Luc Besson lässt Graf Dracula von der Leine!
Alte Filmmonster liegen scheinbar wieder im Trend und so widmet sich Regisseur Luc Besson, zusammen mit seinem Hauptdarsteller Caleb Landry Jones dem bekannten Vampir Thema und erzählt Draculas Geschichte neu und vor allen Dingen anders als erwartet. Statt mit Coppolas Film in Konkurrenz zu gehen, inszenierte der französische Filmemacher sein Werk mit ausgefallenen und skurrilen Ideen. Sein Gedanke: Die Suche einer tragischen Figur über die Jahrhunderte zu zeigen, anstatt ein weiteres Remake zu verfilmen. Womit sich die Frage stellt: Kann Luc Bessons Interpretation überzeugen oder hätte er sein Skript besser begraben? Das erfahrt Ihr in unserer ausführlichen Kritik zu Dracula – Die Auferstehung samt Blu-ray Review.
Bessons Blutsauger-Drama im Film-Check
Worum geht’s in Dracula – Die Auferstehung?
15. Jahrhundert: Prinz Vladimir II, bekannt als Graf Dracul (Caleb Landry Jones) muss für Gott und Kirche in den Krieg gegen die Osmanen ziehen. Zur Sicherheit schickt er seine über alles geliebte Frau Elisabeta (Zoë Bleu) zu fernen Verwandten. Während die Schlacht tobt, erreicht ihn die Nachricht, dass Feinde seine Gemahlin aufgespürt haben. Trotz aller Eile kommt er zu spät und muss mitansehen, wie seine Geliebte in seinen Armen stirbt. All sein Gottes flehen bleibt ungehört und so erschlägt er nicht nur in blinden Zorn den Bischof seines Hofes, sondern sagt sich auch von Gott los. Dies jedoch nicht ohne Konsequenzen: So wird er dazu verdammt, auf ewig als Untoter auf der Erde zu wandeln.

Getrieben von der Hoffnung auf Elisabetas Wiedergeburt, durchstreift der Prinz alle Länder und durchlebt so die Jahrhunderte. Ein Parfüm aus den edelsten Essenzen, das ihn unwiderstehlich macht, soll helfen seine verlorene Liebe wiederzufinden. 400 Jahre später und dennoch kein Hinweis auf seine Elisabeta. Erst die Begegnung mit Anwalt Jonathan Harker führt den gealterten Grafen zu dessen Verlobten Mina Murray und zugleich zu seiner wiedergeborenen Elisabeta. Doch die Zeit drängt: Ein Priester (Christoph Waltz) ist ihm auf den Fersen und setzt alles daran, dem wandelnden Schrecken ein Ende zu bereiten.
Info:
Wer einen klassischen Horrorfilm im Stile von Francis Ford Coppolas opulenter Verfilmung oder eine getreue Adaption des Romans erwartet, wird enttäuscht. Ist das schlimm? Nein und warum? Wie Luc Besson im Interview klarstellte, war es nie seine Absicht, einen reinen Horrorfilm oder gar eine getreue Romanverfilmung zu drehen. Sein Ziel: eine tragische Liebesgeschichte mit Grusel-Elementen und einer Prise Humor und das ist ihm durchaus gelungen. Einmal mehr ist die deutsche Titel-Vergabe, für falsche Erwartungen verantwortlich; das englische Original „Dracula – A Love Tale“ beschreibt wesentlich präziser, was den Zuschauer wirklich erwartet.
Die Inszenierung: Graf Dracula, ohne Van Helsing und ganz anders!
Nach dem Erfolg von Dogman suchten Luc Besson (Subway) und sein Hauptdarsteller Caleb Landry Jones nach einem neuen gemeinsamen Projekt. Laut Besson hätte es auch eine Neuverfilmung von Gandhi sein können, letztlich fiel die Wahl auf Figur des Grafen Dracula. Statt in Konkurrenz mit Coppolas Meisterwerk aus dem Jahr 1992 zu treten, wollte Besson eine leicht abgewandelte Version zeigen, die den Prinzen der Walachei auf seiner schmerzvollen Suche nach der wiedergeborenen Liebe zu begleitet. Statt einer 1:1 Kopie der Vorlage, pickte er bewusst einzelne Teile des Romans heraus, um ein fantasievolles und tragisches Liebesdrama zu basteln.

Dabei verzichtete keineswegs auf seine markante Handschrift: überzogene Szenen, visuelle Opulenz und jene außergewöhnlichen Ideen, die man von ihm erwartet. So startet der Film mit einem schier unendlichen Liebesspiel, welches fast schon wie aus einem Erotikfilm wirkt. Was beinahe unfreiwillig komisch erscheint, wenn Vlads Untertanen ihn regelrecht von seiner Geliebten herunterzerren müssen, damit er überhaupt in den anstehenden Krieg ziehen kann. Trotz des Schlachtfeldes im ersten Drittel wirkt der Film merkwürdig beengt – alles scheint eine Nummer kleiner als erwartet. Auch die Abkehr von Gott und die einsetzende Verdammnis werden lediglich durch einen Lichtblitz und erschrockene Gesichter eingeläutet.

Dieser Eindruck schwindet, nachdem Vlad sich auf die Suche nach seiner Angebeteten macht. Der Filmemacher streute zudem seinen skurrilen Humor mit ein, wie: Vlad versucht sich mehrfach, von seinem Schlossturm in den Tod zu stürzen, nur um sich jedes Mal noch demolierter die endlosen Treppen hinaufzuschleppen. Ein interessanter Twist ist zudem die Idee eines betörenden Parfüms. So sammelt der Prinz auf seinen Reisen die edelsten Essenzen, um einen Duft zu kreieren, der so unwiderstehlich ist, dass seine wiedergeborene Liebe ihn unweigerlich finden muss. Den Einsatz dieser Essenz an den europäischen Höfen, hat Besson visuell und durch die grandiose Musikuntermalung von Danny Elfman (Beetlejuice) grandios surreal umgesetzt.

Trotz der bekannten Geschichte verzichtete Besson auf den Vampirjäger Van Helsing. Dieser wurde durch Christoph Waltz (Old Guy) als Priester ersetzt, der neben Kruzifix und Edelstahlpflöcken äußerst schlagkräftig ausgestattet ist. Für die Action ist erneut Alain Figlarz (Weekend in Taipei) verantwortlich, der gewohnt packende Kampfchoreografien entwarf. Obwohl ich Besson als Regisseur schätze, wirkt der Film trotz starker Ideen – wie den Gargoyles, den Hofszenen oder Vlads Klosterbesuch – nicht ganz zu Ende gedacht. Teils wirkt die Erzählweise sprunghaft und eilig „heruntergekurbelt“, zudem lässt das Skript einige Fragen offen. Ein großes Lob wiederum verdienen hingegen die fantastischen Kostüme und Masken.
Cast & Crew von Dracula – A Love Tale
Caleb Landry Jones (Dogman) brilliert in der Rolle des Prinzen Vlad II / Graf von Drācul. Meiner Meinung nach kann er durchaus mit Gary Oldmans damaliger Perfomance gleichziehen. Teils gefiel mir Jones Spiel sogar noch etwas besser, da er für mein Empfinden noch tiefer in der Rolle war. Besonders als gealterter Blutsauger mit einer fantastischen Maske und extrem markant tiefer Stimme. Nach Dogman und diesem Film, denke ich das man diesen Schauspieler im Auge behalten sollte. Sehe ich ihn ihm doch einen zweiten Joaquin Phoenix.

An seiner Seite Zoë Bleu als Elisabeta / Mina Murray in ihrer ersten großen Rolle. Ihr Spiel ist überaus gut differenziert, einerseits spielt sie liebeshungrige Gattin Vlads und als Wiedergeburt eine feine englische Dame. Deren Zerrissenheit man dem Zusammentreffen zwischen Dracula und Mina förmlich spürt. Wiederum an ihrer Seite ist Christoph Waltz (James Bond: Keine Zeit zu sterben) als Priester zu sehen, der seinerseits versucht sie zu schützen und andererseits Prinz Vlad II zu erlösen. Sein Spiel ist dabei gewohnt souverän und besonders herrlich, wenn er dem Blutsauger eine regelrechte Standpauke hält.
Ein Highlight ist die italienische Schauspielerin Matilda De Angelis als Vampirin Maria. Ihr Spiel ist Overacting pur und das ist auch gut so. Verleiht es ihrer Figur doch diesen gewissen Touch von blutdürstigen Wahnsinn und devoten Verhalten gegenüber ihrem Meister. In weiteren Rollen: Guillaume de Tonquédec als Dumont, Ewens Abid als Jonathan Harker, David Shields (Dr. Who) als Henry Spencer, Haymon, Maria Buttinger als Kardinal, u.v.m.
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Dracula – Die Auferstehung (2025) Kritik & Fazit:

Regisseur Luc Besson liefert mit seinem Dracula keine klassische Horror-Adaption, sondern ein visuell opulentes und tragisches Liebesmärchen. Statt auf reinen Grusel setzt der Film auf Bessons markante, teils skurrile Handschrift: von fast erotischen Liebesszenen über schwarzen Humor bis hin zur originellen Idee eines „Liebes-Parfüms“. Trotz einer teils sprunghaften und nicht ganz runden Erzählweise punktet die Inszenierung durch starke Bilder, fantastische Kostüme, den meisterhaften Soundtrack von Danny Elfman und besonders durch seinen Cast – allen voran Caleb Landry Jones.
Fazit: Bessons Dracula ist kein Versuch, mit Coppola zu konkurrieren; er stellt absichtlich die Romanze über den Horror. Wer einen klassischen Horrorfilm erwartet, wird hier wohl enttäuscht. Wer jedoch für eine frische und andere Interpretation der bekannten Blutsauger-Geschichte offen ist, sollte mit diesem Film sicherlich seinen Spaß haben.
Hinweis: Das verwendete Bild- und Trailer-Material sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns mit freundlicher Genehmigung der © 2026 LEONINE STUDIOS zur Verfügung gestellt. Die Bereitstellung des Rezensionsexemplars erfolgte unentgeltlich für redaktionelle Zwecke und hat zu keinem Zeitpunkt Einfluss auf mein Urteil.







