Schneewittchen (2025) Kritik

Inhaltsverzeichnis

Kann das Remake des Klassikers überhaupt überzeugen?

Das Live-Action Remake des Klassikers „Schneewittchen“ aus dem Jahr 1937 sorgte schon vor Kinostart für heftige Diskussionen. Somit standen nicht nur die Produktion, die Besetzung und letztlich auch die Inszenierung in der Kritik. Dazu noch eine geänderte Geschichte, die dem Märchen der Gebrüder Grimm nicht mehr ganz entspricht. Auch die CGI-Zwerge und die neuen Lieder sind gewöhnungsbedürftig. Ob „Schneewittchen“ deshalb ein Totalausfall geworden ist, es vielleicht nur viel Wind um nichts war und wie uns der Streifen gefallen hat, verrät unser Review.

Schneewittchen (2025) Trailer

Worum geht’s in Disneys „Schneewittchen (2025)“?

Einst lebte die kleine Prinzessin Schneewittchen mit ihren gütigen Eltern, die immer ein offenes Ohr für Ihre Untertanen in ihrem Königreich haben. Nachdem die Mutter Königin erkrankt und stirbt, ist nichts mehr wie es war. Eines Tages taucht eine mysteriöse Schönheit am Hofe auf, der König scheint vernarrt in diese unbekannte Frau zu sein und macht sie zu seiner neuen Königin. Nachdem der König versucht, einen Konflikt in der Fremde zu lösen, kehrt dieser nicht mehr heim und Schneewittchens Stiefmutter übernimmt die Macht. 

Schneewittchen 2025 Filmszene:Frau mit kurzem Haar und Halskette, schaut nachdenklich.
Schneewittchen versteht die Welt nicht mehr

Doch anstatt mit Güte und Verständnis zu regieren, beginnt das Volk ihr zu leiden. Einzig Macht und Schönheit scheinen der neuen Königin wichtig zu sein. Als sie von ihrem magischen Spiegel erfährt, dass Schneewittchen die schönste im ganzen Land sei, muss die Stieftochter sterben. Der beauftragte Jäger bringt es jedoch nicht über das Herz und so flieht Schneewittchen in den düsteren Wald. Allein und verängstigt weiß sie nicht weiter, doch Hilfe naht in unerwarteter und recht „kleiner“ Form.

Die Inszenierung: Viel Geschrei um nichts?

Die Realverfilmung des Kinderfilm-Klassikers schlug schon im Vorfeld heftige Wellen. Dabei sollte der Film das Erbe von Walt Disney ehren, der mit dem gleichnamigen Zeichentrickfilm „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ den Grundstein für das heutige Disney Imperium legte. Und nicht nur das, als erster abendfüllender Zeichentrickfilm ging dieser nicht nur in die Geschichte ein, er erhielt auch 1939 einen Ehren-Oscar (samt sieben kleinen Oscars), was selbst für heutige Zeiten etwas besonderes ist. 

Schneewittchen 2025 Filmszene: Person hält Vogel in Waldszenario.
Schneewittchen findet nach ihrer Flucht neue Freunde

Die Neuverfilmung jedoch löste bereits vor der Kinopremiere einige Kontroversen aus. Schauspieler Peter Dinklage soll auch die Darstellung der kleinen Bergbaumänner durch CGI-Figuren kritisiert haben. Die Israelin Gal Gadot, welche die Rolle der bösen Königin übernahm, nutzte  Pressetermine für ihre Sicht des  Israel-Konflikts und Antisemitismus. Während die Fanbase die Hauptdarstellerin Rachel Zegler als Schneewittchen, aufgrund ihrer Hautfarbe ablehnte, da sie nicht wie die Titelfigur, weiß wie Schnee war.

Ein kritischer Blick auf die Inszenierung

So wie wir, hatte wohl auch die Fanbase erwartet, einfach „nur“ eine Live-Action Version des alten Zeichentrickfilms zu bekommen. Doch nach der Sichtung im Kino erkannten die Fans ihr Märchen von damals nicht wieder. Und ja, das Drehbuch von Autorin Erin Cressida Wilson erzählt die Geschichte tatsächlich ein “wenig” anders. Ebenso wollte Regisseur Marc Webb, eine Helden Prinzessin für seine Tochter, entwerfen, was die Darstellung der beliebten Figur ebenfalls veränderte. Dass der Prinz dann auch noch seinen Platz räumen musste und durch einen Straßendieb ala Aladdin ersetzt wurde, wundert dann auch nicht mehr.

Schneewittchen 2025 Filmszene: Zwei Personen in Märchenkostümen vor einem Haus.
Dieb Jonathan und Schneewittchen vorm Haus der 7 Zwerge

Dieser wurde durch einen singenden Vagabunden / Dieb, namens Jonathan (Andrew Burnap) samt Diebesbande ersetzt. Womit eine recht ersetzbare Figur zurückbleibt. Die Zwergen werden von Schneewittchen umerzogen, während diese immer mehr zu Randfiguren verkommen. Letztlich sind alle gemeinsam am lustigen singen und putzen, was ebenfalls befremdlich wirkt. Der Film ist eine Two-Woman-Show mit Rachel Zegler (Tribute von Panem: The Ballad of Snakes and Songbirds: Review) und Gal Gadot (Wonder Woman 1984 mit dem Kernthema Diskriminierung und Ungerechtigkeit. Nach dem ersten Drittel beginnt der Streifen dann von der Original Handlung abzuweichen und wird zusehends inkonsistenter.

Schneewittchen 2025 Filmszene: Person mit Krone in Nahaufnahme
Die böse Königin / Stiefmutter (Gal Gadot) in ihrem Schönheitswahn

Die Optik ist wiederum gelungen oder zumindest überwiegend. Die Kostüme sehen sehr gut aus und auch das Setting mag trotz erkennbarer CGI zu gefallen, vermittelt es doch einen märchenhaften Touch. Die Zwerge jedoch, mit diesem Mix aus Comic-CGI und kleinwüchsigen Mensch, hat so gar gepasst. Hier hätte man doch lieber auf echte kleinwüchsige Darsteller setzen sollen. Bei Darsteller Peter Dinklage (Wicked) lösten die Zwerge aufgrund ihrer stereotypen Darstellung wiederum Empörung aus. Einerseits setzte Disney auf eine Latino Hauptdarstellerin, andererseits hielt man an dem alten Klischee der Zwerge fest.

Ein unausgegorene Geschichte im Gewand eines Klassikers

Mit der Realverfilmung ist Disney ein hohes Risiko eingegangen, während User der IMDB mit 2 / 10 von Punkten den Film verreißen, ist das Tomatometer bei Rotten Tomatoes mit 39% noch gnädig ausgefallen. Erklärt ist das schnell: Der ikonische Animationsfilm ist mit seinen fast 100 Jahren recht angestaubt und vermittelt gerade in heutiger Zeit ein recht suboptimales Gesellschaftsbild. So versuchte Disney einen Film zu erschaffen, der a.) das Frauenbild gerade rückt und b.) jeglichen Wokeness Vorwürfen entgegenwirken sollte. Dummerweise fielen die Änderungen so groß aus, dass viele Fans des Originals ihr geliebtes Märchen aus dem Jahr 1937 nicht mehr erkannten und andere Änderungen dennoch für Kritik sorgten. Somit lautet die Antwort auf die Eingangsfrage: ja.

Ist der Film nun durchweg schlecht? 

Durchweg nicht, Gal Gadot verkörpert eine starke Antagonistin und mit einer ordentlich aufspielenden Rachel Zegler (West Side Story) . Zu den Zwergen habe ich bereits genug gesagt, hier hätte man definitiv auf reale Darsteller setzen müssen. Die alten Lieder in neuer Abmischung fügen sich gut in den Film ein. Auf die Neuen hätte man gut verzichten können, klingen diese doch wie generisches Musical-Material.

Fans des Zeichentrick-Klassikers werden aufgrund der geänderten Handlung enttäuscht sein. Filmfans, die bisher noch nicht mit dem Märchen in Berührung gekommen sind, erhalten dafür ein ordentliches Märchen-Musical. Plus einer Szene (die sogar in das Original gepasst hätte), als Schneewittchen, Seppl das Pfeifen beibringt. Wer jedoch eine wesentlich bessere Disney Realverfilmung sehen möchte, sollte zu „Lilo & Stitch 2025“ greifen.

Schneewittchen (2025) Fazit:

Schneewittchen Blu-ray Cover - Schneewittchen mit Waldtieren vor Häuschen.
Schneewittchen (2025) Blu-ray
Wertung: 3 / 10 ★

Unter der Regie von Marc Webb sorgte die Live-Action Neuverfilmung „Schneewittchen (Snow White and the seven Dwarfs)“ schon vor Kinostart für heftige Diskussionen um Wokeness, Besetzungsentscheidungen und Abweichungen von der Grimm’schen Vorlage. Die Besetzung von Rachel Zegler wurde kontrovers diskutiert. Das Drehbuch erlaubt sich erhebliche Freiheiten: beispielsweise wurde der klassische Prinz durch einen singenden Dieb ersetzt. Die Zwerge degradiert man zu Randfiguren und die Handlung weicht nach dem ersten Drittel deutlich vom Original ab.

Die visuelle Gestaltung der märchenhaften Welt basiert gänzlich auf CGI, dafür gefallen zumindest die Kostüme. Problematisch erscheinen hingegen die computergenerierten Zwerge, deren Darstellung zwischen Pixelmagie und Uncanny Valley für Stirnrunzeln sorgt. Die bekannten Lieder des Klassikers fügen sich in neuer Abmischung harmonisch ein, während die zusätzlichen Lieder eher generisch wirken.

Ist der Live-Action-Film ein Totalausfall? Nicht ganz aber nah dran, denn der Film leidet unter dem Versuch, sowohl vermeintlich moderne Ansprüche zu erfüllen als auch dem Original gerecht zu werden. Fans des Zeichentrick-Klassikers von 1937 werden durch die radikalen Änderungen enttäuscht sein. Was eine Sichtungsempfehlung betrifft, enthalte ich mich dieses Mal. Interessierte können einen Blick riskieren, müssen aber ebenfalls erwarten enttäuscht zu werden.

Bilder & Trailer mit freundlicher Genehmigung © Disney Studios / LEONINE Studios – alle Rechte vorbehalten

Marc Maurer
Marc Maurer

Als zertifizierter Online-Redakteur mit IT- und Mediengestalter-Hintergrund schreibe ich seit 2020 auf GlotzCleverTV Kritiken zu Filmen & Serien sowie Reviews zu Heimkino und Technik – unabhängig, kritisch und direkt aus dem Schwarzwald.