Ein Schneider und viele kriminelle Machenschaften
Mit seinem Regiedebut geht Drehbuchautor Graham Moore mit The Outfit gleich in die Vollen. In diesem Thriller lässt er Mark Rylance als Schneider Leonard die Unterwelt aufmischen. Diese feine Gesellschaft nutzt seine Schneiderei nicht nur für deren Maßanzüge, sondern auch als toten Briefkasten. Aufruhr entsteht, als für den Mafia-Boss Post eine Nachricht hinterlegt wird. Als kurz darauf der Sohn des Chicagoer Paten, angeschossen wird, beginnt nicht nur für die Gangster eine chaotische und vor allen Dingen tödliche Nacht. Ob uns Moores Regie-Debut überzeugen konnte, verrät unsere Filmkritik.
Worum geht’s in The Outfit?
1956: Einst verließ der gelernte Anzugschneider Leonard (Mark Rylance), seine britische Heimat, womit ihn sein Weg von London nach Chicago führte. Seine neu eröffnete Maßschneiderei lockt nicht nur die noble Gesellschaft, sondern auch die mächtigen Verbrecher der Stadt an. So auch den Mafiaboss Roy Boyle, der nicht nur Leonards Handwerkskunst schätzt, sondern auch dessen Diskretion. Weshalb dieser sein Geschäft als Austauschort illegaler Nachrichten nutzt.

Für den Maßschneider gilt äußerste Zurückhaltung, weshalb er auch geflissentlich über diverse Vorkommnisse hinweg schaut. Was seine Angestellte Mable gar nicht verstehen kann und das, obwohl sie ein Verhältnis mit dem Sohn des Gangsters hat. So finden Sohn Richie und dessen Mann fürs Grobe, eines Tages eine Nachricht von „The Outfit“, einer Organisation einst gegründet von Al Capone, vor. Dies führt zu einiger Unsicherheit, wird in deren Schreiben doch von einem Maulwurf, einer Ratte in Boyles Organisation gesprochen. Doch wer kann der Verräter sein?

Die Situation verschärft sich, als ein Tonband auftaucht und Richie angeschossen wird. Des Gangsters rechte Hand Francis sucht daraufhin mit ihm Unterschlupf in dem Laden des Briten. Hier zwingt er Leonard, seinen Kumpan zusammen zu flicken und versucht dabei herauszufinden, was sich auf diesem Tonband befindet. Während er unterwegs ist, kommt der Sohn des Gangsterbosses zu sich. Angestachelt von Leonard stellt sich dieser die Frage, weshalb sein Kumpan allein versucht, das Geheimnis dieser Tonaufnahme zu enträtseln.

Ist er eventuell die Ratte und möchte verhindern, dass man ihm auf die Schliche kommt? Noch chaotischer wird es, als Boyles Sohn den Handlanger seines Vaters zur Rede stellt und es zu einem Shootout kommt. Francis erschießt den Sohn seines Chefs und die Tragödie nimmt ihren Lauf. Womit auch der sanftmütige Herrenschneider in diese Problematik hineingezogen wird. Etwas, das seinem Boss nicht gefallen wird, womit schnellstmöglich ein Schuldiger, am besten gleich der Spitzel des FBI, als Sündenbock hermuss. Doch wer ist der echte Verräter?
Erinnerung an „Cocktail für eine Leiche“
Bereits mit seinem Drehbuch für den Bio-Pic Thriller „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“, bewies Moore ein Händchen für spannende Geschichten, welche auf wahren Begebenheiten beruhen. In diesem spielte Benedict Cumberbatch („Spider-Man: No Way Home„) den Krypto-Analytiker Alan Turing, der einst die Verschlüsselungsmaschine des Dritten Reichs, genannt Enigma, knacken konnte. Bei seinen Recherchen für seinen Film stolperte der Regisseur über einen historischen Bericht.
In diesem wurde davon erzählt, dass die ersten Beweise gegen das organisierte Verbrechen, tatsächlich in einer Chicagoer Maßschneiderei mittels einer Wanze aufgenommen werden konnten. So entstand die Geschichte eines Schneiders, einem Meister in seinem Fach, der überwiegend die Verbrecher der Stadt Chicago einkleidet und indirekt tiefer in die kriminellen Machenschaften gezogen wird. Damit steht die Frage im Raum, inwiefern dieser seine stille „Unterstützung“ noch moralisch vertreten kann. Hierbei kann ich gleich vorwegnehmen, dass die Figur des Maßschneiders, von dem Briten Sir Mark Rylance („Dunkirk“) hervorragend dargestellt wurde.
In weiteren Rollen sehen wir als Gangsterboss Simon Russell Beale („Thor: Love and Thunder“). In der Rolle als Sohn von Roy gibt es ein Wiedersehen mit Dylan O’Brien („Love and Monsters„). Die rechte Hand des Gangsterbosses wird von Johnny Flynn („Die Täsuchung“) gespielt. Die Assistentin und Buchhalterin Mable wird von Zoey Deutch („Zombieland 2“) verkörpert. Die Rolle der Gegenspielerin La Fontaine, übernahm die in Nigeria geborene Schauspielerin Nikki Amuka-Bird („Doctor Who„). Dazu gesellen sich noch ein paar kleinere Nebenrollen, unter anderem besetzt mit Alan Mehdizaheh als Monk oder Johnathan McCalin als FBI-Agent. Allgemein verzichtete der Regisseur auf ein großes Ensemble, was dieser ruhig und dennoch spannend inszenierte Film auch gar nicht braucht.

In Graham Moores Gangsterthriller spielt Mark Rylance im Jahr 1956 einen Schneider, der einst sein Handwerk in der „Londoner savile row“ (die erste Adresse in London, für maßgeschneiderte Anzüge) erlernte. Aufgrund einer Tragödie zieht der sanftmütige Londoner nach Chicago. Hier baute er sich ein neues Leben auf und arbeitet mit seiner Assistentin Mable zusammen, welche unter anderem seine Buchhaltung macht.
Seine Schneiderkunst lockt dabei nicht nur die noble Gesellschaft, sondern auch die Verbrechergilde an, die sich ebenfalls gerne teuer kleiden. So wird er schnell zum „Haus und Hofschneider“ der Gangsterfamilie. Die ihn leider auch in ihre unsauberen Machenschaften verstrickt. Ein Schreiben von der von Gangsterboss Al Capone gegründeten Verbrecherorganisation „The Outfit“, lässt den Chicagoer Paten aufhorchen. Soll es doch einen Spitzel in seiner „Familie“ geben, ebenso scheint ein Bandenkrieg anzustehen. Zu dumm, dass sich diese Geschehnisse in Leonards Maßschneiderei verlagern, oder war dies eventuell sogar gewollt?

So spielt der Regisseur in perfekter Alfred Hitchcock Manier nicht nur seine Figuren gegeneinander aus, sondert ebenso mit seinen Zuschauern. In seinem Gangsterthriller tritt die Hauptfigur zwar als besonnener Schneider auf, der vermeintlich kein Wässerchen trüben kann. Dieser scheint dennoch etwas mit Präzision und Sorgfalt geplant zu haben. So kommt es nicht von ungefähr, dass ich den Meister des Suspense, Alfred Hitchcock erwähne. Wird man bei diesem Thriller doch schnell an „Cocktail für eine Leiche“ erinnert. Sprich ein begrenztes Setting, in dem Fall die kleine Schneiderei.
Eine überschaubare Anzahl an Darstellern. Sowie ein Mord, den es zu vertuschen gilt, der jedoch jederzeit aufgedeckt werden kann. Von der bekannten Holztruhe, welche die Leiche beherbergt ganz zu schweigen. Dabei braucht das ausgeklügelte Drehbuch von Regisseur Graham Moore, den Vergleich mit Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ nicht zu scheuen. Sitzt man als Zuschauer bei diesem Thriller arg gespannt vor dem Bildschirm. Ohne dabei zu wissen, wie die Beteiligten aus dieser äußerst angespannten Situation kommen sollen. Gilt es doch für die Beteiligten die Nacht zu überleben. Und hat man als Zuschauer das scheinbare Finale erreicht, hat der Regisseur noch eine Überraschung parat.
Ein Blick auf die Blu-ray Veröffentlichung:
Die Blu-ray selbst kommt leider ohne Extras daher. Zumindest fand ich bei dem mir vorliegenden Pressemuster keinerlei Bonusmaterial vor, schade. Dafür kann die Bildqualität überzeugen, besonders da der Film recht viele dunkle Szenen aufweist. Hierbei konnte die Schwarzwerte durchweg überzeugen, womit Details immer erkennbar blieben.
Moore entschied sich überwiegend für eine warme Farbgebung, die auf knallige Farben verzichtete und ein angenehmes Seherlebnis hinterließ. Die Bilder wirkten durchgehend scharf und wie schon der Schwarzwert, empfand ich die Kontraste als äußerst ausgewogen. Womit ich mit dem Bild durchweg zufrieden war. Wie bekannt beziehe ich mich beim Ton überwiegend auf die Dialogverständlichkeit und diese war hier ausgezeichnet.
The Outfit (2022) Kritik & Fazit:

Wertung: 7,5 / 10
Graham Moore beweist mit seinem Regiedebüt „The Outfit“ eindrucksvoll, dass fesselnde Filmkunst nicht zwingend ein bombastisches Budget oder spektakuläre Schauplätze benötigt. In einem ruhigen, fast klaustrophobischen Setting entfaltet sich eine Geschichte, die von Minute zu Minute mehr Spannung aufbaut. Im Zentrum steht Leonard Burling, ein unscheinbarer Schneider, der von Mark Rylance mit subtiler Intensität verkörpert wird. Rylance versteht es meisterhaft, die Vielschichtigkeit seiner Figur durch kleinste Nuancen in Mimik und Gestik anzudeuten und das Interesse des Zuschauers kontinuierlich zu fesseln.
Moore gelingt es, aus dem begrenzten Raum eine Bühne für ein packendes Katz-und-Maus-Spiel zu machen. Die Kameraarbeit verstärkt das beklemmende Gefühl, während die Dialoge und Wendungen die Zuschauer bis zum Schluss überraschen. „The Outfit“ ist ein Gangsterthriller, der auf psychologischer Tiefe und ausgefeilten Charakteren basiert, anstatt auf reiner Action. Wer Freude an intelligenten Drehbüchern und einer ruhigen Inszenierung hat, wird hier bestens unterhalten. Fans von Filmen wie „Knives Out“ sollten sich diesen Geheimtipp auf keinen Fall entgehen lassen.
Fazit: „The Outfit“ ist ein raffiniertes und spannungsgeladenes Regiedebüt von Graham Moore, das vor allem durch die herausragende Leistung von Mark Rylance und die intelligente Inszenierung überzeugt. Ein Kammerspiel, das beweist, dass fesselnde Geschichten keine großen Schauplätze brauchen. Eine klare Empfehlung für Liebhaber von Thrillern mit Tiefgang.
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