Wes Anderson Asteroid City (2023)

Wes Anderson sieht Außerirdische

Regisseur Wes Anderson versammelt in seinem neusten Film wieder etliche Stars und packt diese in ein Süd-amerikanisches Wüstennest. Und so konfrontiert: Jason Schwartzman, Scarlett Johansson, Tom Hanks und viele mehr mit einer Begegnung der dritten Art. Wes Andersons neuster Film bietet nach „Grand Budapest Hotel“ und „The French Dispatch“ wieder eine herrlich schräge Geschichte voller surrealer Figuren und Ereignissen. Die man sicherlich so noch nie auf der Leinwand erleben konnte. Ob mich der Streifen überzeugen konnte oder eher enttäuschend ausfiel, erfahrt Ihr wie immer in den nachfolgenden Zeilen meiner Kritik.

Worum geht’s in „Asteroid City“?

Wir schreiben das Jahr 1955 und ein Fernsehmoderator stellt uns Zuschauern das neuste Stück des Dramatikers Conrad Earp „Asteroid City“ vor. Obgleich ein Stück für eine Theaterbühne, finden wir uns tief im Südwesten der USA in der unwirklichen Wüstenstadt „Asteroid City“ wieder. Ein Wüstenei mitten im Nichts. Doch hier werden Menschen aufeinandertreffen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ebenso soll hier ein Jugend-Astronomiekongress namens Junior Stargazer an einem Krater stattfinden. 

Asteroid City: Jason Schwartzman und Tom Hanks
Augie bittet Stanley um Hilfe

Der frischgebackene Witwer und Kriegsfotograf Augie Steenbeck ist mit seinen drei Töchtern und seinem äußerst intellektuellen Sohn Woodrow in Asteroid City gestrandet. Eine Autopanne zwingt ihn Halt zu machen, obwohl er eigentlich auf dem Weg zu seinem Schwiegervater Stanley ist. Dieser hatte angeboten, sich um die Kinder zu kümmern. Da Augie bisher nicht in der Lage war, den Kindern vom Tod der Mutter zu erzählen. 

Asteroid City: Scarlett Johansson
Midge ist des Lebens so überdrüssig

Hier trifft Augie auf die erfolgreiche, aber völlig desillusionierte und lebensmüde Schauspielerin Midge Campbell. Was zu einem kleinem Tête-à-Tête zwischen den beiden führt. Derweil sind der Fünf-Sterne-General Grif Gibson und die Astronomin Dr. Hickenlooper dabei, den Kongress auszurichten. Kommt der Name des Kaffs doch nicht von ungefähr. Stürzte hier doch einst ein Asteroid ab. Derweil kommen noch mehr Besucher an. 

Asteroid City: Jeffrey Wright
Der Ausnahmezustand wird ausgerufen

Während der Kongress tagt, erscheint ein UFO über den Anwesenden. Ein Alien entsteigt diesem, greift sich das Asteroiden-Fragment, lächelt noch in die Kameras und verschwindet wieder. Was das amerikanische Militär auf den Plan ruft. Die flugs das ganze Örtchen abriegeln. Dennoch gelingt es den Bewohnern wie den Besuchern und deren Kids die Armee zu überwältigen, womit alle wieder ihrer Wege gehen.

Außerirdische in Asteroid City

Neben David Lynch, David Cronenberg und neuerdings Ari Aster (Beau is afraid), dürfte Wes Anderson zu den Ausnahmeregisseuren schlechthin gehören. Bekannt für seinen Stil, filmisch Geschichten zu erzählen, die teils so abstrus und surreal wie auch genial sind. Wenngleich ich der Meinung bin, dass nicht jeder seiner Filme ein Meisterwerk darstellt. So ist es auch kein Wunder, dass Anderson wohl ebenso viele Fans wie Hater hat.

Doch wie steht es nun um „Asteroid City“? Hier fährt der texanische Filmemacher zweigleisig und präsentiert seinen Film als Theaterstück und andersherum als Kinofilm. Für seine Alien-Geschichte wählte Anderson die Mitte der 1950er Jahre. Wohl in Anlehnung an die vermeintlichen Ereignisse im US-amerikanischen Roswell, auch bekannt als Area 51. So folgen wir zwar überwiegend dem Plot in dem Wüstennest. Welcher immer wieder durch Einlagen aus der scheinbar realen Welt dieser vermeintlichen Theater-Produktion wird.

Asteroid City: Steve Carrel
Asteroid Citys Besucher unter sich

Damit werden die Erlebnisse in Asteroid City gezeigt und die Probleme und Liebschaften der Figuren hinter der Bühne. Klingt verwirrend, aber man gewöhnt sich recht schnell daran. Dennoch muss man sich immer mit Fiktion und vermeintlicher Realität auseinandersetzen. Und wie immer in seinen Filmen stellt uns der Filmemacher einen Haufen schräger Figuren mit all ihren Problemen und Marotten vor. An erster Stelle wäre hier der Erzähler und Gastgeber, gespielt von Bryan Cranston zu nennen, der uns in die Story einführt. Dann Autor Conrad Earp, gespielt von Edward Norton, sowie dessen Hauptdarsteller und Liebhaber, dargestellt von Jason Schwartzman. 

Die fiktiven Figuren des Stücks sind der wortkarge Witwer Augie Steenbeck (ebenfalls Schwartzman), sowie seine vier Kinder. Die bisher nicht wissen, dass ihre Mutter verstorben ist. Dazu gesellt sich dessen Schwiegervater Stanley, der diesen drängt, diesen Fakt seinen Kindern zu beichten. Weiter geht es mit der des Lebens überdrüssigen und selbstmordgefährdeten Filmschauspielerin Midge. Sowie dem Motel-Besitzer, eine Astrophysikerin, ein Fünf-Sterne-General, und viele illustre Kongressbesucher. Nicht zu vergessen ein Alien auf Durchreise. Was letztlich neben Schicksalen der Figuren auch den Grundplot darstellt. Kurz gesagt: E.T. crashed einen Astronomie-Kongress. 

Asteroid City: eine Menge an Nerds
Die Nerds versuchen Funkkontakt zum Alien herzustellen

Neben der Handlung des Theaterstücks / Films, erleben wir die Entstehung des Stücks des Dramatikers Conrad Earp selbst. Wie auch seine Beziehung zu seinem Hauptdarsteller Jonas Hall. So erhalten wir nicht nur Einblicke in diese Produktion, sondern auch einiger Nebenplots der beteiligten Schauspieler. Letzten Endes stirbt Conrad während des Epilogs und so verlassen auch seine Figuren die Szenerie von Asteroid City still und leise. Was einem sinnbildlichen stillen Abgesang gleichkommt. 

Damit spielt Wes Anderson auch in seinem neusten Film wieder gekonnt mit Realität und Fiktion einer surrealen Welt. So wie schon in „Die Tiefseetaucher“. Womit wir statt eines Tauchgangs, dieses Mal den Prozess einer Filmproduktion begleiten. Was den Filmemacher dazu bringt, zwischen Sets und Szenen hin und her springen. Dabei wirken beide Szenarien ebenso surreal wie real. Ein Stilmittel, welches Anderson herausragend beherrscht. Der Zuschauer wiederum, der auf diese nicht gefasst ist, wird dies wohl regelrecht verwirren.

Asteroid City: Rupert Friend
Am Lagerfeuer wird so einiges offen gelegt

Besonders dann, wenn der Hauptdarsteller die vermeintliche reale Szene durch eine geheime Tür verlässt, um den Regisseur Schubert Green zur Rede zu stellen. Damit verfällt man während der Sichtung immer wieder dem Irrglauben, dass die Ereignisse in Asteroid City real wären und nicht die Produktion dahinter. So skurril die in pastellfarben getönte Szenerie auch wirkt, so wenig kann man beim Zusehen von ihr ablassen. Etwas, das so gut wie alle von AndersonsFilmen an sich haben. 

Die Darsteller: 

Und wieder hat Wes Anderson das Who des Who Hollywoods versammelt. Somit geben sich etliche Stars die Klinke in die Hand. Jason Schwartzman ist in einer Doppelrolle als Kriegsfotografen Augie und Jonas den Liebhaber des Dramatikers  zu sehen. Dieser wiederum wird von Edward Norton („Fight Club“)verkörpert. Ebenfalls wieder mit dabei Adrien Brody, Jeff Goldblum, Tilda Swinton (Dr. Hickenlooper) und Willem Dafoe, um einige seiner Stammsetzung zu nennen.

Bill Murray und Owen Wilson fehlen dieses Mal und schienen demnach wohl keine Zeit gehabt zu haben. Ebenfalls mit dabei sind Liev Schreiber, Jeffrey Wright, Tom Hanks („Here: Review„) als Schwiegervater Stanley, Scarlett Johansson als Filmstar Midge Campbel, Bryan Cranston als Moderator, Matt Dillon, Steve Carell und Margot Robbie. Ebenso wie Jake Ryan als Woodrow, Grace Edwards als Dinah, Maya Hawke als June, Hope Davis als Sandy, sowie Rupert Friend („Last Looks: Review„), Hong Chau, Stephen Park und noch einige mehr.

Asteroid City (2023) Kritik & Fazit:

Asteroid City: Blu-ray Cover
Asteroid City: Blu-ray

Wes Anderson präsentiert seinem Publikum wieder einen Film, an dem sich der Fan praktisch kaum satt sehen kann. Und wieder werden sich aber auch die Geister daran scheiden. Denn der Nichtkenner von Andersons Werken wird bei dem gesehenen wohl völlig verdutzt im Kino oder vor dem TV sitzen. Ebenso spielt der Filmemacher wieder mit verschiedenen Filmformaten und auch seine hervorragenden Miniaturen kommen wider zum Einsatz. Alte wie neue Tricktechnik und seine Sets sind derart detailreich, dass man bei jeder Sichtung wieder Neues entdeckt. 

Sein Werk spielt im Titel gebenden Wüstenkaff namens Asteroid City. Hier versammelt er nun wieder haufenweise skurrile Figuren. Die Hauptcharaktere sind der Kriegsfotograf Augie, seiner Kinder, sowie Filmstar Midge Campbell samt Tochter Dinah. Dies ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn eigentlich beobachtet der Zuschauer die Produktion des Films, wie den Film selbst. Dies klingt nicht nur verwirrend, es ist verwirrend. Aber dennoch aus filmischer Sicht wieder irgendwie genial. 

Bei dieser Produktion war auch Anderson den Folgen der Pandemie, sprich der Quarantäne unterworfen. Was ihn jedoch nicht aufhielt, sondern geradezu angespornt haben muss, das von ihm und Roman Coppola verfasste Drehbuch zu verfilmen. Und so trägt der Film eindeutig wieder Andersons besondere Handschrift. Eventuell lag es aber auch an den Einschränkungen der Pandemie, da ich meine, dass dieser nicht an „Grand Budapest Hotel“ heranreicht. Dennoch gut und für Fans von Anderson dürfte dieser Streifen wieder ein Fest aus ausgefeilten Dialogen und skurriler Szenen darstellen.

Bilder & Trailer © Universal Pictures – alle Rechte vorbehalten.

Asteroid City F.A.Q.s

  1. Rushmore
  2. Die Royal Tennebaums
  3. Die Tiefseetaucher
  4. Darjeeling Limited
  5. Der fantastische Mr. Fox
  6. Grand Budapest Hotel
  7. The Isle of Dogs
  8. The French Dispatch

Bill Murray („Ghostbusters“) und Owen Wilson („Die Geistervilla“), wie auch Willem Dafoe („The Northman„) und Jason Schwartzman („Scott Pilgrim gegen den Rest der Welt“) gehören praktisch schon zur Stammbesetzung

Trotz etlicher Preise und bisher sieben Oscar Nomminierungen, konnte er jedoch bisher keinen Oscar als Gewinner mit nach Hause nehmen.