Der Geschichte des Candyman auf den Grund gegangen!
Im Zeitalter der Remakes kehrt eine weitere Horror-Ikone auf die Leinwand zurück: Der Candyman, der Mann mit der Hakenhand und seinem Schwarm Bienen. Regisseurin Nia DaCosta („Little Woods“) wagt sich in Zusammenarbeit mit Produzent und Drehbuchautor Jordan Peele („Nope“) an die Neuinterpretation des Horrorklassikers von 1992. Nach der Rückkehr von Michael Myers in „Halloween Kills“ und dem Revival von „Scream“ schien die Zeit reif, auch den berüchtigten Candyman ins 21. Jahrhundert zu transportieren – allerdings mit deutlich verändertem Fokus. Ob uns das Sequel überzeugen konnte, verrät wie immer unsere Filmkritik!
Inhalt, Infos & Filmanalyse
Worum geht’s in „Candyman (2021)“?
Im frisch gentrifizierten Chicagoer Stadtteil Cabrini-Green sucht der aufstrebende Künstler Anthony McCoy (Yahya Abdul-Mateen II), steckt in einer Schaffenskrise und sucht nach frischer Inspiration. Bei einem gemeinsamen Abend, erzählt ihm der Bruder seiner Freundin Brianna (Teyonah Parris) von einer urbanen Legende: dem Candyman. Ein Geist mit Hakenhand, der erscheint und tötet, wenn man seinen Namen fünfmal vor einem Spiegel ausspricht. Fasziniert von dieser Geschichte fasziniert, beginnt Anthony zu recherchieren und trifft auf den Wäschereibesitzer William Burke (Colman Domingo).

Dieser erzählt ihm die Geschichte von Daniel Robitaille – einem schwarzen Mann, der einst unter falschem Verdacht, von einem Polizisten Mob brutal getötet wurde.
Inspiriert von dieser Geschichte schafft Anthony ein provokantes Kunstwerk, das zunächst auf Ablehnung stößt. Nach einem mysteriösen Doppelmord an Clive und seiner Praktikantin, rückt Anthony jedoch ins Zentrum des Kunstinteresses. Dabei beginnt er sich jedoch auch zu verändern und es ereignen sich immer mehr Todesfälle. Ist die Geschichte um den Candyman letzten Endes doch wahr?
Die Inszenierung der Auferstehung einer schwarzen Horror-Ikone
Nia DaCostas (The Marvels) und Jordan Peeles (Nope) Inszenierung verfolgt einen deutlich anderen Ansatz als das Original von Bernard Rose. Während der Film von 1992 auf klassischen Gothic-Horror und eine intensive Atmosphäre setzte, versucht das Remake oder besser gesagt Sequel, die Geschichte in einen breiteren sozialpolitischen Kontext zu stellen. Dabei erweitert Peeles Drehbuch die Mythologie des Candyman um die Leidensgeschichten mehrerer schwarzer Männer über zwei Jahrhunderte hinweg.
Visuell sticht besonders die kreative Darstellung der Mordszenen hervor, die oftmals nur im Spiegelbild oder aus der Distanz gezeigt werden. Bemerkenswert sind die künstlerischen Schattenspiel-Sequenzen, die Teile der Hintergrundgeschichte illustrieren. Diese stilistische Entscheidung verleiht dem Film eine künstlerische Note, die gut zum Protagonisten als Maler passt, dämpft aber gleichzeitig das direkten Horror Gefühl.

Problematisch ist die unentschlossene Erzählstruktur des Films. Die Mythologie des Candyman wird mehrfach umgedeutet und neu interpretiert. Was mich teils immer wieder verwirrte und so aus der Spannung riss. Durch die Neuinterpretation leidet auch das Finale, da manches nicht mehr ganz zum Originalfilm passt. Das Drehbuch versucht, zu viele Ideen gleichzeitig zu vermitteln: Der Film ist teils Remake, teils Fortsetzung, gepaart mit einer Origin-Story und einem politischen Statement, dieser Mix geht dabei leider nicht vollständig auf.
Visuell ist „Candyman“ durchaus beeindruckend. DaCostas Kameraführung nutzt geschickt Spiegel und Reflexionen als visuelle Motive, was der Geschichte eine zusätzliche Ebene verleiht. Die urbane Kulisse des neu gestalteten Cabrini-Green-Viertels wird effektiv in Szene gesetzt – der Kontrast zwischen modernen Luxusapartments und der düsteren Geschichte des Ortes ist ein wiederkehrendes visuelles Thema. Der Soundtrack von Robert Aiki Aubrey Lowe baut auf Philip Glass‘ ikonischer Originalmusik auf, entwickelt aber einen eigenständigen, modernen Sound, der die Atmosphäre wirkungsvoll unterstützt.
Die Darsteller im Check
Yahya Abdul-Mateen II (Ambulance) überzeugt als Anthony, dessen langsame Transformation sowohl physisch als auch psychisch glaubwürdig dargestellt wird. Teyonah Parris bleibt als Brianna Cartwright leider etwas eindimensional, bekommt jedoch im Finale mehr Raum zur Entfaltung. Ein Highlight ist Colman Domingo als mysteriöser William Burke, der jeder seiner Szenen Gewicht verleiht.

Die Fans des Originals dürften allerdings enttäuscht sein, dass der leider schon verstorbene Tony Todd (Candymans Fluch), der ursprüngliche Candyman, nur wenig Screentime erhält. Seine charismatische Präsenz und das diabolische Lächeln, die den ersten Film prägten, fehlen dem Remake über weite Strecken.
Ein Blick auf Infos & Extras der Blu-ray
Film & Blu-ray Details:
Candyman (2021) hat eine Laufzeit von 91 Minuten und hat eine FSK-Freigabe ab 16 Jahren erhalten. Die Bildqualität der Blu-ray überzeugt auf ganzer Linie, hier passen Farben, Kontraste und besonders der Schwarzwert sehr gut und Details bleiben in dunklen Szenen immer erkennbar. Auch die Dialogverständlichkeit des Tons ist gelungen, bleiben diese doch immer klar und verständlich. Folgende Tonformate sind enthalten: Deutsch Dolby Atmos, Deutsch Dolby TrueHD 7.1, Englisch Dolby Atmos
Englisch Dolby TrueHD 7.1. Vorhanden sind folgende Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial
Alternatives Ende, Unveröffentlichte Szenen, Sag meinen Namen, Body Horror, Aus Sicht der Regisseurin: Nia DaCosta, Kunst in Candyman, Robert Aiki Aubrey Lowes Filmmusik, Schattenspiele, Candyman: die Bedeutung des Schwarzen Horrors
Fragen & Wissenswertes (FAQ)
Wie verhält sich der Film zum Original?
„Candyman“ (2021) ist keine direkte Neuverfilmung, sondern eine spirituelle Fortsetzung des Originals von 1992. Die Ereignisse des ersten Films werden als Teil der Geschichte anerkannt. Die Neuauflage orientiert sich jedoch weniger an Clive Barkers Kurzgeschichte „The Forbidden“, die dem Original als Vorlage diente, sondern entwickelt einen eigenständigen Zugang zur Mythologie.
Wer ist für den Film verantwortlich?
Regie führte Nia DaCosta, die später auch „The Marvels“ inszenierte. Das Drehbuch stammt von Jordan Peele, Win Rosenfeld und DaCosta selbst. Peele fungierte zudem als Produzent über seine Firma Monkeypaw Productions. Universal Pictures brachte den Film nach mehrfacher pandemiebedingter Verschiebung im August 2021 in die Kinos.
Was unterscheidet die Neuinterpretation vom Original?
Während der Originalfilm die Geschichte aus der Perspektive einer weißen Forscherin erzählt, konzentriert sich das Remake auf schwarze Charaktere und thematisiert explizit systemischen Rassismus, Polizeigewalt und Gentrifizierung. Zudem erweitert der Film die Mythologie des Candyman über die Person des Daniel Robitaille hinaus.
Candyman (2021) Kritik & Fazit

Als Fan des 1992er Originals mit Virginia Madsen (The Devils Light) lässt mich diese Neuinterpretation des „Candyman“ eher zwiespältig zurück. Während der ambitionierte Ansatz von Peele und DaCosta gute Momente bietet und versucht, der Figur durch die Einbettung in die amerikanische Rassismus-Geschichte mehr Tiefe zu verleihen, funktioniert recht gut. Das generationsübergreifende tiefsitzende Trauma hätte man jedoch besser ausarbeiten können. Dazu verheddert sich der Film leider zu oft in einer einfachen Schwarz-Weiß-Darstellung der Dinge, die dem komplexen Thema wiederum nicht gerecht werden. Der eigentliche Horror bleibt auf der Strecke und die verworrene Erzählstruktur macht es leider nicht besser.
Die wenigen intensiven Szenen wirken aufgesetzt und scheinen nur dem Horrorfilm Genre-Label zu dienen. Statt einem reinrassigen Horrorfilm präsentiert DaCosta einen übernatürlichen Thriller mit einem sozialkritischen Aspekt, der für diese Art von Film nicht ganz passend wirkt. Trotzdem ist „Candyman“ per se kein schlechter Film – handwerklich ist er solide gemacht und auch die Darsteller können überzeugen. Als eigenständiges Werk ohne den berühmten Namen hätte er vermutlich besser funktioniert.
Hinweis: Das verwendete Bild- und Trailer-Material sowie das Blu-ray-Rezensionsexemplar wurden uns mit freundlicher Genehmigung von © 2021 Universal Pictures zur Verfügung gestellt – Alle Rechte vorbehalten!



