Dr. Who und die Daleks (1965)

Peter Cushing ist der Doctor

Nicht William Hartnell und auch nicht Patrick Througton sind als der Doktor in in dem Spielfilm „Dr. Who und die Daleks“ zu sehen. Für das Spielfilm Debut des Zeitreisenden engagierte Regisseur Gordon Flemyng den großartigen britischen Mimen Peter Cushing. Auch bekannt als Dr. Van Helsing und Gegenspieler von Dracula. Anderen vielleicht auch noch als General Tarkin aus Star Wars IV bekannt. Im Vergleich zur TV-Serie erfuhr der gute Doctor jedoch einige gravierende Änderungen, ob uns diese störten oder doch gut unterhalten konnten, verrät die nachfolgende Filmkritik.

Doctor Who und die Daleks – Trailer

Worum geht’s in Dr. Who und die Daleks?

Unwissend, dass er sich in einer Raum-Zeitmaschine befindet, löst Barbaras Freund Ian einen Trip quer durch die Dimensionen von Raum und Zeit aus. Womit er Dr. Who, seine beiden Enkelinnen, die kleine Susan, wie auch die erwachsene Barbara und sich selbst auf einen fernen Planeten schleudert. Wer ahnt schon, dass sich in einer scheinbar gewöhnlichen blauen Polizeinotrufzelle, eine Zeitmaschine verbirgt. Voller Enthusiasmus beginnt der Doctor die Umgebung zu erforschen. Doch der gesamte Planet scheint verödet zu sein. Hier muss etwas Grauenvolles passiert sein. In der Ferne erspähen sie jedoch so etwas wie eine Stadt, vielleicht lebt hier ja doch noch jemand.

Doctor Who und die Daleks
Peter Cushing als Dr. Who, samt Enkelin und Dalek.

In der Stadt angekommen werden der Doctor und seine Begleiter von fremden Wesen gefangenen genommen. Diese Wesen, genannt Daleks, besitzen eine gepanzerte und bewaffnete Hülle. Während sich in dieser eine einst humanoide Lebensform verbirgt, die von Hass zerfressen jegliches Leben eliminieren will. Ebenso wird der Planet von den Thals bedroht, die vor Jahrhunderten gegen die Daleks kämpften. Das Leben der Daleks wird durch eine Strahlung bedroht, weshalb sie die Stadt nicht verlassen können. Einzig ein Gegenmittel der Thals könnte helfen. Als sich herausstellt, dass dies nicht die Rettung der Daleks darstellt, planen sie die totale Zerstörung. Jetzt kann nur noch der Doctor helfen, um die Thals vor dem Wahnsinn der Daleks zu retten.

Der Weg des Doctors in das Kino

Schon recht früh erkannte man das Potential von „Doctor Who“ und so plante man bereits zwei Jahre nach Serienstart einen Kinofilm. Die 60er Jahre, die eh schon von Science-Fiction und Fantasiefilmen geprägt waren, sollten der perfekte Einstieg für die Abenteuer des Doctors werden. Für den Kinoauftritt musste der heutige Timelord dennoch einige Veränderungen über sich ergehen lassen. Scheint es doch so, als wollte man das Publikum nicht mit zu vielen fantastischen Details erschlagen.

Doctor Who und die Daleks Szenenbild
Dr. Whos Enkelin Barbara und Freund Ian.

So wurde aus dem Zeitreisenden Timelord vom Planeten Gallifrey, ein schrulliger Wissenschaftler von der Erde. Aus den bekannten Companions, also den Begleitern des Doctors, wurden zwei Enkelinnen, die kleine Susan und die erwachsene Barbara. Diesen schließt sich im ersten Film Barbaras Freund an, während im zweiten ein englischer Bobby völlig unerwartet in die Tardis stolpert. Womit wir bei der bisher einzigen Konstante wären, des Doktors Zeitmaschine, die „Time And Relative Dimension In Space“, kurz Tardis.

Das Abenteuer durch Raum und Zeit mittels der Tollpatschigkeit von Barbaras neuem Freund Ian, der dummerweise die Tardis in Gang setzt. Um nicht viel Zeit mit Erklärungen zu verlieren, ließen die Macher den Doktor gleich bei seinen bekannten Erzfeinden den Daleks landen. Einst humanoide Wesen, die nun degeneriert in gepanzerten und bewaffneten Fahrzeugen stecken. Ihr einziges Ziel: alles zu töten was kein Dalek ist, scheinen sich doch geradezu von einem Rassenreinheitsgebot getrieben zu werden.

Doctor Who und die Daleks Szenenbild
Peter Cushing als Dr. Who hält Kriegsrat mit den Thals.

Was wohl daran liegt, dass Autor und Erfinder der Daleks, Terry Nation einen Gegenspieler schuf der auf dem nationalsozialistischen Faschismus des Dritten Reichs basiert. Dabei ist es nicht einmal die Optik der Daleks, die eigentlich eher an Mülleimer mit Beulenpest erinnert, welche gefährlich wirken sollen. Es ist die radikale Vorgehensweise dieser Wesen, die trotz ihrer biologischen Komponente, radikal alles andersartige Leben vernichten wollen. So stehen die humanoiden Bewohner des Planeten, die Thals, auf der Abschussliste der Daleks.

Doctor Who und die Daleks Szenenbild
Alydon Anführer der Thals und Ian, stellen den Daleks eine Falle.

Bezüglich der Tahls, bin ich der Meinung, dass diese doch sehr von den Eloy aus „H.G. Wells – Die Zeitmaschine“ aus dem Jahr 1960 inspiriert wurden. Ein harmlos, friedliches und leider auch überaus naives Volk, welches von „Monstern“ ausgerottet werden soll. Allgemein scheint diese Doctor Who Verfilmung doch sehr von dem fünf Jahre älteren Film inspiriert worden zu sein. Besonders wenn man sich die Festung der Daleks und die Welt der Morlocks anschaut. Ebenso entspricht die Farbgebung und Optik doch sehr dem Film „Die Zeitmaschine“ mit Rod Taylor (Alfred Hitchcocks – Die Vögel) in der Hauptrolle.

Die Darsteller aus Dr. Who und die Daleks

Hier schienen die Macher kein Risiko eingehen zu wollen und setzten auf die britische Filmikone Peter Cushing, der zusammen mit Christopher Lee (The Wicker Man: Review) in den Horrorfilmen der Hammer Studios zu Weltruhm kam. Ihm stellte man Jennie Linden (Mit Schirm, Charme und Melone), so wie Roberta Tovey als Susan zur Seite. In weiteren Rollen sind Geoffrey Toone (Die 2) als Temmosus, Michael Coles (Department S) als Ganatus, Roy Castle als Ian, Barrie Ingham (Ein Colt für alle Fälle) als Alydon so wie John Bown (Das grüne Blut der Dämonen) als Antodus zu sehen.

Doctor Who und die Daleks (1965) Kritik & Fazit:

Dr. Who und die Daleks - Blu-ray Cover
Dr. Who und die Daleks Blu-ray

„Doctor Who und die Daleks“ war mir als leidenschaftlicher Whovian bis dato tatsächlich unbekannt, und ich war äußerst gespannt, Peter Cushing in der Rolle des zeitreisenden Doctors zu erleben. Umso überraschender war die Entdeckung, dass man die Figur für das Kinopublikum radikal vereinfacht hatte: kein Timelord vom Planeten Gallifrey, sondern „nur“ ein schrulliger Wissenschaftler von der Erde, der mit seinen Enkelinnen durch Raum und Zeit reist. Die ikonischen Daleks, seit jeher fester Bestandteil britischer Popkultur, werden ohne nennenswerte Hintergrundgeschichte als Antagonisten präsentiert. Der damalige Kinogänger ohne Doctor-Who-Vorwissen musste zahlreiche Figuren ohne entsprechende Basis verarbeiten, während eingefleischte Fans von den erheblichen Änderungen am bekannten Thema vermutlich irritiert waren.

Trotz der abgespeckten Version des Doctors konnte mich der Film überraschend gut unterhalten. Cushings Darstellung eines zerstreuten, an Albert Einstein erinnernden Wissenschaftlers ist durchaus gelungen, auch wenn man spürt, dass er mit der eigentlichen Doctor-Figur wenig anfangen konnte. „Doctor Who und die Daleks“ besticht vor allem durch den unwiderstehlichen Charme vergangener Science-Fiction-Filme. Besonders die sorgfältig gestalteten Settings und Matte-Paintings zeugen von der Magie des klassischen Filmhandwerks. Die Handlung und das Schauspiel bleiben zwar relativ simpel, und das Finale mit seiner ausgiebigen Klopperei erinnert an alte Agentenfilme, doch gerade diese nostalgischen Elemente machen den besonderen Reiz des Films aus.

Fazit: Wer den bekannten Doctor aus der Tardis mit seiner komplexen Mythologie sucht, wird hier möglicherweise enttäuscht. Wer hingegen klassische Science-Fiction-Filme zu schätzen weiß und neugierig ist, wie sich die Filmemacher den Weg des Doctors auf die große Kinoleinwand vorstellten, sollte „Doctor Who und die Daleks“ unbedingt eine Chance geben. Als Zeitdokument und unterhaltsame Interpretation eines Kultphänomens bietet der Film einen faszinierenden Einblick in eine alternative Vision des Doctor-Who-Universums, die trotz aller Vereinfachungen ihren eigenen Charme entwickelt.

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Marc Maurer

Hallo, ich heiße Marc Maurer – Online-Redakteur, Mediengestalter und IT'ler mit langjähriger Berufserfahrung. Bei Filmen, Serien und Technik-Gadgets schaue ich etwas genauer hin und teile meine Einschätzung mit Euch – ohne Marketing-Gefasel.