Ein Vater kämpft um seine verurteilte Tochter!
In „Stillwater“ lässt Regisseur Tom McCarthy (Spotlight) seinen Hauptdarsteller Oscar-Gewinner Matt Damon als Bill Baker nach Marseille reisen um dort dessen Tochter aus den Fängen der französischen Justiz zu reißen. Diese soll einen Mord begangen haben und sitzt seither im Gefängnis. Bei Bills Besuch kommen neue Beweise zum Vorschein womit er nicht nur versucht den Fall neu aufzurollen, sondern damit auch für seine Versäumnisse als Vater Buße zu tun. Womit für Bill ein verzweifelter Kampf gegen ein Justizsystem in einem fremden Land beginnt. Ob uns McCarthys Thriller-Drama überzeugen konnte, verrät unsere Filmkritik.
Worum geht’s in Stillwater – Gegen jeden Verdacht?
Tom McCarthys fesselndes Drama „Stillwater“ entführt uns in die raue Lebenswirklichkeit von Bill Baker (Matt Damon), einem wortkargen Arbeiter aus Oklahoma, dessen Tochter Allison (Abigail Breslin) seit fünf Jahren in einem Marseiller Gefängnis sitzt – verurteilt für einen Mord, den sie nicht begangen haben will. Als sie von neuen Hinweisen auf den wahren Täter erfährt, entfacht dies in Bill einen unbändigen Tatendrang, obwohl die französische Justiz den Fall längst abgeschlossen hat und seine Tochter ihm misstraut.

Unterstützt von der zufällig kennengelernte Virgine und ihrer Tochter Maya wagt sich der kulturell entwurzelte Amerikaner in ein Labyrinth aus Missverständnissen und gefährlichen Konfrontationen. Bill, der die Sprache nicht spricht und die Regeln nicht kennt, passt sich an und kämpft verbissen – doch die Frage bleibt: Kann ein Mann, der sein ganzes Leben lang familiär versagte, seine Tochter aus den Fängen der Justiz retten oder werden seine verzweifelten Versuche sein Untergang sein?
Amanda Knox – Von der Realität zur Film-Fiktion
Nach seinem Erfolg mit „Spotlight“ folgt Regisseur Tom McCarthy erneut einer Geschichte mit realen Hintergründen. „Stillwater“ wurde inspiriert von der wahren Geschichte der Amerikanerin Amanda Knox, die 2007 in Italien wegen Mordes zu 26 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt und nach vier Jahren Haft freigesprochen wurde. Dabei handelt es sich nicht um eine Biografische Verfilmung, sondern eher um ein eigenständiges Drama. So läutet McCarthy bereits nach Ankunft seiner Hauptfigur in Marseille, die Wendung in eine eigens erdachte Geschichte über seine Figur Bill Baker ein.
Inszenierung: McCarthy kreiert bedrückende Atmosphäre
Tom McCarthy etabliert von Beginn an eine eindringlich bedrückende Stimmung, die den Zuschauer nicht mehr loslässt. Die französische Hafenstadt Marseille wird dabei nicht als malerische Kulisse, sondern als entfremdende Umgebung für seinen amerikanischen Protagonisten inszeniert.

Die Kameraführung bleibt nah an der Hauptfigur, fängt jeden stillen Moment der Verzweiflung ein und verstärkt das Gefühl der Isolation. Diese Nähe zum Protagonisten macht „Stillwater“ viel mehr zu einem intensiven Charakterdrama als zu dem angekündigten Thriller, trotz das es vereinzelt spannungsgeladene Szenen im Film gibt.

Besonders gelungen ist McCarthys Entscheidung, auf typische Genre-Klischees zu verzichten. Bill Baker wird nicht zum „Superhelden“ oder gar Über-Vater stilisiert. Er bleibt ein ganz normaler Mensch, der bereits an Sprachbarrieren scheitert und sich mit einer fremden Kultur, Regeln und Sitten auseinandersetzen muss. Diese verleiht dem Film eine Authentizität, die den typischen Hollywood Filmen meist gänzlich fehlt.

McCarthy setzt gegen Ende noch einen drastischen Kontrapunkt, indem er ohne Hemmungen den patriotischen Geist Amerikas kritisch beleuchtet. Hier sei der Satz im Film: „ich hatte versprochen, dass wir unser kleines Mädchen nach Hause holen werden“ erwähnt, der den Patriotismus dann doch als recht verlogen darstellt. Dieser emotionale Schlag im Finale wirkt dann auch wie eine „bittere Pille“, die Zuschauern wie auch dem Protagonist schier im Hals stecken bleibt.
Schauspiel: Matt Damon brilliert als gebrochener Vater
Matt Damon liefert als Bill Baker erneut eine herausragende Leistung ab. Er verkörpert den wortkargen, vom Leben gebeutelten Vater mit beeindruckender Zurückhaltung. Jede Geste, jeder Blick vermittelt die Last der vergangenen Jahre und seine innere Zerrissenheit. Damon spielt Baker wie einen modernen Stoiker, der die Last seiner Fehler und Versäumnisse unter einer harten Fassade verbirgt.
Abigail Breslin überzeugt als seine Tochter Allison, die am Ende ihrer Kräfte zu sein scheint. Die Chemie zwischen ihr und Damon ist überzeugend und vermittelt eine äußerst komplizierte Vater-Tochter-Beziehung mit viel ungesagtem Schmerz. Bemerkenswert ist auch die Dynamik, die sich zwischen Bill Baker und der französischen Theaterschauspielerin Virginie (Camille Cottin) und ihrer Tochter Maya (Lilou Siauvaud) entwickelt.
In weiteren Rollen sind: Deanna Dunagan (Asteroid City: Review) als Sharon, Idir Azougli als
Akim, Moussa Maaskri (Die purpurnen Flüsse) als Dirosa, Anne Le Ny als Anwältin Leparq, William Nadylam als Patrick zu sehen.
Stillwater – Gegen jeden Verdacht (2021) Kritik & Fazit:

Wertung: 6,5 / 10
In „Stillwater “ erzählt Regisseur Tom McCarthy eine fiktive Geschichte, nach einem Drehbuch von Thomas Bidegain (Eiffel in Love: Review) die zwar von der Amanda Knox-Affäre inspiriert ist, jedoch ihren eigenen Weg geht. Im Mittelpunkt steht Bill Baker (Matt Damon), ein stoischer Bauarbeiter aus Oklahoma, dessen Tochter Allison in Marseille wegen Mordes an ihrer Freundin inhaftiert ist. McCarthy fokussiert sich bewusst auf die Vater-Tochter-Beziehung, die von Schuld und Sühne geprägt ist. Als neue Beweise auftauchen, beginnt Bill seine eigene Ermittlung. Wer hier jedoch einen Thriller im Stil von Jason Bourne erwartet, wird enttäuscht. Handelt es sich doch eher um ein Drama, welches von zwischenmenschlichen Beziehungen und Begegnungen lebt.
Tom McCarthys Regiearbeit besticht durch ihre unaufgeregte Authentizität und das sensible Spiel mit kulturellen Gegensätzen zwischen amerikanischer Direktheit und französischer Lebensart. Matt Damon liefert eine der eindringlichsten Darstellungen seiner Karriere als wortkarger, von Schicksalsschlägen gezeichneter Mann, der trotz seines Stolzes verletzlich bleibt. Die Kameraarbeit fängt sowohl die raue Schönheit Marseilles als auch die emotionale Isolation des Protagonisten meisterhaft ein.
Fazit: „Stillwater – Gegen jeden Verdacht“ ist keine leichte Thriller Kost, sondern ein emotional forderndes Drama. Das Ende bleibt, wie Tom McCarthy es liebt, ohne klassisches Happy End, im Gegenteil dieses kann rückblickend wie ein Kloß im Hals stecken bleiben. Fans anspruchsvoller Dramen wie „Nomadland: Review“ werden die nuancierte Erzählweise und Matt Damons herausragende Darbietung zu schätzen wissen. Eine klare Empfehlung für alle, die bereit sind, sich auf eine emotionale Reise einzulassen, die sowohl mitfreuen als auch mitleiden lässt.
Bild & Trailer mit freundlicher Genehmigung © Universal Pictures – alle Rechte vorbehalten.



