Ein Predator auf der Suche nach wahrer Ehre
Nach Dan Trachtenbergs Überraschungserfolg „Prey“ im Jahr 2022 war klar, dass Hollywood erneut auf den Predator-Zug aufspringt. So stand Regisseur Dan Trachtenberg vor der undankbaren Aufgabe, die Geschichte um das Volk der Predator, die Yautja, sinnig weiterzuerzählen, ohne das Alte erneut zu recyclen. Denn sind wir mal ehrlich: „Prey“ war zwar sehr unterhaltsam, erzählte im Grunde jedoch die gleiche Geschichte des Filmhits mit Arnold Schwarzenegger aus dem Jahr 1987, nur eben mit Comanchen statt Elitesoldaten. Ob es Trachtenberg gelungen ist, das Franchise mit Elle Fanning und Dimitrius Schuster-Koloamatangi neu zu erfinden oder gar zu erweitern und dazu auch noch zu überzeugen, klärt die folgende Kritik samt kurzem Blu-ray Review.
Meine Kritik zu Trachtenbergs Predator Film
Worum geht’s in Predator: Badlands?
Auf dem fernen Planeten Yautja Prime spielt sich ein Drama ab. Die Brüder Kwei und Dek (Dimitrius Schuster-Koloamatangi) sind sich nah, doch für ihren Vater, den Anführer des Clans, ist Dek eine einzige Enttäuschung. Er gilt als Schwächling, der nicht die nötige Härte eines echten Kriegers besitzt. So verlangt der Vater von Kwei, seinen eigenen Bruder zu töten, um die Ehre der Familie wiederherzustellen. Als sich dieser weigert und Dek in sein Raumschiff zurückstößt, wird Kwei von seinem Vater brutal niedergemetzelt. Er schafft es jedoch in seinen letzten Atemzügen, die Automatik des Raumschiffs auszulösen und Dek in Sicherheit zu bringen. Außer sich vor Wut landet Dek auf dem Planeten Genna, dem wohl gefährlichsten Ort der Galaxie.

Sein Ziel ist klar: die legendäre, unbesiegte Kreatur, den Kalisk, zur Strecke zu bringen und mit dessen Kopf als Trophäe ehrenhaft heimzukehren. Dabei ahnt er nicht, wie brutal und tödlich die Flora und Fauna des Planeten selbst ist, die ihn schnell in die Knie zwingt. Diese Jagd würde er wohl kaum überleben, wäre da nicht die Androidin Thia (Elle Fanning), deren Hilfe er gezwungenermaßen annehmen muss. Doch neben dem Kalisk, der noch eine böse Überraschung parat hat, befindet sich noch eine weitaus größere Gefahr auf dem Planeten, Ein Forschungsteam der Weyland-Yutani Corporation und dieses hat ganz andere Pläne mit dem Kalisk und Dek, womit ein mörderischer Dreikampf entbrennt.
Die Inszenierung: Die längst überfällige Erweiterung des Predator-Universums
Überraschenderweise haben der Disney-Konzern / 20th Century Mut bewiesen und gaben Trachtenberg die Freiheit, das Sci-Fi-Franchise aus dem ewigen Kreis aus: Jäger jagt Beute, ausbrechen zu lassen. Während die Geschichten um die Predator bereits Anfang der 1990er Jahre durch die Dark Horse Comics massiv ausgebaut wurden, mieden es die bisherigen Filme fast konsequent, uns die Kultur der Jäger cineastisch näherzubringen. Dafür stellt nun Predator: Badlands erstmals nicht die menschliche Beute in das Zentrum, sondern einen Yautja-Krieger selbst. Dieser Protagonist namens Dek ist jedoch nicht der ultimative Killer, sondern wird von seinem eigenen Vater als minderwertig angesehen und zum Abschuss freigegeben.

Diesen Plot treibt Regisseur Trachtenberg damit auf die Spitze, indem er den Außenseiter auf die Androidin Thia (Elle Fanning) treffen lässt. Womit das Drehbuch nach Patrick Aison, gleich eine ganze Palette an Wendungen und Emotionen abfeuert: von tiefem Misstrauen über Wut und Verrat bis hin zu einem überraschenden gegenseitigen Verständnis. So muss das ungleiche Paar kooperieren, um zu überleben und ihre jeweiligen Ziele erreichen zu können. Womit ein Predator erstmals mit einem anderen Wesen kooperiert. Dabei verzichtet Trachtenberg auf plumpe, unnötige Szenen und setzt auf starke, visuelle Momente – dabei wird es teils auch recht ausgefallen, was ein drittes Wesen betrifft, auf das ich aus Spoilergründen nicht näher eingehe.

Trachtenberg und sein Kreativteam liefern hier vollends ab: angefangen von der feindlichen Flora und Fauna bis hin zum Kreaturen Design von Dek sowie den Androiden Thia und Tessa. Obwohl ich nicht der größte Fan von CGI bin, ist dieses gepaart mit praktischen Effekten überwiegend sehr gut ausgefallen. Der Twist um die zwei Androiden-Schwestern ist wunderbar eingeflochten und die dynamischen Kämpfe mit dem Kalisk sowie der Company bieten einige starke Wendungen. Besonders der Showdown im letzten Drittel bietet ein passendes und nicht ausuferndes Pacing, samt hervorragender Ending-Scene. Dennoch gibt es einen kleinen Wermutstropfen: Obwohl die Yautja optisch wie Wikinger wirken, ist ihre Technologie State-of-the-Art. Doch Hinweise auf eine technologisch hochentwickelte Gesellschaft gibt es keine; etwas mehr World-Building hätte dem Film gutgetan.
Die Darsteller: von Androiden und Außerirdischen
Dimitrius Schuster-Koloamatangi übernahm die Rolle des Yautja Dek und seine Darstellung ist kurz gesagt hervorragend. Während der Dreharbeiten trug er eine Maske, bei der sein Gesicht ausgeschnitten war, da auf dieses später mittels CGI Technik die Fratze des Predators eingebettet wurde. So werden zwar sein Mundbewegungen, an das Maul mit Fangzähnen angepasst und sein Ausdruck etwas eingeschränkt, wie viel er davon mit seinem Augen-Spiel wieder wettmacht ist unglaublich. So fiebert man mit dem Außenseiter mit und erkennt so gut wie jede Emotion in dessen Augen, die besonders gut durch die Kontaktlinsen zur Geltung kommen.

Im Gegenüber steht Elle Fanning (Maleficent – Die dunkle Fee) in einer Androiden Doppelrolle, einmal spielt sie die malträtierte Androidon Thia, die mit Dek unterwegs ist, auf der anderen Seite spielt sie die gehorsame Tessa. Ihre Darstellung ist dabei so gelungen, dass man zu keiner Zeit Zweifel daran hegt, es mit zwei unterschiedlichen Individuen zu tun zu haben, die sich jedoch optisch sehr stark ähneln. Thias Leichtigkeit, bringt eine passende Prise Humor in den Film, während Tessa die eiskalte, skruppelose Befehlsempfängerin darstellt. So surreal dies manchmal wirkt, so genial ist es auch. Was dem Film einen angenehme Ausgewogenheit verpasst.

In weiteren Rollen überzeugen Mike Homik als der stolze und nachsichtige Bruder Kwei und Reuben de Jong als der dominante Vater, der den strengen Ehrenkodex der Jäger fanatisch perfekt verkörpert. Cameron Brown (The Tank: Kritik) ist mehrfach als Drohne zu sehen.
Wissenswertes zu Franchise, Film & Blu-ray (FAQ)
Wieviele Predatoren Filme gibt es?
- Predator (1987) – Arnold Schwarzenegger (Total Recall: Kritik)
- Predator 2 (1990) – Danny Glover (Lethal Weapon)
- Predators (2010) – Adrian Brody (Asteroid City: Kritik)
- Predator Upgrade (2018)
- Prey (2022)
Ableger bzw. Spin-ofs dazu sind:
- Alien vs Predator (2004)
- Alien vs Predator (2007)
Gibt es eine Verbindung zu den Alien-Filmen?
Ja, durch die prominente Rolle der Weyland-Yutani Corporation und das Design der Synthetics ist die Verbindung zum „Alien“-Universum deutlicher denn je, auch wenn es kein direktes Crossover mit den Xenomorphen gibt.
Bricht Trachtenberg mit der bekannten Predator der Dark Horse Comics Lore?
Ja und Nein – oder besser gesagt: Trachtenberg wagt es endlich, einen entscheidenden Schritt weiterzugehen. Bisher folgte das Franchise meist einem starren Muster: Ein hochtechnisierter außerirdischer Jäger landet auf der Erde und sucht sich eine würdige Beute, Punkt. Selbst der Film Predators (2010), der die Handlung auf einen fremden Planeten verlagerte, bot letztlich kaum erzählerischen Mehrwert, da er lediglich das Setting änderte. Das größte Manko war meiner Meinung nach der mangelnde Mut voriger Regisseure, das Universum wirklich zu erweitern. Trachtenberg bricht endlich aus diesem Muster fressen oder gefressen werden heraus und macht die Yautja (so der Name der Spezies in der erweiterten Lore) zu den eigentlichen Protagonisten mit eigenen Konflikten und einer sozialen Hierarchie.
Laufzeit, FSK-Freigabe und Bonusmaterial der Blu-ray
Der Film hat eine Laufzeit von 107 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren und wurde von Disneys Century Fox produziert.
Folgendes Bonusmaterial ist enthalten:
- Die Verkörperung des Predators
- Authentische Synthetische
- Die Erschaffung der Badlands
- Dek von den Yautja
- Audiokommentar
- Gelöschte & Prävisualisierungsszenen
- Trailer
Predator: Badlands (2025) Fazit:

Mit ‚Predator: Badlands‘ ist Dan Trachtenberg das Kunststück gelungen, das Sci-Fi-Franchise rund um die außerirdische Jägerrasse konsequent zu erweitern. Er schuf einen mutigen, ideenreichen und visuell berauschenden Sci-Fi-Actioner, der durch seine ungewöhnlichen Hauptfiguren besticht. Die Entscheidung, keinen Menschen in den Fokus zu rücken, ist meisterhaft umgesetzt und erlaubt dem Zuschauer, tiefer als je zuvor in die Kultur der Yautja einzutauchen. Elle Fanning liefert zusammen mit Dimitrius Schuster-Koloamatangi eine schauspielerische Glanzleistung ab. Die Interaktion mit zwischen Thia und Deks ist dem Filmemacher wunderbar gelungen.
Wer eine klassische Fortsetzung von ‚Prey‘ oder ein starres Festhalten am bekannten Kanon erwartet, wird überrascht, wenn nicht gar enttäuscht sein. Wer jedoch bereit ist, sich auf etwas Neues einzulassen – das eventuell der Anfang eines Sci-Fi-Epos sein könnte –, wird mit mehr Mehrwert denn je belohnt. ‚Badlands‘ ist packend, emotional und bietet genau die Art der Killer of Killers – Action, die es brauchte, um das Franchise nach fast 40 Jahren endlich voranzubringen. Ein Muss für Sci-Fi-Fans und Predator-Liebhaber, die offen für eine neue Ära sind.
Hinweis: Das Bild- und Trailermaterial sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns von LEONINE Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Mit freundlicher Genehmigung © 2026 20th Century Studios / Disney Studios. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Filmkritik / Bewertung.




