Filmdrama um die R.A.F. Ensslin Schwestern
Regisseurin Margarethe von Trotta nahm sich Anfang der 1980er, der biografischen Geschichte der Ensslin Schwestern an. Mit ihrer Verfilmung wirft sie einen Blick auf das ungleiche Schwesternpaar Christiane und Gudrun. Christiane ist die Schwester der Mitbegründerin der terroristischen Gruppierung: RAF – Rote Armee Fraktion, Gudrun Ensslin. Margarethe Von Trotta beleuchtet in diesem Drama, eine fiktive und subjektive Version der Beziehung dieser Schwestern. Erwähnt werden muss noch das in „Die bleierne Zeit“, die Hauptdarstellerinnen nicht die echten Namen tragen, sondern Juliane und Marianne heißen. Ob der Film auch heute noch als gelungen angesehen werden kann, werden die nächsten Zeilen zeigen.
Worum geht’s?
Juliane und Marianne, Töchter eines evangelischen Pfarrers, wachsen inmitten der Nachkriegsjahre auf. Beide erfahren eine strenge und gläubige Erziehung. Unterschiedlicher könnten die Geschwister nicht sein. Juliane ist immer versucht, den Frieden zu wahren, doch ihre Schwester Marianne stellt sich als wahre Rebellin heraus. Sehr zum Missfallen des Vaters. Während der gemeinsamen Studienzeit setzen sie sich beide für gesellschaftliche Veränderungen ein. Juliane wählt wie gehabt den friedlichen Weg. Querdenkerin Marianne dagegen radikalisiert sich mehr und mehr. Darunter leiden auch Mariannes Kind und dessen Vater, der letztlich in den Freitod flüchtet. Marianne lässt alles hinter sich, sogar ihren Sohn und verschwindet im terroristischen Untergrund.

So kommt es, wie es kommen muss, Marianne wird von der Polizei gefasst und in Isolationshaft gesteckt. Nachdem Juliane endlich Besuchsrecht bekommt, nähern sich die Schwestern langsam wieder an. Doch dieses neu gefundene Verhältnis soll nicht von langer Dauer sein und so erreicht Juliane im Urlaub die Nachricht, dass Marianne Selbstmord begangen hat. Nun beginnt für Juliane der pure Wahn, will sie doch nicht glauben, dass ihre Schwester Selbstmord beging. Nach Freigabe der persönlichen Gegenstände, sowie den Akten und Protokollen durchlebt Juliane einen Wahn, auf der Suche nach der Wahrheit. Doch wie jeder weiß, kann solch eine Suche das eigene Leben umstürzen und die Erkenntnis muss nicht nur erleichtern, sondern kann auch schmerzen.
Die bleierne Zeit, auch ein schwerers Filmdrama?
Wie erwähnt basiert Margarethe von Trottas Film auf den Biografien der Schwestern Christiane und Gudrun Ensslin. Wie auch in der Realität schlug die Filmfigur Juliane, den journalistischen Werdegang von Christiane ein. Während sich die Figur der Marianne, ebenfalls wie Gudrun einer terroristischen Gruppierung anschloss. Dabei orientiert sich die Regisseurin nicht wie der Film „Der Baader Meinhoff Komplex“ an den terroristischen Taten, sondern an der Beziehung der Schwestern zueinander. Der kriminelle Aspekt steht zwar im Raum, wird aber nicht groß thematisiert. Von Trotta zeigt, wie Juliane immer wieder versucht, Marianne gespielt von Barbara Sukowa („Daliland„) zu bekehren, während sich diese immer tiefer in die Misere reitet.

Mit Rückblenden erhält der Zuschauer Informationen aus deren frühen Kindheit. Den Eltern, hier speziell über den erzkonservativen Vater, zugleich evangelischer Pfarrer. Und auch der Zeitpunkt als sich die Schwestern auseinanderlebten. Der Wendepunkt stellt Mariannes Inhaftierung dar. Während der Haft kommen sich die Schwestern wieder näher.Der darauffolgende Selbstmord von Marianne, stürzt Juliane in ein tiefes psychisches Loch, sie glaubt nicht an Suizid. Ihre wahnhafte Wahrheitssuche zerstört ihre eigene Beziehung. Erst ein fürchterlicher Brandunfall ihres Neffen, bringt Juliane zur Besinnung.

Was sich hier dramatisch und deprimierend liest, spiegelt genau meinen Eindruck von diesem Werk wieder. Lange hatte ich kein Sichtungserlebnis, was mich so tief hinuntergezogen hat. Margarethe von Trotta zeichnet ein bitterkaltes Bild, einer unglücklichen Kindheit, eines Lebens bestehend aus Gewalt und falscher Ideale sowie einem aussichtslosen Kampf. Einzig die Tante und ihren Neffen am Ende des Films wieder vereint zu sehen, ist ein klitzekleiner Lichtblick. Auch die Schauspieler tragen zu dieser tief depressiven Stimmung bei. Die Gesichter sind dauerbedrückt, Freude scheint ein Fremdwort, die Dialoge sind schwerfällig und nicht wirklich lebensbejahend. Alles in allem fällt es mit zunehmender Laufzeit immer schwerer diesem Film zu folgen.
Die bleierne Zeit (1981) Kritik & Fazit

Selten stimmte ein Film Titel mit seinem verbleibenden Eindruck so überein wie bei diesem hier. Hier ist „Die bleierne Zeit“ Programm. Der historische Hintergrund, der diesem fiktiven Werk zugrunde liegt, drückt die Stimmung dabei nochmals. Das Schauspiel entspricht dem wohl gewünschten Stil der Regisseurin, hier herrscht pure Tristesse.
So basiert „Die bleierne Zeit“ im Grunde auf einem historischen Hintergrund und folgt dennoch einer fiktiven und sehr bitteren Weitererzählung. Hierbei ist es interessant zu sehen wie sich die fiktive Geschichte der beiden Schwestern hätte zutragen können. Dennoch möchte ich erwähnen, dass man nach diesem Werk nicht mehr fröhlich vorm TV sitzen wird.
Fazit: Wer „Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ kennt, wird hier mit der gleichen Tristesse konfrontiert. Die bleierne Zeit beleuchtet eine dunkle Zeit Deutschlands und geht dabei auf die R.A.F Terroristin Gudrun Ensslin und ihr mysteriöses Ableben im Gefängnis ein. Dies jedoch basierend auf einer fiktiven Geschichte, da die Fakten bis heute nicht bekannt sind!
Hinweis: Das verwendete Bild- und Trailer-Material sowie das Rezensionsexemplar wurden uns mit freundlicher Genehmigung von © 2021 Studiocanal zur Verfügung gestellt – Alle Rechte vorbehalten!



