CRUELLA (2021): Review

Die Geburtsstunde von Cruella De Vil!

Cruella De Vil – Gerade älteren Generationen dürfte dieses garstige Weibsbild noch in bester Erinnerung sein: Cruella de Vil, die pelzverrückte, tiermordende Irre aus dem Disney-Klassiker. Schon ihr Name verrät alles – schreibt man „de Vil“ zusammen, erhält man „Devil“, zu Deutsch: Teufel. Doch wie jeder Schurke hat auch Cruella de Vil eine Entstehungsgeschichte. Dieses Geheimnis lüftet Disney nun mit dem gleichnamigen Film von Regisseur Craig Gillespie. Ob „Cruella“ jedoch mehr ist als eine weitere Origin-Story von der Stange, klärt meine Filmkritik.

Cruella: Trailer

Worum geht’s?

Schon seit ihrer Geburt war die kleine Estella nicht wie andere Mädchen – und das lag nicht allein an ihrem zweifarbigen Haar, das sie stets unter einer Perücke versteckt. Immer wenn sie etwas Schräges oder Böses tat, nannte sie sich Cruella. Nach einem tragischen Unfall wird Estella zur Waise und schlägt sich fortan auf den Straßen Londons durch. Dort trifft sie auf die Straßenjungs Jasper und Horace, die zu einem unzertrennlichen Trio zusammenwachsen und ihren Lebensunterhalt mit kleinen Gaunereien bestreiten.

Cruella Screenshot 1
Das Ziel als Mode Designerin ist nah

Estellas eigentlicher Traum gilt jedoch der Modewelt. Als sie durch einen glücklichen Zufall in das Modehaus Liberty stolpert und dort das Interesse der gefürchteten Modekönigin Baroness weckt, scheint ihr Ziel zum Greifen nah. Doch dann entdeckt Estella an ihrer neuen Chefin ein Medaillon – eines, das sie einst verlor, als ihre Mutter starb. Was sie daraufhin herausfindet, erschüttert alles. Jetzt ist es Zeit, Cruella freizulassen.

Die Inszenierung: Mehr als eine plumpe Entstehungsgeschichte

Ich gebe es offen zu: Ich war skeptisch. Der Trend, Entstehungsgeschichten bekannter Filmfiguren als Prequels aufzubereiten, hat mich selten überzeugt – man denke nur an die ersten drei „Star Wars“-Episoden. Auch Live-Action-Adaptionen klassischer Disney-Zeichentrickfilme finde ich nicht gerade prickelnd. Deshalb hatte ich „Cruella“ bis zu seiner Blu-ray-Veröffentlichung schlicht ignoriert. Umso größer war die Überraschung: Selten hat mich die Entstehungsgeschichte einer fiktiven Figur so begeistert wie dieser Film.

Cruella Screenshot 2
Sie hat die Macht in der Mode Welt

Den Autoren gebührt dabei besonderes Lob. Da die Cruella aus dem Zeichentrickfilm von 1961 kaum Hintergrundgeschichte mitbrachte, hatten sie freie Hand – und nutzten diese klug. Der Plot wartet mit zwei wirklich gut eingearbeiteten Twists auf, die Estella in den Hintergrund drängen und Cruella nach und nach an die Oberfläche bringen. Dazu trägt auch der Look des Films maßgeblich bei: Das Art-Department und die Set-Designer haben einen unglaublich stimmigen Job abgeliefert. Bei jeder Einstellung meint man, mitten in den 70ern zu sein – unterstrichen durch perfekte Kostüme und einen Soundtrack, der schlicht der heimliche Showstealer des Films ist. Von E.L.O. über Ike & Tina Turner bis hin zu The Clash – selten habe ich eine Musikauswahl erlebt, die so passgenau zu Stimmung, Optik und Handlung passt. Ich habe mir den Soundtrack-Sampler direkt nach der Sichtung gekauft.

Cruella Screenshot 4
Ihr gehört die Show

Kleinere Kritikpunkte gibt es dennoch: Die CGI-erweiterten Tierszenen, in denen die Hunde teilweise vollständig animiert wurden, rissen mich wiederholt aus dem Filmfluss. Zwei kleinere Längen sowie eine vorhersehbare Vergebungsszene trüben das Bild ebenfalls leicht – aber das sind Randnotizen gegenüber dem, was der Film richtig macht.

Die Darsteller: Emma Stone und Emma Thompson – ein Duell auf Augenhöhe

Das Herzstück des Films ist das Schauspielduell zwischen Emma Stone als Estella / Cruella und Emma Thompson als eiskalte Baroness. Stone steht Thompson dabei in keiner einzigen Sekunde nach – ein so gleichwertiges und ausgewogenes Spiel zwischen zwei Darstellerinnen sieht man selten. Eine bessere Besetzung hätte es für diesen Film schlicht nicht geben können.

Cruella Screenshot 3
Er ahnt was hinter Estella steckt

Das gilt ebenso für Joel Fry als Jasper und Paul Walter Hauser (Die nackte Kanone 2025: Kritik) als Horace, die beide herrlich aus der Hüfte spielen. Mark Strong (Shadow Force: Kritik) als Butler John, John McCrea als Artie und Andrew Leung als Jeffrey runden das Ensemble überzeugend ab. Insgesamt stimmt die Chemie des gesamten Casts – und das trägt den Film bis in sein Finale.

Fun-Fact: Somit war ich skeptisch, ob Disneys „Cruella“ überhaupt etwas werden kann. Um genau zu sein, habe ich den Film bis zu seiner Blu-ray Veröffentlichung sogar ignoriert. Dank Disney wurde mir dennoch vorab dieser Titel für ein Review zur Verfügung gestellt. Und um es dem Fazit vorwegzunehmen, selten hat mich die Entstehungsgeschichte einer fiktiven und obendrein einst animierten Filmfigur, so begeistert wie „Cruella“.

Cruella (Film 2021) Fazit:

Cruella Blu-ray Cover
Cruella: Blu-ray
Wertung: 8 / 10 ★

„Cruella“ war mein unerwartetes Highlight des Jahres 2021 – und das sage ich nach jahrzehntelanger Filmerfahrung nicht leichtfertig. Disney hat entgegen aller Skepsis eine wirklich runde Entstehungsgeschichte abgeliefert, die von der ersten bis zur letzten Minute unterhält und überzeugt. Starkes Schauspiel, ein perfekter Soundtrack, stimmige Ausstattung und zwei clevere Twists machen „Cruella“ zu einem der stärksten Disney-Live-Action-Filme überhaupt.

Bleibt nur ein merkwürdiges Dilemma: Cruella de Vil war seit meiner Kindheit eine der verhasstesten Schurkinnen des Disney-Universums. Jetzt finde ich sie richtig cool. Bedeutet das, meine jahrelange Einstellung komplett zu revidieren? Oder plant Disney einen weiteren Film, der zeigt, wie aus der coolen Estella das tiermordende Biest von einst wird? Diese Frage lasse ich offen – den aktuellen Film empfehle ich dagegen uneingeschränkt.

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