Das fliegende Klassenzimmer (2023)

Das Remake: Nostalgie oder Innovation?

Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ gehört seit seiner Buchveröffentlichung im Jahr 1933 zu den Klassikern der Jugendbücher und wurde bereits 1954 das erste Mal verfilmt. So gibt es mit der hier besprochenen Neuverfilmung bereits vier Versionen, die dem jeweiligen Zeitgeist angepasst wurden.

Während die Filme aus dem Jahr 1954 und 1973 sich sehr nah am Original hielten, nahm sich das Remake aus dem Jahr 2003 mehr Freiheiten  um die Geschichte zeitgemäßer zu gestalten. Stellt sich also die Frage: wie viele Veränderungen Carolina Hellsgårds filmische Version erfahren hat? Diese Antwort findet Ihr wie immer in den Zeilen unserer Filmkritik.

Die „neue“ Handlung des fliegenden Klassenzimmers

Die 13-jährige Martina lebt in einer Berliner Hochhaussiedlung, zusammen mit ihrer alleinerziehenden Mutter und ihrem kleinen Bruder. Leicht hat sie es nicht und um endlich voranzukommen, bietet sich ihr die Chance auf ein Stipendium für das begehrte Johann-Sigismund-Gymnasium in Südtirol. Doch auch hier ist nicht alles Gold was glänzt. Gelten doch strikte Regeln: Die Stadtkinder im Internat, die „Internen„und die „Externen“ aus dem ländlichen Ort mischen sich nicht und sind seit Generationen verfeindet.

martina, justus bökh, jo, matze, uli im rektorat
Justus Bökh hat ein ernstes Wörtchen mit den vier Freunden zu sprechen

Dies erfährt Martina, kaum dass sie in dem idyllischen Alpenstädtchen Kirchberg angekommen ist, am eigenen Leib. Warum das so ist, wissen aber auch ihre neuen Freunde: der gutmütige Matze, Sohn eines Boxers, der schüchterne kleine Uli und die „harte“ Jo ebenfalls nicht. Womit Martina schon in ihre erste Misere stolpert und die vier Freunde für einen Sachschaden von 1000 Euro aufkommen sollen. Martinas Familie kommt auch so schon finanziell schlecht über die Runden.

jo bekommt vom nichtaucher klavierunterricht
Der Nichtraucher gibt Jo Klavierunterricht

Derweil versucht der gutmütige Internatsleiter Justus Bökh erneut eine Brücke zwischen Internen und Externen zu schlagen. Seine Idee zusammen mit Schuldirektorin Kreuzkamm, den ewigen Streit mit einem gemeinsamen Theaterstück zu beenden. Womit er gleich Martina, Uli, Matze und selbst die taffe Jo verpflichtet. Etwas, dass die Externen-Anführerin Ruda (Franka Roche) gar nicht abkann und versucht dieses Unterfangen zu torpedieren. Derweil finden die vier Freunde auf einem abgelegenen Gelände einen Eisenbahnwaggon vor, der von einem Einsiedler bewohnt wird, den sie fortan nur noch den Nichtraucher nennen. 

der nichtraucher redet mit martina
Der Nichtraucher kümmert sich um den gestürzten Uli

Derweil spitzt sich die Lage zwischen den verfeindeten Gruppen zu und es kommt am nahegelegenen See zu einer Massenschlägerei. Ab diesem Zeitpunkt scheint alles schief zu laufen. Selbst der Versuch, den gutmütigen Justus Bökh und den Nichtraucher im guten Gewissen aufeinandertreffen zu lassen, endet in einem Fiasko. Der Graben zwischen den einstigen Freunden ist einfach zu tief. Doch es soll noch schlimmer kommen und erst ein unerwarteter dramatischer Unfall verändert alles… 

Das fliegende Klassenzimmer: Damals und Heute

Alle paar Jahrzehnte wird wieder einmal Zeit einer Neuverfilmung des Jugendbuchklassikers von Erich Kästner. Die beliebte Geschichte um Freundschaft, Zusammenhalt und letzten Endes dem Verständnis füreinander, bietet sich natürlich auch für eine zeitgemäße Neuauflage geradezu an. Während man die Originalversion aus dem Jahr 1954 nicht mehr wirklich zeitgemäß nennen kann, bin ich persönliche der Meinung, dass die Version mit Joachim „Blacky“ Fuchsberger aus dem Jahr 1973 zu den zeit-losen und auch schönsten Verfilmungen gehört. 

martina und ruda einigen sich auf einen wettkampf
Martina geht auf Rudas Forderung ein

Die letzten beiden Filme aus dem Jahr 2003 und dem jetzigen Neuauflage von 2023 sind zwar zeitgemäß und modern, dennoch finde ich sie nicht ganz so gelungen. So nehme ich mir mal heraus die Filmfassung aus dem Jahr 1973 mit dem aktuellen Film zu vergleichen. Bezogen auf das Buch aus dem Jahr 1933 muss man natürlich die Figuren der Zeit anpassen, damit ein Film funktioniert. Hier empfand ich die Figurenentwicklung der vier Freunde damals wie heute wirklich passend.

Weniger gut empfand ich die Figuren der Erwachsenen, was nichts mit den darstellerischen Qualitäten eines Tom Schilling (Justus Bökh), Trystan Pütter (Der Nichtraucher) oder einer Hannah Herzsprung (Frau Kreuzkamp) zu tun hatte. Sondern eher mit der Figurendarstellung des Drehbuchs und wohl auch der Regie. Ebenso gänzlich unnötig war dieser Drama-Twist zwischen Justus Bökh und dem Nichtraucher. Wie auch die übertrieben klamaukige Figur der Schuldirektorin Kreuzkamp. Allgemein empfand ich dass den Erwachsenen Protagonisten zu wenig Zeit eingeräumt wurde. Womit deren Darstellung mehr oder weniger auf der Strecke blieb. 

kreuzkamp und bökh bei der theateraufführung das fliegende klassenzimmer
Dr. Kreuzkamp und Justus Bökh schauen gebannt auf die Bühne

Gut wiederum haben mir die Kinderdarsteller gefallen, allen voran Leni Drescher als Martina Thaler, welche nun die weibliche Version von Martin Thaler aus dem Jahr 1973 darstellt. Ebenso wie der kleine Uli, gespielt von Wanja Valentin Kube oder die taffe Jo, gespielt von Lovena Börschmann Ziegler. Etwas verblasst dabei Boxer Matze, gespielt von Morten Völlger, der nicht ganz an seinen Vorgänger aus der 70er-Jahre Version heranreicht. Somit ist es wirklich schade, dass das Zusammenspiel zwischen Erwachsenen und Kindern, nicht so stimmig ausgefallen ist, wie es hätte sein können. 

Vorwort zum Fazit:

Ich vergleiche hier bewusst die Version von 1973 und diese aus dem Jahr 2023, da ich denke, dass heutige Eltern und Großeltern die vorigen Fassungen kennen und infolgedessen vergleichen werden. Kenner des Buches und der bisherigen Filme werden mit dieser Neuinterpretation wohl nicht ganz so glücklich sein. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Neuverfilmung für Nichtkenner des Themas, einen soliden Kinder- Jugendfilm darstellt, der die Themen Freundschaft und Verbundenheit in den Mittelpunkt rückt. Was gerade in der heutigen Zeit einen wichtigen Aspekt darstellt. 

Das fliegende Klassenzimmer (2023) Fazit & Kritik:

das fliegende klassenzimmer blu-ray cover
Das fliegenden Klassenzimmer: Blu-ray

Die Neuverfilmung von Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ bringt den zeitlosen Klassiker in die moderne Kinowelt. Der Film bleibt der Grundhandlung überwiegend treu, während er gleichzeitig Elemente der aktuellen Zeit einbezieht, um das Publikum von heute anzusprechen. So werden etwa moderne Technologien wie Smartphones und soziale Medien in den klassischen Stoff eingebracht, was es jüngeren Generationen ermöglicht, sich mit der Geschichte zu identifizieren.

Als Fan und Kenner der 1973er-Film-Version, hat mir Carolina Hellsgård Neuverfilmung von „Das fliegende Klassenzimmer“ leider weniger zugesagt. Unabhängig von der Veränderung der Figuren wirkte der Film eher wie Stückwerk anstatt eines runden Ganzen. So ist man der Meinung dass hier einfach nur Kapitel abgearbeitet wurden. Was man auch an den teils heftigen Szenensprüngen erkennt. 

Den Figuren Justus Bökh und dem Nichraucher wurde bedauerlicherweise zu wenig Zeit eingeräumt, um nachwirken zu können. Da brachte auch das gesangliche Duett am Ende des Films auch nicht mehr viel. Dazu war der zusätzliche Drama-Plot zwischen den beiden alten Freunden, absolut unnötig. Besonders da die Originalgeschichte selbst, mit dem Unfall von dem kleinen Uli genügend Drama bietet. Die Kinderdarsteller selbst wussten dagegen durchweg zu überzeugen und ließen tatsächlich Nostalgie der Vorgänger aufkommen, womit man sofort mittendrin in der Geschichte war.

Trotz einiger inszenatorischer Schwächen lieferten die Produzenten der UFA Fiction Sebastian Werninger, Benjamin Benedict und Tobias Timme einen soliden Kinder/Jugendfilm ab. Für die Kenner der Vorgänger fehlt dem Film doch etwas die Tiefe und das Zusammenspiel der Erwachsenen und Kinder. Für Nichtkenner wiederum dürften meine Kritikpunkte keinerlei Auswirkungen auf deren Sehgenuss haben. So ist es in diesen heutigen Zeiten besonders wichtig auch Filme zu haben, welche die Themen Freundschaft, Verständnis und Verbundenheit, so in den Mittelpunkt stellen, wie es die Geschichte um „Das fliegende Klassenzimmer“ tut. 

Bilder & Trailer © 2024 LEONINE Studios – alle Rechte vorbehalten!

FAQ’s:

Der Film hat eine Länge von 90 Minuten.

Der Film ist für alle Altersgruppen freigegeben und richtet sich insbesondere an ein junges Publikum ab 0 Jahren.

Die Regie bei der Neuverfilmung von „Das fliegende Klassenzimmer“ liegt in den Händen der schwedischen Regisseurin Carolina Hellsgård.

Die Produktion wurde von UFA Fiction in Zusammenarbeit mit den LEONINE Studios durchgeführt.

Die Hauptrollen werden von Tom Schilling als Justus Bökh, Trystan Pütter als Nichtraucher, Hannah Herzsprung als Schuldirektorin Kreuzkamm und Leni Deschner als Martina Thaler besetzt. 

Lovena Börschmann Ziegler als Jo Trotz, Morten Völlger als Matze Selbmann, Wanja Valentin Kube als Uli von Simmern, Franka Roche als Ruda Kreuzkamm Schiek als Sebi, Leander Schumann als Egerland, Aaron Sansi als Musti, Jördis Triebel („Warten auf’n Bus„) als Frau Thaler, Holly Schiek als Sebi

Joachim Fuchsberger („Edgar Wallace„): Dr. Johannes Bökh, gen. Justus, Heinz Reincke: Dr. Robert Uthofft, gen. Nichtraucher, Wolfgang Jarczyk: Johnny Trotz, Hans Putz Jr.: Martin Thaler, Otto Bolesch: Professor Kreuzkamm, Thomas Ecker: Rudi Kreuzkamm, Daniel Müller: Ulrich ‚Uli‘ von Simmern, Alois Mittermaier: Matthias, gen. Matz(e).