Wenn Downton Abbey auf die Nackte Kanone trifft!
Fackham Hall ist eine britische Aristokratie-Parodie, die auf dem Niveau von Die nackte Kanone startet, dieses Niveau aber nicht über die gesamte Laufzeit halten kann. Für die Hauptrollen konnte man „Last Night in Soho“-Darstellerin Thomasin McKenzie gewinnen, die zusammen mit ihren Co-Stars Ben Radcliffe, Damian Lewis, Katherine Waterston und Harry-Potter-Star Tom Felton als Archibald jede Menge Kalauer abfeuern. Die Idee dazu stammt von Comedian Jimmy Carr, die Regisseur Jim O’Hanlon auf die Leinwand brachte.

Carr selbst ist zudem in einer Nebenrolle als schusseliger und nicht gerade wortgewandter Pfarrer zu sehen. Wer mit Downton Abbey oder gar noch Das Haus am Eaton Place aufgewachsen ist, bekommt hier überwiegend gelungene Komödie serviert, die für dieses Genre längst überfällig war. Welche Stärken und Schwächen der Film zu bieten hat, verrate ich wie gehabt in den nachfolgenden Zeilen meiner Filmkritik mit einem kurzen Blu-ray Review.
Jimmy Carrs Fackham Hall im Film-Check
Worum geht’s eigentlich in Fackham Hall?
England im Jahr 1931, auf dem prachtvollen Anwesen Fackham Hall residiert die Adelsfamilie Davenport. Lord Davenport (Damian Lewis) und seine Frau (Katherine Waterston) treibt eine Sorge um: Es gibt keinen männlichen Erben, der den Familienbesitz übernehmen könnte. Die Lösung soll die Hochzeit der jüngeren Tochter Poppy (Emma Laird) mit ihrem Cousin Archibald (Tom Felton) sein, wodurch Fackham Hall in Familienhand bliebe. Mittendrin landet der Taschendieb Eric Noone (Ben Radcliffe). Dieser sollte eigentlich nur eine Nachricht überbringen und wird prompt im Herrenhaus als Hausdiener angestellt.

Trotz der strikten Trennung zwischen Aristokratie und gewöhnlichem Volk kommen sich Eric und Poppys Schwester Rose (Thomasin McKenzie) immer näher. Am Hochzeitstag nimmt das Unheil jedoch seinen Lauf: Poppy lässt ihren Archibald vor dem Altar stehen und wenig später wird der Lord tot aufgefunden. Rose ist somit gezwungen, ihren Cousin Archibald zu heiraten, um das bevorstehende Ende der Familien Dynastie abzuwenden. Während sich Archie schon die Hände reibt, hat er nicht mit Eric Noone gerechnet, der noch ein As im Ärmel trägt.
Die Inszenierung: Die Rückkehr der Schenkelklopfer-Parodien
Die 70er- und 80er-Jahre waren geprägt von etlichen Filmparodien. Sei es Frankenstein Junior, Die nackte Kanone, Top Secret! oder Spaceballs. In den 2000er-Jahren wurde das Genre zwar nochmals durch die Wayans-Brüder mit ihren Scary Movie-Filmen wiederbelebt, was darauf folgte, waren jedoch überwiegend nur noch laue und unlustige Trittbrettfahrer. So hätte niemand geahnt, dass das Spoof-Movie-Genre ausgerechnet durch das 2025er-Sequel von „Die nackte Kanone“ (Kritik) mit Liam Neeson frischen Wind bekommen würde. Mit Fackham Hall nahmen sich nun Comedian Jimmy Carr und Regisseur Jim O’Hanlon der britischen Gesellschaftsdramen an – allen voran Downton Abbey.
Der Titel selbst ist bereits der erste böse Pointe des Films: Fackham Hall klingt für deutsche Ohren zwar wie eine vornehme Adelsresidenz, wer jedoch des Englischen mächtig ist, weiß ganz genau, was wirklich gemeint ist. O’Hanlons und Carrs Film ist dabei weitaus mehr als nur eine bloße Aneinanderreihung von Gags ober- und unterhalb der Gürtellinie. Die Komödie selbst ist ein Mix aus verschiedenen Genres, angefangen von einem Gesellschaftsdrama über eine RomCom (Romantische Komödie) bis hin zu einem Whodunit-Krimi samt Mord. Zudem bauten die Macher enorm viele Anspielungen auf Klassiker wie Oliver Twist, Knives Out, Mary Poppins und nicht zu vergessen die grandiosen Monty Pythons ein.

Überraschend hochwertig für solch eine Produktion sind Ausstattung und Kameraarbeit ausgefallen; man könnte meinen, O’Hanlon hätte eine ernsthafte Familien-Saga drehen wollen. Der Mix aus Slapstick, derben Sprüchen und lustigen Szenen funktioniert hierbei ebenfalls überwiegend gut. Dennoch zünden bei Weitem nicht alle Witze, obwohl die Gagdichte selbst recht ausgewogen ist. Besonders gelungen: die Darstellung der dekadenten adligen Familie, was hervorragend an der Figur des Lord Humphrey deutlich wird.

Dumm-witzig geraten ist beispielsweise die Entenjagd, bei der auch Füchse und Hirsche vom Himmel geschossen werden. Wenig überzeugend empfand ich dagegen die Gesangseinlage, die spürbar unter der deutschen Übersetzung gelitten hat. Der Film bietet zudem einige Verwechslungen und Enthüllungen, die nicht immer zur Gänze für Überraschungen oder Lacher sorgen. Dafür gibt es andere Szenen, wie bspw. den Gefängnisausbruch oder die Beschattung durch Inspektor Watt, die umso komischer ausgefallen sind.
Die Darsteller der Davenports – Ein herrlich schräges Ensemble
Thomasin McKenzie, bisher eher in ernsten Stoffen wie „Last Night in Soho (Kritik)“ zu sehen, beweist als Rose Davenport echtes komödiantisches Talent. Ihre Figur steht für Aufbruch und Rebellion, ohne in plumpe Klischees abzurutschen. Ihr Gegenpart Ben Radcliffe glänzt als Kleingauner Eric Noone mit hervorragendem Timing, das nie in billigen Klamauk verfällt.

Damian Lewis (Homeland) hebt als herrlich blasierter Lord Humphrey Davenport das Niveau noch einmal an. Tom Felton gibt wunderbar den aufgeblasenen Möchtegern Archibald, Emma Laird (28 Years Later) seine herrlich naive Poppy, Katherine Waterston spielt Lady Prudence Davenport, während Anna Maxwell Martin als Mrs. McAllister komplettiert.
Auch bei den Nebenfiguren trieben die Autoren den Irrwitz auf die Spitze: Sue Johnston als Großtante Bonaparte, Jason Done (Old Guy: Kritik) als J.R.R. Tolkien und Jimmy Carr selbst als Vikar mit verdächtigem Mini-Schnurrbart – dessen Ableben am Ende des Films wird damit erklärt, dass er 1945 in einem dunklen Bunker in Berlin verstarb. Ein herrlich makaberer Seitenhieb. In weiteren Rollen überzeugen Lizzie Hopley, Tim McMullan (Grantchester: Kritik) als Chef-Butler Cyril, Paula Wharton und Tom Goodman-Hill als hartnäckiger Inspector Watt.
Wissenswertes zu Fackham Hall & Blu-ray (FAQs):
Worauf basiert die Fackham Hall Parodie?
Als der erste seiner Art, nimmt sich Fackham Hall die großen britischen Gesellschaftsdramen zur Brust, die einst mit dem Klassiker Das Haus am Eaton Place (Upstairs, Downstairs) starteten. Das Genre lag einige Jahrzehnte brach und feierte mit der Serie Downton Abbey (2010) die ebenfalls in den 1930er Jahren spielt sein Comeback. Grund genug für Jimmy Carr, diesem Genre und Downton Abbey im besonderen, eine Persiflage zu widmen.
Wo kann man Fackham Hall streamen und / oder kaufen?
Aktuell kann man die Komödie gegen eine Gebühr auf Amazon Prime Video, Magenta, Sky und Apple TV streamen. Der Film ist für das Heimkino ebenfalls auf DVD und Blu-ray im Handel erhältlich!
Welche Parodie-Komödien / Spoof Movies sind ein Must-See?
Wem Fackham Hall gefallen hat, sollte mal einen Blick auf: „Frankenstein Junior“ mit Gene Wilder, Top Secret! mit Val Kilmer (Maverick: Kritik), Die nackte Kanone Trilogie mit Leslie Nielsen, „Das Leben des Brian“ der Monty Phytons oder auch „Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug (Airplane)“ werfen.
Nicht zu vergessen „Spaceballs“ von und mit Mel Brooks, „Dracula – Tot aber Glücklich„, „Robin Hood – Helden in Strumpfhosen„, „Hot Shots„, die Austin Powers Trilogie mit Mike Myers, wie auch „Scary Movie“ von den Wayans Brüdern. Wer Liam Neeson in solch ein Slapstick Rolle erleben möchte, muss zu „Die nackte Kanone 2025 (Kritik)“ greifen.
Weitere Infos zu Laufzeit, FSK-Freigabe und Bonusmaterial der Blu-ray
Der Film hat eine Laufzeit von ca. 97 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren. Die Blu-ray selbst enthält leider keinerlei Bonusmaterial wie bspw. ein Making-Of oder gar Outtakes, dies hätte sich bei diesem Film sicherlich angeboten. Einzig ein deutscher Trailer und eine Trailer-Show sind vorhanden.
Fackham Hall (2025) Mein Fazit

Fackham Hall ist die längst überfällige Persiflage auf die großen britische Adelshaus-Drama-Serien. Im Visier des Comedians und Autors Jimmy Carr stand dabei vor allem die weltweit erfolgreiche Serie Downton Abbey. Deren Grundplot verwandelte er in eine irrwitzige Verwechslungsgeschichte mit hoher Gagdichte und aberwitzigen Situationen. Basierend auf Carrs Drehbuch schuf Regisseur Jim O’Hanlon eine Parodie im Stil von Die nackte Kanone, die kein Klischee auslässt – was wohl auch dem Cast sichtlich viel Vergnügen bereitete.
Die Komödie geht gleich zu Beginn in die Vollen und nimmt mit einer absurden Ernsthaftigkeit die Geschichte der aristokratischen Familie Davenport aufs Korn. Hier hatten die Macher keinerlei Scheu, alles durch den Kakao zu ziehen, was der Adel zu bieten hat. Dennoch kann der Film das vorgelegte Tempo im Mittelteil nicht gänzlich halten, nimmt im letzten Drittel jedoch wieder gekonnt Fahrt auf und führt die Zuschauer zu einem wohlverdienten Happy End.
Fazit: Obwohl diese Parodie das Genre nicht neu erfindet und sicherlich nicht jedermanns Sache sein wird, ist den Machern eine charmant-derbe Persiflage auf bekannte Gesellschaftsdramen gelungen. Fackham Hall trifft überwiegend die richtigen Töne, da das Skript unter anderem nicht versucht, im Sekundentakt Gags abzufeuern. Meiner Meinung nach ist der Film all jenen zu empfehlen, die nicht nur ein Faible für Spoof-Movies haben, sondern auch den britischen schwarzen Humor zu schätzen wissen.
Hinweis: Das Bild- und Trailermaterial sowie das Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von Leonine Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 Leonine Home Entertainment– Alle Rechte vorbehalten!



