Gerry Andersons andere Seite der Realität
Das Produzenten-Ehepaar Gerry und Sylvia Anderson, bekannt für ihre kultige Sci-Fi-Puppentrickserien, wagte 1969 mit Mit „Unfall im Weltraum“ ihren ersten abendfüllenden Science-Fiction-Film mit realen Darstellern. Dabei schlugen sie dabei überraschend ernste, fast schon philosophische Töne wie in ihrer Serie Captain Scarlet an. Astronomen entdecken unerwartet hinter der Sonne einen erdähnlichen Planet.
Sofort werden zwei Astronauten entsandt, um diesen zu erkunden, stürzen bei ihrer Ankunft jedoch ab. Doch satt auf der fremden Welt, erwachen sie nach ihrer Bewusstlosigkeit wieder auf der Erde. Schnell wird klar: Hier stimmt etwas ganz und gar nicht! Ob dieses ungewöhnliche Weltraumabenteuer auch im Jahr 2026 noch funktioniert, klärt meine Kritik inklusive einem kurzem Blu-ray Review.
Andersons Spiegelwelt Sci-Fi Drama im Film-Check
Worum geht’s?
Wir schreiben das Jahr 2069: Unter der Leitung von Jason Webb (Patrick Wymark) macht ein Team von Astrophysikern eine sensationelle Entdeckung – es gibt noch einen Planeten, in der gleichen Umlaufbahn wie die Erde, der sich jedoch auf der anderen Seite der Sonne verbirgt. Die europäische Weltraumbehörde EUROSEC reagiert umgehend und bereitet eine bemannte Mission vor. Die beiden Astronauten Glenn Ross (Roy Thinnes) und Astrophysiker John Kane (Ian Hendry) werden zu einem drei Wochen Flug auf den fremden Planeten entsandt.

Alles verläuft nach Plan: Doch beim Landeanflug kommt es zur Katastrophe – das Shuttle stürzt ab. Ross und der verletzte Kane verlieren das Bewusstsein und erwachen wenig später in einem Krankenhaus auf der Erde. Doch etwas stimmt nicht: Während Kane seinen Verletzungen erliegt, beschleicht Ross ein ungutes Gefühl. Obwohl Personen, Orte und Gegenstände vertraut wirken, deutet alles daraufhin, das er sich auf einer alternativen Version der Erde befindet.
Die Inszenierung: Von Marionetten hin zu realem Schauspiel
Mit „Unfall im Weltraum“ (Originaltitel: Doppelgänger / Journey to the Far Side of the Sun) verließ Autor und Produzent Gerry Anderson die Welt der Marionetten-Trickfilme. So entstand ein britischer Science-Fiction-Film unter der Regie von Robert Parrish, in dem die bekannte Miniatur-Tricktechnik mit realen Schauspielern kombiniert wurde. Der Übergang vom stilisierten Puppentrick hin zum Realfilm gelingt dabei überraschend souverän – ein Stil, der kurz darauf in weiteren Produktionen wie den Serien UFO und Mondbasis Alpha 1 (Space: 1999) ebenfalls erfolgreich umgesetzt wurde.

Wie schon in der Marionetten-Serie „Captain Scarlet und die Rache der Mysterons“ setzen die Andersons statt auf spektakuläre Effekte oder permanente Action auf eine ruhige, fast schon bedrückende Atmosphäre. Die Geschichte entfaltet sich langsam und legt den Fokus auf das Mysterium sowie den wachsenden psychologischen Druck der Hauptfigur Colonel Glenn Ross. Dies erinnert teils an philosophische Genrevertreter wie Stanley Kubricks Science-Fiction-Epos „2001: Odyssee im Weltraum“. Dabei muss sich der Protagonist mit einer Welt auseinandersetzen, die spiegelverkehrt zu seiner eigenen ist.
Gerry Anderson lässt trotz der Laufzeit von rund 102 Minuten keine Langeweile aufkommen. Die knackigen Dialoge und die geschickte Verbindung futuristischer Kulissen mit originellen Kostümen und Fahrzeugen, hinterlassen auch heute noch einen surrealen doch überzeugenden Eindruck einer fernen Utopie. Dies hinterlässt trotz des Alters bis heute einen überzeugenden, surrealen Eindruck einer fernen Utopie. Grandios wurde zudem die Kombination aus realen Drehorten und Miniaturmodellen in Szene gesetzt. Natürlich merkt man der Produktion ihre Herkunft aus den vorangegangenen Puppentrick-Serien an, doch gerade das macht den Charme des Films aus.

Dennoch haben sich ein paar wenige Längen eingeschlichen. Während die Entdeckung von Erde 2 und der Erkundungsflug rasant abgefrühstückt wird, zieht sich Entwirrung des Mysteriums über etliche Szenen hin. Dies wirkt zuweilen wie ein Tauziehen um die Erkenntnis einer unglaublichen Wahrheit. Herausragend ist jedoch der Twist am Ende, nachdem letztlich kein eindeutiger Beweis für die aufgestellte Theorie der Wissenschaft präsentiert werden kann. Doch in der letzten Szene, in der sich Jason Webb im Spiegel sieht, stellt man sich als aufmerksamer Zuschauer, dennoch die Frage, welche Geschichte erzählt wurde: Die von unserer Welt oder der, der spiegelverkehrten und was verbirgt sich tatsächlich hinter spiegeln?
Fun-Fact: Das Thema, wurde in der Serie Mondbasis Alpha 1 erneut von den Andersons aufgegriffen. In einer Folge wird Martin Landau als Commander Koenig, durch eine spiegelverkehrte Version seiner selbst ersetzt und wird letztlich durch seinen falschen Scheitel entlarvt.
Die Darsteller – Cast & Crew des surrealen Weltraumabenteuers
Roy Thinnes (Falcon Crest) ist in der Hauptrolle als Colonel Glenn Ross zu sehen. Ian Hendry (Mit Schirm, Charme und Melone) übernahm die Rolle des Astrophysikers John Kane. In weiteren Rollen zu sehen sind: Patrick Wymark (Agenten sterben einsam) als Jason Webb, Herbert Lom (Ein Schuss im Dunkeln: Kritik) als Dr. Hassler.
Lynn Loring als Sharon Ross, Loni von Friedl als Lisa Hartmann, George Sewell als Mark Neuman, Vladek Sheybal (Das Milliarden-Dollar Gehirn: Kritik) als Psychiater, Philip Madoc (Doctor Who) als Dr. Pontini, Ed Bishop (UFO) als David Poulsen, u.v.m.
Gerry und Sylvia Anderson produzierten den Film und schrieben zusammen mit Donald James das Drehbuch. Die Regie übernahm Robert Parrish, für die Kamera zeichnen John Read und Godfrey A. Godar verantwortlich. Barry Gray (Doctor Who und die Daleks: Kritik) komponierte eine atmosphärischen Score, der ziemlich stark an seine vorigen Kompositionen wie Thunderbirds oder Captain Scarlet erinnert.
Wissenswertes zu Story, Film & Blu-ray (FAQ)
Wurde Unfall im Weltraum in deutschen Kinos gezeigt?
Wie wurde Unfall im Weltraum von Kritikern aufgenommen?
Für welche Produktionen ist Gerry Anderson bekannt?
Weitere Infos zu Laufzeit, FSK-Freigabe & Bonusmaterial der Blu-ray
Unfall im Weltraum (Film 1969) Fazit:

Robert Parrishs Unfall im Weltraum ist weit mehr als nur ein Übergangswerk zwischen den Marionetten-Produktionen der Andersons und ihren späteren Live-Action-Serien. Der Film entfaltet eine dichte, fast paranoide Atmosphäre und wirft philosophische Fragen auf, die lange nach dem Abspann nachwirken. Besonders das Spiel mit der spiegelverkehrten Realität und das offene Ende verleihen ihm eine ungewöhnliche und teils surreale Tiefe.
Trotz kleinerer Längen im Mittelteil überzeugt die Produktion vor allem durch ihr visionäres Design. Die handgemachten Effekte und detailreichen Miniaturen haben auch heute nichts von ihrer Faszination verloren und entfalten im Kontrast zu modernen CGI-Bildern ihren eigenen nostalgischen Reiz. Zusammen mit dem atmosphärischen Score von Barry Gray und der starken Leistung von Roy Thinnes als gestrandeter Astronaut Glenn Ross entsteht ein stimmiges Weltraumabenteuer.
Fazit: Unfall im Weltraum bleibt ein Geheimtipp für Fans des „Golden Age“ der Science-Fiction. Die ruhige, aber dichte Erzählweise, das eigenwillige Design und die unheilvolle Atmosphäre verleihen dem Film seinen besonderen Reiz. Wer klassische 60er- und 70er-Jahre-Sci-Fi mit mysteriösen und psychologischen Twists schätzt, bekommt hier ein stilles, leicht verstörendes Weltraumabenteuer, das noch lange im Kopf nachhallt
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