Harley Davidson and the Marlboro Man (1991) Mediabook Review

Inhaltsverzeichnis

Mickey Rourke und Don Johnson räumen gehörig auf

„Harley Davidson and the Marlboro Man“ ist im Grunde ein Neo-Western auf zwei Bikes, der komplett von der Chemie zwischen Don Johnson und Mickey Rourke getragen wird. Auch wenn der Film an der Kinokasse ordentlich auf die Nase fiel, hat er sich bis heute einen kleinen, aber treuen Kultstatus bewahrt. Die Story um zwei letzte Cowboys, die sich mit einem fiesen Konzern anlegen, ist dabei eher Mittel zum Zweck – hier zählt vor allem das Gefühl, das der Film verbreitet.

Und das liegt weniger am Plot als an Rourke und Johnson selbst, die beide echtes Biker-Feeling mitbringen und den Film optisch in coolen Retro-Chic tauchen. Dazu ein rauer, rockiger Soundtrack, der genau den richtigen Ton trifft. Ob dieser Kultstatus auch heute noch gerechtfertigt ist und wie sich das Mediabook von Capelight schlägt, erfahrt Ihr wie immer in den nachfolgenden Zeilen!

Harley Davidson and the Marlboro Man (1991): Trailer

Worum geht’s eigentlich in Harley Davdison & The Marlboro Man?

Zwei Jahre sind vergangen bis Harley zu seiner alten Gang und dem „alten Mann“ in dessen Bar zurückkehrt und dort einige negative Veränderungen vorfindet. Eine Bank will das Grundstück der Bar an sich reißen und verlangt für den auslaufenden Pachtvertrag rund 2,5 Millionen Dollar. Da der alte Mann für Harley, Marlboro und den Rest der Gang wie eine Vaterfigur ist, beschließt Harley kurzerhand, einen Geldtransporter zu überfallen und das Problem auf die harte Tour zu lösen.

Harley Davidson and the Marlboro Man Mickey Rourke und Don Johnson
Harley und Marlboro

Der Coup läuft glatt, bis vier Männer in schwarzen Mänteln auftauchen, die nicht nur kugelsicher scheinen sondern auch alles gnadenlos alles niederschießen, was ihnen in die Quere kommt. Trotz der unerwarteten Gegenwehr kann die Gang flüchten und entdeckt in den vermeintlichen Geldsäcken, statt Geld, die neue Designerdroge Kristall-Traum. Dies ist allen eine Nummer zu groß, weshalb Harley und Marlboro einen Tausch einfädeln. Der Plan geht zunächst auf, bis die Männer in Schwarz die Bar aufspüren und dort ein Blutbad anrichten. Damit wird es für Harley und Marlboro persönlich und ihre Gegner haben keine Ahnung, mit wem sie sich da angelegt haben.

Die Inszenierung eines Neo-Westerns mit leichtem Noir Flair

Nachdem ich den Film nun nach rund 30 Jahren wieder gesehen habe, kann ich teilweise nachvollziehen, warum Wincers Film ein finanzieller Flop wurde. Er macht zwar nichts wirklich anders als die damalige Konkurrenz, doch der Markt war zu dieser Zeit mit anderen Genre-Vertretern stark überflutet. Zudem mag die Geschichte im Stil eines Neo-Westerns nicht jedem zugesagt zu haben und ehrlich gesagt ist diese auch recht speziell.

Obwohl die Chemie zwischen Rourke und Johnson recht gut funktionierte, schien diese Kombination in einem Buddy-Movie einige Kinobesucher abgeschreckt zu haben. Don Johnsons Karriere war nach dem Miami Vice (Kritik) Serien-Ende und seiner Alkoholsucht stark ins Stocken geraten. Auch Rourke war zu dem Zeitpunkt mehr für Thriller und Dramen bekannt und es schien das auch seine Karriere zu brückeln begann. Vermutlich konnte diese Konstellation das Publikum nicht unbedingt in die Kinos locken.

Harley Davidson AND The Marlboro Man - Image
Da hat noch einer eine Rechnung mit Harley offen

Regisseur Simon Wincer Inszenierte mit „Harley Davidson and the Marlboro Man“ einen action- und temporeichen Streifen, dem auch der Witz nicht fehlte. So gibt es neben ordentlichen Actionszenen auch ein paar richtig gut platzierte One-Liner. Als Gegenspieler besetzte man Daniel Baldwin und Tom Sizemore (Nachruf). Während wie eine Kampfmaschine Leichen fabriziert, wirkt Sizemore als eiskalter Geschäftsmann nicht weniger gefährlich. Giancarlo Esposito bekannt aus „Breaking Bad“ und „Better Call Saul“ hat ebenfalls einen kurzen Auftritt,ebenso wie Ex-Wrestling Legende Big John Studd, der bereits im Jahr 1995 verstarb.

Harley Davidson AND The Marlboro Man - Image
Damit hat Marlboro nicht gerechnet

Ein weiteres Indiz für den einstigen Kinoflop dürfte das Drehbuch von Don Michael Paul sein, der bis heute eher für seine B-Movie Skripte bekannt ist. Die Geschichte um eine neuartige Droge, einen schier untötbaren Killertrupp in schwarzen Super-Mänteln und zwei stehengebliebene Spät-Cowboys ist, wenn man das so liest, doch ein recht kruder Plot. Der, wenn man den Film nicht ganz so ernst nimmt, trotzdem zu unterhalten weiß. Wer jedoch so etwas wie Lethal Weapon erwartet, sollte hiervon die Finger lassen.

Harley Davidson AND The Marlboro Man - Image
Marlboro zieht alle Register

Die Figurenzeichnung in „Harley Davidson and the Marlboro Man“ bleibt dagegen recht oberflächlich. Besonders wenn man sich die Hauptfiguren Figuren Marlboro Man und Harley Davidson anschaut, hier gibts so gut wie keine Infos, warum sie so sind wie sie sind. Das nächste Problem: Das Publikum liebt gute und auch dramatische Hintergrundgeschichten, um eine Verbindung zu den Figuren aufbauen zu können. Siehe bspw. Bad Boys mit Will Smith (King Richard) und Martin Lawrence. Dies bleibt Don Michael Paul den Zuschauern jedoch schuldig.

Blu-ray Bewertung:

Die neue Bildqualität kann man als gelungen bezeichnen, so sind keinerlei Blitzer oder Bildfehler erkennbar. Das Bild ist scharf, die Farben wirken durchweg frisch und die Kontraste, wie auch der Schwarzwert stimmen. Details, sowohl in hellen wie dunklen Szenen werden nicht verschluckt und sind klar durch gezeichnet. Kein Vergleich zur alten MGM-DVD, die in allen Bereichen versagte. Der Ton liegt dafür leider nur in PCM 2.0 Stereo vor. Was die Surround-Liebhaber nicht zum jubeln bringt, dafür bietet der Filme eine astreine Dialogverständlichkeit.

An Extras wird ein Featurette, ein Trailer zum Film, wie auch weitere Kinotrailer geboten. Das 24-seitige Booklet bietet obendrein etliche Informationen zu den Darstellern, den Machern und der Entstehung des Films.

Harley Davidson and the Marlboro Man (1991) Fazit:

Harley Davidson and the Marlboro Man - Mediabook Cover
Harley Davidson and the Marlboro Man: Mediabook
Wertung: 6 / 10 ★

Mit „Harley Davidson and the Marlboro Man“ schuf Regissuer Simon Wincer einen ordentlichen Action-Buddy-Movie, der mit anderen Genrevertretern durchaus gleichziehen, aber bei weitem nicht vorbeiziehen kann. Mickey Rourke und Don Johnson harmonieren überraschend gut und die Chemie passt. Gerne hätte ich die beiden nochmals in einer Fortsetzung, aber mit einem besseren Skript gesehen.

Dies ist auch das größte Manko, Drehbuchautor Don Michael Paul hätte wesentlich mehr aus den Figuren machen können. Zudem steht eine nicht ganz schlüssige und überzeichnete Geschichte im Raum, die nicht frei von Makeln ist. Das überzeugende Spiel von Mickey Rourke und Don Johnson, weiß dieses Manko auszugleichen, ebenso wie die ordentlich inszenierten Actioneinlagen.

Wer einen Buddy Movie im Stil und Qualität von Nur 48 Stunden (Kritik), Lethal Weapon oder Bad Boys erwartet dürfte enttäuscht werden, was überwiegend an dem schwachen Skript liegt. Gerettet wird der Film durch die Performance von Don Johnson und Mickey Rourke. Diese näherten sich zwar in den 90ern ihrem Karrieretief, was aber nichts daran ändert das beide mehr als gut zu schauspielern wissen. Was sowohl Rourke mit The Wrestler und Johnson in den 2000er Jahren erneut unter Beweis stellen konnten.

Bilder & Trailer mit freundlicher Genehmigung © Capelight Pictures – alle Rechte vorbehalten!