Das „The Big Lebowski“ Spin-off
Mit „Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus“ haucht der großartige John Turturro seiner legendären Nebenfigur aus dem Kultklassiker „The Big Lebowski“ neues Leben ein. Der fiktive Charakter des Bowlingkugel-leckenden Jesus Quintana war damals nur für wenige Minuten zu sehen, avancierte aber sofort zur Kultfigur. Die große Frage, die sich Fans seit Jahren stellten: Kann dieses Spin-off den Status des Originals halten oder gar ausbauen? Turturro schrieb das Drehbuch, führte Regie und übernahm die Hauptrolle. Doch ob dieses eigenwillige Roadmovie mehr ist als nur eine bloße Fingerübung für den Hauptdarsteller, erfahrt ihr in unserer Kritik.

Worum geht’s
Nachdem er einige Jahre wegen schwerer Jungs-Geschichten hinter Gittern saß, kommt Jesus Quintana endlich wieder frei. Sein treuer Kumpel Petey (Bobby Cannavale) wartet schon vor dem Knast, um ihn in Empfang zu nehmen. Kaum draußen, verfallen die beiden „Lebenskünstler“ sofort wieder in alte Muster: Autos klauen, Bowling spielen und vor allem auf der Suche nach sexueller Abenteuer sein.

Die beiden treffen auf die unbefriedigte Marie (Audrey Tautou), die erst einmal wenig beeindruckt von den Avancen der beiden Möchtegern-Hengste ist. Auf ihrer weiteren Reise lesen sie die frisch aus der Haft entlassene Jean (Susan Sarandon) auf, deren Gastspiel jedoch ein jähes, tragisches Ende nimmt. Aufgrund eines Missverständnisses mit Jeans Sohn Jack finden sich Jesus, Petey und Marie schließlich als unfreiwilliges Trio auf einem Roadtrip durchs Land wieder – stets auf der Flucht vor dem Gesetz und auf der Suche nach dem nächsten Kick.

Die Inszenierung, die ich nicht verstanden habe
Ich mache es kurz: Ich mag John Turturro als Schauspieler sehr, aber bei seinen eigenen Regiearbeiten fällt es mir schwer, den Zugang zu finden. Der Film basiert auf dem französischen Klassiker „Die Ausgebufften“ (Les Valseuses), doch während das Original als respektloser Aufstand gegen das Spießbürgertum der 70er funktionierte, wirkt Turturros Neuinterpretation in der heutigen Zeit einfach deplatziert.
Die Story ist dünn und dreht sich fast ausschließlich darum, ob zwei abgehalfterte Playboys ihre weiblichen Begleiterinnen endlich „befriedigen“ können. Der Humor ist dabei so vorhersehbar, dass der „Kultfaktor“ des Originals hier völlig auf der Strecke bleibt. Selbst die handwerkliche Umsetzung kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Film keinen richtigen Fokus findet. Er stolpert von einer Sex-Episode zur nächsten, ohne dabei wirklich charmant oder bissig zu sein. Es bleibt das Gefühl einer Inszenierung, bei der der Regisseur mehr Spaß hatte als das Publikum.
Die Besetzung
Turturro hat zwar namhafte Unterstützung an Bord geholt, doch das ist leider Etikettenschwindel. Susan Sarandon (Jolt: Kritik) und Christopher Walken (Suicide Kings: Kritik) werden regelrecht „durchgereicht“ und haben kaum Gelegenheit, ihre Talente einzubringen. Audrey Tautou versucht zwar, in der Rolle der unbefriedigten Marie Tiefe zu erzeugen, hängt aber in einem unterentwickelten Drehbuch fest. Einzig das Zusammenspiel zwischen Turturro und Bobby Cannavale (Jolt: Kritik) hat ab und zu den nötigen Flow, reicht aber bei weitem nicht aus, um den Film zu retten.
Jesus Rolls – Niemand verarscht Jesus (2019) Fazit:

Ich muss ehrlich sagen: Ich habe keine Ahnung, was ich mit diesem Film anfangen soll. Er bietet weder Neues noch Hervorstechendes. Wenn man den Namen John Turturro liest, hat man eine gewisse Erwartungshaltung – diese wurde hier leider nicht erfüllt. Der Film wirkt wie ein Relikt aus einer anderen Zeit, das den Charme der Vorlage vermissen lässt. Wer das Original nicht kennt, wird sich wohl fragen, was das Ganze soll – und wer es kennt, wird vermutlich enttäuscht sein, wie wenig von dem ursprünglichen Witz übrig geblieben ist.
Fazit: Ein enttäuschendes Spin-off, das trotz prominenter Besetzung an einem faden Drehbuch und einer ziellosen Inszenierung krankt. Fans der Figur sollten lieber beim Original bleiben.
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