Der Graf von Monte Christo (2024) – Serienkritik

Inhaltsverzeichnis

Ist die 2024er Serie besser als frühere Adaptionen?

Zusammen mit Regisseur und Oscar-Preisträger Bille August wagt sich Executive Producer und Hauptdarsteller Sam Claflin an eine weitere Verfilmung des Literaturklassikers von Alexandre Dumas. Womit sich deren Werk nun dem Vergleich zig anderer Film- und Serienadaptionen stellen muss, die einst mit so großen Namen wie Jean Marais (1954), Richard Chamberlain (1975) und Gérard Depardieu (1998) besetzt waren. Spoiler: Sam Claflin steht mit seiner Performance keinem dieser Schauspielgrößen in etwas nach.

Die Geschichte dreht sich um den jungen Seemann Edmond Dantès, der fälschlicherweise eines Verbrechens beschuldigt wird, um lebenslänglich auf der Gefängnisinsel Château d’If zu verrotten. Doch ein Wink des Schicksals ermöglicht ihm nicht nur die Flucht, sondern gibt ihm auch die Mittel an die Hand, einen grausamen Rachefeldzug zu starten, der auch seine Seele bedroht. Ob Augusts achtteilige Miniserie mit Sam Claflins hervorragender Performance Schritt halten kann, verrate ich in meiner ausführlichen Serienkritik.

Der Graf von Monte Christo (Serie 2024) Trailer

Bille Augusts Verfilmung von Dumas’ Roman im Serien-Check

Worum geht’s eigentlich in Der Graf von Monte Christo?

Der junge Seemann Edmond Dantès (Sam Claflin) steht kurz vor der Erfüllung seiner Träume: Kapitän eines Schiffes und bald verheiratet mit der Liebe seines Lebens, Mercedes (Ana Girardot). Dabei ahnt er nicht, dass seine vermeintlichen Freunde, Danglars (Blake Ritson) und Fernand (Harry Taurasi), eine Intrige gegen ihn im Sinn haben. Ein verhängnisvoller Brief, den er im Auftrag seines verstorbenen Kapitäns hätte überbringen sollen, befördert ihn geradewegs vor Villefort (Mikkel Boe Følsgaard), den stellvertretenden Staatsanwalt von Marseille.

Mann in historischem Kostüm sitzt auf einem Segelschiff
Noch ahnt Edmond Dantès (Sam Claflin) nicht, welche Intrige ihn ins Unheil stürzt

Dieser erkennt in dem Schreiben den Namen seines Vaters als Anhänger Napoleons (Bonapartist) wieder, der dessen Rückkehr plant. Das darf niemals an die Öffentlichkeit gelangen, und so lässt er den unwissenden Edmond sofort und ohne Prozess auf das berüchtigte Château d’If, ein Inselgefängnis ohne Wiederkehr, bringen. Während 15 Jahren voller Leid findet er in dem geistlichen Gelehrten Abbé Faria (Jeremy Irons) einen Verbündeten. Als Farias Gesundheit nachlässt, vertraut er ihm das Geheimnis eines unermesslichen Schatzes an, bevor er kurz darauf stirbt.

Alter bärtiger Mann sitzt bei Kerzenlicht in dunklem Raum
Abbé Faria (Jeremy Irons) teilt sein größtes Geheimnis mit Edmond

Edmond nutzt die Chance, um in dem Leichensack seines Freundes zu fliehen. Jetzt in Freiheit, ist seine Zeit gekommen, sich zu rächen, und so kehrt er als Graf von Monte Christo zurück, um jene zu zerstören, die ihn um sein Leben und seine verlorene Liebe betrogen. Als er zurückkehrt und erkennt, dass diese während seiner Inhaftierung zu reichen Edelmännern wurden und Fernand mit Mercedes einen Sohn namens Albert (Nicolas Maupas) hat, gibt es auch für ihn keine moralischen Grenzen mehr.

Wird die 2024er Serie Alexandre Dumas‘ Vorlage gerecht?

Dumas‘ Jahrhundertroman gehört zu den meist verfilmten Stoffen der Literaturgeschichte, und genau das ist das Problem: Wer „Der Graf von Monte Christo“ adaptiert, kämpft nicht nur gegen die Romanvorlage, sondern gegen etliche Versionen vergangener Jahrzehnte. Dieser Herausforderung begegneten die Serienschöpfer mit einer äußerst gelungenen Adaption nach den Drehbüchern von Sandro Petraglia und Greg Latter. Zusammen mit seinem Hauptdarsteller Sam Claflin liefert August ein handwerklich brillantes Serienevent ab.

Mann in historischer Kleidung liest Dokument in alter Bibliothek
Edmond Dantès (Sam Claflin) studiert getarnt als Graf seine Verhaftungsakte

Im Gegensatz zu vielen Versionen bietet die Miniserie dem epischen Plot in acht Episoden genügend Raum zur Entwicklung und dessen Charakteren. Interessant dabei: Die ebenfalls gelungene vierteilige TV-Adaption in Spielfilmlänge mit Gérard Depardieu, bietet ungefähr die gleiche Laufzeit, hastet aber durch die Vorgeschichte und verliert sich in beinahe in einem Krimi mit Maskeradenspielchen. Hier punktet Augusts Version mit wesentlich mehr dramatischem Tiefgang und extrem starken Charakteren, ohne dabei auf ein Sherlock-Holmes-artiges Versteckspiel wie der Vorgänger zu setzen.

Die italienisch-französische Koproduktion von Mediawan und Palomar wurde bewusst langsam inszeniert und gibt den Geschehnissen rund um die Heimkehr, den verhängnisvollen Brief, das Liebespaar, den Verrat und die Zeit der Inhaftierung genügend Raum, um zu wirken. Besonders gelungen: das Zusammentreffen mit Abbé Faria im Gefängnis Château d’If, der aus dem einfachen Seefahrer Edmond Dantes einen Mann macht, der in der feinen Pariser Gesellschaft bestehen kann. Ein entscheidender Subplot, den viele frühere Adaptionen schlicht übergangen haben.

Mann mit Schnurrbart in viktorianischer Kleidung im Freien
Staatsanwalt Gérard de Villefort (Mikkel Boe Følsgaard) ahnt nicht was ihm bevorsteht

Manchen Zuschauern könnte das Pacing in den ersten Folgen stellenweise zu langatmig sein. Dafür nimmt das Tempo, die Dramatik und Spannung in den restlichen Episoden rasant zu Tempo. Besonders gelungen, das eher untypische Ende der Serie, das ich nicht spoilern werde. Die Atmosphäre der Serie folgt einer klaren Kurve: Zunächst melancholisch und schwer – man spürt den Verrat und leidet mit dem Protagonisten – wandelt sie sich mit Edmonds Flucht ins Hoffnungsvolle. Der Ton bleibt jedoch düster und ernst, denn sein Rachefeldzug fordert auch unerwartete Opfer, wie den kleinen Édouard.

So gelungen die neue Miniserie auch ist, so schlichen sich ein paar unlogische Szenen ein: Die Zelle mit dem Fluchttunnel scheint aus massivem Stein, doch wie gräbt man sich mit einem Löffel durch Stein? Leider wird nicht alles sauber zu Ende erzählt: Der Handlungsstrang um Villeforts unehelichen, totgeglaubten Sohn Gaston (Henry Lawfull) und die Folgen seiner Affäre bricht zu abrupt ab – die Frage, was aus Gaston wird, bleibt offen. Ebenso scheint es eigentlich unmöglich, diesen nach rund 15 Jahren aufzufinden, besonders wenn er sich in den Tiefen der Pariser Slums versteckt.

Frau in viktorianischer Trauerkleidung mit schwarzem Schleier im Gespräch
Edmond (Sam Claflin) tritt Mercedes (Ana Girardot) gegenüber

Kameraarbeit, Ausstattung, Kostüme und Sets sind über jeden Zweifel erhaben. Die Dreharbeiten fanden in Paris, Turin, Mailand und Malta statt – hier setzte man auf reale Locations, die eine Glaubwürdigkeit erzeugen, die kein Studiokitsch und kein ausuferndes CGI ersetzen können. Die Musik von Volker Bertelmann begleitet die Serie mit passenden Klängen. Dabei hält sich der Score im Gegensatz zur letzten großen Serienadaption von 1998 angenehm zurück und unterstreicht die Szenerie genau da, wo es nötig ist.

Keine starke Serie ohne grandiose Darsteller

Sam Claflin ist nicht nur Edmond Dantès – er ist die Serie. Er trägt beide Hälften der Figur: angefangen vom einst naiven Seemann bis hin zum eiskalten, berechnenden Grafen. Eine grandiose Performance, die ich ihm nach seinen früheren Rollen wie in „Bagman (Kritik)“ nicht zugetraut hätte. Das Bemerkenswerte: Ihm wurde ausdrücklich verboten, frühere Verfilmungen zu sehen oder gar den Roman zu lesen – das Drehbuch war seine einzige Referenz. So erschuf er eine völlig eigenständige und überzeugende Interpretation der Figur, voller Zerrissenheit und gejagt von seinen vergangenen und gegenwärtigen Dämonen.

Mann in viktorianischer Kleidung sitzt mit Buch am Schreibtisch
Bankier Danglar (Blake Ritson) verfolgt ganz neue Ziele, seit der Graf von Monte Christo aufgetaucht ist

Die vermeintlichen Freunde Danglars und Fernand werden von Blake Ritson (Killers Bodyguard 2: Kritik) und Harry Taurasi (Bookish: Kritik) verkörpert. Ritson stellt seine Figur überaus überzeugend als windiges, geldgieriges Wiesel dar. Taurasis Darstellung als Fernand Mondego, Comte de Morcerf ist dagegen differenzierter: Anfangs ist er nur der feige Nebenbuhler, im Verlauf offenbart er jedoch einen eiskalten Charakter. So wirkt sein reduziertes Mienenspiel voller Unglauben und Schock besonders gelungen, als er die Wahrheit erkennt.

Jeremy Irons (The House of Gucci: Kritik) brilliert als Abbé Faria mit der Aura eines Mannes, der schon alles gesehen hat und trotz der Haft noch ein letztes Aufbäumen wagt. Dabei ist jede Szene mit ihm äußerst wichtig für den Plot und dessen Nachvollziehbarkeit. Mikkel Boe Følsgaard ist als Gérard de Villefort zu sehen, der den Staatsanwalt der Stadt spielt. Er liefert damit die vielleicht interessanteste Charakterleistung: ein Staatsanwalt, der einerseits knallhart für das Recht steht und doch selbst über Leichen geht, wenn es ihm gerade dienlich ist.

Alter bärtiger Mann in Lumpen sitzt in Steinkammer
Abbé Faria (Jeremy Irons) ahnt was Edmond antreibt

In weiteren Rollen zu sehen sind: Michele Riondino als Edmonds rechte Hand und Vertrauter Jacopo, Lino Guanciale als Verbrecher und Handlanger Luigi Vampa, Nicolas Maupas als Mercedes Sohn Albert de Morcerf, Jason Barnett als Edmonds Spion Gaspard Caderousse, Nicolas Farrell als Reeder Pierre Morrel, Gabriella Pession als Hermine Danglar, Poppy Corby-Tuech als Héloïse de Villefort, Amaryllis August als Valentine de Villefort, John Ioannou als Noirtier de Villefort, Amaryllis August als Valentine de Villefort, Karla-Simone Spence als Haydee, u.v.m.

Wissenswertes zu Der Graf von Monte Christo (FAQ)

So wurden die Anhänger Napoleons genannt. Für Villefort wurde der Brief gefährlich, da sein Vater Noirtier als direkter Freund Napeleons namentlich erwähnt wurde. Er weiß um die Sympathien seines Vaters für Napoleon, weshalb er zum Schutz seiner Karriere auch den Nachnamen seiner Mutter annahm. Wäre der Inhalt des schreibens bekannt geworden, hätte es ihn seine Karriere gekostet.

Die Miniserie hält sich überwiegend an den Originalroman aus dem Jahr 1844. Die Unterschiede sind vergleichsweise gering: So verzichtete man auf den Hofmeister Bertuccio und ließ stattdessen der Figur des Schmugglers Jacopo mehr Screentime zukommen. Die größte Abweichung betrifft das Ende, welches ich jedoch nicht spoilern werde.

Der Stoff zählt zu den meistadaptierten der Literaturgeschichte. Zu den bekanntesten Versionen gehören die Verfilmung von 1954 mit Jean Marais (Fantomas) in der Hauptrolle, die TV-Miniserie von 1975 mit Richard Chamberlain (Flammendes Inferno: Kritik) als Edmond Dantès sowie die vierteilige TV-Adaption von 1998 mit Gérard Depardieu in der Hauptrolle.

August zählt zu den renommiertesten Filmemachern Europas und erlang internationale Bekanntheit mit: „Pelle der Eroberer“ (1987) und „Die besten Absichten“ (1992) beide wurden mit der Goldenen Palme bei den Filmfestspielen von Cannes ausgezeichnet. Weitere Filme von ihm: „Das Geisterhaus“, „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“, „Nachtzug nach Lissabon“ und „Les Misérables“.

Die achtteilige Serie ist auf 2 Discs mit je vier Folgen verteilt, die Extras der vorliegenden Blu-ray befinden sich auf Disc 2:

  • Interview mit Bille August (Regie)
  • Interview mit Sam Claflin (Dantès – Der Graf von Monte Christo)
  • Interview mit Ana Girardot (Mercedes)
  • Interview mit Mikkel Boe Følsgaard (Villefort)
  • Deutscher Trailer
  • Trailershow

Seriendetails:

  • Regie: Bille August
  • Drehbuch: Greg Latter, Sandro Petraglia
  • Produzent: Sébastien Pavard
  • Hauptdarsteller: Sam Claflin, Mikkel Boe Følsgaard, Ana Girardot, Blake Ritson, u.v.m.
  • Genre: Drama, Abenteuer
  • Erscheinungsjahr: 2024
  • Laufzeit: 419 Minuten
  • FSK: ab 16 Jahren
  • Heimkino-Verfügbarkeit: Die Free-TV Premire fand auf Tele 5 statt, die Serie ist aber auch auf DVD & Blu-ray wie auch per Stream erhältlich.

Der Graf von Monte Christo (Serie 2024) – Mein Fazit:

Blu-ray Cover Der Graf von Monte Christo mit Sam Claflin
Der Graf von Monte Christo (2024): Blu-ray
Wertung: 8.5 / 10 ★

Bille Augusts „Der Graf von Monte Christo“ stellt für mich die bisher überzeugendste Serienadaption von Dumas‘ Jahrhundertroman dar und ist glücklicherweise keine flink zusammengeschusterte 08/15-Streaming-Produktion, die auf oberflächliche Home-Entertainment-Befriedigung setzt. Wo frühere Versionen den Plot zu sehr rafften oder manches übersprangen, nimmt sich die Miniserie die Zeit, die der komplexe Stoff braucht, um die tragische Geschichte um Edmond Dantès wirkungsvoll zu erzählen.

Hauptdarsteller Sam Claflin trägt die komplette Serie und spielt die Wandlung vom naiven Seemann zum eiskalten Grafen grandios. Zu den Eckpfeilern gehören jedoch auch starke Antagonisten, die überaus überzeugend von Blake Ritsons windigem Danglars, über Harry Taurasi als Nebenbuhler Fernand, bis hin zu Følsgaards zwiespältigem Villefort verkörpert werden. Untermalt wird die gesamte Szenerie durch eine hervorragende Ausstattung, reale Drehorte in Paris, Turin, Mailand und Malta, die eine Authentizität erzeugen, die kein Studio-Set ersetzen könnte.

Fazit: Kleinere Logikschwächen wie der Fluchttunnel, die Geschehnisse um Gaston oder die etwas gemächlichen ersten Folgen trüben den Gesamteindruck nicht. Wer den Roman kennt oder frühere Verfilmungen wie die mit Depardieu mag, findet hier eine Version, die dem Original erstaunlich nahekommt. Für alle, die anspruchsvolle, epische und intensive Produktionen, fernab vom Streaming-Einheitsbrei, schätzen, ist diese Miniserie eine klare Empfehlung.

Hinweis: Das Bild- und Trailermaterial sowie das Rezensionsexemplar wurden uns freundlicherweise von LEONINE Home Entertainment zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung erfolgte unentgeltlich und ohne Einfluss auf die redaktionelle Bewertung – © 2026 LEONINE STUDIOS – Alle Rechte vorbehalten!