Inhaltsverzeichnis
Kann die Fortsetzung des Halloween Reboots überzeugen?
Schon im Jahr 1978 schuf Regisseur John Carpenter mit Halloween einen Slasher-Klassiker, der bis heute tief im Horror-Genre verankert ist: Die düstere Geschichte des nahezu unaufhaltsamen Michael Myers. Im 2018er Reboot waren wir Zeuge wie es Michael gelingt bei einem Gefangenen Transport zu entkommen und sich seinen Weg zurück nach Haddonfield zu bahnen, wo Laurie wohnt. Doch Laurie war nicht unvorbereitet, hat sie doch das unmenschlich Böse in Michael schon 1978 erkannt. In Halloween Kills zeigt sich das ihr Plan, Michael für immer in die Hölle zu schicken, nicht aufging. Doch in Haddonfield lauert noch eine weitere Gefahr, die Einwohner die aus Angst zu einem tödlichen Mob werden. Ob mich die Fortsetzung überzeugen konnte, enthüllt meine ausführliche Filmkritik.
Worum geht’s eigentlich in Halloween Kills?
Während Laurie schwer verwundet ins Krankenhaus gebracht wird, eilt die Feuerwehr zu ihrem brennenden Haus und wird so unversehens zu Michaels Retter. Statt in der Hölle zu schmoren, bedankt sich Michael auf seine ganz eigene Art – mit einem Massaker an den Rettungskräften. Schwer verwundet muss Laurie im Krankenhausbett liegen bleiben, während die Angst, dass Michael erneut mit unbändiger Brutalität Haddonfield heimsucht und die Bürger der Stadt heimsucht.

Diese Angst lässt die Einwohner in ihrer Entschlossenheit wachsen. Aus Angst wird alsbald Massenhysterie, der die Menschen in einen wütenden Mob verwandelt. Unter der Leitung des immer noch traumatisierten Tommy Doyle formieren sie sich um Michael endgültig zu erledigen. Doch während Michael im Verborgenen bleibt, gehen die Bewohner gegenseitig aufeinander los. Womit sich die Frage stellt: Wer ist hier das Monster, wenn die Jagd zur Raserei wird?
Die Inszenierung zeigt nun die dunkle Seite der Einwohner
Die Regie von David Gordon Green, der bereits für den Vorgänger verantwortlich war, verzichtet auf unnötigen Schnickschnack und bleibt fokussiert. Dabei gelingt es Green, das bewährte Setting von Haddonfield mit frischen Akzenten zu beleben, ohne dabei das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. So erleben wir Michael Myers erneut als nahezu lautlose Präsenz, die mit beängstigender Präzision zuschlägt. Wie schon im Vorgänger aus dem Jahr 2018 verzichten die Macher bewusst auf eine tiefergehende Erklärung der übermenschlichen Kräfte seitens Michael.

Dies bewahrt schon seit 1978 den Schrecken der Figur, denn während Kollege Jason Voorhees (Freitag der 13.: Review) als Untoter auf seine Metzel-Tour geht, hat der Zuschauer keine Ahnung woher Michael seine Macht bezieht. Was jedoch auffällt, ist die deutlich düsterere Atmosphäre im Vergleich zum Vorgänger. Der Film spielt mit Motiven wie dem wütenden Mob, der letztlich ebenso ein Chaos entfacht wie Michael selbst. Die Bilder des umherirrenden Lynchmobs, der sogar Unschuldige ins Visier nimmt, könnten nicht bezeichnender für die heutigen Zeiten sein: Stellt dies doch den Zerfall von Moral und Vernunft unter Druck erschreckend realitätsnah dar. Green gibt der Geschichte damit eine Meta-Ebene, die nachdenklich stimmt.

Technisch liefert Halloween Kills gewohnt solide Qualität: Kameramann Michael Simmonds fängt Haddonfields Straßen detailreich und mit einem oft klaustrophobischen Blick ein. Hat man doch immer wieder das Gefühl, Michael würden einem im Nacken sitzen. Unterstützt wird dieser Eindruck durch den verstörend minimalistischen Soundtrack von John Carpenter, der erneut für die musikalische Untermalung sorgte. Kaum ein anderes Thema ist so ikonisch wie die Halloween-Melodie – und auch hier bleibt sie eine treibende Kraft, die unter die Haut geht.
Die große Schwäche von Halloween Kills
Nicht unerwähnt bleiben sollte allerdings die Schwäche des Films als Mittelteil einer geplanten Trilogie. Viele Szenen scheinen ausschließlich auf den Abschluss Halloween Ends hinzusteuern, der 2022 erscheinen soll. Dadurch fühlt sich die Handlung streckenweise oberflächlich an, da sie oft Dinge aufgreift, die nicht aufgelöst werden. Damit zieht sich der Film streckenweise und man ist nicht grundlos der Meinung, das zwei Teile wohl aus ausgereicht hätten. Die Extented-Version bietet zwar ein alternatives Ende, gibt allerdings keine neuen Antworten auf Michaels eigentliche Natur.
Die Darsteller aus Halloween Kills
Halloween Kills bringt als Mittelteil einer Trilogie erwartungsgemäß den Cast aus dem 2018er Vorgänger nahezu vollständig zurück. Neben Jamie Lee Curtis (Borderlands: Review), die erneut als Laurie Strode brilliert, geben auch Akteure wie Judy Greer (Dead of Winter: Kritik) als Karen und Andi Matichak als Allyson ihren Figuren mehr Tiefe – insbesondere Greer sticht hier mit ungeahnten emotionalen Facetten hervor. Sie zeigt Karen als gebrochene Frau, die nicht nur versucht, ihre Familie zusammenzuhalten, sondern auch selbst über sich hinaus wachsen muss.

Anthony Michael Hall (Reacher: Review) ist als Tommy Doyle zu sehen. Ursprünglich ein Kind aus dem 1978er Film, der Michael gesehen und das damalige Massaker überlebte. Seine Darstellung des wütenden Anführers des Mobs ist zwar eindrucksvoll, bleibt aber etwas eindimensional zurück. Stellt man sich doch Frage, wie man sich diesem Monster entgegenstellen kann, obwohl man bereits erfahren hat, zu was Michael im Stande ist. Vielleicht war dies aber auch durchaus gewollt, um das erschreckend blinde Zerstörungspotenzial des Lynchmobs zu verdeutlichen.

In weiteren Rollen zu sehen sind: Kyle Richards, die in ihre Rolle der Lindsey aus dem Originalfilm von 1978 zurückkehrt und sich ebenfalls dem Schrecken von einst stellen muss. Troy Rudeseal (The Black Phone: Review) als Sanitäter, Andi Matichak als Allyson, Judy Greer als Lauries Tochter Karen, Will Patton als Officer Hawkins, Scott MacArthur als Big John und nicht zu vergessen Nick Castle als The Shape / Michael Myers.

Hinter der Kamera überzeugen die Veteranen: Neben David Gordon Green (Halloween Ends: Review) und John Carpenter (Flucht aus L.A.: Review), der nicht nur für den Score, sondern auch als Produzent tätig ist, tragen auch Drehbuchautoren wie Danny McBride dazu bei, das Sequel in bekannte, aber dennoch spannende Bahnen zu lenken. Besonders in der Inszenierung von Michael Myers’ Unaufhaltsamkeit zeigt sich die Liebe zum Kern des Stoffes – in jeder Szene wirkt das ikonische Monster größer, furchterregender und vor allem tödlicher.
Halloween Kills (2021) Fazit:

Mit Halloween Kills führt David Gordon Green die 2018 begonnene Neuinterpretation nahtlos fort. Visuell überzeugt der Film: Michael Simmonds‘ Kamera erzeugt ein beklemmendes Gefühl von Enge, bei dem Myers hinter jeder Ecke lauern könnte, und John Carpenters minimalistisches Theme sorgt weiterhin verlässlich für Gänsehaut. Die Kills sind expliziter und kreativer als im Vorgänger – dafür bleibt emotionale Tiefe auf der Strecke. Die Brutalität nimmt zu, das Gefühl von panischer Angst jedoch nicht.
Positiv ist der Mut zur Gesellschaftskritik: Anhand des Lynchmobs um den traumatisierten Tommy Doyle zeigt der Film, wie schnell Massenhysterie in moralischen Zerfall kippt – eine erschreckend realitätsnahe Entwicklung die zum Nachdenken anregt. Der Ansatz geht jedoch nicht ganz auf. Als Mittelteil der Trilogie wirkt vieles wie unter Vorbehalt ohne selbst zu einem runden Ganzen zu finden.
Fazit: Halloween Kills liefert kompromisslose Gewalt und mit der Kritik an blindem Hass und blinder Panik sogar eine zusätzliche Ebene. Dennoch fehlt mir die nötige Konsequenz und Konsistenz. Jamie Lee Curtis bleibt zwar das emotionale Zentrum, gerät aber überwiegend in den Hintergrund, während Judy Greer und Andi Matichak mehr Raum bekommen. Als eigenständiger Film funktioniert das Ganze nur bedingt, arbeitet der Teil doch zu sehr auf den Abschluss der Trilogie hin. Letztlich wird erst Halloween Ends zeigen, wie gelungen der zweite Teil wirklich ist. Für Fans solide Kost, mehr aber auch nicht.
Bild & Trailer mit freundlicher Genehmigung © 2021 Universal Pictures – alle Rechte vorbehalten!




