Bigfoot und die Hendersons (1987) – Mediabook Review

Ein Bigfoot namens Harry in der großen Stadt

Mit Bigfoot und die Hendersons schloss sich Regisseur William Dear dem Trend der 1980er-Jahre an. Dies war das fantastische Film-Jahrzehnt voller Fantasy Highlights die heute als Klassiker gelten, darunter, so Hits wie: „E.T. Der Außerirdische“, „Gremlins“ oder „Poltergeist“. Mittendrin stand Steven Spielberg, der als ausführender Produzent auch Amerikas wohl bekanntestem Fabelwesen einen Film widmete. So entstand eine herrliche Familienkomödie, die der Frage nachgeht: Was passiert, wenn Bigfoot vor ein Auto läuft und eine Familie ihn einfach mit nach Hause nimmt?

Wie das Mediabook von Turbine ausgefallen ist und ob mich die Fantasykomödie immer noch begeistern konnte, erfahrt Ihr in meiner Kritik.

Bigfoot und die Hendersons – Fantasie Abenteuer aus den 80ern: Trailer

Worum geht’s in „Bigfoot und die Hendersons“?

Eigentlich sollte es ein entspannter Familienurlaub werden. Doch auf der Heimfahrt aus den Wäldern läuft Familienoberhaupt George Henderson (John Lithgow) ein riesiges, haariges Wesen geradewegs vors Auto. Die Familie nimmt an, das Ungetüm getötet zu haben, und packt es kurzerhand aufs Autodach – mit heraushängenden Füßen, Schuhgröße 60+. Zurück im Vorort von Seattle stellt sich heraus: So tot ist der zottige Riese gar nicht.

Bigfoot und die Hendersons Review George und Nancy
George und Nancy trauen ihren Augen nicht

Der vermeintlich tote Waldbesucher findet auf dem Autodach seinen Weg ins Haus der Hendersons und sorgt für jede Menge Chaos. Die Familie erkennt schnell, dass das Wesen – inzwischen auf den Namen Harry getauft – sanftmütig und gutmütig ist. George beschließt, Harry zurück in sein Revier zu bringen. Doch dann läuft Harry davon, während Großwildjäger Jacques LaFleur (David Suchet) bereits die Fährte aufgenommen hat – mit einem Nummernschild, das ihn direkt zu den Hendersons führt.

Die Inzenierung zwischen Chaos, Herz und einem zotteliger Waldriese

Was „Bigfoot und die Hendersons“ von anderen Fantasyfilmen dieser Ära unterscheidet, ist der gelungene Mix aus Situationskomik und echter Herzwärme. Regisseur William Dear setzt auf das bewährte Spielberg-Prinzip: das Fantastische trifft auf den Alltag einer normalen Vorstadtfamilie. Besonders die Szenen, in denen Harry mit moderner Technik konfrontiert wird oder vor neugierigen Nachbarn versteckt werden muss, zählen zu den komödiantischen Höhepunkten.

Bigfoot und die Hendersons Review Ernie am zerstörten Kühlschrank
Sohn Ernie im zerstörten Kühlschrank

Neben all der Komik stellt der Film aber auch eine ernsthafte Frage. Am Beispiel von Dr. Wallace Wrightwood (Don Ameche) und Jacques LaFleur zeigt er, was passieren kann, wenn man ein Leben lang einem vermeintlichen Hirngespinst hinterherjagt – das eine Leben ist desillusioniert, das andere ruiniert. Das turbulente Finale bringt Herzerwärmendes und eine versöhnliche Botschaft: Nicht alles muss gejagt werden, was man nicht versteht.

Bigfoot und die Hendersons Review Geroge und Nancy
Unschuld heucheln…

Dabei bewegt sich der Film auf dem Niveau von „Das Wunder in der 8. Strasse“ (Kritik) – solide Familienunterhaltung aus der Spielberg-Schmiede, allerdings mit einer Konkurrenz, die objektiv betrachtet übermächtig erscheint. Ein Außerirdischer und ein Piratenschatz waren eben interessanter als ein Waldmensch.

Die Darsteller und das Handwerk hinter der Maske

John Lithgow (The Rule of Jenny Pen: Kritik) trägt die Komödie als panisch-hysterischer George Henderson auf seinen Schultern und liefert eine spielfreudige Vorstellung ab. David Suchet, den viele als Agatha Christies Hercule Poirot kennen, gibt einen hervorragend verbissenen Großwildjäger ab. Don Ameche spielt seinen Dr. Wrightwood souverän, die restlichen Darsteller agieren auf ordentlichem Niveau – auch wenn manche Reaktion ans Overacting heranreicht.

Das Herzstück des Films ist jedoch Kevin Peter Hall als Harry. Der leider viel zu früh verstorbene Darsteller war aufgrund seiner Körpergröße von 2,20 Metern prädestiniert für außergewöhnliche Rollen. Unter der Maske spielt er einzig mit seinen Augen – und das mit einer unglaublichen Emotionalität. Mit diesen Blicken könnte er Steine erweichen wie auch vor Schreck erstarren lassen.

Kostüm und Maske stammen vom Oscar-prämierten Maskenbildner Rick Baker, der sein Talent bereits in „American Werewolf„, Michael Jacksons Musikvideo „Thriller“ und „Men in Black“ unter Beweis gestellt hat – und das alles ohne jegliche CGI-Computereffekte. Man war vollständig auf das handwerkliche Geschick der SFX-Künstler angewiesen.

Mediabook Info & Bilder:

Mit der Veröffentlichung aus dem Hause Turbine im Juni 2023 erhält der Filmfan eine dem Film gebührende Ausgabe in Form einer Mediabook Edition (1 Blu-ray Disc / 1 DVD). Diese gibt es in sechs Cover-Designs, jeweils limitiert auf 333 Stück. Für diese Rezension lag mir Version Cover B vor.

Wissenswertes zu Film & Blu-ray (FAQ)

Bigfoot und die Hendersons (1987) Fazit:

Bigfoot und die Hendersons Mediabook Cover Blu-ray
Bigfoot und die Hendersons: MB
Wertung: 7 / 10 ★

„Bigfoot und die Hendersons“ ist eine herzerwärmende Familienkomödie aus der Spielberg-Schmiede, die bis heute funktioniert. Die Geschichte um einen sanftmütigen Waldriesen, eine überforderte Vorstadtfamilie und einen verbissenen Großwildjäger bietet viel Situationskomik, einen sympathischen Cast und eine kleine Message über Toleranz und Menschlichkeit.

Dass der Film seinerzeit nicht an den Erfolg von „E.T.“ oder „Gremlins“ heranreichte, lag weniger an seiner Qualität als an einer schlicht übermächtigen Konkurrenz. Heute betrachtet ist „Bigfoot und die Hendersons“ (Original: Harry and the Hendersons) ein charmantes Zeitdokument der 80er-Jahre-Fantasyfilm-Ära – sehenswert für alle, die Spaß an fantasievollen Familienfilmen haben.

Bezüglich Turbines Veröffentlichung lässt sich sagen: Der Film kann nun erstmals in hervorragender Bild- und Tonqualität genossen werden – damit hat die suboptimale DVD-Veröffentlichung endlich ausgedient.

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