Body-Horror mit Kultpotenzial oder totaler Flop?
Die Bezeichnung „B-Movie“ oder „Trash-Film“ mag für manche abwertend klingen, doch wahre Filmfans wissen: Oft verbergen sich hinter diesen vermeintlichen „Billig-Produktionen“ echte Perlen der Filmkunst. Mit „CYST“ wagt sich Eva Habermanns Produktionsfirma Fantomfilm an das Body-Horror-Genre vergangener Tage und erschafft eine blutige Hommage an die Trash-Klassiker der 50er und 60er Jahre. Ein verrückter Arzt, ein verhängnisvolles Experiment und eine monströse Kreatur, die Jagd auf ihre Opfer macht – alle Zutaten für einen unterhaltsamen Horrorfilm sind vorhanden. Ob uns „CYST“ überzeugen konnte, verrät unsere Filmkritik.

Worum geht’s in „CYST“?
Anfang der 1960er Jahre arbeitet der besessene Hautarzt Dr. Guy (George Hardy) an einer revolutionären Erfindung: einer lasergesteuerten „Wegmach-Maschine“, die jegliche Hautanomalien wie Wucherungen, Pickel und Zysten beseitigen soll. Um potenzielle Geldgeber zu überzeugen, die für die Patentierung und Produktion seiner Erfindung nötig sind, plant Dr. Guy eine spektakuläre Demonstration. Als Versuchsobjekt soll sein neuer Assistent Preston (Darren Ewing) dienen, den der Arzt zuvor heimlich mit einer hochaggressiven Bakterienkultur infiziert.

Krankenschwester Patricia (Eva Habermann) hält die Demonstration für viel zu riskant, doch Dr. Guy lässt sich nicht aufhalten. Was als beeindruckende Präsentation gedacht war, entgleist vollständig: Die Maschine saugt sich an Prestons Rücken fest, der Laser lässt die Bakterienkultur mutieren, und innerhalb kürzester Zeit entsteht eine monströse, wachsende Kreatur, die alles verschlingt, was sich ihr in den Weg stellt. Nun beginnt ein verzweifelter Überlebenskampf in den Räumen der Arztpraxis.
Ein blutiges Fest für Genre-Fans
„CYST“ versteht sich in jeder Hinsicht als Hommage an die Trash-Horrorfilme der 50er und 60er Jahre. Die Anspielungen auf Genre-Klassiker wie „The Little Shop of Horrors“, „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder die Werke von B-Movie-Meister Roger Corman sind unübersehbar. Der visuelle Stil und die Atmosphäre des Films spiegeln diese Ära gekonnt wider, während er sich zeitgleich moderne Effekte zunutze macht. In der ersten Hälfte nimmt sich der Film noch Zeit für den Aufbau, bevor in der zweiten Hälfte Eiter und Blut literweise durch die Szenen spritzen.

Die Trickaufnahmen können überwiegend überzeugen und zeigen, dass die Macher mit viel Liebe zum Detail gearbeitet haben. Besonders die Verwandlungsszene, die stark an John Carpenters „Das Ding aus einer anderen Welt“ erinnert, ist ein Highlight für Genre-Fans. Auch der Soundtrack passt perfekt und könnte problemlos einer größeren Produktion entstammen – ein positiver Überraschungseffekt, der dem Film zusätzliche Authentizität verleiht. Wer auf noch mehr Bodyhorror steht, dem können wir auch „Black Friday (Review)“ oder etwas ernster „Superdeep (Review)“ empfehlen.
Schauspieler mit Herzblut und Overacting Deluxe
George Hardy als Dr. Guy liefert eine herrlich Over-the-Top Performance, die dem Film seinen typisch trashigen Charme verleiht. Man nimmt ihm den wahnsinnigen Arzt dank seiner überdrehten Mimik und Gestik jederzeit ab. Eva Habermann (Monster on a Plane: Review) überzeugt als Krankenschwester Patricia mit einer ernsten und glaubwürdigen Darstellung, die einen schönen Kontrast zum grotesken Chaos bietet.

Auch Darren Ewing als leidgeplagter Assistent Preston macht seine Sache gut und sorgt so für genügend Identifikationspotenzial. Die Chemie zwischen den Figuren wirkt dabei erstaunlich glaubhaft, auch wenn die Story bewusst mit Klischees spielt und diese mit Augenzwinkern präsentiert. In weiteren Rollen Greg Sestero (Gattaca: Review) und Gene Jones (The Blacklist: Review).
Cyst (2021) Kritik & Fazit:

„Cyst“ ist kein meisterhafter Blockbuster-Horrorfilm, sondern liebevoll gestalteter B-Movie mit jeder Menge Trash und Charme. Die Hommage an Klassiker von Roger Corman bis John Carpenter (Halloween: Review) ist offen erkennbar und wirkt durch das respektvolle Overacting und die handmade SFX authentisch. Zwar wirken einige Effekte – besonders das große, mutierte Auge – nicht immer perfekt, doch das Gesamtpaket macht einfach Spaß.
Fazit: Wer auf blutigen Trash, schrägen Humor und nostalgischen Body-Horror steht, bekommt mit „Cyst“ eine kurzweilige Genreperle, die mit Herzblut und Spaß am Detail punktet. Die Kombination aus B-Movie-Ästhetik, soliden Darstellern und einer konsequent überdrehten Geschichte macht „Cyst“ zu einem unterhaltsamen Horror-Erlebnis – auch abseits großer Blockbuster.
Fazit: „Cyst“ eignet sich besonders für Fans von Retro-Horror, Body-Horror-Enthusiasten und alle, die Spaß an unkonventioneller, humorvoller Trash-Unterhaltung haben. Menschen mit schwachem Magen sollten jedoch wegen der expliziten Splatter- und Eiterszenen vorsichtig sein.
Bilder mit freundlicher Genehmigung © Fantomfilm Gmbh – alle Rechte vorbehalten.




