Der Diener (1963): Review

Der Diener: Achtung vor dem eigenen Diener!

„Der Diener (The Servant – 1963)“ Man stelle sich vor, man stellt als reicher junger Schnösel einen Diener an, der sich um alles kümmern soll. Dies geschieht wohl tagtäglich bei der Oberschicht, bekommt man heutzutage in entsprechenden Nobelhotels, einen Butler während des Aufenthalts gestellt. Wenn man sich aber nun einmal weiterhin vorstellt, dass die Absichten des Dieners nicht ganz so nobel sind, wie man sich dies dachte. Kann die Sache schnell nach hinten losgehen, so wie in dem Film „Der Diener“ aus dem Jahr 1963. Dieser zeigt auf dramatische Weise, wie sich solch ein Angestelltenverhältnis entwickeln kann, wenn das Wohl des Herrn nicht das erste Anliegen des Butlers darstellt. Wer Genaueres über diesen Film erfahren möchte und wie ich diesen empfand, erfahrt ihr wie immer in den nachfolgenden Zeilen.

Hugo Barret stellt sich vor

Gerade erst von einem Auftrag im Ausland zurückgekehrt, kauft der junge Gentleman Tony (James Fox) ein standesgemäßes Haus in der Londoner City. Obwohl er sich im Ausland um den Aufbau neuer Städte kümmerte, hat er so gar kein Händchen für Renovierungen und Einrichtungen. Um diese profanen Dinge soll sich sein zukünftiger Diener kümmern, welcher sich in Gestalt von Hugo Barrett (Dirk Bogarde) vorstellt.

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Der Diener ist für alles da, oder?

Dienstherr und Butler scheinen sich auf Anhieb zu verstehen, weshalb sich Barrett sogleich um alles weitere kümmert und das neue Heim einrichtet. Tony ist begeistert, scheint Barrett doch jeder seine Wünsche vorauszuahnen. Was bei dieser Art von Angestelltenverhältnis eigentlich keine Seltenheit darstellt, zumindest wenn es sich um einen vollendeten Buttler handelt. Einzig Tonys Verlobte Susan (Wendy Craig) reagiert misstrauisch, ist ihr Barrett doch recht unheimlich und sie sollte recht behalten.

Zwischenzeitlich scheint Barrett für seinen Dienstherrn unentbehrlich zu sein. Auch die Bitte Barretts, seine kleine Schwester als Hausmädchen einstellen zu dürfen findet Tonys Zuspruch. Nichtsahnend, dass die junge Vera, nicht Barretts Schwester ist, sondern seine Gespielin und ein Puzzleteil in Barrets ausgekochten Plan. Nicht nur das Barrett zwischenzeitlich Tonys komplettes Leben kontrolliert, mithilfe von Vera lässt er Tony in eine emotionale Falle tappen.

Tony fühlt sich von Vera und Barrett betrogen und nach deren Rauswurf auch verlassen und einsam. Es ist nicht zu leugnen, der junge Lebemann Tony ist von Hugo Barrett, seinen Diensten und seiner pseudo Freundschaft abhängig. Damit hat Barrett leichtes Spiel wieder Teil von Tonys Leben zu werden oder ist es zwischenzeitlich eher andersrum, ist nun Tony ein Teil von Barretts Leben geworden?

Eine Laus im Pelz

„Der Diener (The Servant)“ aus dem Jahr 1963 von Joseph Losey wird oft als Filmdrama beschrieben, wobei ich diesen eher als Psychodrama / Thriller bezeichnen würde. Zu perfide und durchdacht sind die Pläne der Figur Hugo Barrett, welcher sich in das Leben seines zukünftigen Dienstherrn einschleicht. Der Beginn der Geschichte ist dabei nicht unüblich, reicher Gentleman engagiert einen Diener, der sich um dessen Haus und Wohl zu kümmern hat. Doch schon zu Beginn ahnt man das die Absichten des neuen Butlers, nicht ganz so redlich scheinen.

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Noch folgt der Diener seinen Anweisungen

Während die Figur Tony sich bestens aufgehoben fühlt, vermutet seine Verlobte, dass mit Barrett etwas nicht stimmt. So fordert sie diesen bei jedem Anlass heraus, was Barrett schluckend hinnimmt. So ist es für Tony unverständlich, warum sich seine Verlobte so echauffiert. Dies natürlich im Sinne Barretts. Dieser holt obendrein noch seine junge Gespielin, getarnt als seine kleine Schwester, als Hausmädchen in Tonys Zuhause. Diese beginnt Tony zu verführen, weshalb dieser beginnt Schuldgefühle zu entwickeln. Auch ein von Barrett provozierter Zwischenfall, bei dem sich Tony von Barrett trennt, treibt Tony mehr in dessen Fänge.

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Langsam zeigt sich das wahre Gesicht!

Nach und nach wird eines klar. Nach dem ersten Zusammentreffen mit Barret, hat der junge, blasierte reiche Schnösel die Kontrolle über sein eigenes Leben verloren. So macht sich Hugo Barret im Verlauf des Films immer unverzichtbarer. Erst als Diener, dann als guter Kumpel bis hin zu einem Seelenverwandten. Erschreckend dabei, wie sehr sich die Figur von Tony in eine Abhängigkeit, ähnlich einer Drogensucht bugsiert.

Selbst der letzte Versuch seiner Verlobten scheitern, da der Butler bereits tief in Tonys Geist verankert zu sein scheint. Wie ein Soziopath steuert die Figur Barrett, seinen einstigen Dienstherrn. Den er mithilfe von Alkohol und weiblicher Gesellschaft sich zu eigen macht, bis er schließlich dessen Leben nicht nur kontrolliert, sondern auch lebt. Regisseur Losey, spielt hier mit dem Gedanken, dass der eigentlich Untergebene, der wahre Herr über seinen Meister ist.

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Der Diener übernimmt die Herrschaften

Kennt ein Butler nicht nur die Angewohnheiten, intime Details wie auch viele Geheimnisse seiner Dienstherren. Spielt man diesen Gedanken weiter, ließe sich mit diesem Wissen so manche Manipulation begehen. Regisseur Joseph Losey baut in „Der Diener“ ein meisterliches Psychodrama auf. Während seine Figur des jungen Gentlemans aus gutem Hause, wie ein alternder Adliger wirkt, der für sein Leben einen Butler braucht.

Setzt er diesem einen ausgefuchsten Soziopathen in Form seines neuen Dieners Barrett gegenüber. Obwohl der Film selbst schon rund 60er Jahre auf dem Buckel hat, spielt James Fox den jungen Tony, wie einen blasierten Altadligen, der scheinbar ohne Butler seine alltäglichen Aufgaben nicht meistern kann. Nach außen der große Entwicklungshelfer und insgeheim ein Muttersöhnchen. Ein gefundenes Fressen, für ein Raubtier wie Hugo Barrett.

Dieser wird hervorragend von Dirk Bogarde verkörpert, der einen wundervollen Soziopathen abgibt, ähnlich wie Dennis Price als Louis in Adel verplichtet: Kritik. Skrupellos nimmt sein teuflischer Plan Gestalt an und so übernimmt er Stück für Stück, das Leben eines anderen. Womit er sich seinen eigentlichen Dienstherrn untertan macht. Obwohl Bogarde die Figur Barrett wie einen vollendeten distanzierten Butler spielt, hat der Zuschauer immer das Gefühl einen Wolf im Schafspelz zu sehen.

Technische Infos:

Studiocanal brachte Loseys Werk nun als 2er Blu-ray Special Edition auf den Markt. Das schwarz/weiß Bild liegt sowohl im Format 1,66:1 wie auch in 1,77:1 vor. Qualitativ kann das Bild des 1963 veröffentlichten Films durchaus punkten. Es ist Scharf und die Kontraste, wie auch der Schwarzwert sind durchweg ausgewogen. Der Ton liegt in Deutsch, Englisch und Französisch jeweils in Mono DTS-HD vor. Auf Disk 2 haben sich zudem noch etliche Extras eingefunden, darunter:

Die Drehorte mit Filmemacher Adam Scovell, Video Essay mit Filmhiostoriker Matthew Sweet und Filmkritiker Phuong, Interview mit James Fox (Doctor Who: Shada: Kritik), Trailer, Bildergalerie, Interview mit Wendy Craig, Interview mit Sarah Miles, Interview mit Stephen Woolley, Harry Burton über Harold Pinter, John Coldstream über Dirk Bogarde, Audio-Interview mit Douglas Slocombe, Joseph Losey & Adolphus Mekas auf dem New York Filmfestival 1963, Interview mit Harold Pinter, Joseph Losey – Der Diener.

Der Diener (Film 1963) Fazit:

Der Diener - Blu-ray Cover
Der Diener: Blu-ray
Wertung: 8.5 / 10 ★

Fast 60 Jahre alt und dennoch erschreckend aktuell: Joseph Loseys „Der Diener“ zeigt, wie manipulierbar Menschen sind, sobald sie sich in fremde Hände begeben. In einer Welt des Wohlstands lässt man andere die profanen Dinge des Alltags erledigen – und öffnet damit Tür und Tor für Manipulation. Was Losey damals als überspitztes Psychospiel inszenierte, wirkt heute angesichts zunehmender Trickverbrechen alarmierend real.

Dirk Bogarde verkörpert den diabolischen Barrett hervorragend – wie er sich Schritt für Schritt in das Leben seines Dienstherrn einschleicht und ihn physisch wie psychologisch dominiert, erinnert in seiner Kälte fast an Kubricks „Uhrwerk Orange“. Die leichtfüßige musikalische Untermalung, die klingt als wäre man in einer Episode von „Mit Schirm, Charme und Melone“, wirkt dabei wie purer Hohn.

Was den Film besonders sehenswert macht, ist der Mut der Inszenierung – für die 60er Jahre war es ungewöhnlich, solch eine schleichende psychologische Machtverschiebung so konsequent auf die Leinwand zu bringen. James Fox als gutgläubiger Tony und Bogarde als soziopathischer Barrett liefern sich ein Duell, das einem noch lange nach dem Abspann nicht loslässt. Am Ende stellt sich unweigerlich die Frage: Wer ist hier eigentlich der Herr – und wer der Untergebene?

Bild & Trailer © Studiocanal – alle Rechte vorbehalten.