Channing Tatum ist der McDonald’s Roofman
Mit „Der Hochstapler – Roofman“ wagt sich Regisseur Derek Cianfrance nach seinen intensiven Dramen wie „Blue Valentine“ und „The Place Beyond the Pines“ an eine ebenso absurde wie wahre Geschichte: die von Jeffrey Manchester. Dieser wurde durch seine ungewöhnliche Methode, über Dächer in Gebäude einzusteigen, unter dem Namen „Roofman“ bekannt und hatte es bei seinen Raubzügen bevorzugt auf McDonald’s-Filialen abgesehen. Mit Channing Tatum in der Hauptrolle zeigt Cianfrance den skurrilen Werdegang Manchesters – vom ersten Einbruch über seine Verhaftung und die Flucht in eine Toys “R” Us Filiale bis hin zum Zusammentreffen mit der alleinerziehenden Leigh Wainscott (Kirsten Dunst). Ob diese Mischung aus Dramödie und True-Story funktioniert, klären die folgenden Zeilen meiner Filmkritik – inklusive eines kurzen Blu-ray-Reviews.
Meine Kritik zu Der Hochstapler – Roofman
Worum geht’s?
Der ehemalige Soldat Jeffrey Manchester (Channing Tatum) hat ein ganz spezielles Problem: Er braucht einen Job, der es ihm finanziell ermöglicht, die Wünsche seiner kleinen Tochter zu erfüllen. Da er diesen jedoch nicht findet, nutzt er seine besondere Gabe – er ist ein extrem guter Beobachter, der Abläufe präzise analysieren und planen kann. So reift in ihm der Plan, eine McDonald’s-Filiale auszurauben. Seine Methode: Nachts das Dach aufhacken, sich bis zum Morgen unbemerkt im Gebäude verstecken und die Mitarbeiter beim Eintreffen abpassen, um die Wocheneinnahmen zu erbeuten.

Aus einer Filiale werden Dutzende und wie so oft, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Jeffrey das Glück verlässt und er ausgerechnet am Geburtstag seiner Tochter geschnappt wird. Kaum hinter Gittern, arbeitet er bereits an dem Ausbruch aus dem Gefängnis. Auf der Flucht vor dem Gesetz findet er in einer Toys-“R”-Us-Filiale Zuflucht. Während er sich in seinem Unterschlupf unentdeckt Tag für Tag mit den Snack-Vorräten des Ladens durchschlägt, fällt ihm die alleinerziehende Mutter und angestellte Leigh Wainscott (Kirsten Dunst) auf. Diese hat es unter dem herrischen Filialleiter Mitch (Peter Dinklage) alles andere als leicht, weshalb Jeffrey beschließt, einzugreifen – eine Entscheidung mit verhängnisvollen Folgen.
Die Inszenierung: Zwischen Raubzug und Romantik
Basierend auf einer wahren Geschichte inszenierte Derek Cianfrance einen Film, der weniger die Einbruchserie des Roofman aka Jeffrey Manchester in den Vordergrund stellt, als vielmehr die Zeit nach dem Ausbruch. Genau dort entfaltet der Film seinen eigentlichen Charme – unterhaltsam, abenteuerlich und mit einer Figur, mit der man mitfiebert. Cianfrance gelingt es, Jeffrey Manchester so sympathisch zu zeichnen, dass man beinahe vergisst, mit wem man es hier zu tun hat, sprich einem Kriminellen. Zugegeben, einem netten Verbrecher – aber dennoch einem Verbrecher. Wer Josh Duhamels Bandit – Catch him if you can kennt, weiß in etwa, was ihn erwartet: eine charmante True-Crime-Dramödie.

Der Trigger für Jeffreys Taten ist im Film seine Tochter – und genau das wird auch zum emotionalen Anker für den Zuschauer. Man fühlt mit dem gebeutelten Vater mit und beginnt dessen Raubzüge sogar zu verharmlosen. Und ja, das funktioniert wie so oft ziemlich gut, da sich der Film sich zu einer abenteuerlichen Krimi Komödie entwickelt. Sobald Kirsten Dunst als alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern ins Spiel kommt, wird sogar noch eine Love-Story daraus. Das Problem: Der Plot würde locker für die üblichen 90 Minuten reichen. Stattdessen wird das Ganze auf 126 Minuten aufgeblasen, wodurch dem Film etwas die Luft ausgeht – unterm Strich ist er rund 20 Minuten zu lang geraten.

Die Geschichte ist abwechslungsreich inszeniert: das finanzielle Dilemma, ein Raubzug stellvertretend für die restlichen Coups, die dramatische Festnahme, der ausgeklügelte Fluchtplan samt seinem Versteckspiel, die beginnende Beziehung und letztlich das tragische Finale. Während Channing Tatum und Kirsten Dunst, dem Film die nötige Emotionalität bei ihrer Romanze verleihen, wirkt der Film über weite Strecken zu leichtfüßig. Bis zu einem gewissen Punkt hat das Ganze fast schon den Charakter eines spaßigen Feelgood-Movies, bei dem selbst die zu erwartenden Konsequenzen erstaunlich undramatisch ausfallen. Gen Ende setzt der Filmemacher dann doch noch auf Tragik: Jeffrey wird zu 45 Jahren Haft verurteilt, Leigh und ihre Kinder bleiben mit gebrochenem Herzen zurück.
Die Darsteller: Tatum zeigt Kante (und Herz)
Channing Tatum spielt nach „Dog – Das Glück hat vier Pfoten (Kritik)“ erneut eine tragische Figur – dieses Mal jedoch basierend auf einer realen Person. Während der Film die Realität an manchen Stellen bewusst ausblendet, überzeugt Tatum mit einer nachvollziehbaren, emotionalen Darstellung eines gebeutelten Vaters. Sein Jeffrey wirkt hilfsbereit und charmant – was es dem Zuschauer leicht macht, dem Protagonisten sein verbrecherisches Tun bereitwillig zu vergeben.

Obwohl Tatum den Film klar dominiert, ist Kirsten Dunst als alleinerziehende Mutter Leigh Wainscott eine unverzichtbare Gegenfigur. Eine Frau, die von ihrem Ex-Mann bereits enttäuscht wurde und sich nun in einen mysteriösen Fremden verliebt – einen, der obendrein versucht, eine Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen. Was könnte sich eine Frau mehr wünschen? Umso schwerer wiegt deshalb ihre Enttäuschung am Filmende. Diese wirkt greifbar und betrüblich zugleich und lässt Jeffreys Strafe weit schwerer erscheinen als „nur“ 45 Jahre Haft.

In weiteren Rollen zu sehen sind: Lily Collias und Kennedy Moyer als Leighs Töchter: Lindsay und Dee Alissa Marie Pearson als Becky, Game of Thrones Star Peter Dinklage (Tribute von Panem 5: Kritik) übernahm die Rolle des Spielzeugladen Managers Mitch. Tony Revolori (Scream IV: Kritik) als Duane, Uzo Aduba als Eileen, Juno Temple (Good Luck, Have Fun, Don’t Die) als Michelle, LaKeith Stanfield (Die Geistervilla: Kritik) als Steve, Esme McSherry als Callilope, Ben Mendelsohn (Catch the Killer), u.v.m.
Wissenswertes zu Film & Blu-ray (FAQ)
Basiert der Film auf einer wahren Geschichte?
Ja, der Film basiert auf der wahren Geschichte von Jeffrey Manchester, der tatsächlich monatelang in einem Toys „R“ Us lebte und für seine Raubzüge als „Roofman“ berühmt wurde.
Wie viele Einbrüche hat der echte Jeffrey Manchester begangen?
Jeffrey Manchester wurden mehr als 40 Einbrüche in McDonald’s-Filialen und andere Geschäften nachgewiesen, bevor er schließlich zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt wurde. Nach seinem Ausbruch und seiner Verhaftung wurde er zu 45 Jahren Haft verurteilt.
Welche sehenswerten Filme mit Channing Tatum gibt es noch?
- Magic Mike – (2012)
- 22 Jump Street – (2014)
- Logan Lucky – (2017)
- Kingsman: The Golden Circle – (2017)
- The Lost City – (2022) – Review
- Bullet Train (2022) – Review
Weitere Infos zu Laufzeit, FSK-Freigabe und Bonusmaterial der Blu-ray
Derek Cianfrances Film feierte seine Premiere beim Toronto International Film Festival und hat eine Laufzeit von 114 Minuten. Von der FSK erhielt er eine Freigabe ab 12 Jahren. Das Bild der Blu-ray ist durchgängig auf einem ordentlichen Niveau, welches keine Grund zur Klage aufweist. Die Dialoge sind aufgrund des gut abgemischten Tons jederzeit klar und verständlich.
Enthaltenes Bonusmaterial:
- Featurettes mit Interviews und Hinter den Kulissen-Einblicken
- Entfallene Szenen und alternative Szenen
- Trailer
- Trailer-Show
Der Hochstapler – Roofman (Film 2025) Fazit:

Derek Cianfrance erzählt in seinem neuen Film mit Channing Tatum, die Geschichte des Einbrechers Jeffrey Manchester. Der Film setzt dabei mehr auf Charme als auf Spannung, was über weite Strecken gut funktioniert. Cianfrance gelingt es, aus einer absurden True-Story eine abenteuerliche Tragikomödie zu basteln. Channing Tatum trägt den Film als warmherziger Räuber, während Kirsten Dunst für die nötige emotionale Tiefe sorgt.
Es bleibt jedoch ein fader Beigeschmack – weniger wegen der Story, sondern wegen der Laufzeit: 126 Minuten sind deutlich zu lang für die Geschichte. Dazu wirkt die Inszenierung zu glatt und zu leichtfüßig für das, was der Film zu erzählen versucht. Das Finale relativiert dies etwas und holt den Zuschauer auf den Boden der Tatsachen zurück.
Fazit: Wer die Klasse von Cianfrances früheren Werken erwartet, könnte enttäuscht werden. Wer hingegen nach einer kurzweiligen Abendunterhaltung mit einem sympathischen Antihelden und einigen emotionalen Wendungen sucht, der dürfte hier an der richtigen Stelle sein.
Transparenz-Hinweis: Das Bild- und Trailer-Material sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von LEONINE Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 MIRAMAX – Alle Rechte vorbehalten!



