Hagen – Tragischer Held ohne Ruhm, aber mit Ehre!
Mit der filmischen Adaption des Romans von Wolfgang Hohlbein „Hagen von Tronje (1986“) versuchen die Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert frischen Wind in die angestaubte Nibelungensage zu bringen. Dies aus der Perspektive des gefürchteten Waffenmeisters Hagen von Tronje. Als Burgund von kriegerischen Hunnen bedroht wird, könnte der berühmte Drachentöter Siegfried von Xanten, nach König Gunters Meinung, ein potenzieller Verbündeter sein – eine Allianz, die in Hagens Augen mehr Gefahren als Vorteile birgt. Ob uns diese mutige Neuinterpretation des mythischen Stoffes überzeugt, erfahrt Ihr in unserer ausführlichen Filmkritik.
Worum geht’s in „Hagen – im Tal der Nibelungen“?
Als Kind überlebte Hagen von Tronje als einziger seines Volkes ein Massaker. Aufgenommen von König Dankwart von Burgund wurde er zu dessen Waffenmeister und führt seither mit eiserner Härte das Heer des Königs an. Doch kriegerische Zeiten brechen an und der Burgunder König Dankwart wird das erste Opfer von vielen durch die eindringenden Hunnen. Das Königreich ist in großer Gefahr und als Drachentöter Siegfried von Xanten in Worms auftaucht, könnte er die Rettung sein.

Thronfolger König Gunter sieht in Siegfried eine Chance auf einen Sieg, während Hagen ernste Probleme auf sie zukommen sieht. Derweil kommen sich Kriemhild und Siegfried näher. So verspricht ihm König Gunter die Hand seiner Schwester, wenn er ihm hilft, die unnahbare Walküre Brunhild zur Frau zu nehmen. Unwissend, dass Brunhild einst Siegfrieds Geliebte war. Hagen trifft dies schwer, unterdrückte er doch die heimliche Liebe zur Königstochter Kriemhild.

Einzig Hagen weiß von dieser alten Verbindung, die ihm ein Nachtalb verriet. Mit vereinten Kräften bezwingen Gunter, Hagen und Siegfried die Walküre, womit es zur Doppel Vermählung kommt. Doch die alte Liebe zwischen dem Drachentöter und der Walküre ist noch nicht erloschen. So muss Hagen nicht nur mitansehen wie Siegfried das Wort gegen seine König erhebt, sondern auch das ihm gegebene bricht und seine Kriemhild betrügt. Diesem Drama muss er ein Ende setzen, koste es was es wolle!
Das Nibelungenlied neu Interpretiert, ist es auch gelungen?
Bereits 1924 nahm sich der großartige Fritz Lang diesem Epos aus dem 13. Jahrhundert an. Rund 100 Jahre später im Jahr 2024 veröffentlichten die Regisseure Philipp Stennert und Cyrill Boss ihre Version Saga an. Diese basiert auf dem Roman von Wolfgang Holhlbein „Hagen von Tronje“ aus dem Jahr 1986. Constantin Film und RTL übernahmen die Produktion und erschufen damit die wohl bisher teuerste deutsche Fantasy-Verfilmung mit europäischer Besetzung.

Statt wie bisher dem Titelhelden Siegfried zu folgen. Der einst einen Drachen tötete, in dessen Blut er badete und bis auf eine kleine Stelle am Körper unverwundbar wurde. Erzählen die Filmemacher die Geschichte aus der Perspektive der tragischen Figur Hagen von Tronje. Der als Kind vom König von Burgund gerettet wurde und seither dem Königshaus treu und ergeben dient. Dabei wird sein Werdegang alles andere als heroisch, sondern eher trist und dramatisch dargestellt.

Dazu wurde ein optisch düsteres und dreckiges Setting gewählt, das den Eindruck einer harten, rauen Welt verstärkt. Ganz anders als die Hochglanz-Produktion von Peter Jacksons „Herr der Ringe“. Bei „Hagen“ fühlt man sich als Zuschauer ins tiefste Mittelalter versetzt. Überraschend positiv sind die CGI-Effekte ausgefallen, die bis auf den Drachen nicht als solche zu erkennen sind. Dabei sehen die Szenen mit dem Drachen alles andere als künstlich aus, dennoch ist klar, dass dieser aus dem Computer stammt.
Hagen und Siegfried, Waffenbrüder oder Gegner?

Trotz starker Besetzung und großartiger Bilder gibt es auch ein paar kleinere Defizite. Manche Twists wirken nicht ganz rund und so schnell, wie sich Siegfried verliebt, scheinen andere Konflikte schnell vergessen. Besonders wenn es darum geht, das Reich zu retten. Ebenso wirkt die Verbrüderung des Burgunder Waffenmeister Hagen von Tronje mit seinem Kontrahenten nicht ganz nachvollziehbar, Ebenso ist die Erklärung um Siegfrieds Unverwundbarkeit, wie auch die Kreaturen der Nacht recht kurz gehalten.
Epische Rollen & starke Darsteller: Die Besetzung!
In der Rolle von Waffenmeister Hagen von Tronje ist der niederländische Schauspieler Gijs Naber zu sehen, der unserer Meinung nach eine oscar-reife Darstellung seiner Figur abliefert. In jeder seiner Szenen liefert er eine grandiose Leistung ab, die den Zuschauer mit dem tragischen Helden von Minute zu Minute mehr verbindet. Ihm Gegenüber steht Jannis Niewöhner als Siegfried von Xanten, der Hagens Antagonisten überaus überzeugend darstellt, jedoch nicht ganz an Nabers Spiel heranreicht.

Die holde Maid, Königstochter Kriemhild wird von Lilja van der Zwaag gespielt, die in Hagen nur den guten Freund sieht, während sie Siegfried als Gatten vorzieht. Ihr Spiel ist überaus ordentlich, doch gegen Ende entfesselt sie eine intensive Darstellung von Enttäuschung und Hass, die über jeden Zweifel erhaben ist. Ihr Bruder, der junge König Gunter wird von dem österreichischen Schauspieler Dominic Marcus Singer verkörpert, der zwar gut spielt, dennoch von Naber und Niewöhner geradezu an die Wand gespielt wird.

In weiteren Rollen zu sehen sind: Rosalinde Mynster als Brunhild, Alessandro Schuster (Das Boot – TV-Serie: Review) als Giselher, Jördis Triebel (Warten auf’n Bus: Review) als Ute, Jörg Hartmann als König Dankrat, Béla Gabor Lenz als Gernot, Johanna Kolberg als Alberich, Emma Preisendanz als Damira, Maria Erwolter als Senua, u.v.m.
Die Filmemacher hinter dem neuen Nibelungen-Projekt
Die beiden Filmemacher Cyrill Boss (Jerry Cotton) und Philipp Stennert (Das Haus der Krokodile) wissen bereits seit mehreren Jahren nicht nur mit ihren Regiearbeiten, sondern auch als Autoren zu überzeugen. So entwickelten sie bereits 2018 die unglaublich intensive deutsch / österreichische Krimi-Thriller-Serie „Der Pass“ mit Julia Jentsch und Nicholas Ofczarek, die mit ihren 3 Staffeln für überaus spannende Thriller Unterhaltung sorgten. Zusammen mit Doron Wisotzky schrieben sie auch das Drehbuch zu dem über drei Millionen Euro teuren Fantasy-Epos.
Film-Infos und ein Blick auf die Extras der Blu-ray
Der Film hat eine Laufzeit von 139 Minuten und erhielt von der FSK eine Freigabe ab 12 Jahren. Das Epos wurde von Constantin Film und RTL produziert. Die Blu-ray bietet ein Making-of (ca. 17 Minuten) mit Interviews und B-Rolls, ein VFX Making-of (ca. 3 Minuten), den Film Trailer selbst sowie eine Trailer-Show. Der Ton liegt in Deutsch in Dolby Atmos und Dolby Digital 2.0 vor. Eine Hörfilmfassung in Deutsch DD 2.0 ist ebenfalls vorhanden.
Hagen – Im Tiefen Tal der Nibelungen (Film 2024): Kritik & Fazit:

Die Regisseure Cyrill Boss und Philipp Stennert wagen mit „Hagen – Im tiefen Tal der Nibelungen“ eine Neuinterpretation der klassischen Nibelungensage. Basierend auf Wolfgang Hohlbeins Roman „Hagen von Tronje“ (1986) folgt die Handlung nicht dem strahlenden Drachentöter Siegfried, sondern aus der Perspektive des Waffenmeisters Hagen von Tronje. Dieser muss sich durch das Eintreffen des Drachentöters der Geschehnisse im Verlauf zwischen Liebe und Königstreue entscheiden. Eine Entscheidung, die sein Leben auf tragische Weise verändern wird.
Visuell kann der Fantasy-Film durchweg überzeugen, die wahre Stärke des Films liegt jedoch in seiner herausragenden Besetzung: Der niederländische Schauspieler Gijs Naber brilliert als Hagen mit einer Darstellung, die den Zuschauer emotional mitnimmt. Ihm gegenüber steht Jannis Niewöhner als Unheil bringender Siegfried, der zu Hagens Nemesis wird. Trotz kleinerer Mankos in der Handlung und einiger zu knapp erklärter Elemente, gelingt es den Filmemachern, eine fesselnde Neu-Interpretation zu erschaffen.
Fazit: „Hagen – Im tiefen Tal der Nibelungen“ beweist eindrucksvoll, dass deutsche Produktionen im Fantasy-Genre im internationalen Vergleich bestehen können. Sowohl visuell, atmosphärisch als auch schauspielerisch. Liebhaber der alten Verfilmungen könnten durch den Perspektivenwechsel etwas vor den Kopf gestoßen sein. Ist man jedoch in der Lage, sich auf einen neuen Blickwinkel einzulassen, erhält man eine intensive und packende Neu-Interpretation der alten Nibelungensage.
Bilder & Trailer mit freundlicher Genehmigung © 2025 Constantin Film – alle Rechte vorbehalten.







