Harmlose Analysten können auch töten, aber anders!
Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Robert Littell inszenierte Regisseur James Hawes im Jahr 2025 einen packenden Spionagethriller. Statt eines muskelbepackten Supersoldaten à la Jack Reacher setzt man in der Hauptrolle auf den eher schmächtigen Rami Malek – als CIA-Analyst Charly, der brav seinen Dienst im Kellerbüro im Hauptquartier tut. Dieser sinnt auf Rache an den Drahtziehern eines verheerenden Terroranschlags in London. Doch da er seinen Gegnern körperlich klar unterlegen ist, bleibt ihm nur eine Waffe: sein Verstand. Doch auch seine Vorgesetzten haben einiges zu verbergen. Ob der Actionthriller etwas taugt – und was die Blu-ray zu bieten hat – erfahrt ihr in unserer Kritik.
Worum geht’s in „The Amateur“?
Das Leben des CIA-Analysten Charles „Charly“ Heller (Rami Malek) gerät aus den Fugen, als seine Frau Sarah (Rachel Brosnahan) bei einem Terroranschlag in London getötet wird. Getrieben von Schmerz und Wut fordert er von seinem Chef, Deputy Director Moore (Holt McCallany) Gerechtigkeit. Doch dessen Versprechen bleiben folgenlos und so entschließt sich Charly, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Misstrauisch beginnt er zu recherchieren und stößt dabei nicht nur auf die Mörder seiner Frau, sondern auf illegale Machenschaften seines Chefs.

Für den Analyst steht fest: Wenn das System versagt, muss er sich selbst auf die Jagd nach den Mördern machen. So versucht er, eine Ausbildung als Agent zu erpressen und wird damit selbst zur Zielscheibe. Kurze Zeit später wird es Zeit unterzutauchen, doch Moore setzt seinen ehemaligen Ausbilder Colonel Henderson (Laurence Fishburne) auf ihn an, um ihn auszuschalten. Charly ist zwar kein Killer, aber sein analytischer Verstand ist eine bessere Waffe als bloße Gewalt. Womit er seinen Verfolgern im Hauptquartier in Langley immer einen Schritt voraus zu sein scheint.
Ist die Inszenierung des Thrillers „The Amateur“ gelungen?
Unter der Regie von James Hawes entstand ein Actionthriller, der sich gekonnt dem Thema Rachefeldzug annimmt. Dabei setzt er auf einen schmächtigen Protagonisten ohne jegliche Tötungserfahrung, anstatt auf eine Kampfmaschine zu setzen, was der Geschichte Glaubwürdigkeit und eine menschliche Nuance verleiht. Dadurch fällt es dem Publikum deutlich leichter, sich in die Figur hineinzuversetzen: ein Mann, der versucht den Tod seiner Frau zu rächen, aber physisch wie psychisch nicht dazu im Stande ist. Obwohl die Situation unlösbar erscheint, versucht der Protagonist mit Köpfchen sein Vorhaben umzusetzen.

Dieser wird durch Director Moore, gespielt von Holt McCallany (Mission: Impossible 8) und dessen mysteriösem Kollegen Calleb (Danny Sapani), zusätzlich unter Druck gesetzt. Denn trotz vollmundiger Versprechen wird schnell deutlich, dass auch diese Dreck am Stecken haben. Als der Protagonist obendrein seinen Forderungen mit Erpressung durchsetzen will, entfacht er einen Zwei-Fronten-Krieg: Auf der einen Seite seine Vorgesetzten – auf der anderen die Killer. So entstand ein überwiegend unterhaltsamer Action-Thriller. Für Action-Fans dürfte dieser wohl wiederum zu wenig Action-Szenen bieten. Diese sind zwar überwiegend auf den Punkt inszeniert, jedoch rar gesät. Zu der in den Extras proklamierten Actionsequenz mit dem Pool, habe ich noch einen interessanten Fun-Fact parat.

Die Dreharbeiten fanden sowohl in London, Frankreich und der Türkei, als auch in den Pinewood Studios statt, was dem Film ein internationales Flair verleiht. Womit dieser stellenweise an Genrevertreter wie die „Jason Bourne Reihe“ mit Matt Damon oder auch an „Mission: Impossible“ mit Tom Cruise erinnert. Der entscheidende Unterschied: Die Hauptfigur ist kein Superagent, sondern löst die Probleme bei der Suche nach den Mördern mit Köpfchen. Ebenso lobenswert: Der Film verzichtet auf eine sonst gern eingebettete „heiße“ Love-Story, die Filmemacher häufig selbst dann einfügen, selbst wenn sie dramaturgisch so gar keinen Sinn ergibt. Dafür wirkt das Finale ein bisschen weich gespült, was nicht zum restlichen Ton des Filmes passt.

Dennoch ist nicht alles Gold was glänzt: Die Laufzeit von 122 Minuten wirkt etwas zu lang. Was vermutlich an der fehlenden Charakterentwicklung der Nebenfiguren liegt. Ganz im Gegensatz zu Charly, der im Geiste immer seine Frau an seiner Seite sieht, womit der Zuschauer einen emotionalen Bezug aufbauen kann. Leider versäumten es die Macher, die weiteren Rollen besser auszuarbeiten, womit diese an fehlender charakterlicher Tiefe leiden. Hier ist besonders die von Jon Bernthal gespielte Figur „Bear“ als Charlies Freund zu nennen. Seine Figur ist eigentlich völlig überflüssig und wirkt teils wie ein Lückenfüller. Auch Michael Stuhlbargs Charakter des Killers Schiller, fehlt es an der nötigen Antipathie. Womit die hervorragende Besetzung leider nicht ihr komplettes Potential ausschöpfen konnte.
Rami Malek und Laurence Fishburne: Die Besetzung von „The Amateur“
Für die Hauptrolle engagierte man Rami Malek, der einst in „James Bond – Keine Zeit zu sterben (Review)„, ein gefährliches Mastermind darstellte. Er spielt den Analyst / Dekodierer Charlie Heller und seine Performance ist wie schon in „Bohemian Rhapsody“ überaus glaubhaft. Teils erinnert seine Figur an seine Rolle des „Elliot Alderson“ aus der Erfolgsserie „Mr. Robot„. Rachel Brosnahan (Der Spion: Review) spielt seine Frau Sarah, die ihn auch über ihren Tod hinaus, immer wieder in seinen Tagträumen begleitet.
Holt McCallany (The Iron Claw: Review) als Director Moore und Danny Sapani als Calleb sind neben Sarahs Mördern, ebenfalls als Gegenspieler zu sehen, die sich den Dekodierer vom Hals schaffen wollen. Das Spiel der beiden wirkt kaltblütig und abgebrüht, scheinen sie doch über dem Gesetz zu stehen. Laurence Fishburne (John Wick) spielt den Ausbilder Henderson. Julianne Nicholson (Dream Scenario: Review) spielt Moores Boss Director O’Brien. Michael Stuhlbarg (Boardwalk Empire) als Söldner-Anführer Schiller und Mörder von Hellers Frau Sarah zu sehen ist.

Jon Bernthal (DareDevil) ist als „The Bear“ zu sehen, seine Figur wirkt wiederum leider recht überflüssig. So glaubt man im Verlauf dieser könnte ebenfalls etwas verbergen, was sich leider als Fehleinschätzung herausstellt. In weiteren Rollen zu sehen sind: Evan Milton als Slater, Nick Mills (The Blacklist: Review) als Finn, Adrian Martinez als Carlos, Tiffany Gray als Esther, Joseph Millson (Grantchester: Review) als Ellish, Caitríona Balfe (Belfast: Review) als Inquiline, wie auch der deutsche Darsteller Marc Rissmann (Game of Thrones) als Mishka Blazhic.
Fun-Fact: Die Pool-Szene ist doch nicht so einzigartig!
In den Making-ofs behaupten die Macher, die im Film gezeigte Pool-Szene wäre so noch nie zu sehen gewesen, obwohl sie da einem Irrtum unterliegen. So gab es bereits in The Mechanic: Resurrection (2016) mit Jason Statham (The Beekeeper: Review) eine ähnliche Szene. Statham bohrt im obersten Stock eines Hochhauses einen gläsernen Pool von unten an – der über den Rand des Penthouse hinausragt. Der Pool zerbarst, und der darin schwimmende Bösewicht stürzt ebenfalls in die Tiefe.
Ist „The Amateur“ nun ein Spionage-, Terroristen-, oder Rachethriller?
Diese Begriffe erscheinen in anderen Reviews gerne im Zusammenhang mit „The Amateur“, doch letztlich ist es ein Rachethriller, bzw. Action-Thriller. Warum? Meiner Meinung nach arbeitet Charles Heller zwar bei der CIA in Langley, jagt jedoch keine Spione, sondern befindet sich auf einem Rachefeldzug. Da er jedoch seine Bosse zu Fall bringt, könnte man den Film teils als Spionagethriller durchgehen lassen. Ebenso gibt es keinen terroristischen Anschlag, sondern eine Flucht von kriminellen Söldnern. So ist es eher ein Terrorakt, bei dem Kriminelle drohen, Geiseln zu erschießen, um freien Abzug zu erpressen.
Wer sind die Macher hinter dem Actionthriller?
Die Regie übernahm James Hawes, der bisher bei Fernsehserien wie Doctor Who (Review) Regie führte, zuletzt brillierte er mit dem Film „One Life“ mit Anthony Hopkins. Für das Drehbuch verantwortlich zeichnen Ken Nolan und Gary Spinelli. Die Kameraarbeit wurde von Martin Ruhe übernommen, während Volker Bertelmann die Komposition des Soundtracks übernahm. Autor Robert Littell liefert mit seinem 1981 gleichnamigen Roman die Vorlage für den Film der im April 2025 in die deutschen Kinos kam.
Welche Extras bietet die Blu-ray von „The Amateur“?
- Feature: Das Team
- Feature: Die Welt
- Feature: Der Pool
- Die Musik
- Zusätzliche Szenen
- Trailer
The Amateur (Film 2025) Kritik & Fazit:

In James Hawes‘ packendem Spionagethriller „The Amateur“ (2025) brilliert Rami Malek als CIA-Analyst Charly Heller, der nach dem Tod seiner Frau bei einem Terroranschlag in London auf Rache sinnt. Statt eines Super-Soldaten setzt der Film auf einen Protagonisten mit Köpfchen, der seinen Verstand als Waffe einzusetzen weiß. So findet Charly bei seinen Recherchen nicht nur auf die Mörder seiner Frau, sondern stößt auch auf illegale Machenschaften seines Vorgesetzten Director Moore (Holt McCallany) und wird so selbst zur Zielscheibe.
Die Besetzung von „The Amateur“ überzeugt weitgehend, wobei besonders Maleks glaubwürdige Performance hervorsticht. Der Film leidet etwas unter seiner Laufzeit von 122 Minuten. Was wir der mangelnden Charaktertiefe einiger Nebenfiguren zuschreiben. Jon Bernthals „The Bear“ wirkt besonders überflüssig, während Michael Stuhlbargs Bösewicht die nötige Antipathie fehlt. Die Actionszenen sind zwar rar, aber dafür präzise inszeniert.
Fazit: Kann „The Amateur“ als Rachethriller überzeugen?
„The Amateur“ ist ein unterhaltsamer Actionthriller, der durch seinen intellektuellen Protagonisten und den Fokus auf strategisches Denken statt roher Gewalt aus der Masse heraussticht. Der Film lässt leider etwas von seinem Potential liegen, was man an dem vermutlich entschärften Ende erkennt. Für Fans des Genres liefert James Hawes einen sehenswerten Rachethriller, der besonders durch Rami Maleks überzeugende Darstellung zu überzeugen weiß.
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