Schmerzunempfindlich = perfekte Kampfmaschine?
Die Actionkomödie „Mr. No Pain“ (Originaltitel: Novocaine) des Regie-Duos Dan Berk und Robert Olsen präsentiert eine ungewöhnliche Story: Was passiert, wenn ein schüchterner Bankangestellter aufgrund eines Gendefekts keine Schmerzen empfinden kann, plötzlich in einen Banküberfall gerät und versucht seine neue Freundin aus der Hand der Bankräuber zu befreien? Mit Jack Quaid in der Hauptrolle als Nathan Caine verspricht der Film eine wilde Mischung aus Action, Gewalt und schwarzem Humor. Ob uns dieser ungewöhnliche Genre-Mix überzeugen konnte oder doch eher ein Flop ist, erfahrt ihr in unserer ausführlichen Filmkritik.
Worum geht’s in „Mr. No Pain“?
Nathan Caine (Jack Quaid) führt ein unscheinbares Leben als stellvertretender Filialleiter einer Genossenschaftsbank in San Diego. Was nur wenige wissen: Aufgrund einer seltenen genetischen Störung kann Nathan keine Schmerzen spüren – eine Eigenschaft, die sein Leben bisher eher verkomplizierte als bereicherte. Als die neue Kollegin Sherry Margrave (Amber Midthunder) in der Bank anfängt, beginnt Nathan endlich aus seinem Schneckenhaus herauszukommen. Doch das neu gewonnene Glück währt nicht lange, denn schon bald wird die Bank von Skrupellosen überfallen und Sherry von den Bankräubern entführt.

Was als normaler Arbeitstag beginnt, verwandelt sich schnell in einen Albtraum. In diesem Moment entdeckt der sonst so zurückhaltende Nathan seine besondere Fähigkeit als Vorteil: Er spürt keinen Schmerz, also gibt es auch keine Schmerzgrenze. Mit überraschender Entschlossenheit nimmt er die Verfolgung der Entführer auf, um seine neue Freundin zu retten. Dabei wird Nate auf seinem Weg von allerlei dunklen Gestalten, wie auch von den Bankräubern, auf grausame Weise malträtiert. Doch dank seiner Schmerzunempfindlichkeit ist er wie eine Kampfmaschine nicht aufzuhalten und schreckt alsbald selbst nicht mehr vor extremer Gewalt zurück.
Brutale Inszenierung mit schwarzem Humor: Die Handschrift von Berk und Olsen
Die Regisseure Dan Berk und Robert Olsen, die bereits mit „Villains“ ihr Gespür für Gewalt und Humor unter Beweis stellten, inszenieren „Mr. No Pain“ als konsequente Weiterentwicklung ihres Stils. Die drastischen Gewaltdarstellungen sind nichts für schwache Nerven, werden aber stets mit einer Prise schwarzen Humors serviert. Besonders hervorzuheben sind die raffiniert choreografierten Actionsequenzen, in denen Nathans Schmerzlosigkeit visuell und für den Zuschauer schmerzhaft in Szene gesetzt wird.

Drehbuchautor Lars Jacobson nutzt eine generische Ausgangssituation clever aus und schafft die Balance zwischen übertriebener Action und emotionalen Kern. Dennoch bleibt der Plot recht vorhersehbar. Die Kamera schaut bei den brutaleren Szenen nicht weg, sondern zeigt diese dem Zuschauer mit voller Wucht. Weshalb der Film nicht umsonst eine FSK-Freigabe ab 18 Jahren erhielt. Gleichzeitig gelingt es dem Film, die Entwicklung von Nathan vom schüchternen Bankangestellten zur unaufhaltsamen, aber dennoch mitfühlenden Kampfmaschine glaubhaft darzustellen.

Die visuellen Effekte unterstützen die Darstellung der Schmerzempfindlichkeit des Protagonisten. Durch geschickte Inszenierung wird dem Zuschauer vermittelt, wie es sein muss, in einem Körper zu leben, der keine Schmerzen zu empfinden vermag. Sowohl mit all den Nachteilen im Alltag, wie der Gefahr, bei festen Speisen sich die Zunge abzubeißen. Als auch mit den plötzlichen Vorteilen in extremen Situationen, wie die eines Banküberfalls.

Letzlich bleibt die Frage: Actionfilm oder überzogene Komödie? Dies lässt sich schwer beantworten, denn die drastische Gewaltdarstellung ist immens. Auf der anderen Seite ist der Film irrwitzig komisch, wenn der Protagonist u.a. höllische Schmerzen vorspielt oder sich für seine ebenso harte Gegenwehr bei den Räubern entschuldigt. Der Film bietet dadurch etliche WTF-Momente, die wir zuletzt weniger humorvoll in „Boy Kills World: Review“ zu sehen bekamen.
Bietet der Film eine überzeugende Besetzung?
Jack Quaid, Sohn von Dennis Quaid (On a Wing and a Prayer: Review) und Meg Ryan, bekannt durch seine Rolle in der Serie „The Boys“, beweist in diesem Film sein vielseitiges Talent. Als schmerzunempfindlicher Bankangestellter Nathan Caine meistert er den Spagat zwischen unscheinbaren Durchschnittsmenschen und entfesselter Kampfmaschine überzeugend. Besonders in den Actionszenen, in denen sein Charakter trotz schwerster Verletzungen weiterkämpft, zeigt Quaid eine beeindruckende physische Präsenz. An seiner Seite überzeugt Amber Midthunder als Sherry Margrave.

Die Chemie zwischen Nathan und Sherry stimmt und wirkt trotz des irren Kontextes authentisch und gibt dem Film eine gewisse emotionale Tiefe. Jacob Batalon („Spider-Man: No Way Home (Review) bringt als Nathans Freund willkommene humorvolle Momente in die Geschichte ein. Während Ray Nicholson (Sohn von Jack Nicholson) als Bösewicht eine bemerkenswerte Intensität an den Tag legt. Hierbei erinnert er stark an Daddys Darstellung des durchgeknallten Jack Torrance in „Shining„, wenn er sich an Nates Handgelenk zu schaffen macht.
Info: Originaltitel Novocaine als Metapher des Original-Titels
Im englischen Original heißt der Film nicht „Mr. No Pain“ sondern Novocaine. Wer es bisher nicht wusste: Dies ist auch der Name eines Lokalanästhetikums, welches Schmerzen unterdrücken soll und in diesem Fall als Metapher dafür steht, dass der Hauptdarsteller Nate keine Schmerzen verspürt.
Mr. No Pain – Novocaine (2025) Kritik & Fazit:

„Mr. No Pain“ ist eine der erfrischend unkonventionellen Actionkomödien, die mit ungewöhnlichem Plot und jeder Menge derber Gewalt, wie auch tiefschwarzen Humor, glänzen. Jack Quaid überzeugt als schmerzunempfindlicher Bankangestellter, der über sich hinauswächst, als die Bank überfallen wird und seine neue Freundin Sherry als Geisel genommen wird. Das Regie-Duo Dan Berk und Robert Olsen beweist ein sicheres Händchen für die Balance zwischen brutaler Action und komödiantischen Elementen.
Die Actionsequenzen sind dabei rasant und kreativ inszeniert. Die Chemie zwischen den Hauptdarstellern funktioniert, während die Nebencharaktere den Plot unterstützen. Die Brutalität im Film ist zwar drastisch, aber stets passend zur Geschichte und nie reiner Selbstzweck. Die konsequente visuelle Umsetzung der Schmerzunempfindlichkeit des Protagonisten schafft einige denkwürdige Momente des Films und hebt ihn von anderen Action-Produktionen ab.
Fazit: Action-Fans mit starkem Magen werden begeistern sein sanftere Gemüter könnten mit dem Gezeigten etwas „überfordert“ sein. Trotz kleiner Schwächen ist dem Regie-Duo Berk / Olsen ein unterhaltsames Action-Erlebnis gelungen, welches für Action Fans ein Muss in der Blu-ray Sammlung darstellt.
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