Dust Bunny (2025) – Kritik zum Horror-Märchen

Ein Monster unter dem Bett und ein Killer vor der Tür

Mit Dust Bunny ist dem bisherigen Serien-Autor Bryan Fuller ein visuell opulentes Kino Debüt aus Fantasie, Mystery und Monster-Thriller gelungen. Der Film weiß zudem mit seiner eigenwilligen Bildsprache, einem mysteriösen Plot und dem ungewöhnlichen Gespann aus Mads Mikkelsen als namenlosem Auftragskiller und der kleinen Sophie Sloan als Aurora zu überraschen.

Trotz meiner Begeisterung über den visuellen Look und einer frischen Story kämpft der Film mit ein paar kleinen Makeln und gerät etwas ins Stolpern. Ebenso dürfte Heimkino-Fans das Bildformat auf kleinen Geräten ein Dorn im Auge sein. Ob Hannibal-Schöpfer Fuller mit seinem Spielfilmdebüt dennoch punkten konnte oder er lieber bei seinen TV-Serien hätte bleiben sollen, verrate ich in meiner nachfolgenden Filmkritik – samt einem kurzen Blu-ray Review.

Dust Bunny: Trailer

Bryan Fullers düsteres Märchen im Film-Check

Worum geht’s eigentlich in Dust Bunny?

Für die zehnjährige Aurora (Sophie Sloan) ist das Monster unter ihrem Bett kein Hirngespinst. So ist sie wirklich der Meinung, dass es ihre Pflegeeltern verschlungen hat und das nicht zum ersten Mal, war sie doch schon in bei vielen Pflegefamilien. Natürlich glaubt ihr niemand und so entschließt sie das Problem selbst zu lösen und helfen soll der mysteriöse Nachbar (Mads Mikkelsen) gegenüber in Apartment 5B. Als sie ihn nachts verfolgt und sieht wie er in Chinatown einen Drachen niedermetzelt ist klar: wer Drachen tötet, der kann es auch mit monströsen Staubhasen aufnehmen. 

Kind versteckt sich ängstlich unter der Bettdecke
Aurora (Sophie Sloan) liegt ängstlich unter ihrer Bettdecke

Was sie nicht ahnt: Ihr Nachbar ist ein Auftragsmörder, dessen nächtlicher Ausflug mit Drachen jedoch herzlich wenig zu tun hatte. Obwohl er ihr nicht glaubt und reale Menschen hinter dem verschwinden ihrer Eltern vermutet, will er sie nicht ihrem Schicksal überlassen. Doch das vermeintliche Monster unter dem Bett wird nicht ihr einziges Problem bleiben. Seine Chefin Laverene (Sigourney Weaver) duldet keine Zeugen – hat Aurora doch den denkbar unpassendsten Zeitpunkt gewählt, um in das Leben eines Mannes zu treten, der eigentlich unsichtbar bleiben sollte.

Die Inszenierung von Auftragskillern und Ungeheuern

Regisseur und Drehbuchautor Bryan Fuller, dürfte vielen durch seine Fernsehserien wie Pushing Daisies oder auch Star Trek bekannt  sein. Für Dust Bunny schrieb er dieses Mal nicht nur das Drehbuch, sondern feiert damit sein Spielfilm Regiedebüt und präsentiert dabei einen Mix aus American Gods und Hannibal. Dabei erwartet den Zuschauer hyperstilisierte Bilder, ein surreales Setting und außergewöhnliche Kostüme – Extravaganz ist hier Trumpf. Wirkt das drüber, ja aber sowas von. Wirkt es daneben, ganz im Gegenteil.

Mädchen sitzt ängstlich in buntem Kinderbett bei Nacht
Aurora (Sophie Sloan) weiß das ein Monster unter ihren Bett haust

Bryan Fullers Kinodebüt erzählt die surreale Geschichte eines kleinen Mädchens. Aurora lebt bei Pflegeeltern und unter ihrem Bett haust ein monströser Staubhase. Dieses Monster tötet Menschen, sprich die Pflegefamilie. Ein Nachbar, der aufgrund seines Jobs versucht keinerlei Aufmerksamkeit zu erregen, wird von dem Mädchen engagiert. Dieser soll versuchen das vermeintliche Monster zu besiegen und gerät dabei selbst ins Visier seiner Auftraggeberin. 

Diesen skurrilen Plot inszenierte Fuller zudem in dem ungewöhnlichen Breitbildformat 2.70:1, ähnlich dem Ultra Panavision 70 (2.77:1) Format, was zugleich Fluch und Segen des Films darstellt. Mag das noch auf einer Kinoleinwand funktionieren, wird dies (besonders bei kleineren Bildschirmdiagonalen unter 55 Zoll) die Zuschauer nicht allzu glücklich machen. So bleibt vom sichtbaren Bild nur etwa ein Drittel übrig. Wer bspw. Ben Hur mit Charlton Heston oder Quentin Tarantinos The Hateful Eight kennt, weiß was ich meine.

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Der Nachbar (Mads Mikkelsen) erwartet seine Gegner

Dies relativiert sich im Verlauf des Films etwas, da man sich langsam daran gewöhnt. Dafür entschädigt die Arbeit von Kamerafrau Nicole Hirsch Whitaker, die für fesselnde Bilder sorgt, womit man über das ungewohnte Format schnell hinwegsieht. Für die Filmmusik zeichnet Rockmusikerin Isabella Summers (Florence and the Machine) verantwortlich und untermalt den Film mit einem überaus passenden Score.

Während der Plot überaus skurril wirkt, sind die Action-Sequenzen unerwartet hart ausgefallen. Der Genremix aus Horror, Fantasie und Slasher lebt von seiner surreal-visuellen Darstellung und den äußerst surrealen Charakteren. Ein besonders herrliches Beispiel des tiefschwarzen Humors: Der Auftragsmörder verbietet der kleinen Aurora, beim Zerstückeln der Leiche zuzusehen und sie verlässt enttäuscht das Bad. Er erkennt ihre Enttäuschung und fragt sie kurz darauf ob sie beim Verpacken der Leichenteile helfen will, womit sie freudig zu strahlen beginnt. Ebenso herrlich, der angedeutete Heiligenschein über Mikkelsen und Weaver.

Ein Kind, ein Mann und eine Fraun beim Tee in blumengeschmückter, farbenfroher Umgebung
Aurora (Sophie Sloan), der Nachbar (Mads Mikkelsen) und Laverne (Sigourney Weaver) im Cafe

Kein Wunder dass der Film eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren erhielt. All das funktioniert erzählerisch überraschend gut, sofern man nicht für alles eine reale Erklärung braucht.

Einzige Wermutstropfen: Das Pacing stolpert gelegentlich über die eigene Geschichte – was dem Film bzgl. des Monsters stellenweise sein Tempo raubt. Dazu lässt Fuller die Zuschauer bei vielem im Ungewissen, womit vieles offen und ungeklärt bleibt. Dafür finden sich unerwartete Anspielungen an bekannte Filme wieder: Schaut Euch bspw. mal Mikkelsens Trainings-Anzug genauer an.

Die Darsteller: Mads Mikkelsen und Sigourney Weaver

Der Ausnahmedarsteller Mads Mikkelsen übernahm die Rolle des Nachbarn aus Appartment 5B. Erneut beweist Mikkelsen das er in unterschiedlichsten Rollen zu überzeugen weiß, egal ob als Antagonist in Indiana Jones und das Rad des Schicksals (Kritik) oder als Durchschnittstyp in Der Rausch (Kritik). Seine Darstellung ist wie gehabt hervorragend und besonders eine „kleine“ Szene unterstreicht sein grandioses Spiel: Bei der heimlichen Beseitigung von Bluttropfen, führt er geradezu einen Tango auf, während er diese mit seinen Füßen aufwischt.

An seiner Seite spielt Sophie Sloan die das Nachbarskind Aurora. Faszinierend ist nicht nur die Chemie zwischen diesen ungleichen Charakteren, sondern vor allem die Art wie Sloan das Mädchen spielt. Entgegen jeglicher klassischer Kinderheldinnen, ist sie einerseits mutig und dennoch furchtsam, andererseits beharrlich und unerwartet kaltblütig. Eine herrlich skurrile Mischung die wunderbar zu dem Film passt und ihrer Figur eine gewisse Einzigartigkeit verleiht. 

Mann im schwarzen Mantel hält Pistole neben grüner Tür
Ein Killer (David Dastmalchian) positioniert sich an der Tür

Die undurchsichtige Antagonistin Laverne wird von Sigourney Weaver (The Mandalorian & Groogu) gespielt. Trotz ihrer relativ kurzen Screentime weiß sie gerade gegen Ende mit einer durchgeknallten Szene zu überzeugen und ist obendrein für einen überraschenden Twist verantwortlich. In weiteren Rollen: David Dastmalchian (Weird – Die Al Yankovic Story: Kritik), Sheila Atim, Rebecca Henderson (Werewolves Within: Kritik), Caspar Phillipson, Ákos Inotay, Nóra Trokán, u.v.m. 

Wissenswertes zu Dust Bunny (FAQ)

Mikkelsen spielt ebenso wie Jean Reno in Leon, der Profi von Luc Besson (Dracula: Kritik) einen einsamen Auftragskiller. Als ein Mädchen in Gefahr in sein Leben tritt, ist dieser sichtlich überfordert und beginnt dennoch Verantwortung für die Kleine zu übernehmen. 

Dust Bunny wurde im Sommer 2023 in Budapest gedreht – ein weiteres Beispiel dafür, dass Hollywood zunehmend nach Osteuropa ausweicht. 

Bryan Fuller blickt auf eine lange Karriere als Serien-Autor zurück, darunter Produktionen wie:  Star Trek: Raumschiff Voyager (81 Folgen), Dead Like Me (29 Folgen), Pushing Daisies (22 Folgen), Hannibal (39 Folgen), American Gods – Kritik (26 Folgen) sowie Star Trek: Discovery – Kritik (65 Folgen) – Quelle: IMDB

Hier bietet sich Pans Labyrinth von Guillermo del Toros oder Freaks Out (Kritik) von Gabriele Mainetti. Wer ein Faible für Klassiker hat dem sei Time Bandits (Kritik) von Terry Gilliam ans Herz gelegt. 

Dust Bunny (2025) – Mein Fazit:

Dust Bunny Blu-ray Cover Abbildung
Dust Bunny: Blu-ray
Wertung: 7.5 / 10 ★

Müsste ich Bryan Fullers Filmdebüt in einem Satz beschreiben, würde ich sagen: Es wirkt wie ein Remake von Luc Bessons Klassiker Léon – Der Profi auf Ecstasy, bei dem Die fabelhafte Welt der Amélie Pate stand, während Wes Anderson und Guillermo del Toro das Szenenbild prägten. Genauso skurril ist der Plot: Ein Wesen aus Staubflusen frisst Auroras Eltern, während ein von ihr beauftragter Killer versucht, das Monster zu töten.

Visuell und schauspielerisch macht Dust Bunny fast alles richtig. Sets und Kostüme überzeugen auf ganzer Linie und sorgen mit surrealen Bild- und Farbkompositionen für eine erzählerisch dichte Atmosphäre. Wer jedoch eine in sich schlüssige Geschichte erwartet, wird eventuell enttäuscht – vieles bleibt bewusst ungeklärt. Gleiches gilt fürs Heimkino: Das eigenwillige Breitbildformat 2.70:1 fordert eine große Bilddiagonale ab 55 Zoll oder einen Beamer – auf kleinen Geräten leidet der Eindruck spürbar.

Fazit: Für mich stellt Dust Bunny endlich mal wieder eine Produktion voller Fantasie dar, fernab flauer Hollywood-Remakes. Wer einen sauberen Plot samt haarklein erklärter Auflösung sucht, ist hier an der falschen Adresse. Wer sich jedoch auf ein visuell surreales Filmabenteuer einlassen kann, das keinen festen Regeln folgt, ist hier genau richtig.

Hinweis: Bild- und Trailermaterial sowie das Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von DCM zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2025 DCM / Lionsgate – Alle Rechte vorbehalten!