Was passiert, wenn Dr. Dolittle auf Avatar trifft?
Mit Hoppers greift Regisseur Daniel Chong nicht nur das Thema Tier- und Naturschutz auf, sondern geht einer alten Frage der Menschheit nach: Gibt es einen Weg, mit der Tierwelt zu kommunizieren? Die Geschichte dreht sich dabei um die Naturschützerin Mabel, die per Avatar-Technik in einem Roboter-Biber landet. So versucht sie, vertriebene Tiere zurück an einen Teich zu bringen, der wiederum einer Umgehungsstraße des Bürgermeisters weichen soll.
Man merkt dem Pixar-Animationsstudio an, dass es erwachsener wird, und so kämpft die Heldin des Films nicht nur um die Natur, sondern muss auch Tod und Verlust verarbeiten. Das Naturschutzthema steht zwar im Mittelpunkt, der anklagende Finger wird jedoch nicht zu sehr erhoben. Das Pacing startet gemächlich, steigert dann aber rasant das Tempo und wirft mit Twists um sich, sodass man das Gefühl hat, dass die Macher doch etwas zu viel wollten. Ob Film, Story und Animationen dennoch überzeugen konnten, verrate ich in meiner folgenden Filmkritik.
Das neue Animations-Abenteuer der Pixar Studios im Film-Check!
Worum geht’s eigentlich in Hoppers?
Die Geschichte dreht sich um die Studentin Mabel Tanaka, die als kleines Mädchen dank ihrer Oma an einem Teich in einer Waldlichtung ihre Liebe zur Natur entdeckte. Während sie aufwächst, steht für sie der Umwelt- und Tierschutz an erster Stelle. Sehr zum Missfallen des Bürgermeisters von Beaverton, Jerry Generazzo, dem eine Umgehungsstraße mehr am Herzen liegt als die Natur. Als Mabel merkt, dass ihr geliebter Teich nicht nur brachliegt und ihr der Bürgermeister mit seinen Baumaschinen im Nacken sitzt, versucht sie, die Biber zurückzulocken und die Menschen der Stadt mittels einer Unterschriftenaktion zu aktivieren, doch alle Versuche scheitern.

Zurück am Teich beobachtet sie, wie ein mysteriöser Biber von der Lichtung in die Stadt trottet, geradewegs in das Labor von Dr. Samantha Fairfax. Diese hat ein Bewusstseins-Transfer-Verfahren entwickelt, mit dem sie mittels des Roboter-Bibers nicht nur unbemerkt die Welt der Tiere erkunden, sondern auch mit diesen sprechen kann. Für Mabel ist das die Chance, die Tiere zur Rückkehr zu bewegen. Statt jedoch ihrem Ziel näher zu kommen, enttäuscht sie nicht nur den Biberkönig George, sondern löst auch noch eine verheerende Katastrophe aus, welche die ganze Stadt bedroht.
Die Inszenierung: Ernste Töne, austauschbare Story, überdrehte Action
In Hoppers erzählt Regisseur Daniel Chong von Mabel, die ihre ganze Energie dem Schutz der Natur widmet und zudem versucht, das Erbe ihrer Großmutter zu bewahren. Als Gegenspieler fungiert der Bürgermeister, der eine Straße bauen will und dafür die Lichtung opfert. Dadurch bietet Chongs Story jede Menge Konfliktpotential, aber auch viel Emotionalität, die teils an den hauseigenen Pixar-Film „Oben“ erinnert. Der Film bietet zwar einige wirklich witzige Ideen bezogen auf das Tierreich, wie bspw. dessen „Teichregeln„, dennoch griff man recht oft auf altbekannte Twists und Plots zurück.

Hier sei beispielsweise Dr. Dolittle des Autors Hugh Lofting erwähnt, der bereits 1920 mit Tieren sprach, wie auch James Camerons Avatar. Kleine Info: die Geist-Körper-Transformations-Idee gibt es dabei schon wesentlich länger. Beispiele gefällig: Captain Future: Der Kampf um die Gravium-Mine: Die Seelentransplantation, Mit Schirm, Charme und Melone: Wer ist wer?, Die Körperfresser kommen (Kritik).

Das Animationsabenteuer weiß größtenteils zu unterhalten, doch die Plotqualität schwankt. Dafür gefallen die Figuren, besonders die Heldin mit ihren Ecken und Kanten. Clever ist, dass sich das Aussehen der Tiere je nach Interaktion ändert (z. B. Jerry als Biber mit Haartolle). Die Tierwelt wirkt wiederum etwas unlogisch konstruiert: Warum nehmen Säugetiere ihre Vertreibung klaglos hin? Warum existiert ein fünfköpfiger Rat der Tiere, wenn scheinbar die Insekten-Monarchie das Sagen hat? Warum wird Ratsmitglied König George übergangen? So wächst das Gefühl, dass manche Twists eher dem Plot als der Logik dienten.

Plot und Twists stolpern gelegentlich, die Figurenentwicklung gefällt größtenteils, hätte aber mehr Tiefe vertragen. Ab der Hälfte nimmt das Tempo rasant zu, wirkt jedoch stellenweise etwas überdreht, bspw. wenn ein Hai ins Geschehen eingreift. Der Animationsfilm kombiniert Witz und Slapstick mit ernsten Tönen, bleibt dabei aber recht generisch. Es fehlte der Mut, das Publikum wirklich zu fordern, sodass am Ende eine nette, aber austauschbare Geschichte mit dem vertrauten Vertrauensbruch- und Vergebungs-Twist zurückbleibt.
Die Original-Sprecher:
Wer auf die englische Tonspur schaltet, kann sich einen Eindruck zu den Originalsprechern verschaffen: Piper Curda liefert als Stimme der Protagonistin Mabel eine starke Leistung ab. Jon Hamm (Top Gun Maverick: Kritik) spricht Bürgermeister Jerry Generazzo und verkörpert einen herrlichen, aber tragischen Anti-Antagonisten.

In weiteren Sprecherrollen: Bobby Moynihan als King George, die wunderbare Kathy Najimy (Hocus Pocus) ist als Professorin Sam zu hören, während Dave Franco (Die Unfassbaren 3: Kritik) den machthungrigen Insektenkönig Titus seine Stimme lieh. Als Insektenkönigin ist Meryl Streep in einer kurzen Szene zu hören.
Können die deutschen Synchronsprecher überzeugen?
Die Synchron-Regie hat wieder einige Top-Sprecher ans Mikrofon geholt, darunter: Martina Treger (Dr. Samantha „Sam“ Fairfax), Tobias Müller (Biberkönig George), Magdalena Montasser (Mabel Tanaka / Biberroboter), Markus Pfeiffer (Bürgermeister Jerry), Katy Karrenbauer (Ellen / Grizzlybär) und Konrad Bösherz (Insektenkönig Titus) engagiert. Nicht zu vergessen die wunderbare Monica Bielenstein, vielen als Stimme der großartigen Emma Thompson bekannt, die Mabels Großmutter vertonte. Wie auch Max Giermann (Die Chaosschwestern und Pinguin Paul: Kritik) der in Nebenrollen zu hören ist.

Unverständlich bleibt für mich, warum bekannte Persönlichkeiten, Pseudo-Promis und Influencer allein wegen ihrer Popularität Synchronrollen bekommen, obwohl ihnen meist schauspielerisches Sprecher-Talent fehlt. So wurde erneut GNTM-Chefin Heidi Klum vors Mikro geholt. Dabei stellt sich mir immer die gleiche Frage bzgl. der Eignung: Wenn ich mein Bad gefliest haben will, rufe ich doch auch keinen Versicherungsmakler.
Wissenswertes zu Hoppers (FAQ)
Sollte sich der Film ursprünglich um Pinguine drehen?
Tatsächlich sollte sich Chongs Animationsfilm um ein globales Spionage-Abenteuer mit Pinguinen drehen, der scherzhaft den Arbeitstitel „Penguin Avatar“ bekam.
Der Nachfolger von Pixar-Urgestein John Lasseter und aktuelle Kreativ-Chef (Chief Creative Officer, CCO) Pete Docter (Monster AG) riet Chong von der Idee ab, da es bereits zu viele Pinguin-Filme gibt.
Wird es einen zweiten Teil von Hoppers geben?
Aktuell wurde von dem Animationsstudio kein zweiter Teil bestätigt.
Gibt es in Hoppers Anspielungen / Easter-Eggs auf andere Pixar-Filme?
Wie bei Pixar-Filmen gewohnt, gibt es wieder jede Menge Anspielungen, wie die blauen Vögel aus dem Kurzfilm „Der Vogelschreck“, eine technische Zeichnung von Wall-E und Dougs Hundehalsband aus „Oben“, mit dem Menschen mit Tieren sprechen können. Zudem bin ich der Meinung, einen Hinweis auf Pixars neuesten Film „Gato“ entdeckt zu haben.
Ist die Altersfreigabe ab 6 Jahren gerechtfertigt?
Mein Tipp an die Eltern: Der Film wird ab einem gewissen Punkt düsterer (als Bürgermeister durch ein Duplikat ersetzt wird), als es die Altersfreigabe ab 6 Jahren vermuten lässt, was Kinder evtl. überfordern könnte.
Welches Bonusmaterial ist auf der Blu-ray enthalten?
Die Blu-ray von Hoppers bietet folgende Extras:
Die Viecher-Tagebücher, Hopping In: Das Making-Of von Hoppers, „Das ist König George“ Szenenauflösung, Beaverton enthüllt, Verdammt gute Patzer, Gelöschte Szenen, Trailer
Filmdetails:
- Regie: Daniel Chong
- Drehbuch: Daniel Chong, Jesse Andrews
- Hauptdarsteller: Piper Curda, Bobby Moynihan, Jon Hamm, Kathy Najimy, Dave Franco
- Synchronsprecher: Magdalena Montasser, Markus Pfeifer, Tobias Müller
- Genre: Abenteuer, Komödie, Sci-FI
- Erscheinungsjahr: 2026
- Laufzeit: 105 Min.
- FSK: ab 6 Jahren
- Heimkino-Verfügbarkeit: DVD, Blu-ray, BD Steelbook, Stream auf Disney+
Hoppers (2026) – Mein Fazit

Hoppers von den Pixar Animationsstudios ist nicht nur Plädoyer für die Natur und den Lebensraum der Tiere, sondern spricht sich auch für Generations-Verständigung aus. Regisseur Chong setzte dafür auf einen Plot, der Vertrauen, Verlust, Vergebung, Verrat und Verständnis zum Inhalt hat. Der Film startet mit ein paar Basic-Infos recht gemächlich, zieht dann aber Tempo und Spannungskurve gehörig an, um in einem ziemlich überdrehten Actionfinale zu enden. Dabei wissen besonders die Figuren Mabel, Biberkönig George und der Bürgermeister zu gefallen. Dennoch ist bei weitem nicht alles Gold, was glänzt.
Der Film kämpft in meinen Augen mit ein paar Mankos. So bin ich der Meinung, dass der emotionale Hintergrund (Mabel / Großmutter) den Film nicht gänzlich trägt. Der Einsatz gleich zweier Verrats-Enttäuschungs-Twists samt Vergebung und einer astreinen Katastrophe ohne Folgen spült den Film unnötig weich. Hier scheut der Pixar-Film eindeutig jegliches Risiko, ernsthafte Konsequenzen direkt anzusprechen. Einerseits passt die hohe Gagdichte zu den wilden Figuren, jedoch weniger zur eigentlich ernsten Prämisse. Hier konnte mich der Ende letztes Jahr erschienene Zoomania 2 (Kritik) doch etwas mehr überzeugen.
Fazit: Unterm Strich bleibt Hoppers ein solider, familientauglicher Animationsfilm mit einer sympathischen, aber doch eher weichgespülten Botschaft. Wer eine stimmige Geschichte erwartet, könnte sich an erzählerischen Schwächen stören. Wer diesen Punkt im Blick behält und generell Pixars Mischung aus Witz und Emotion mag, wird hier dennoch wirklich gut unterhalten.
Hinweis: Das Bild- und Trailermaterial sowie das Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von LEONINE Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 Disney / Pixar – Alle Rechte vorbehalten!



