Chantal im Märchenland

Chantal auf den Spuren der Gebrüder Grimm

Chantal ist zurück – und diesmal in einer völlig neuen Dimension! Regisseur Bora Dagtekin entführt seine Hauptfigur in eine magische Welt, wo Ghetto-Slang auf Märchenzauber trifft. Jella Haase schlüpft erneut in die Rolle der rebellischen Chantal Ackermann, die wie immer auf der Jagd nach dem besten Content ist. Zusammen mit ihrer besten Freundin Zeynep (Gizem Emre) werden sie durch einen Zauberspiegel in ein chaotisches Märchenreich gezogen. Dort erwarten sie verdrehte Versionen bekannter Märchen, unerwartete Herausforderungen und jede Menge irrwitziger Situationen. Doch kann dieser Mix aus „Fack ju Göhte“ und Grimms Märchen überzeugen? Das erfahrt Ihr wie immer in unserem nachfolgenden Review.

Chantal im Märchenland: Trailer

Chantal im Märchenland: Inhalt

Chantal (Jella Haase) ist Back, nach ihrem Abschluss versucht sie sich weiterhin als Influencerin. Die Anzahl an Followern hält sich jedoch arg in Grenzen. Derweil beginnt sich ihre beste Freundin Zeynep (Gizem Emre) für Ausbildungsplätze zu bewerben. Um den Schein zu wahren macht Chantal natürlich mit, doch insgeheim bleibt sie dabei, mit ihrer Freundin als Social Media Star berühmt zu werden. Bei ihrem täglichen Besuch im Kindergarten stolpern die Zwei über einen antiken Spiegel, der sich als Zauberspiegel entpuppt und die Freundinnen in eine magische Märchenwelt entführt.

chantal im märchenland: chantal wird vom zauberspiegel verschluckt
Zeynep versucht Chantal vor dem Zauberspiegel zu retten

Jackpot, das ist Chantals erster Gedanke, das müsste ihr den Durchbruch auf Social Media ebnen. Zeynep ist von den Vorgängen wiederum gar nicht angetan. Und während sie die fremde Welt erkunden, kristallisiert sich nach und nach heraus, das hier nicht alles so märchenhaft ist, wie es scheint. Aladdin ist kein Prinz, Chantal muss anstelle der Königstochter in einen 100jährigen Schlaf verfallen und eine Hexe steht ihrem Erfolg obendrein im Weg.

chantal im märchenland: fee funkelchen und chantal
Fee Funkelchen ist ganz verzückt von Chantals Ghetto-Sprache

Ganz abgesehen von dem Prinzen, der sie wach küssen sollte, doch mehr Interesse am eigenen Geschlecht zeigt. Obendrein muss sich Zeynep auch noch einer Hexenweihe unterziehn, was die Freundschaft der beiden Mädels aufs Äußerste strapaziert und allgemein muss hier im Märchenland so einiges wieder gerade gerückt werden, was der eitle König an die Wand gefahren hat. Stellt sich nur die Frage, ob Chantal all diese Aufgaben auch bewältigen kann? 

Alles begann mit Fack Ju Göhte

Im Jahr 2013 landete Regisseur Bora Dagtekin mit seinem Film „Fack Ju Göhte“ einen Überraschungshit. In diesem erzählt der Filmemacher und Drehbuchautor die Geschichte um den Bankräuber Zeki Müller (Elyas M’Barek). Dieser landete aufgrund eines Bruchs im Gefängnis und machte sich nach seiner Entlassung auf die Suche nach seiner Beute, die er damals auf einer Baustelle vergrub. Dummerweise steht nun eine Turnhalle auf seinem erbeuteten Geld. So lässt sich Zeki als Hausmeister einstellen, wird aufgrund einer Verwechslung jedoch der neue Aushilfslehrer der Klasse 10b, womit Chaos pur vorprogrammiert ist. 

Die Inszenierung des Das Spin-off

Nach Abschluss der „Fack Ju Göhte“ Trilogie im Jahr 2017, mussten die Fans recht lange warten, bis sie wieder neues Filmfutter in Form eines Spin-offs erhielten. So spielt sich die Geschichte rund um die Freundinnen Chantal und Zeynep ab, die nach dem Abitur versuchen, eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Nunja, mehr Zeynep als Chantal, da sie immer noch ihrem Traum der erfolgreichen Influencerin nachjagt. Um der Geschichte eine abgedrehte Krone aufzusetzen, entführt Regisseur Bora Dagtekin seine Protagonisten geradewegs in Grimms Märchenwelt, natürlich stilecht durch einen Zauberspiegel und jeder Menge Anspielungen auf all die Märchen und Legenden dieser Welt.

chantal im märchenland: chantal im prinzessinnenbett
Chantal im Prinzessinnen Bett

Im Film spart der türkischstämmige Filmemacher nicht an verdrehten Märchenfiguren und präsentiert einen regelrechten Meshup, der bekannten Geschichten der Gebrüder Grimm und anderer Märchenfiguren. Kein Wunder also, dass auch Aladin mit von der Partie ist. Auf diesen stand Chantal ja schon immer. Dennoch gelang Dagetkin dieser Mix nicht immer. Manches ist verwirrend, anderes wirkt konstruiert. Derweil war der Prinz Bosco (erinnert an Chantales Schulkamerad Danger), der eigentlich aufgrund Mutters Erwartung dazu verdammt ist Dornröschen wach zu küssen, recht witzig inszeniert. Nicht nur, dass er recht tollpatschig daherkommt, sein Interesse liegt doch mehr beim männlichen Geschlecht. 

chantal im märchenland: der knappe und sein prinz, neben des prinzen pferf
Der holde Knappe von Prinz Bosco ist verzückt, zickig und eifersüchtig

Das Storytelling ist zudem etwas holprig ausgefallen und der Film hätte definitiv kürzer sein dürfen (müssen). So geht es eigentlich nur darum, den zerbrochenen Zauberspiegel zu reparieren, um zurück in ihre Welt zu kommen. Dafür muss Zeynep zur Hexe werden und Chantal sich um Hilfsmittel kümmern. Um diesen Plot baute der Regisseur noch mehrere Mini-Plots. Darunter die Befreiung des Königreichs vom eitlen König Wilderich, Chantis Liebelei mit Aladdin, das Zerwürfnis mit der besten Freundin, Frauenrechte und Gleichberechtigung. Hier lässt es beispielsweise Artolf (aka Artus) nicht gelten, dass seine Zukünftige Amalia, Excalibur – das magische Schwert aus einem Stein gezogen hat. So versucht er, die Lorbeeren dafür selbst zu ernten.

chantal im mächenland: könig wilderlich, ritter artholf, könig kunigunde
Ritter Artholf wird zum Drachenkampf gefordert

Der Filmemacher liefert mit „Chantal im Märchenland“ eigentlich das, was man von dem Fack Ju Göhte Macher kennt und doch ist es ganz anders. Während er sich bei seinen Dialogen auf den bekannten Ghetto-Slang verlässt, versetzt er seine Protagonisten in ein Märchenland, das er voller Crossover kreiert. Visuell wird im Vergleich zu den Vorgängern die CGI-Keule ausgepackt. Diese sieht überwiegend gar nicht mal so schlecht aus und in manchen Szenen dann doch patzt, siehe Drachenhüter / Drache. Chanti im Ghetto-Style auf allerlei Märchenwesen treffen zu lassen ist zwar recht witzig umgesettzt, kann aber nicht die komplette Laufzeit überzeugen. Viele Chanti Fans werden den Film vermutlich feiern, Fans der Fack Ju Göhte Filmreihe, könnte dieser Streifen eventuell nicht ganz abholen.

Die Pros und Cons von „Chantal im Märchenland

Der Film bietet wie erwähnt recht viele witzige Einfälle, darunter Aladdin, der noch an seinem fliegenden Teppich weben muss oder als menschlicher Akku für Chantals Smartphone missbraucht wird. Ebenso wie Chantal der bösen Hexe Sansara (Nora Tschirner) mit ihren Ghetto-Skills regelrecht in den Allerwertesten tritt. Auch schön: Der holde Prinz Bosco, der sie wachküssen soll, würde lieber mit seinem hübschen Knappen rummachen. Gleichfalls ist es zu herrlich, wenn sich Chanti wie eine Elefant im Porzellanladen am Hofe benimmt und auf jegliche Etikette „kackt“. Was gleichermaßen meine Überleitung zu den Cons darstellt.

chantal im märchenland: hexe zeynep erschafft einen feuerball
Zeynep ist stocksauer und hext einen Feuerball herbei

Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin legt den beiden Freundinnen jegliche Ghetto-Wörter in den Mund. Angefangen von A… bis hin zu F…, wer sich daran stört, sollte den Film meiden. Ebenso ist der Mix aus „Grimms Märchen„, „Märchen aus 1001 und einer Nacht“ und der „Artus-Sage“ nicht gänzlich gelungen. Wie so oft gilt auch hier: weniger wäre mehr gewesen. Weiterhin bedient der Autor und Regisseur jede Menge Klischees, beginnend mit dem „schwulen“ Prinz, dem dramaturgischen Trigger, der die Freundschaft zu Zeynep auf die Probe stellt, Gleichberechtigung der Frauen, Selbstbestimmung, etc.. Dies alles wirkte teils wie dieses extreme white washing, welches auch Disney die letzten Jahre betrieb. 

chantal im märchenland: drei prinzessinnen, zeynep, amalie und chantal
Prinzessin Amalia führt Zeynep und Chantal durch den Palastgarten

Anmerkung: Wir möchten hier in keiner Weise die aktuellen o.g. Probleme schmälern. In Filmen wirkt es in letzter Zeit dennoch teils befremdlich. Gerade so, als wollten sich Filmemacher und Filmstudios selbst auf eine merkwürdige Art von der ungleichen Behandlung rein waschen. Unserer Meinung nach fängt Veränderung hinter den Kulissen und nicht auf der Leinwand an!

Die Schauspieler und deren Leistung in „Chantal im Märchenland“

Jella Haase (Berlin Alexanderplatz) kehrt in ihre Rolle als prollige Möchtegern-Influencerin Chantal Ackermann zurück: Die ewige Influencerin ohne Follower. Und wieder spielt sie die einstige Problemschülerin auf den Punkt. Ihr zur Seite Gizem Emre als beste Freundin Zeynep, die ihren Gegenpart ebenfalls hervorragend darstellt. Die Showstealerin des Films war jedoch, trotz kurzer Spielzeit Nora Tschirner (KeinOhrHasen) als Hexe Sansara. Mido Kotaini spielt den treudoofen verliebten Aladdin, während Max von der Groeben (Hinterland) den zwiegespaltenen Prinzen Bosco gibt. 

chantal im märchenland: hexe sansara (nora tschirner)
Hexe Sansara wartet auf ihre Rache an König Wilderlich

In weiteren Rollen: Maria Ehrich als Prinzessin Amalia, Frederick Lau als Artolf (One for the Road), Alexandra Maria Lara (The King’s Man: The Beginning als Königin, Maria Happel (Freibad) als pummelige gute Fee Funkelchen, Cooper Dillon (Tribute von Panem: The Ballad of Songbirds & Snakes) als König Wilderich, Elena Uhlig als Mutter des Prinzen Bosco, Jannik Schümann (Monster Hunter) als Prinz Bechtold, Ben Felipe als Stallbursche von Bosco. Last but not least hat natürlich auch Elyas M’Barek (Paddington in Peru: Review) einen Gastauftritt in seiner bekannten Rolle als Zeki Müller.

Chantal im Märchenland (2024) Kritik & Fazit:

chantal im märchenland blu-ray cover
Chantal im Mörchenland: Blu-ray
Bewertung: 5.5 / 10 ★

„Chantal im Märchenland“ ist ein schräges Spin-off der beliebten „Fack ju Göhte“-Reihe, welches sich klassischer Märchen bedient. Regisseur Bora Dagtekin liefert einen kreativen Mix, gespickt mit modernem Humor und gesellschaftlichen Themen und Kritiken. Jella Haase glänzt erneut in ihrer Paraderolle als Chantal. Der Film punktet mit kreativen und lustigen Ideen und greift jegliche Märchenklischees auf. Wie dem charmant-chaotischen Prinzen Bosco, der nicht wirklich auf Prinzessinen steht, oder Aladin, der unkonventionell als „menschlicher Akku“ fungiert. 

Kritisch betrachtet neigt der Streifen dazu, sich zu sehr auf eine Vielzahl von Märchenthemen, zwischenmenschlichen Beziehungen und politischen Botschaften zu stützen. Die Mischung aus verschiedenen Märchen und die Einflechtung moderner gesellschaftlicher Themen fühlen sich teilweise überladen an. Das Bemühen, Klischees zu bedienen und Themen wie Gleichberechtigung und Selbstbestimmung plakativ darzustellen, wirkt eher erzwungen, als dass es zwanglos in die Geschichte integriert wird, was teilweise zu Lasten der Hauptgeschichte geht.

Auch die übermäßige Verwendung von Ghetto-Slang und Klischees könnte manche Zuschauer ermüden oder gar stören. Während der Märchenfilm durchaus unterhaltsame Momente bietet, erreicht er nicht ganz das Niveau der ursprünglichen „Fack ju Göhte“-Reihe. Für Fans von Chantal und deutscher Comedy ist „Chantal im Märchenland“ sicherlich eine Sichtung wert. Auch wenn Dagtekins Werk mit 123 Minuten etwas zu lang geraten ist. Ein bunter, chaotischer Ritt durch die Märchenwelt, der mit seinen Stärken und Schwächen polarisieren dürfte.

Bilder & Trailer mit freundlicher Genehmigung © 2024 Constantin Film – alle Rechte vorbehalten.

FAQ’s

In dem Film kehrt Chantal, die Kultfigur aus der „Fack ju Göhte“-Reihe, zurück. Nach ihrem Schulabschluss versucht sie sich als Möchtegern-Influencerin, Chantal und ihre beste Freundin Zeynep, geraten durch einen antiken Zauberspiegel in eine Märchenwelt. Hier müssen sie sich allerlei Problemen stellen. Unter anderem müssen sie den magischen Spiegel reparieren, eine Hexe bekämpfen, einen tyrannischen König vom Thron stoßen und die Gleichberechtigung der Frau stärken, bevor sie in die reale Welt zurückkehren können.

Chantal Ackermann ist eine der Hauptfiguren aus der bekannten Filmreihe „Fack Ju Göhte“ mit Elyas M’Barek

Auf der Blu-ray sind folgende Bonus-Inhalte zu finden: Deleted Scenes, Making-of, Teaser und Trailer

Regie und Drehbuch stammen von Bora Dagtekin. Der Film hat eine Laufzeit von 123 Minuten.