Halle Berry gegen das Böse, Realität oder Einbildung!
Mitten in einer Hütte im Wald durchlebt Oscar-Preisträgerin Halle Berry als Momma einen nervenaufreibenden Albtraum, der die Grenzen zwischen Realität und Wahnsinn verschwimmen lässt. So spielt eine vermeintlich paranoid-verstörte Mutter, die ihre Zwillingssöhne Samuel und Nolan durch seltsame Rituale vor dem Bösen zu schützen versucht. Doch lauert der Tod tatsächlich außerhalb der einsamen Waldhütte und ist das Böse real oder entspringt es nur dem kranken Geist einer vom Wahn getriebenen Frau? Ob uns Alexandre Ajas Psycho-Horrorfilm überzeugen konnte, klären wir in unserer nachfolgenden Filmkritik.
Und darum geht’s in „Never let go – Lass niemals los“
Tief im Wald lebt Momma (Halle Berry) mit ihren beiden 10-jährigen Zwillingssöhnen Nolan und Samuel. Dabei folgt die Einsiedlerin einer eisernen Regel: Niemand verlässt ihr Heim, ohne mit dem Haus verbunden zu sein. Dazu dienen lange Seile, die in einer Bodenkammer in der einsamen Waldhütte der Einsiedlerin verankert sind. Verlässt jemand das Haus, dient der Strick wie eine Nabelschnur verbunden mit dem Haus als Schutz.

Das Böse lauert dort draußen und erwischt einen von ihnen, kann nur noch der Tod Erlösung bringen. So musste Momma bereits ihren Mann und ihre Eltern töten, denn ohne den Schutz des Seils wurden sie vom Bösen berührt. Ein schicksalhafter Moment im Wald lässt Samuel jedoch an den Geschichten seiner Mutter zweifeln. Sind sie wirklich die letzten Menschen, hat das Böse alle geholt oder bildet sich das ihre Mutter nur ein?
Die Inszenierung des Bösen in einer postapokalyptischen Welt
In seinem neuesten Film konfrontiert der französische Regisseur Alexandre Aja („High Tension“, „The Hills Have Eyes“ dem Remake des Films „Hügel der blutigen Augen“) seine Haupdarstellerin Halle Berry (Moonfall: Review) mit dem Bösen. Wie so oft ist eine einsame Hütte im Wald Ort des Geschehens. Diese soll Schutz vor dem allgegenwärtigen Bösen bieten, sofern die Protagonisten mittels Seilen mit dem Haus verbunden bleiben. Wird der Strick durchtrennt oder gekappt, fällt man der Verdammnis zum Opfer. So zumindest, wenn es nach Momma, der Mutter von Samuel und Nolan geht.

Zu Beginn des Films ist man als Zuschauer durch Berrys panisch- schizoides Schauspiel auch davon überzeugt, eine Mutter zu sehen, die darum kämpft, ihre Kinder vor dem Bösen zu schützen. Im weiteren Verlauf beginnt man jedoch zu Zweifeln, so wie auch einer der Söhne. Wie schon in „The Twin (Review)“ ist man sich nicht sicher, einer verängstigten Mutter oder einer kranken Frau zuzusehen. Besonders Zweifelhaft wird es, nachdem der Film religiöse Töne anschlägt, bzw. scheinbar nur die Mutter dämonische Erscheinungen sehen kann.

Gerade als man der Meinung ist, den Film durchschaut zu haben, zieht Filmemacher Aja die Bremse und reißt die Story erneut herum, womit er mit einigen unerwarteten Wendungen glänzt. So wird beispielsweise der Nahrungsmangel zu einem ernsten Problem. Womit der Familienhund als Nahrungsquelle zur Debatte steht. Aller Warnungen zum Trotz stellt sich einer der Söhne gegen die Mutter, was dann den finalen Twist auslöst.

Eine einsame Waldhütte ist natürlich immer gut für eine düstere, mystische, wenn nicht sogar dystopische Stimmung. Welche Kameramann Maxime Alexandre perfekt einfing. So fühlt man sich sofort an „The Village“ von M. Night Shyamalan erinnert. Ebenso gibt es einige Szenen, die doch sehr Sam Raimis „Tanz der Teufel“ ähneln. Trotz der einseitigen Kulisse tritt der dafür Film nur selten auf der Stelle, womit er die ein oder andere Länge nicht verhindern kann.

Dafür füttert der Filmemacher die Story mit neuen Impulsen, in dem er die kleine Familie immer mehr in die Ecke treibt. Einerseits mit gruseligen Erscheinungen, andererseits mit Samuels Zweifeln. Dazu Mommas eiskaltes Handeln, wie auch letztlich der Nahrungsmangel, der sie zum äußersten treibt. Was dann auch den letzten Akt eingeläutet und ein bitterböses Ende bietet. Dieses haben die Autoren Kevin Coughlin und Ryan Grassby aber leider etwas widersprüchlich ausgearbeitet.
Die Darsteller einer vom Bösen geplagten Welt
Oscargewinnerin Halle Berry konnte für die Hauptrolle der Momma gewonnen werden und diese gibt sie äußerst intensiv und grandios. Als Zuschauer ist man im Verlauf immer wieder am Zweifeln, ob diese Frau in schierer Panik vor dem Bösen ist oder einfach nur an Schizophrenie leidet. Trotz ihres starken Schauspiels, sind ihre Co-Darsteller die beiden Kinder Anthony B. Jenkins und Percy Daggs IV zu jeder Zeit mit ihr auf Augenhöhe. Diese beiden harmonieren perfekt als die beiden Söhne Samuel und Nolan von Momma.

In weiteren Rollen sind zu sehen: William Catlett (Abigail: Review) als Poppa, Kathryn Kirkpatrick als Grandma, Georges Gracieuse als Grandpa, Matthew Kevin Anderson als Wanderer, Cadence Compton als Tochter des Wanders.
Film & Blu-ray Infos:
Der Film startete im September 2024 in den deutschen Kinos und hat eine Laufzeit von 101 Minuten und erhielt eine FSK-Freigabe ab FSK 16. Die Blu-ray selbst bietet neben Deleted Scenes noch drei Featurettes samt Trailer und einer Trailershow.
Never Let Go: Lass niemals los (2024) Kritik & Fazit:

Wertung: 6 / 10
Der französische Regisseur Alexandre Aja präsentiert mit seinem neuesten Werk einen atmosphärisch dichten Horrorfilm, der geschickt mit den Erwartungen des Publikums spielt. Die Geschichte einer isoliert lebenden Familie, die sich durch mysteriöse Seile mit ihrem Haus verbunden hält, entwickelt sich von einem vermeintlichen Psycho-Thriller hin zu einem klassischen Horrorfilm. Oscarpreisträgerin Halle Berry brilliert in ihrer Rolle als vermeintlich wahnsinnige Mutter, die den Zuschauer bis zum Ende im Ungewissen lässt.
Die cinematographische Umsetzung durch Kameramann Maxime Alexandre erschafft eine beklemmende Atmosphäre, die stark an Genreklassiker wie „The Village“ oder „Tanz der Teufel“ erinnert. Trotz einiger Längen gelingt es dem Film durch geschickte Plotwendungen und das überragende Zusammenspiel der Darsteller – insbesondere der jungen Schauspieler Anthony B. Jenkins und Percy Daggs die Spannung aufrechtzuerhalten. Auch wenn das Ende etwas konstruiert wirkt, zeigt Alexandre Aja erneut sein Talent spannende Geschichten zu inszenieren.
Fazit: „Never Let Go“ bietet eine beklemmende Atmosphäre, überzeugende schauspielerische Leistungen und eine fesselnde Mischung aus klassischem Horror und modernem Psychothriller, selbst wenn das Ende nicht zur Gänze überzeugt. Genrefans sollten hier definitiv mal einen Blick riskieren.



