence ist keine Hilfe, da er seine Trauer in Alkohol und Wut ertränkt. Einziger Lichtblick ist seine schlagfertige und übersinnlich begabte Schwester Gwen, die jedoch von visionären Träumen heimgesucht wird – eine Gabe, die sie wohl von ihrer Mutter geerbt hat.

So kommt es, wie es kommen muss: Finney gerät in die Fänge des Greifers, wird betäubt, in einen schwarzen Lieferwagen verfrachtet und wacht in einem schalldichten, kargen Kellerverlies wieder auf. Außer einer alten Matratze und einem kaputten Wandtelefon, einem Relikt vergangener Tage, befindet sich nichts in seinem Kerker, um sich zu wehren. Plötzlich beginnt das Telefon zu klingeln, doch statt Hilfe befinden sich am Ende der Leitung „nur“ die Stimmen der früheren Opfer. Während die Geister versuchen, Finney mit Tipps zu helfen, nehmen Gwens Träume überhand und sie versucht verzweifelt ihre kryptischen Visionen zu entschlüsseln, die sie vielleicht zu ihrem verschwundenen Bruder führen. Doch die Uhr tickt, denn der Greifer wetzt schon seine Axt, um Finney seiner Tötungsliste hinzuzufügen.
Die Inszenierung: Horror meets Coming-of-Age
Einer der stärksten Aspekte von „The Black Phone“ ist zweifellos seine visuelle und atmosphärische Gestaltung. Regisseur Scott Derrickson beweist nach „Sinister“ erneut sein Können. So fängt er beispielsweise das Lebensgefühl der 70er-Jahre perfekt ein – nicht als nostalgische Verklärung, sondern als raue, trostlose Ära voller grau-brauner Farbtöne, grobkörniger Texturen und einer allgegenwärtigen Bedrohung. Die Kameraarbeit von Brett Jutkiewicz nutzt bewusst einen Stil, der an Super-8-Aufnahmen erinnert, was besonders in den Traumsequenzen von Gwen eine verstörende Intensität erzeugt. Besonders Finneys Gefängnis, sprich die totale Isolation und die lauernde Präsenz des Entführers, wirkt extrem bedrückend.

Der Keller des Grabbers ist das schaurige Herzstück des Films: Karge Betonwände, eine unheilvolle Stahltür und das besagte schwarze Telefon an der Wand erzeugen ein beklemmendes Gefühl der Klaustrophobie. Derrickson setzt hierbei auf einen geschickten Mix aus Gefängnis-Drama und Supernatural-Horror. Das Telefon dient dabei als brillanter Kontaktpunkt zwischen den Welten. Das nervenaufreibende Klingeln und die flüsternden Stimmen der Toten erzeugen nicht nur bei Mason Thames (Monster Summer: Kritik) Figur eine Gänsehaut, die weitestgehend ohne plumpe Jumpscares auskommt. Die Filmmusik von Mark Korven, der bereits bei „The Witch“ für Unbehagen sorgte, unterstreicht die düstere Szenerie mit dissonanten Klängen, die den Puls des Zuschauers unaufhörlich nach oben treiben.
Die Besetzung: Ethan Hawke als personifizierter Albtraum
In der Hauptrolle ist der junge Mason Thames (Black Phone 2: Kritik) als Finn „Finney“ Shaw zu sehen. Seine Darstellung eines schüchternen, ängstlichen und traumatisierten Jungen, der sich im Verlauf der Handlung zu einem Kämpfer entwickelt, ist beeindruckend. Er schafft es, dass der Zuschauer mit seiner Figur mitleidet und mitfiebert, während der Zorn gegen dessen Entführer stetig wächst.

Madeleine McGraw spielt Finns jüngere Schwester Gwen als äußerst schlagfertiges Mädchen, die ihrerseits ihren großen Bruder beschützt. Andererseits zeigt die ebenfalls noch junge McGraw, wie zerbrechlich Gwen im Inneren ist und wie sehr sie unter dem Verlust der Mutter leidet. Man spürt bei ihrer Darstellung geradezu die Verzweiflung durch die hellseherische Fähigkeit, wie auch die nackte Angst, auch noch ihren Bruder zu verlieren.

Noch bedrückender wird das Schauspiel durch Jeremy Davies (American Gods: Kritik)in der Rolle des alkoholkranken Vaters Terence. Seine Figur schwankt unberechenbar zwischen Trauer und Wut über den Verlust seiner Frau. Er wirkt besonders dann bedrohlich, wenn Gwen Anzeichen von hellseherischen Fähigkeiten zeigt – für ihn ein Symptom der Schizophrenie, die er für den Tod seiner Frau verantwortlich macht. Davies stellt durch sein Spiel eine zweite, häusliche Bedrohung dar, da man nie weiß, wann er im Rausch ausflippt. Dennoch erfährt seine Figur im Verlauf des Films eine wichtige Wandlung.

In weiteren Rollen überzeugen Troy Rudeseal (Halloween Kills: Kritik) als Detective Miller, E. Roger Mitchell (On a Wing and a Prayer: Kritik) als Detective Wright, James Ransone als Max sowie Miguel Mora als Robin. Ebenfalls zum starken Ensemble gehören Spencer Fitzgerald als Buzz, Jacob Moran als Billy und Brady Hepner (The Holdovers) als Vance.
Cast & Crew: vom Drehbuch bis zur Regie
Das Drehbuch stammt von Joe Hill (Autor der gleichnamigen Kurzgeschichte und Sohn von Stephen King), C. Robert Cargill und Scott Derrickson (Doctor Strange). Die Regie übernahm ebenfalls Scott Derrickson, der neben Jason Blum (Blumhouse) auch als Produzent auftritt. Die Musik schrieb Mark Korven (Night Swim), während Brett Jutkiewicz (Scream VI) für die Kameraarbeit verantwortlich war.
Wissenswertes und Fragen zu Film & Blu-ray (FAQ):
Auf welcher Vorlage basiert der Film?
Der Film basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Joe Hill aus seinem Sammelband „Black Box“ (Original: 20th Century Ghosts). Hill fungierte zudem als ausführender Produzent, um die Vision seines Vaters Stephen King im Geiste weiterzuführen.
Wird es eine Fortsetzung geben?
Aufgrund des großen finanziellen Erfolgs (über 160 Millionen Dollar Einspielergebnis bei einem Budget von nur 18 Millionen) wurde „The Black Phone 2“ bereits offiziell für 2025 angekündigt. Sowohl Scott Derrickson als auch Ethan Hawke und die jungen Hauptdarsteller sollen zurückkehren. Update: Black Phone 2: (Kritik) startete im Oktober 2025 in den Kinos!
Wie lang ist der Film und welche FSK-Freigabe hat er?
Der Film hat eine Laufzeit von ca. 103 Minuten und erhielt von der FSK eine Freigabe ab 16 Jahren, was vor allem der psychologischen Härte und der Thematik der Kindesmisshandlung geschuldet ist.
Bietet die Blu-ray Bonusmaterial?
- Unveröffentlichte Szenen
- Ethan Hawkes böse Seite
- Hinter den Kulissen von „The Black Phone“
- Der Teufel im Design
- Super-8-Set
- „Shadowprowler“ – Ein Kurzfilm von Scott Derrickson
- Filmkommentar mit Scott Derrickson
- Trailer
The Black Phone (2021) Kritik & Fazit

Derricksons Film ist kein herkömmlicher Slasher, sondern ein atmosphärisch dichter Horror-Thriller, der geschickt Coming-of-Age-Elemente mit übernatürlichem Horror verknüpft. Die Stärke des Films liegt in seiner unvorhersehbaren Dynamik und der handwerklich sauberen Inszenierung. Der Streifen hat so gut wie keine Längen, wodurch sich die Spannung fast durchgehend auf einem hohen Niveau befindet. Besonders Ethan Hawkes Darstellung des Antagonisten und die Chemie zwischen den Geschwistern Gwen und Finney – hervorragend gespielt von Mason Thames und Madeleine McGraw – heben den Film weit über den Durchschnitt.
Wer jedoch einen genretypischen Horror-Slasher erwartet, wird enttäuscht: Die Geschichte entwickelt sich stetig, ohne dass alle fünf Minuten eine Figur ihr Leben verliert. Wirklich gruselig wird es hingegen, wenn man erfährt, wie die Geisterkinder zu Tode kamen. Wer Lust auf einen Mystery-Horrorfilm mit spannenden Schockmomenten und übersinnlichen Erfahrungen hat, wird hier definitiv auf seine Kosten kommen.
Fazit: Derricksons Horrorfilm liefert starke Unterhaltung mit einem noch stärkeren Cast ab. Die Kombination aus realer Bedrohung durch die Entführung und geisterhafter Hilfe bietet eine einzigartige, schauerliche Atmosphäre, die bis zum packenden Finale nicht nachlässt. Ein intelligenter Schocker, der zeigt, dass die gruseligsten Geschichten oft in dunklen Kellern lauern.
Hinweis: Das verwendete Bild- und Trailer-Material sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns mit freundlicher Genehmigung von © 2022 Universal Pictures zur Verfügung gestellt – Alle Rechte vorbehalten!



