Ist McCarthys Horrorfilm Bagman Top oder eher Flop?
Was passiert, wenn Regisseur Colm McCarthy eine uralte Legende neu erfindet? In seinem Horrorfilm geht er der urbanen Legende, dem Bagman nach. Eine Kreatur, die weltweit unter vielen Namen bekannt ist, unschuldige Kinder in seinen Sack steckt und in ihrer Höhle verspeist. So wird der traumatisierte Protagonist Patrick von alten Erinnerungen heimgesucht, als er nach New Jersey zurückkehrt. Vermutet er doch, dass Sackman seinen kleinen Sohn ins Visier genommen hat. Ob uns diese Neuinterpretation der alten Legende überzeugen konnte oder der schwarze Mann baden geht, verrät unsere Filmkritik.
Worum geht’s in „Bagman (2024)“?
Seit Patrick (Sam Claflin) als Kind mit seinem Bruder an der alten Kupfermine ein unheimliches Erlebnis hatte, wird er von der Geschichte des Bagmans verfolgt. Eine Geschichte die ihm sein Vater regelrecht einbläute und ihn vor diesem Wesen eindringlich warnte. Nachdem er seine Heimatstadt verließ, verblasste dieser vermeintlich Albtraum. Nun zwingen ihn seine Schulden, samt Frau und Kind zurück in das alte Elternhaus und den Familienbetrieb.

Als Sohn Jake von einem mysteriösen Freund erzählt und sich merkwürdige Geschehnisse häufen, kommt in Patrick ein Verdacht auf. Nachdem ein Unbekannter, trotz verschärfter Sicherheitsmaßnahmen, mehrmals in ihr Haus eindringt, wird aus Patricks Verdacht eine grausame Realität. Doch niemand glaubt ihm, dass das Monster zurück ist, Kinder entführt und es nun auf seinen Sohn abgesehen hat.
Wie inszeniert man eine urbane Legende um ein teuflisches Wesen?
Mit einem interessanten Antagonisten natürlich und so nahm sich der Serien Regisseur Colm McCarthy (Doctor Who: Review) die Geschichte des Bagman aus der urbanen Folklore an. Ein Monstrum, welches Kinder in seiner Tasche verschwinden lässt, in seine Höhle verschleppt und später verspeist. In seinem Film, nach einem Drehbuch von Autor John Hulme, wird die Geschichte etwas verdreht und der Sackman holt, statt der bösen Kinder, nur die Guten, die Besonderen.

Diese markiert er dadurch, dass er ihnen eine Locke abschneidet. Diese Erfahrung macht auch McCarthys Protagonist. Sam Claflin spielt Patrick, der von diesem Albtraum bis heute verfolgt wird. Nach einer Einführungsszene wird mittels Rückblenden nach und nach Spannung aufgebaut. Womit sich beim Zuschauer ein leichter Grusel / Gänsehaut einstellt, wenn Stromausfälle den Bagman ankündigen, den man lauernd mit seiner Fratze in jeder dunklen Ecke vermutet.

In seinem Film setzt der Filmemacher auf altbewährte Horrorelemente: dunkle Sets wie die Kupfermine, das vermeintliche Versteck des Bagman, der abgesperrte Minenschacht. Kamerablickwinkel, die wie ein Beobachter aus dem Hinterhalt wirken, unheimliche Geräusche, ein paar Jumpscares und ein atmosphärischer Antagonist mit übermenschlichen Fähigkeiten. Dazu noch die Szenen, in denen er unschuldige Kinder in einen Sack stopft, sprich sie geradewegs zusammenfaltet, dass die Knochen splittern. Das alles wirkt teils gruselig und recht verstörend.

Trotz einiger vielversprechender Ansätze hat der Film mit ein paar Schwächen zu kämpfen. Die Story und der Antagonist sind interessant und das Finale bietet ein überraschendes Ende. Dennoch schwankt die Spannung, während manche Szenen teils recht konstruiert / überflüssig wirken, woraus unnötige Längen entstehen. Der Horrorfilm hätte das Potential gehabt, sich von diesen generischen Blumhouse Horrorfilmen abzuheben, verpasst diese Chance leider aufgrund der genannten Punkte. Die Darstellung des Bagmans selbst hätte jedoch das Potential gehabt, ein Alleinstellungsmerkmal in einem Franchise zu werden.
Kann der Cast schauspielerisch überzeugen?
Sam Claflins (Last Night in Soho: Kritik) Darstellung des traumatisierten Patrick McKee , der immer noch an seiner Vergangenheit leidet, ist ziemlich nachvollziehbar ausgefallen. Die Sicherheit seiner Familie steht jedoch an erster Stelle, daran lässt sein Spiel keinen Zweifel aufkommen. Ihm zur Seite steht Antonia Thomas als seine Frau Karina, Caréll Vincent Rhoden spielt den kleinen Sohn Jake.

Will Davis ist als der Bagman zu sehen, dessen Darstellung, das Kostüm, Maske und die SFX ein wirklich unheimliches Auftreten verleiht. In dieser Form hätte sich die Figur sehr gut in Sequels gemacht. Adelle Leonce ist als Schwägerin Anna zu sehen , William Hope spielt Sheriff Isaacs und Steven Cree (The Twin: Kritik) stellt Bruder Liam McKee dar. In weiteren Rollen sind u.a. Sharon D. Clarke (Wicked: Kritik), Peter McDonald (The Penguin), Rosalie Craig zu sehen.

Letztlich brillieren Sam Claflin als panischer und dennoch kämpferischer Familienvater und Will Davis als mythologische böse Entität. Die restliche Besetzung bietet schauspielerische Durchschnittskost ohne Hochs, dafür aber auch ohne Tiefpunkte. Einzig die Chemie zwischen Sam Claflin und Antonia Thomas blieb etwas auf der Strecke. Diese wirkten auf uns nicht so wirklich wie ein sich liebendes Ehepaar, eher wie Bruder und Schwester.
Die Mythologie als Ideengeber
Der Bagman wird in vielen Kulturen oft als alter, dürrer Mann beschrieben. Dieser haust in einer Höhle, lockt Kinder an, stopft diese in seinen Sack und frisst sie dann. Diese Kreatur ist international vertreten und in anderen Ländern unter diesen Namen bekannt: Boogeyman, Babayaga, Krampus oder Butzemann, wie er hierzulande genannt wird. Wer an seine Kindheit zurück denkt, müsste sich noch an diese Geschichten der Eltern erinnern, wenn man mal nicht anständig war.
Zuletzt hatte der Bagman einen Auftritt in der deutschen Mystery-Serie „Kohlrabenschwarz„. In dieser ließ Showrunner Tommy Krabbweis allerlei mystische Wesen, aus Märchen und Legenden auf Hauptdarsteller Michael Kessler los. In dieser Version ist es neben dem Butzemann auch der Rattenfänger von Hameln, der sich an den Kinderlein voll frisst.
Bagman (2024) Horrorfilm – Kritik & Fazit:

Colm McCarthys „Bagman (2024)“ setzt auf eine düstere Atmosphäre und einen unheimlichen Antagonisten. Die Neuinterpretation der alten Legende überzeugt durch kreative Ansätze. Wie etwa, dass der Bagman gezielt „gute“ statt „böse“ Kinder jagt. Sam Claflin glänzt als traumatisierter Familienvater, dessen verzweifelter Kampf gegen das mythische Wesen den Zuschauer emotional packt. Während Will Davis’ furchteinflößender Darstellung des Bagman, dessen Kostüm und Maske einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Trotz starker Ansätze leidet der Film unter narrativen Schwächen. Unnötige Längen und konstruiert wirkende Szenen bremsen den Spannungsbogen. Die Chemie zwischen Claflin und Antonia Thomas als Ehepaar fällt wenig überzeugend aus. Zwar punktet das Finale mit einer überraschenden Wendung, doch die Chance, sich aus der Masse generischer Horrorstreifen hervorzuheben, wird nicht genutzt.
Fazit: Bagman (2024) überzeugt durch seine düstere Atmosphäre und einen interessanten, modernen Blick auf diese urbane Legende. Hardcore Horrorfans könnten sich über die inkonsistente Umsetzung und die fehlende Härte ärgern. McCarthys Werk dürfte sich somit eher für Horrorfilm-Einsteiger eignen, die es harmloser mögen. Kein herausragender aber dennoch ordentlicher Beitrag zum Horrorgenre, wo man einen Blick riskieren kann.
Bilder & Trailer mit freundlicher Genehmigung © 2025 LEONINE STUDIOS – Alle Rechte vorbehalten!







